Tag des Deutschen Butterbrotes

Heute ist einer dieser ganz „wichtigen“ Tage im Jahr, meinen die Reklamefritzen vom CMS, denn heute, am 28. September 2012, ist der vierzehnte Tag des Deutschen Butterbrotes.

Ein von Reklameheinis (also: professionellen Lügnern) ersonnenes „Ereignis“ von so bestürzender und erschütternder Unwichtigkeit sieht man nur selten. Ist es für jeden unwichtig? Aber nein, nicht für jeden. Die Tagesschau des BRD-Staatsfernsehens ARD, die ja in knochentrockenen Abwägungen ihre Relevanzkriterien für Meldungen sicherstellt, hat gestern vor zehn Jahren die folgende Meldung im Programm gehabt:

2002-09-27 09:22:36

Vierter Tag des Deutsches Butterbrotes

Gutes Brot und gute Butter sollen in Deutschland neben Bagel und Croissant nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb wird heute der Tag des Deutschen Butterbrotes zelebriert – eine Intiative der Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft, die bundesweit 150.000 Butterbrote verteilt.

Die Einen sagen Bemme, die Anderen Stulle und alle meinen das Butterbrot, dessen Ehrentag die Deutschen heute begehen. Mit 150.000 Butterbroten will die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) ganz offiziell auf die traditionelle deutsche Köstlichkeit aufmerksam machen. In 15 Städten verteilen die Mitarbeiter deshalb auf den Bahnhöfen an hungrige und weniger hungrige Reisende Stullenpakete. Denn: „In Maßen genossen, ist auch Butter zusammen mit Brot gesund“, meint CMA-Projektleiterin Kirstin Jagusch.

Werbung für das Butterbrot

Brötchen, Bagel und Croissant machen dem alten Butterbrot immer mehr Konkurrenz. Doch es geht den Veranstaltern auch darum, für ein Frühstück zu Hause zu werben, denn immer mehr Deutsche verlassen ohne die erste Mahlzeit ihre Wohnung. Noch bringen es die Bundesbürger im Pro-Kopf-Verbrauch auf 6,5 Kilogramm Butter im Jahr, aber die Menge nimmt ab.

Im Vorjahr gab es in der Hauptstadt einen Versuch für das Guinnessbuch der Rekorde. Helfer hatten eine 18 Quadratmeter große Brotscheibe mit 54 Kilogramm Butter bestrichen. Das angeblich größte Butterbrot sei aber noch nicht ins Rekord-Buch eingetragen, sagte Jagusch.

Die Butter kam in Deutschland erstmals im Spätmittelalter aufs Brot. Handelsschiffe brachten Fässer mit dem Fett aus Norwegen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden in deutsche Städte.

Ich würde diese Tagesschau-Meldung gern verlinken, aber wegen der von den Verlegern in der BRD erzwungenen Depublizierung steht sie auf der Tagesschau-Website nicht mehr zur Verfügung. Ich habe im Land des erzwungenen Vergessens deshalb diese Meldung aus einem internen Export, der von einem Unbekannten veröffentlicht wurde zitiert — und zwar nur, um auf diese Weise kurz daran zu erinnern, wie es mit dem Relevanzkriterien für eine Tagesschau-Meldung aussieht: Irgendeine Bullshit-Reklameidee der geldmächtigen Großindustrie ist im Zweifelsfall immer mal eine Meldung wert. Wenn hingegen mitten in der reichen EU Menschen massenhaft verarmen und für bloßes Existenzrecht friedlich auf die Straße gehen, um sich von den Knüppelbullen der Besitzenden und Bankverbrecher niederprügeln zu lassen, während den Bankverbrechern der Reichtum der Menschen von einer korrupten Bande von P’litikern geschenkt wird — ja, dann ist das für die gleiche Tagesschau eher irrelevant. Und wer an solchen unmenschlichen Maßstäben als Mensch Zweifel äußert, ist nur Bestandteil eines kleinen Shitstürmchen, das die Tagesschau-Macher einfach ignorieren.

Das sollte nicht vergessen werden. Sonst fängt man womöglich noch an, die propagandistische Meldungsauswahl einer Redaktion des BRD-Staatsfernsehens mit der Wirklichkeit zu verwechseln…

Advertisements

Danke, liebe Tagesschau!

Unterhaltung fragt nach dem, was gefällt. Journalismus sollte danach fragen, was ist.

