Tinnef (61)

So klingt die Vorfreude! Gute Nachricht: Das Ende der Durststrecke ist erreicht, wo der Flaschenöffner Champion das Bier mit einem gut hörbarem ole öffnet! Origineller Flaschenöffner aus Kunststoff, Durchmesser 6 cm. Lieferung mit Batterien. 7,50 Euro

Gute Nachricht: Das Ende der Durststrecke ist erreicht, wenn Mitmensch Bierspießer nicht nur die üblichen sieben Gründe hat, sich volllaufen zu lassen (der erste heißt übrigens „Montag“), sondern wenn zudem alle noch so fernliegenden Produkte von den Werbern befußballert werden und er deshalb weiß, dass er bald wieder aufgeregt und brüllend nach der Kanne greifen kann, wenn seine verkümmerten Waden erzittern, weil der Flimmerball an die Latte scheppert. Passend zum Gebrüll des Idioten, in dessen Oberstübchen es dermaßen finster ist, dass die Überflutung des ganzen Alltags mit allgegenwärtigem Tretball wie das Licht am Ende des Tunnels wirkt, ist der tretballförmige Flaschenöffner mit Batterie, der sogar stellvertretend für das hirnlose Gesäuge Bierschlürf rumbrüllen kann, damit sich der Evolutionsverweigerer mit seinem Brachland im Kopfe ganz und gar aufs Besoffenwerden konzentrieren kann.

Quelle des Scans: Katalog „Die moderne Hausfrau“

Tinnef (48)

Titelbild des Kataloges Die moderne Hausfrau, Sommersparaktion, Solarwichtel nur 17,80 Euro

Ohne Worte, denn beim Kotzen kann ich nicht reden.

Die beste „Sommersparaktion“ ist es übrigens, wenn man sich selbst, seinem Garten oder Vorgarten und seiner Mitwelt solche industriell erstellten Verpestungen erspart.

Quelle des Scans: Titelblatt des aktuellen Kataloges „Die moderne Hausfrau„…

Vom gewünschten und ungewünschten Feiern

In Hannover wird des Sommers ganz viel unter freiem Himmel „gefeiert“. Kaum ist das Schützenfest zu Ende, kaum sind die ganzen überteuerten Sauf-, Fress- und Vergnügungsbuden auf dem Schützenplatz abgebaut, schon wird der hitlersche Maschsee mit Bühnen, Sauf-, Fress- und Vergnügungsbuden vollgestellt und das so genannte „Maschseefest“ findet statt. Und zwar so nah an einem Wohngebiet, dass etliche Menschen unter dem hohen Lärmpegel zu leiden haben, von der Verzierung der Radwege in der Südstadt mit Scherben zerdepperter Bierflaschen gar nicht erst zu reden. Dennoch, das ist das erwünschte „Feiern“, ein gutes Geschäft für viele.

Es gibt in Hannover auch das unerwünschte Feiern unter freiem Himmel. Dieses ist, wenn sich ein paar Leute einfach zusammentun, sich draußen fernab jedes Wohngebietes in der Nähe einer Schnellstraße treffen und dort einen kleinen, alternativen Rave veranstalten wollen. Dieses Feiern, das offenbar für die Besitzenden nicht ausbeutbar genug ist, ist in Hannover dermaßen unerwünscht, dass es durch einen robusten Einsatz der Polizei aufgelöst wird:

Nachdem die Teilnehmer der sogennanten Botellón in Hannover-Linden immer wieder von Polizeifahrzeugen umkreist wurden, teilweise von Polizisten Platzverweise erhielten und einmal eine in diesem Zusammenhang in der hannoverschen U-Bahn stattfindende Veranstaltung durch die Polizei geräumt wurde, scheint die staatliche Repression gegenüber unorganisierten und unpolitischen Nutzungen des öffentlichen Raumes weiterzugehen:

Der Rave, der letztes Wochenende auf der Dornröschenbrücke zwischen Linden und Nordstadt stattgefunden hat, wurde durch ein massives Polizeiaufgebot vorzeitig beendet. Wie bei den Botellón-Aktionen gab es keinerlei offizielle Berichterstattung über die Aktionen: Weder durch die Pressestelle der Polizei, noch durch die Tageszeitungen. Vermutlich will man keine Nachahmer anstiften und sich der aus der Berichterstattung resultierenden Diskussion über die Nutzung des öffentlichen Raumes entziehen.

Im öffentlichen Raum darf eben nur Verkehr und Geschäftemacherei stattfinden. Und damit auch niemand aus der breiten Masse den repressiven und lustfeindlichen Zug der totalen und totalitären Verwirtschaftung bemerke, wird das ganze Thema von der Milliardärspresse der BRD — in diesem Fall vom hannöverschen Madsack-Verlag — schön ignoriert und damit für die Mehrzahl der Menschen durch Verschweigen nichtexistent gemacht. Wie passend, dass der gleiche hannöversche Madsack-Verlag da mit beachtlichem Werbeaufwand versucht, auf der Schiene des Web Zwo Null zu fahren und die Menschen, die immer mehr ihrer Lebensmöglichkeiten beraubt werden, zu kostenlosen Content-Lieferanten für den Transport der Reklame zu machen. Name dieses tollen Projektes: My Heimat. (Und nein, dieser Name ist keine Satire!)

