Wachstum schafft Arbeitsplätze

Nur, um einmal kurz darauf hinzuweisen, wie es jenseits dieser seit Jahren in die Hirne gebeizten Propaganda aussieht, mit der man die Menschen in der BRD Kröten schlucken macht.

Der Gewinn der DAX-Unternehmen ist um 66 Prozent gestiegen und fiel auch höher aus als im Jahr 2008 (bevor die Finanzkrise auch in Bilanzen spürbar wurde), die Anzahl der Mitarbeiter dieser Unternehmen hat sich dabei um ein einziges Prozent erhöht. Dass die Mitarbeiter dabei für meist etwas mehr Arbeit deutlich weniger Lohn als vor ein paar Jahren bekommen, verschweigt die hier verlinkte springersche Welt natürlich.

Wer Lust darauf hat, zum Taschenrechner zu greifen und mal hochzurechnen, welche Gewinnwunder passieren müssten, damit die „Vollbeschäftigung“ herrscht, der rechne! Unterdessen wird weiter über alle stinkenden Kanäle der Massenmedien die Lüge von Wachstum = Arbeit für alle = allgemeines Wohlergehen verbreitet, während man seine Fortschritte bei der Einführung der Sieben-Tage-Woche bei vollem Lohnverzicht macht und für immer mehr Menschen ein Leben auf Armutsniveau bei einer 40-Stunden-Woche Wirklichkeit wird.

Übrigens ist absehbar, wie auf solche Zahlen — wenn sie überhaupt öffentlich genug wahrgenommen werden — von den Propagandaarschlöchern reagiert werden wird. Sie werden nach dem Vorbild der Religion in die immer ferner rückende Zukunft vertrösten, sie werden davon sprechen, dass die Gewinne von heute die Investitionen von morgen und damit die Arbeitsplätze von übermorgen sind. Dabei wird der Großteil der Investionen von morgen in Wirklichkeit darin bestehen, mehr technische Infrastruktur zu schaffen, die es ermöglicht, dass immer mehr Arbeit von immer weniger Menschen bewältigt werden kann — und wenn das „Jobwunder“ erwartungsgemäß ausbleibt, wird man weitere Steuersenkungen für jene fordern, die schon so vermögend sind, dass es auf ein paar Millionen Euro mehr oder weniger gar nicht ankommt. Es ist nicht einmal einfallsreich, es ist seit anderthalb Jahrzehnten die gleiche idiotische Liturgie, die von allen Mietmäulern und sonstigen Hackfressen in den p’litischen Talkshows des BRD-Staatsfernsehens runtergesungen wird, während eigens dafür ausgesuchte, dekorativ im Studio platzierte hirnlose Jubelperser zu dieser unerträglichen Schmalspur-Rhetorik johlen und klatschen, auf dass die Zuschauer sich auch so richtig fremdbestimmt ihre Empörung machen lassen. Die als besonderes Milliardärsprivleg auf tote Bäume gestempelte Journaille besorgt dann den Rest mit dem pseudosachlichen Ton ihren zum Hohn „Journalisten“ gerufenen Schreibtischtäter, indem sie diesen Lügen in allerlei Kommentaren, Leitartikeln und fröhlichen Zahlenspielereien den Anstrich der Seriosität gibt.

Vampire werden eben nicht satt.

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Ein reines Brüderle der besitzenden Klasse

Rainer Brüderle, so genannter „P’litiker“ und gegenwärtig Hauptdarsteller im Wirtschaftsministerium, um von den wahren Machtverhältnissen abzulenken, hat mal klar gemacht, wie es mit der P’litik in der BRD wirklich aussieht:

[…] Herr Dr. Keitel machte darauf aufmerksam, dass derzeit eine Meldung über die Ticker laufe, wonach die Bundesregierung am Nachmittag ein Moratorium der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke bekannt geben wolle. Der Minister bestätigte dies und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien. Er sei ein Befürworter der Kernenergie in Deutschland und für ihn sei klar, dass die energieintensive Industrie in der Wertschöpfungskette gebraucht werde. Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde.