Irrelevant: Eine kleine Demonstration von 4000 'Linken' - bei der Tagesschau kennen wir Wichtigeres

Danke, liebe Tagesschau der ARD, dass du mich über deine Relevanzkriterien aufgeklärt hast, die du in „knochentrockenen Abwägungsprozessen“ sicherstellst.¹

Danke, liebe Tagesschau der über eine Zwangsgebühr auch von Fernsehverweigerern finanzierten ARD, dass du klar gemacht hast, dass für dich „nach Abwägung aller nachrichtlichen Kriterien“ ein paar Wasserspiele im fernen Taiwan relevanter sind als die Massenverelendung der Menschen in Spanien, immerhin einem Mitgliedsstaat der reichen EU. Einer EU, die Billionenweise einer asozialen und organisiert kriminellen Bande von Bankverbrechern das Geld der Menschen in den Anus stopft, statt dieses Pack (und selbstverständlich alle seine beflissenen Schergen in der P’litik) vor ein Gericht zu stellen und für ihre Taten zur Verantwortung zu ziehen. Was bedeutet es schon, dass zwei Millionen Kinder in Spanien unterernährt sind, wenn man schöne Tittitainment-Meldungen mit hübschen, unterhaltsamen Filmchen bringen kann?

Danke, liebe Tagesschau, dass es für dich keine Relevanz hat, wenn eine friedliche Demonstration unbewaffneter Menschen mitten in einem Europa, das in jeder Sonntagsrede von Freiheit, Demokratie und allgemeinem Wohlergehen der Menschen faselt, mit einer Polizeigewalt jenseits jeder Verhältnismäßigkeit niedergeknüppelt wird. Da weiß man, was man ganz allgemein von euren staatsfernsehhaften Relevanzkriterien zu halten hat und ist froh darüber, dass es inzwischen ein Internet gibt, in dem man solche für euch irrelevanten Ereignisse ohne eure ganz speziellen Relevanzfilter verfolgen kann. Da braucht man keine Nachrichten mehr, in denen einem irgendwelche Speichellecker der classe polique und der Besitzenden die Geschehnisse nachrichten, damit man sich auch ja danach richte.

Und danke, liebe Tagesschau, dass du solchen Unwissenden wie mir in deiner großmütigen Arroganz völlig klar gemacht hast, was eine begründete Kritik an deinen total wichtigen, autoritären und jenseits jeden vernünftigen Zweifels stehenden Auswahlkriterien für Nachrichtenthemen ist: Ein Shitstorm ist das für euch, mehr nicht. Und der geht euch bei eurer Arbeit natürlich am Arsche vorbei, weil ihr ja Rundfunkgebühren bekommt — eine von jedem Menschen (auch Fernsehverweigern) in der BRD eingezogene Zwangsabgabe, die einer Kopfsteuer zur Subventionierung eurer Tätig- und Tätlichkeiten gleichkommt.

Ich muss mich dafür bei dir bedanken, liebe Tagesschau. Ich wusste zwar schon vorher, was du bist, aber so deutlich, wie du es jetzt mir und allen anderen Menschen gemacht hast, hätte ich es nie gesagt. Es waren übrigens, was jeder Mensch auch mit bescheidenen Internetzugang leicht recherchieren kann, mehr als die 3000 Demonstranten, von denen du bei deiner Berichterstattung über die kleine Demonstration gefaselt hast, und diese waren keine „Linken“, wie du es deinen Zuschauern erzählen wolltest, sondern Menschen, die im Zeitalter einer gnadenlosen Bankenmästung auf Kosten der Allgemeinheit ihr verdammtes Lebensrecht als Menschen eingefordert haben. Es ist beinahe gut, dass du so etwas nicht im Nachhinein als peinlichen Fehler, sondern als die knochenhart erarbeitete Absicht deiner Berichterstattung hinstellst, damit auch wirklich noch jeder Denkbehinderte bemerken kann, dass du nichts weiter bist als eine stinkende Propagandaschleuder; die Aktuelle Camorra voller Hofberichterstattung für Bankster, Großindustrielle und ihre p’litischen Komplizen.

Von ganzem Herzen wünsche ich dir und mir Zustände, in denen Schreibtäter wie deine Gestalter, liebe Tagesschau, für ihre Mittäterschaft zur Verantwortung gezogen wurden. Und für ihre merkbefreite Arroganz genau die allgemeine Verachtung erfahren, die sie sich verdienen.

