Die sparsame Alternative

Man kann Menschen eine Menge erzählen, wenn man einen hinreichend großen Etat für Werbung hat. Oft hat diese moderne Fabulier- und Erzählkunst, wenn sie gut durchgeführt wird, sogar eine Wirkung; viel zu häufig glauben Menschen denn, dass es stimme, was da erzählt wird. Man kann den Menschen sogar erzählen, dass etwas „sparsam“ ist — dieses Wort ist ja immer recht relativ zu sehen. Ein Space Shuttle ist zum Beispiel relativ „sparsam“, wenn man ihn dem Konzept einer konventionellen Rakete gegenüber stellt…

Aber um Weltraumfahrt geht es hier nicht, sondern ums Heizen. Man kann den Menschen nämlich auch erzählen, dass elektrisches Heizen eine „sparsame Alternative“ sei — wenn man verschweigt, zu welcher anderen Form es denn nun die Alternative sein soll.

EVO (R) - Die Elektroheizung - Die sparsame Alternative

Es gibt dann vielleicht sogar Menschen, die das glauben, was da als ganzseitige Reklame in der Postwurfsendung „Einkauf Aktuell“ mit mechanischer Routine in den Briefkasten geworfen wird. Diese Menschen fragen sich denn auch nicht mehr, wie es sparsam sein kann, wenn man etwas irgendwo verbrennt, mit einem Wirkungsgrad von weniger als 100 Prozent in Elektrizität umwandelt, unter beachtlichen Verlusten über ein Leitungsnetz transportiert, um es schließlich durch so etwas ähnlichem wie einen Kurzschluss wieder in Wärme zu verwandeln. Diese Menschen fragen sich denn eben so wenig, ob eine direkte Verbrennung — mal so rein logisch betrachtet — nicht vielleicht ein bisschen günstiger und damit sparsamer sein sollte.

Natürlich beugt eine derartige Werbung auch einem solchen Gedanken vor, indem sie entsprechende Symbolbilder einbettet…

Symbolbilder für den elektrischen Strom

…die in ihrem kühlen blauen Farbton und in ihrer Themenwahl jeden Gedanken daran vergessen machen, dass ein erheblicher Teil des elektrischen Stromes immer noch durch Verbrennung erzeugt wird. Auch der nahe liegende Gedanke an die Kernkraft wird von diesen Bildern völlig vermieden. Sonst merkt vielleicht noch jemand, wie absurd die Idee einer elektrischen Heizung ist; ja, vielleicht merkt sogar jemand, dass die postulierte „Sparsamkeit“ und „Alternativität“ einer solchen Heizung sehr relativ — nämlich im besten Falle relativ zu anderen Formen des elektrischen Heizens — zu betrachten ist.

So ein Werber weiß eben, was er tut. Er weiß, was er zu verschweigen hat, und er weiß auch, was er so in Bildern zu sagen hat, dass niemand daraus den Vorwurf irre führender Information herleiten kann. Dass so ein Werber weiß, was er tut, das ist der tiefere Grund dafür, dass ich jeden Werber hasse.

Aber so ein Werber weiß natürlich noch etwas. Er weiß, dass es bei der postulierten Sparsamkeit auch auf ein paar Zahlen ankommt, und unser Werber hat auch ein paar Zahlen ausgegraben und visualisiert:

Elektrisch heizen ist nicht teuer. Dies wird hier mit der Energiepreisentwicklung aus ein paar Zahlen der Europäischen Kommission belegt, die allerdings nur bis zum Jahr 2001 reichen, da leider leider keine offiziellen Zahlen für den Zeitraum von 2002 bis heute vorliegen...

Tja, wenn man so sieht, wie Gas und Öl immer teurer werden, während der Strompreis erfreulich konstant bleibt, denn fragt man sich unwillkürlich, warum einem die Stromkosten in den letzten Jahren langsam auffraßen. Aber zum Glück gibt es da noch etwas Kleingedrucktes, dem man entnehmen kann, dass diese Zahlen nur bis zum Jahr 2001 reichen. Und — welch Jammer! — offizielle Daten der Europäischen Kommission für den jüngeren Zeitraum liegen gar nicht vor. Auf andere offizielle Daten — etwa des Bundesamtes für Statistik — wurde lieber verzichtet, damit der gewünschte EIndruck in dieser Werbung bestehen bleibt.