Für den Rest der Menschen in der BRD ist damit zumindest klar geworden, dass solche Typen wie Brüderle und der ganze Rest dieses Politbüro gegenüber der Mehrheit der Menschen in der BRD mit gespaltener Zunge sprechen. Wenn der Wahlkampf durch ein schweres AKW-Unglück in Fukushima versalzen wird, denn wird halt rasch gegenüber dem Stimmvieh ein bisschen Nachdenklichkeit und Einhalten simuliert und davon gefaselt, dass die Nutzung der Kernenergie jetzt total gründlich auf dem Prüfstand kommt, damit auch weiterhin wenigstens diejenigen Menschen in Deutschland ihr Kreuz bei den Schwatzgelden schlagen, die sich leicht von ein paar Wörtchen dieser p’litischen Hütchenspieler beruhigen lassen, wenns brennt. Und gegenüber versammelten Wirtschaftsvertretern wird dann die Wahrheit über derartige Pläne ausgesprochen — ist ja klar, in der Runde dort beim BDI war so ziemlich alles an organisierter Wirtschaftskriminalität versammelt, was die P’litik in Deutschland finanziert. Nein, solchen Leuten gegenüber zeigt dieses Brüderle des großen Geldes keine Verachtung, der verachtet nur die Wahlberechtigten. Gegenüber seinen Freunden mit dem großen Spendenaufkommen verachtet er die Wahlberechtigten (und damit den größten Teil der Menschen in Deutschland) sogar ganz offen.

Und morgen reden wir wieder von der ach so schlimmen P’litikverdrossenheit.

Herr Minister Brüderle, als Wahlberechtigter möchte ich ihnen von der von ihnen nur versteckt gegebenen Verachtung gern offen etwas zurückgeben und ihnen sagen: Sie sind ein schmieriger Lügner und ein Arschloch! Meine „Verdrossenheit“ gilt verachtenswerten Halunken wie ihnen, und etwas anderes steht in der BRD leider nicht mehr zur Wahl.

Dieses Pack kann froh sein, dass die „Verdrossenheit“ sich sehr im Rahmen hält und noch nicht zu einem Ruck führt, der durch Deutschland geht — zum Beispiel unter dem Motto RAF DICH AUF! Dass mit diesen Halunken kein friedliches Miteinander möglich ist, das machen diese Halunken jedenfalls immer wieder einmal deutlich.

Neues schaffen heißt Widerstand leisten

Parteien!

Oder genauer: Ihr wahlkämpfenden Arschlöcher für die p’litischen Parteien in der Bundesrepublik Deutschland und ihr Arschlöcher von Werbern, die ihr euch für den Entwurf der hirnbeizenden p’litischen Kampagnen bezahlen lasst!

(Ja, Arschlöcher. Alle miteinader. Ohne eine einzige Ausnahme. Die Farben wechseln, die Parolen sind hohl und die Wahlwerbelügner Arschlöcher, die sich nach der Wahl nicht mehr um ihr Geschwätz von gestern kümmern.)

Ihr macht jetzt also — wenn ich Heise Online glauben darf — so richtig Wahlkampf im Internet:

Sie twittern, bloggen und sammeln Freunde im Netz: Noch nie haben rheinland-pfälzische Politiker nach eigenen Angaben so viel Wahlkampf im Internet gemacht […] CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner zwitschert zuweilen Twitter-Nachrichten im Minutentakt […] Kurt Beck (SPD) dreht YouTube-Videos von seiner „Beck“-Tour […] Das Vorbild vieler Politiker ist Barack Obama.

Steckt euch diese mit Gruß aus Alzheim daherkommende Heuchelei in den Arsch! Was euch das Internet bedeutet, habt ihr immer wieder — mit jeder Farbe eurer alternativlosen p’litischen Ödnis — unter Beweis gestellt. PLONK. GASMOP!

Lottospielen für Hartz-IV-Empfänger?

Zunächst ein etwas längeres Zitat aus der heutigen Mitteilung des Erwerblosen Forums Deutschland (das Leerzeichen im Namen ist deren Schreibweise, nicht meine):

Bonn/Köln — Das Kölner Landgericht hat mit einer einstweiligen Verfügung der Westlotto GmbH verboten, Hartz IV-Spielern Spielscheine zu verkaufen. Gerichtssprecher Dirk Eßer bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Westdeutschen Zeitung“. Das Erwerbslosen Forum Deutschland hält das für eine absurde und skurrile Entscheidung. Deshalb werden ab heute Hartz IV-Bezieher aufgefordert, sich im Internetforum öffentlich zu outen. „Wir wollen doch mal sehen, wie schnell dann so eine diskriminierende Entscheidung ad absurdum geführt wird und schnellst möglichst kassiert wird“, so Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forum Deutschland.