¹Der Link geht auf eine archivierte Version des Textes, da auf der Tagesschau-Website immer wieder Inhalte verschwinden oder ohne Kenntlichmachung nachträglich geändert werden.

DITIB: Offener Brief an Merkel zur „Vermisst“-Kampagne

Quelle: Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. — der Offene Brief wird ja gerade auch von einigen Medien zitiert, aber der Link auf die Quelle wird dabei regelmäßig unterlassen.

Sehr geehrte Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel,

wie auch aus unserer Korrespondenz mit dem Bundesinnenministerium und den Medienberichten zu entnehmen, gibt es nun schon seit Monaten eine mittlerweile offene Auseinandersetzung zwischen dem Bundesinnenministerium und den muslimischen Religionsgemeinschaften im Rahmen der „Initiative Sicherheitspartnerschaft“ über Form und Inhalt der Zusammenarbeit, die mittlerweile zum Austritt der DITIB, VIKZ, ZMD und IGBD aus dieser Kooperation geführt hat. Anlass waren unüberbrückbare Differenzen bezüglich der vom Bundesinnenministerium vorbereiteten Plakat- und Postkartenaktion „Vermisst“.

Von Anfang an hatte sich das Bundesinnenministerium wenig zugänglich für die Bedenken der muslimischen Religionsgemeinschaften gegenüber der „Vermisst“-Aktion gezeigt. Vergangenen Donnerstag (20.9.2012) hat es dann die Plakataktion, die Teil der Kampagne ist, zwar verschoben, aber angekündigt, die restliche Kampagne, so auch die Verteilung von Postkarten, planmäßig fortzuführen.

Nun wählte das Bundesinnenministerium die Keupstraße in Köln-Mülheim, an der die Terrorzelle NSU 2004 eine Nagelbombe gezündet und 22 Menschen verletzt hatte, für den Start ihrer Kampagne „Vermisst“ aus. Das BMI beginnt also seine Aktionen, mit der es nach eigenen Angaben behauptet, der „Radikalisierung von Jugendlichen und jungen Menschen“ entgegen treten zu wollen, an einem Ort und bei Betroffenen, die selbst Ziel eines terroristischen Anschlags waren.

Als Türkisch-Islamische Union DITIB bitten wir Sie, Frau Bundeskanzlerin, darum, sich persönlich mit den Auswüchsen der „Vermisst“-Aktion des Bundesinnenministeriums zu befassen, bei dem das BMI jeden Maßstab der Machbarkeit und jegliche Sensibilität verloren zu haben scheint. Insbesondere halten wir es auch für einen Affront all denjenigen gegenüber, die bei der Gedenkfeier für die Opfer des NSU-Terrors im Februar glaubhaft ihre persönliche Betroffenheit und Anteilnahme zum Ausdruck gebracht hatten.

In der Kölner Keupstraße waren im Auftrag des BMI an ortsansässige Geschäftsleute durch eine Fremdfirma Pakete mit Postkarten, auf denen die bekannten Motive aus der „Vermisst“-Aktion abgebildet sind, abgeliefert worden. Dass sich unter den Belieferten auch Geschädigte aus der in der Keupstraße von der NSU gezündeten Nagelbombe befanden, führt die Instinktlosigkeit und fehlende Sensibilität des Ministerium nur zu deutlich vor Augen.

Dass aber ausgerechnet die Kölner Keupstraße als Startort ausgewählt wurde, erweckt den Eindruck, hiermit eine versteckte, aber klare Botschaft an die Muslime im Land senden zu wollen. „Wir lassen uns von niemandem vorschreiben, wie wir unsere Aktionen durchführen“, erscheint hier als Haltung, die auch zu dem Restbild passt, das das Bundesinnenministerium im Rahmen der „Initiative Sicherheitspartnerschaft“ abgegeben hatte. Diese hartnäckige Haltung hatte dann auch dazu geführt, dass vier muslimische Verbände die Sicherheitspartnerschaft verließen.

Obwohl mittlerweile nur noch zwei Organisationen in der Sicherheitspartnerschaft verblieben sind, sieht das BMI darin keinen Grund, seine Haltungen zu überdenken, geschweige denn seine Kampagne zu stoppen. Das unverminderte Fortführen der „Vermisst“-Kampagne lässt auch den Schluss zu, dass die muslimischen Verbände für die Sicherheitspartnerschaft als reine Kulisse und nicht als Partner benötigt wurden.