Und ebenfalls wurde auf jede Erwähnung der Tatsache verzichtet, dass sich die großen Stromkonzerne seit ein paar Tagen — übrigens dank einer europäischen Regelung — ihre Preisgestaltung nicht mehr vom jeweiligen Staat genehmigen lassen müssen. Schließlich ist das hier kein politisches Magazin und auch nicht so recht eine Information für Verbraucher, sondern eine Reklame. Und die weist lieber auf andere Vorzüge hin:

Bei EVO-Elektroheizungen entstehen keine Nebenkosten wie zum Beispiel Bevorratung, Wartung, Reparaturen...

Das ist doch wirklich tröstlich, oder? :mrgreen:

Und deshalb sollen die Menschen jetzt unbedingt damit beginnen, elektrisch zu heizen, egal, ob sie ihren Wohnquader umbauen, renovieren oder gerade neu errichten:

Ideal für Umbau, Renovierung, Neubau.

Gerade bei einem Neubau sollte unbedingt auf ausschließlich elektrisches Heizen gesetzt werden. Die großen Stromkonzerne werden es Ihnen danken.

6 Kommentare

  1. Das Argument, dass Stromheizungen nie, aber wirklich NIE kaputt gehen (denn sonst würden ja Reparaturkosten anfallen) überzeugt mich aber wirklich total!
    Also Elias, alles schlechtmachen musst du ja nun auch nicht 🙂

  2. hab gerade von jemandem erfahren, der mit Photovoltaikstrom heizen will … der zweite Hauptsatz der Thermodynamik wird eben auch nicht in der Schule gelehrt.

    • So Liebe Leute! Fakt ist wenn man Strom selbst erzeugt, dann kann diesen selbst verbrauchen oder es verkaufen. Der Strom ist NICHT umsonst, auch wenn man diesen selbst herstellt. Der Grund ist ganz einfach. Ist die PV-Anlage umsonst? Ich glaube bei keinem. Ist es besser den Strom zu verkaufen und auf die positive Amortisationsdauer von ca 20 Jahren? Die Frage ist heute (19.06.2012) als NEIN zu beantworten. Es ist besser den Strom nicht zu verkaufen, sondern selbst verbrauchen, nicht aber für elektrischen Heizstrom Laut meiner Masterarbeit wird der Strom in ca 15 Jahren auf dem Dänen (Dänemark Strommarkt) sich angleichen. Grund ist das EEG und die verschiedenen „Ver-/Gebote“. Auch außerhalb der Städten kann man mit Flüssiggas (und Flüssiggastank) heizen. Damit würden die Investitionskapital schon nach 8 Jahren wieder drin sein. Natürlich kommt es auf das sparsame Heizen.
      Wer vor 2012 eine PV-Anlage erbauen lassen hat, der sollte den Strom komplett verkaufen und nach 20 Jahren auf Eigenverbrauch umstellen. Dabei müsste noch ein zusätzlicher Zähler eingebaut werden, für welchen man an seinen Versorger Grundmiete zahlt.

  3. Dazu übrigens sehr interessant:

    http://www.solarresearch.org/20061121_BR_Profile_Ederer.wmv

  4. 2Psychopirat:
    Sind „Atomkraft oder Kerze!“ Halbwahrheiten plakativ ins Bild gesetzt interessant? Interessant wäre zumindest gewesen, dass dieser Download über 100 MB groß ist und dass http://www.solarresearch.org/ nach solarkritik.de umleitet und dort nur einseitig die Solarnutzung schlecht gemacht wird (und auch noch frech Gegenteiliges behauptet wird) und nix mit solarer „Forschung“ wie der Domainname suggeriert.
    Einmal mehr: Danke verarschen kann ich mich selbst.

  5. Wow! 100 MB! Da muss aber jemand großen Mitteilungsbedarf haben, wenn man den Mitteilungsbedarf in Datenmenge messen darf… 😉

    Ach, wie schön waren die Zeiten des Text-Internet!


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