Unter dem Titel: „Ich habe West-Lotto gespielt und bin Hartz IV“ können sich seit heute Abend Hartz IV-Bezieher zu ihrem Lotto-Spiel bei West-Lotto bekennen. Konkret wurde Westlotto auferlegt, keine Spiel- oder Wettscheine oder Rubbellose zu verkaufen an Personen, die „Spieleinsätze riskieren, die in keinem Verhältnis zu ihrem Einkommen stehen, insbesondere Hartz-IV-Empfänger sind“, zitiert die „Westdeutschen Zeitung“ aus dem Beschluss des Landgerichts. Bei einer Zuwiderhandlung droht das Gericht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder bis zu sechs Monaten Haft an. […]

Einmal ganz von der Tatsache abgesehen, dass es sich bei den von den Bundesländern der BRD veranstalteten Glücksspielen um eine skurille Form der freiwillig gezahlten Steuer handelt und dass die Teilnahme an einem solchen System für einen vom gleichen Staat wie Dreck behandelten, zu Zwangsarbeiten verpflichteten und weit gehendend entrechteten Menschen ziemlich idiotisch ist — wie kann eine Organisation, die vorgibt, die Interessen erwerbsloser Menschen unter dem Terror der Hartz-IV-Gesetzgebung zu vertreten, eigentlich auf die Idee kommen, für das Lottospielen einzutreten? Wurde da vielleicht jemanden ins Gehirn geschissen? Nein. Es ist nur der ganz gewöhnliche tägliche Hirnfick durch die Massenmedien der Milliardäre.

Tatsächlich sind hier wieder einmal Leute — und zwar ausgerechnet Leute vom ELO-Forum — auf die falschen, bewusst irreführend in der BRD-Milliardärsjournaille transportierten Schwerpunkte reingefallen. Es ging beim Urteil des LG Köln mitnichten ums Lotto, sondern um Sportwetten, und es ging mitnichten um Hartz IV, sondern um die Sicherstellung die gleichen Sorgfaltspflichten, die auch privaten Spielanbietern aufgebürdet werden. Demnach müssten auch Menschen mit niedrigem Einkommen von derartigen Glücksspielen ausgeschlossen werden, keineswegs nur Menschen, die Hartz-IV empfangen, sondern auch die ganzen hungerbezahlten Elendsmalocher auf dem staatlich subventionierten Markt für besonders billige Beinahesklaven und verschuldete Menschen.

Darüber hinaus gibt es wohl kaum etwas, was einem Hartz-IV beziehenden Menschen so wenig empfohlen werden kann wie das Lottospielen (oder eine andere Form des Glücksspiels um Geld). Denn die Einsätze ist dieser Mensch erstmal los, zur Freude eines Staates, der im Warenkorb — gerade erst von Frau von der Goebbels neu abgepackt und von der SPD erwartungsgemäß abgenickt — kein Geld für irgendwelche Glücksspiele vorgesehen hat. Aber sollte es dabei einmal zu einem der seltenen Gewinne kommen, dann wird dieser Gewinn gemäß Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen in voller Höhe von den Hartz-IV-Bezügen abgezogen:

Ein Lotteriegewinn sei wie andere Glücksspielgewinne als Einkommen anzusehen, heißt es im Urteil. Er verringere die Hilfebedürftigkeit des Klägers. „Der Kläger hatte eingewandt, er habe seit dem Jahr 2001 945 Euro — zuletzt monatlich 15 Euro — in sein Los investiert“, berichtete ein Sprecher. „Damit habe er unter dem Strich überhaupt keinen Gewinn, sondern Verluste erzielt.“ Dieses Argument ließen die Richter nur für den letzten Monatsbetrag gelten. Lediglich die dafür gezahlten 15 Euro durfte der Kläger vom Gewinn von 500 Euro abziehen. Der Rest wurde vollständig mit seinem Hartz IV-Satz verrechnet.

Aber was interessiert man sich schon für die Realität in der BRD, wenn mal eben schnell und populistisch die Themen aufgegriffen werden, die von der verdammten Milliardärspresse vorgegeben werden.