Dieser misslungene Start der Kampagne wirft Fragen auf. War es reiner Zufall, dass das BMI die Kölner Keupstraße auswählte? Wenn es kein Zufall war, wussten die Organisatoren aus den Meldungen zum NSU-Terror, der das ganze Land erschüttert hat, nicht, dass es sich um einen der Anschlagsorte handelte? Wenn die Organisatoren sich der Bedeutung des Ortes bewusst waren, was genau bezweckten sie mit dieser Auswahl des Ortes? Ist in der Auswahl des Ortes eine versteckte Botschaft an die Muslime oder allgemein die Migranten im Land verbunden?

Bedenkt man aber, dass nur solche Städte, in denen das BMI eine Zielgruppe für ihre Kampagne vermutet, für die Verteilung der Postkarten sorgfältig ausgewählt wurden, so ist von einem bewussten Umgang mit den Orten auszugehen. Begonnen wurde die Aktion in Köln, dem Standort der meisten muslimischen Religionsgemeinschaften, und erst einige Tage später sollten die anderen Städte folgen.

Während der Teilnahme an der „Initiative Sicherheitspartnerschaft“ hatten sich die muslimischen Religionsgemeinschaften immer wieder dafür ausgesprochen, den NSU-Terror und die wachsende Anfeindung gegenüber Muslimen zu thematisieren, was vom Bundesinnenministerium nicht besonders berücksichtigt wurde. Dass das BMI zum Schluss das Thema NSU dadurch mit in die Diskussion aufnehmen würde, dass es einen symbolisch zu nennenden Ort für ihren Kampagnenstart auswählt, ist sicher nicht reine Ironie des Schicksals.

Mit diesem Brief, Frau Bundeskanzlerin, möchten wir Sie darum bitten, sich persönlich für den Stopp der Kampagne-„Vermisst“ einzusetzen, die nun seit Monaten zu einer gravierenden Missstimmung in der Zusammenarbeit zwischen dem Bundesinnenministerium und den muslimischen Religionsgemeinschaften führt und die sich – wegen des fehlenden Respekts und Vertrauens – hoffentlich nicht negativ auf die Zusammenarbeit in anderen Rahmen auswirken wird.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Ali Dere
DITIB Vorstandsvorsitzender

Wie der allerwerteste Herr Innenminister mit braunem Terror umgeht, hat sogar das BRD-Staatsfernsehen ZDF in der Abschlusssatire der letzten Frontal-21-Sendung zu einer zwar nur gebremst ätzenden, aber dennoch trefflichen Satire gereizt:

Innenminister Hans-Peter Friedrich ist nämlich nicht nur auf einem (und zwar nicht dem linken) Auge blind, sondern auf einer ganzen Gehirnhälfte.

Scheiß RTL-Logo

Der Sender RTL hat T-Shirts mit der Aufschrift „Scheiß RTL“ gerichtlich verbieten lassen. Das Landgericht Köln gab am Dienstag einer Zivilklage des Senders statt. Der Grimme-Online-Award-Preisträger Holger Kreymeier hatte den Firmenslogan „Mein RTL“ umgeändert, indem er das Wort „Mein“ durch „Scheiß“ ersetzte. Die Shirts verkaufte er im Internet. […] Das Landgericht sieht in der Aktion einen Verstoß gegen das Markenrecht, weil das typische RTL-Logo verwendet worden war. Die Idee habe nichts mit Satire zu tun, sondern sei eine plumpe Schmähung, entschieden die Richter. Von Kunst- oder Meinungsfreiheit könne nicht gesprochen werden.

Wenn man den Scheiß in der BRD nicht mehr Scheiß nennen darf, weil dann der Arsch, aus dem dieser Scheiß hervorquillt, vor Gericht zieht und erfolgreich das käufliche Recht für beleidigte Leberwürste in Anspruch nehmen kann, dann kann in der Tat nicht von Kunst- oder Meinungsfreiheit gesprochen werden. Als ob man das amöbenhafte Logo dieses Gossensenders noch weiter verunglimpfen könnte, als er es jeden Tag mit seinem menschenunwürdigen Programm für Entseelungsreste und andere menschförmige innere Leeren tut!