Werbung für mietfähige Elendsarbeit

Und immer, wenn du glaubst, die Menschenverachtung der ganz normalen Werbung könnte gar nicht mehr schlimmer werden, sitzt du mal wieder an einem anderen Rechner bei einem anderen Menschen ohne Adblocker und siehst du deinen nächsten Ad auf irgendeiner Website. Und in deinem Ohr hörst du das folgende fiktive Gespräch. Da sagt so ein Vampir zum anderen: „Wir haben jetzt ja so ein tolles Web Zwo Null, was machen wir mal, um daraus ein bisschen Profit zu schlürfen“, und der andere Vampir antwortet: „Machen wir daraus doch einen Strich für mies bezahlte Elendsarbeit“. Die Idee finden die beiden Blutsauger gut, und der Werber baut sein werbendes Bildchen, es einzubetten in etliche Websites, an denen sich die „Profis“ treffen, die gern billiges „Menschenmaterial“ im Zustand maximaler wirtschaftlicher Abhängigkeit haben — diese beiden Screenshots eines animierten Werbebanners sind von Golem:

Mitarbeiter ab 49 Cent!

Und, wer hat dermaßen günstige Sonderangebote zu bieten:

XING - POWERING RELATIONSHIPS - Effektives Recruiting mit XING! Jetzt Job einstellen!

Ob allerdings ein normaler und noch nicht vom totalen Selbsthass zerfressener Mensch ein Interesse daran haben kann, sich bei XING als extra preiswertes Sonderangebot zum Ramschverkauf an der Fleischtheke anbieten zu lassen, das gehört zu den Fragen, die sich jeder hier selbst beantworten muss.

Kurz verlinkt (44)

Der ganze “soziale Bereich” und “Gesundheitsbereich” lebt von der Ausbeutung seiner Mitarbeiter, vor allem der nicht studierten und vor allem der weiblichen. Und was fällt den Krawattenträgern in den Parlamenten, Instituten und Vorständen ein? Richtig: Den Gürtel enger schnallen und im sozialen Bereich sparen. […]

Ich will sie alle auf der Straße sehen, Männer und Frauen, je mehr und je länger desto besser. Die Altenheime, Krankenhäuser, Kitas und Sozialeinrichtungen sollen so lange dicht machen, bis sich wirklich etwas ändert in dieser Republik. Dazu brauchen wir allerdings vor allem mutige Frauen, die sich nicht auch noch für die letzte Konsequenz der untragbaren Zustände verantwortlich machen lassen.

Laßt euch nicht suggerieren, die Leidtragenden solcher Streiks seien eure “Opfer”. Sie sind wie ihr einfach Kostenfaktoren, die klein gehalten oder eliminiert werden müssen.

„Ein bisschen mit Kindern spielen“ bei Feynsinn — der Lesebefehl des Tages!

Tinnef (44)

Deko-Pilz - Steinhartz / Metall, Höhe ca. 47 vm, 3 Ausführungen

Ist doch eine tolle Idee: Man sorge dafür, dass sich Mitmensch Spießherz seinen Garten so „idyllisch“ gestaltet, dass darin nichts anderes mehr wächst als das immer kurz gemähte, einem Teppich ähnliche Gras. Und dann verkaufe man ihm eher etwas hässliche Deko-Pilze, die er da reinstecken kann, weil nichts mehr wächst. Schade, dass mit einer schnellen Korrosion der Scheusale nicht zu rechnen ist

Tinnef (43)

Liebe Gesichtchen erfreuen das Herz! - Nach vielen Katalogseiten mit praktischen und dekorativen Sachen ist jetzt höchste Zeit für Herzenssachen! Dazu gehören die Blumenmädchen, die mit ihren lieben Gesichtchen und blumigen Kostümen gleich ein Lächeln auf Ihre Lippen zaubern werden. Und genau das tut dem Herzen gut! Blumenmädchen aus Kunststopff, textilem Material und Blättern der Silberpappel. Je ca. 16 cm. -- Blumenmädchen, 2 Stück 14,95 Euro

Unerträglicher Kitsch erweckt die Mordlust!

Nach vielen Seiten in der Presse, die aus einem Amoklauf ein praktisches Vehikel zur Ausbreitung des Präventions- und Überwachungswahns gemacht haben, ist es jetzt höchste Zeit, einmal zu schauen, was das Herz eines Menschen in die wirkliche Verzweiflung treibt! Dazu gehören diese Figürchen, die nicht nur aus schwarzem Schlamm geformt werden, den man unter Erbietung von Geldmacht und mörderischen Kriegen aus der Erde gepumpt hat, sondern die auch noch um einiges scheußlicher und herzkälter sind als die erfreulich formlose, klebrige und leider völlig wehrlose Masse. Sie können von eiskalten Konsumdeppen auf Balkonen und in Gärten und Vorgärten platziert werden, um eine infantile Illusion von heiler Welt dort zu erzeugen, wo sich ein empfindsamer Mensch nur noch das pochende, schmerzende Herz aus der Brust reißen will — genau das tut dem Herzen eines durchschnittlichen Entseelungsrestes in der BRD gut und treibt ein charakteristisches, verkrampftes Grinsen in ein Gesicht, hinter dem sich das Elend nicht recht verbergen will! Die Höhe von 16cm ist gut geeignet, um erste Zielübungen mit der Faustfeuerwaffe zu machen, wenn ein Schütze die abstrakten Zielscheiben angesichts des eigenen Lebensschadens nicht mehr angemessen findet. Das Platzen des blonden, kindischen Köpfchens macht schnell Appetit auf mehr und auf die Behandlung dieser Weltverkitschung an ihrer geschmacklosen, menschlichen Wurzel. Die erforderliche Kotztüte ist im Lieferumfang nicht enthalten.