Wer jetzt so blöd ist und darauf reinfällt, wer sich dazu bekennt, dass er Geld für die „Idiotensteuer“ Lotto ausgibt, obwohl dieses Geld im Warenkorb nicht vorgesehen ist, bewirkt damit nur zwei Dinge. Er zeigt erstens vor jedem, der dies beobachtet, dass er ein Idiot ist. Und er zeigt zweitens, dass er ja offenbar mehr Geld bekommt als er zum Leben benötigt. Letzteres kann und wird gegen alle Menschen benutzt werden, die von Hartz IV leben müssen. Wer vorgibt, die Interessen von Erwerbslosen zu vertreten und einen derartigen Vorschlag macht, hat offenbar nicht darüber nachgedacht. Unterdessen wird die kommende Ausweitung der Entrechtung Hartz IV beziehender Menschen neusprecherisch als „Vorschläge zur Änderung der so genannten Förderinstrumente“ verkauft.

Bitte Leute, vergesst es! Und bevor ihr auch nur einen einzigen Euro für Lotto ausgebt, gebt ihn lieber dem nächsten Penner!

Ein gutes Stück Heimat

Das Gute liegt so nah... -- Deutsche Kartoffeln -- Ideal als klassische Beilage oder für die Zubereitung von Bratkartoffeln - Aus deutschem Vertragsanbau -- Gekocht und küchenfertig -- In der Heimat gepflanzt, gewachsen, geerntet

Das auf Deutsches so viel Wert legende Zielpublikum dieses Produktes aus einem Lidl-Prospekt ist offenbar weder dazu imstande, Kartoffeln zu schälen noch dazu, diese zu kochen — beides übrigens keine besondere Herausforderung an die Kochkünste.

Ein gutes Stück Heimat -- Ursprung ist HeimatSicherlich, die in den alten Zivilisationen Amerikas kultivierte Kartoffel will von ihrem Ursprung her gar nicht recht zu den Worten „Ursprung ist Heimat“ passen, und sie hat erst durch den Kartoffelbefehl Friedrich II. ihren Weg auf die deutschen Teller gefunden, aber was schert sich so eine Zielgruppe oder der Werber, der so eine Zielgruppe ansprechen muss, schon um solche Details. Dieser pflanzliche Ausländer ist hier längst eingebürgert und zudem ausgesprochen lecker, und kleine Unstimmigkeiten im Ahnenpass werden da verschwiegen.

Besonders leerreich ist übrigens die Anpreisung, dass diese Kartoffeln „in der Heimat gepflanzt gewachsen geerntet“ sind — ohne diese Aufklärung aus der Reklame hätte ich jetzt wirklich geglaubt, das Nachtschattengewächs, das diese schmackhaften Knollen im Boden bildet, verfüge über Laufwurzeln, mit denen es aus dem Ausland zuwandern kann oder gar den heimatlichen Boden in niederträchtig fahnenflüchtiger Weise verlassen könne. Aber nein, die Kartoffeln wachsen tatsächlich dort und werden schließlich dort geerntet, wo sie angepflanzt wurden. Das ist doch faszinierend.

Und immerhin: Lidl muss gar nicht im Ausland produzieren, wenn man doch die Arbeitsbedingungen der „Dritten Welt“ auch einfach importieren kann.

Richtig-Dichtung: Guttenbergs Rücktrittsgefasel

Guttenberg vor seinen Speichelleckern
Frhr. von und zu Guttenberg tritt vor handverlesene Vertreter der Journaille, die sich in der Vergangenheit als besonders speichelleckerisch erwiesen haben, um dort seine Rücktrittserklärung zu verlesen, der er vorher schon exklusiv an die maximal speichelleckerische Bildzeitung gesteckt hat | Quelle des Bildes

Ich habe die Bundeskanzlerin in einem freundschaftlichen Gespräch informiert, dass ich mich von meinen politischen Ämtern zurückziehen werde – und um meine Entlassung gebeten. Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens.

Ich habe meiner Komplizin Merkel vor einigen Stunden unter vier Augen gesagt, dass ich doch lieber selbst zurücktrete und jetzt doch nicht darauf warte, dass sie mich auf Druck der Restpartei entlassen muss. Nachdem ich mit Betrug und Hochstapelei so weit gekommen bin, war das schon ein sehr schmerzlicher Schritt.