Nun gut, Scheiß-RTL: Das folgende Bild enthält eurer verkacktes Logo (das übrigens etwa so viel schöpferische Höhe wie ein Hundehaufen hat), und es ist meiner Meinung nach unzweifelhaft eine Satire und fällt damit unter die Freiheit der Kunst. Wollt ihr vielleicht mal klagen?

Bei uns sind Menschen weRTLlos

Hier noch der Link, den die „Qualitätsjournalisten“ vom Süddeutschen Klopapier ihren Lesern vorenthalten: Die Website von Fernsehkritik.tv

Technischer Aberglaube: Nazidatei

Screenshot ZDFtext: Neues Neonazi-Zentralregister in Betrieb - Opposition zweifelt

Aus einem schwer nachzuvollziehenden Grund glauben P’litiker, dass sich Probleme durch das Anlegen einer Datei lösen lassen, in der gesammelte Daten zusammenfließen. Dass die offenbar zahlreichen braunen Sympathisanten und Sympathisantinnen aus Polizeien, Verfassungsschutz und MAD in dieser Datei auftauchen werden, ist allerdings eher unwahrscheinlich — sie geben ja selbst die Daten ein…

Das ist deine Privatsphäre bei Blizzard!

Das ist deine Privatsphäre bei Blizzard! Screenshot, der aus World of Warcraft heraus angefertigt wurde, mit sichtbar gemachter digitaler Signatur.

Zur Ansicht des Bildes in Originalgröße Vorschaubild anklicken.

Wenn aus dem immer noch recht beliebten Online-Spiel »World of Warcraft« heraus ein Screenshot im JPEG-Format angefertigt wird, dann enthält dieser Screenshot eine für den menschlichen Betrachter zunächst unsichtbare digitale Signatur, in der (mindestens) die aktuelle Uhrzeit (auf dem verwendeten Server), der Benutzername und die IP-Adresse des verwendeten Servers abgelegt werden. Diese unsichtbaren Zusatzinformationen werden seit mehreren Jahren in den JPEG-Bildern abgelegt.

Es ist für Blizzard also möglich, nachzuvollziehen, von welchem Spieler ein im Internet veröffentlichtes Bild gemacht wurde.

Weitere Anmerkungen

Es handelt sich nicht um normale JPEG-Artefakte, die von Verschwörungsspinnern überinterpretiert werden. Im Screenshot oben — ich habe die Strukturen mit der Kantenerkennung in GIMP sichtbar gemacht — kann man sehr deutlich die typische Blöckchenstruktur einer JPEG-Komprimierung etwa über den Wolken erkennen. Diese unterscheidet sich schon für das bloße Auge strukturell deutlich von den Rechtecken, in denen bitweise codierte ASCII-Zeichen abgelegt wurden (die Bitreihenfolge muss zum Lesen umgekehrt werden).

Die codierten Informationen werden über einen großen Bereich des Bildes zyklisch wiederholt, mutmaßlich, um durch diese Redundanz immer eine sichere Lesung der versteckten Daten zu erreichen.

Es handelt sich um eine echte und von Blizzard heimlich im Programm verbaute Tracking-Funktion für Screenshots. Dass eine eindeutige Zuordnung eines Screenshots zu einem Spieler möglich ist, wurde niemals von Seiten Blizzards kommuniziert.

Ich frage mich seit einigen Stunden, was der Zweck dieser (doch mit gewissem Aufwand realisierten) Überwachungsfunktion ist, und ich kann mir nur eines vorstellen: Vermutlich dienen diese Informationen, um Cheater zu identifizieren. Wenn ein Cheat veröffentlicht wird, dann werden dabei nahezu immer erläuternde Screenshots gemacht, und Blizzard kommt so an die WoW-Identität der Cheater, die sich mit den Anmeldedaten kombinieren lässt, um des Cheaters habhaft zu werden. Es handelt sich, wenn dies zutrifft, sozusagen um eine privatwirtschaftliche Rasterfahndung, bei der eine große Menge von Menschen präventiv und anlasslos überwacht wird.

Weiterführende Links

Wer gut englisch lesen kann, sollte sich die ganze Geschichte bei ownedcore.com nicht entgehen lassen. Deutschsprachige Artikel gibt es zurzeit bei WinFuture, bei Gamestar und bei Golem.

P’litisch genehme Wut

Ich bin so wütend, ich hab ein Schild gemacht