Ich gehe ihn nicht allein wegen meiner so fehlerhaften Doktorarbeit […]

Ich gehe nicht allein wegen des aufgeflogenen Betruges mit meiner Doktorarbeit, […]

– wiewohl ich verstehe, dass dies für große Teile der Wissenschaft ein Anlass wäre.

[…] obwohl das eigentlich der Grund ist. Denn weder mein zynischer Auftritt mit den Weihnachtsgrüßen von der Front bei Kerner noch die allgemeine Widerwärtigkeit und bis ins Mark gehende moralische Verrottung meiner Person waren bislang ein Anlass für mich, irgendeine Konsequenz zu ziehen — ich bin ja immer damit durchgekommen, und zwar gut.

Der Grund liegt im Besonderen in der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann.

Deshalb blahfasele ich im gewohnten Duktus meiner Hochstapelei von den unbegreiflich hohen moralischen Ansprüchen, die ich in meinen verlogenen Worten so gern an mich selbst anlege, ohne auch nur mit dem Finger daran zu rühren. Zwar ist genau diese Lüge jetzt wie eine Seifenblase geplatzt, aber ich wäre doch ein schlechter Hochstapler, wenn ich es nicht einfach weiter versuchen würde, hier so im Kreise handverlesener, wohlgesonnener Presseschreiber, die zum Hohn für die Menschen in der BRD auch noch Journalisten genannt werden.

Ich trage bis zur Stunde Verantwortung in einem fordernden Amt. Verantwortung, die möglichst ungeteilte Konzentration und fehlerfreie Arbeit verlangt: Mit Blick auf die größte Bundeswehrreform in ihrer Geschichte, die ich angestoßen habe und mit Blick auf eine gestärkte Bundeswehr mit großartigen Truppen im Einsatz, die mir engstens ans Herz gewachsen sind.

Ich trage ganz viel Verantwortung. Das unterscheidet mich von Menschen, die wirkliche Leistung erbringen und die eigentlich an meiner Statt zur Verantwortung gezogen werden sollten, wenn meine politischen Beglückungsideen scheitern, weil ich einfach nur von zwölf Uhr bis Mittag und ansonsten an mein Bild in der Bild Öffentlichkeit denke.

Schuld an allem meinen Scheitern sind nämlich immer die anderen, zum Beispiel Journalisten, Internetschmierer und andere Canaillen…

Wenn allerdings – wie in den letzten Wochen geschehen – die öffentliche und mediale Betrachtung fast ausschließlich auf die Person Guttenberg und seine Dissertation statt beispielsweise auf den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten abzielt, so findet eine dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit zu Lasten der mir Anvertrauten statt.

…die sich angesichts der Tatsache, dass ich ein Hochstapler und Betrüger bin auch nicht ablenken lassen, wenn in einem sinnlosen Krieg in Afghanistan unter meinem Oberbefehl die Soldaten verrecken. Wie sehr mir der Tod „meiner“ Soldaten nahe geht, entnehmen sie bitte der Tatsache, dass ich dieses Verrecken in meiner gegenwärtigen Situation noch dazu instrumentalisiere, um Journalisten und andere Canaillen dafür ein schlechtes Gewissen einzureden, dass sie die Menschen in der BRD darüber aufgeklärt haben, was ich für ein Betrüger und Hochstapler bin.

Unter umgekehrten Vorzeichen gilt Gleiches für den Umstand, dass wochenlang meine Maßnahmen bezüglich der Gorch Fock die weltbewegenden Ereignisse in Nordafrika zu überlagern schienen. Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten.

Und weil diese Ablenkung durch Leichensäcke — weder durch den Leichensack der verunglückten Frau auf der Gorch Fock, noch durch die Leichensäcke der in sinnlosen und gegen die Buchstaben des Grundgesetzes der BRD geführten Kämpfe in Afghanistan und demächst vielleicht sogar in Libyen — nicht funktioniert, spreche ich jetzt nicht davon, dass ich eine Einsicht in meine charakterlichen Defizite bekommen habe, sondern ich spreche weiter von Verantwortung. Und sie, Presseschreiber und Blogger und alle, die meine Fähigkeiten zur Benutzung der Zwischenablage einer eingehenden Untersuchung unterzogen haben, sie sind schuld daran, dass ich mir jetzt mit meinen eigentlichen Talenten, der Lüge und dem Betrug, vorübergehend einen anderen, vermutlich mieser dotierten Job suchen muss.

Und deswegen ziehe ich – da das Amt, die Bundeswehr, die Wissenschaft und auch die mich tragenden Parteien Schaden zu nehmen drohen – die Konsequenz, die ich auch von anderen verlangt habe und verlangt hätte.

Nachdem meine gesamte Salamitaktik auf ganzer Linie gescheitert ist, bin ich euer Opfer geworden. Das Amt, die Bundeswehr, die Wissenschaft und die Parteien der regierenden Koalititon haben jedenfalls nicht wegen meines Betruges und meiner Hochstapelei Schaden genommen. Ich wurde von meinen Komplizen aus der classe politique jetzt dazu gedrängt, lieber schnell vor den anstehenden Wahlen zurückzutreten und Bauernopfer zu spielen, damit nicht auch noch Licht auf die korrupten und mafiösen Strukturen im Wissenschafts- und Politikbetrieb der BRD geworfen werde.

Ich habe, wie jeder andere auch, zu meinen Schwächen und Fehlern zu stehen. Zu großen und kleinen im politischen Handeln bis hin zum Schreiben meiner Doktorarbeit. Und mir war immer wichtig, diese vor der Öffentlichkeit nicht zu verbergen. Deswegen habe ich mich aufrichtig bei all jenen entschuldigt, die ich aufgrund meiner Fehler und Versäumnisse verletzt habe und wiederhole dies auch ausdrücklich heute.

Es war mir immer wichtig, ein gutes Bild in der Öffentlichkeit abzugeben, ein Bild, das völlig von der Wirklichkeit meiner Person emanzipiert ist. Das ist mir seit einigen Wochen trotz der Hilfe der Springerschen Kampfpresse nicht mehr möglich. Ich habe mich bei meinen Komplizen dafür entschuldigt.

Manche mögen sich fragen, weshalb ich erst heute zurücktrete. Zunächst ein möglicherweise für manche unbefriedigender, aber allzu menschlicher Grund. Wohl niemand wird leicht geschweige denn leichtfertig das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt. Ein Amt, das Verantwortung für viele Menschen und deren Leben beinhaltet. Hinzu kommt der Umstand, dass ich mir für eine Entscheidung dieser Tragweite – jenseits der hohen medialen und oppositionellen Taktfrequenz – die gebotene Zeit zu nehmen hatte. Zumal Vorgänge in Rede stehen, die Jahre vor meiner Amtsübernahme lagen.

Eigentlich fragt sich jeder, warum ich erst heute zurücktrete. Der Grund ist ganz einfach: Ich habe halt an meinem durch gute Beziehungen erworbenen Amt und den damit verbundenen Privilegien geklebt (auch, wenn ich da lieber noch einmal von „der Verantwortung“ blahfasele und im Hintergrund noch einmal gespensterhaft die toten Soldaten aufdünsteln lasse) und habe erstmal versucht, mich mit der Mischung aus Lügen, Salamitaktik und offener Kooperation mit der Bildzeitung durchzuwursteln, an die sich mittlerweile jeder gewöhnen musste, der meinen Betrug und meine Hochstapelei in den letzten Wochen verfolgt hat. Schade, dass irgendjemand diese olle Dissertation ausgegraben hat, sonst wäre ich viel länger damit durchgekommen.

Nachdem dieser Tage viel über Anstand diskutiert wurde, war es für mich gerade eine Frage des Anstandes zunächst die drei gefallenen Soldaten mit Würde zu Grabe zu tragen und nicht erneut ihr Gedenken durch Debatten über meine Person überlagern zu lassen. Es war auch ein Gebot der Verantwortung gegenüber diesen, ja gegenüber allen Soldaten. Und es gehört sich, ein weitgehend bestelltes Haus zu hinterlassen, weshalb letzte Woche noch einmal viel Kraft auf den nächsten, entscheidenden Reformschritt verwandt wurde, der nun von meinem Nachfolger bestens vorbereitet verabschiedet werden kann. Das Konzept der Reform steht.

Ich, als weniger von dieser Regung betroffener Mensch, habe mir in den letzten Tagen oft das Wort „Anstand“ anhören müssen. Um noch einmal unter Beweis zu stellen, wie wenig Anstand ich wirklich habe, instrumentalisiere ich noch einmal die gestorbenen Soldaten, um vom eigentlichen Thema abzulenken und mich als großen Helden hinzustellen, der zum Opfer einer medialen Kampagne geworden ist. Ich habe ein weitgehend bestelltes Haus hinterlassen, die Leichensäcke in Afghanistan liegen schon bereit und die „Reform“ der Bundeswehr ist zur Last meines Nachfolgers geworden, der jetzt zusehen muss, wie er die Leute ohne diese Wehrpflicht dazu motiviert, zu befehlsempfangenen Mördern im Auftrag der Herrschenden und Besitzenden in der BRD zu werden. Die Tatsache, dass ich noch einmal ordentlich öffentliche Gelder für eine riesige Werbekampagne der Bundeswehr in der Bildzeitung ausgegeben habe, steht in keinem Zusammenhang mit der speichelleckerischen Berichterstattung ebendieser Bildzeitung über meine Person. Das wäre ja unanständig. Und deshalb gibt es das nicht.

Angesichts massiver Vorwürfe bezüglich meiner Glaubwürdigkeit ist es mir auch ein aufrichtiges Anliegen, mich an der Klärung der Fragen hinsichtlich meiner Dissertation zu beteiligen. Zum einen gegenüber der Universität Bayreuth, wo ich mit der Bitte um Rücknahme des Doktortitels bereits Konsequenzen gezogen habe. Zum anderen habe ich zugleich Respekt vor all jenen, die die Vorgänge zudem strafrechtlich überprüft sehen wollen. Es würde daher nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität – sollte dies noch erforderlich sein – zeitnah geführt werden könnten.

Angsichts der Tatsache, dass ich beim besten Willen keine glaubwürdige Gestalt mehr abgebe, ist es mir ein besonderes Anliegen, weiteren Schaden von meiner Person abzuwenden. Deshalb habe ich versucht, meinen Doktortitel selbst zurückzugeben, damit es nicht zu einer richtigen Untersuchung des Vorganges an der Universität Bayreuth kommt — denn diese hätte womöglich noch das Netzwerk meiner Freunde dort vor Ort aufgedeckt, die es mir überhaupt erst möglich gemacht haben, dass ich einen weiteren Namensvorsatz an meinem eh schon überlangen Namen anflantschen kann. Ich habe großen Respekt vor allen, die so etwas gern strafrechtlich überprüft sehen möchten, ja, ich habe sogar Angst vor solchen Forderungen. Aber da es in der BRD zweierlei Recht gibt, eines für Arme und ein anderes für Besitzende, werde ich vermutlich niemals wie ein normaler Halunke vor Gericht stehen. Jetzt, wo ich mich aus der Politik zurückziehe, kann ich auch erwarten, dass sich niemand mehr für den weiteren Verlauf dieser Sache interessieren wird — denn die Journaille sägt ja nicht am Ast, auf dem sie sitzt.

Die enorme Wucht der medialen Betrachten meiner Person – zu der ich selbst viel beigetragen habe – aber auch die Qualität der Auseinandersetzung bleiben nicht ohne Wirkung auf mich selbst und meine Familie. Es ist bekannt, dass die Mechanismen im politischen und medialen Geschäft zerstörerisch sein können. Wer sich für die Politik entscheidet, darf – wenn dem so ist – kein Mitleid erwarten. Das würde ich auch nicht in Anspruch nehmen. Ich darf auch nicht den „Respekt“ erwarten, mit dem Rücktrittsentscheidungen so häufig entgegengenommen werden.

Ich habe jetzt etwas erlebt, was in der BRD sonst nur Hartz-IV-Empfänger, Ausländer, Moslems, nicht angepasste Menschen, Obdachlose und andere Opfer des gegenwärtig über die Gesellschaft ablaufenden Prozesses erleben können, nämlich, dass eine anhaltende feindselige mediale Berichterstattung eine massive Last fürs ganze Leben werden kann, die sich weit in die empfindliche Privatheit hineinzieht. Das hält mich aber auch in Zukunft nicht von irgendeiner Kooperation mit der Bildzeitung ab. Deshalb spreche ich hier ja nur vor handverlesenen Presseschreibern mit besonderem Hang zur unterwürfigen Speichelleckerei und Hofberichterstattung. Ich erwarte kein Mitleid, sondern das baldige Vergessen der Schreiberzunft, damit die wohlgesetzten Worte meines Ghostwriters gar nicht weiter hinterfragt werden.

Nun wird es vielleicht heißen, der Guttenberg ist den Kräften der Politik nicht gewachsen. Das mag sein oder nicht sein. Wenn ich es aber nur wäre, indem ich meinen Charakter veränderte, dann müsste ich gerade deswegen handeln. Ich danke von ganzem Herzen der großen Mehrheit der Deutschen Bevölkerung, den vielen Mitgliedern der Union, meinem Parteivorsitzenden und insbesondere den Soldatinnen und Soldaten, die mir bis heute den Rücken stärkten, als Bundesminister der Verteidigung nicht zurück zu treten.

Deshalb gebe ich als Freiherr und herrenhafter Parlament-Arier ihnen schon einmal die richtigen, meiner Meinung nach angemessenen Wörter für ihre Hofberichterstattung vor: Ich bin kein Lügner und Hochstapler, sondern habe einen aufrichtigen Charakter, an dem ich nichts kommen lasse, nicht einmal diese leidige Realität. Ich danke von ganzem Herzen der großen Mehrheit der Bevölkerung der BRD, die sich lieber aus der Bildzeitung informiert und sich davon auch nicht durch die leidige Realität ablenken lässt. Ich danke meinen Komplizen, die mir diese großartige Chance eines Ministerpostens gegeben haben, die ich jetzt aufgeben muss. Und ich danke den Soldaten, die sich in den gewöhnlichen Dienstgraden sowieso nicht gegen die Heuchelei meines Dankes wehren können.

Ich danke besonders der Frau Bundeskanzlerin für alle erfahrene Unterstützung und ihr großes Vertrauen und Verständnis. Es ist mir aber nicht mehr möglich, den in mich gesetzten Erwartungen mit dem mir notwendigen Maß an Unabhängigkeit in der Verantwortung gerecht zu werden. Insofern gebe ich meinen Gegnern gerne recht, dass ich tatsächlich nicht zum Selbstverteidigungs-, sondern zum Minister der Verteidigung berufen wurde.

Ein ganz besonderer Dank geht an die ehemalige Beauftrage für Agitation und Propaganda in der FDJ, die mich als medialen Sympathieträger in ihr doch etwas farbloses Politbüro geholt hat und anfangs wohl gar nicht geahnt hat, ein wie windiger Typ ich in Wirklichkeit bin. Nun ist es mir leider nicht mehr möglich, den Journaille- und TV-demokratorisch gewünschten Schein aufrecht zu erhalten. Es sind auch weiterhin in ganz besonderer Weise die Kompetenzen eines geübten Lügners und Hochstaplers mit wenig gefühlter Bindung an die Wirklichkeit erforderlich, um bei den Kämpfen an der „deutsch-afghanischen Grenze“ noch das Wort „Verteidigung“ in den Mund zu nehmen. Aber ich bin mir gewiss, dass sich ein anderer Lügner an meiner Statt findet, denn ich weiß aus Erfahrung, dass im P’litikbetrieb der BRD nur Lügner, Hochstapler und Kriminelle zu Amt und Würden kommen. Ich bin ja selbst das beste Beispiel dafür.

Abschließend ein Satz, der für einen Politiker ungewöhnlich klingen mag: Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.

Abschließend ein Satz, der besonders zynisch und schamlos ist. Ich war immer bereit, dafür zu kämpfen, dass meine Lügen und Hochstapeleien für die Wahrheit gehalten werden, aber nun ist mir das nicht mehr möglich. Deshalb muss ich aufhören.

Vielen Dank!

Vielen Dank, dass sie meine Worte so wiedergeben werden, dass nicht jedem auf dem ersten Blick klar wird, was ich für ein zynischer Halunke bin.

Weitere Lügen von mir können sie in den nächsten Tagen und Wochen dem Stürmer der Bildzeitung entnehmen.

Nachtrag: Bitte auf gar keinen Fall Guttenbergs Rücktrittsrede mit lesefreundlicher Klartext-Übersetzungshilfe bei Sheng Fui verschmähen!

Nachtrag Zwei: Im Wahlkampf in Baden-Württemberg macht die CDU jetzt auf „Aufstieg durch Bildung“, was auch zur Richtig-Dichtung reizt