Vodafone: „Flatrate“-Abzocker

Vodafone hat eine erschreckend hohe Rechnung geschickt. 290 Euro fordert der Mobilfunkanbieter allein für Datentransfer. Die Geschichte wiederholt sich. Es scheint also kein Einzelfall.

Weiterlesen bei der FAZ.

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Blockiert Vodafone „The Pirate Bay“?

Bitte auch die Nachträge unten lesen! Sie sind sehr wichtig.

Nein, „The Pirate Bay“ ist nicht down. Es sieht vielmehr danach aus, als würde der Zugangsprovider Vodafone in der BRD zurzeit aktiv und vorsätzlich den allgemein bekannten und sehr beliebten Torrent-Tracker „The Pirate Bay“ zumindest für einige Anschlüsse blockieren.

Die folgenden Screenshots illustrieren die beobachtbaren Probleme. Zur Betrachtung der Screenshots in Originalgröße bitte auf die Vorschaubilder klicken. Ausführliche technische Erklärungen kann und will ich zu diesem Zeitpunkt nicht geben, es geht mir lediglich um eine schnelle Dokumentation der beobachteten Effekte, damit andere Betroffene eine Möglichkeit haben, diesen Vorgang zu beurteilen. Tiefer gehende technische Fragen beantwortet eine beliebige Web-Suchmaschine, und zwar sehr viel präziser und detaillierter, als es den meisten Menschen lieb sein dürfte…

Screenshot Eins — Normaler Aufruf von „The Pirate Bay“ mit einem Browser, keine Verwendung eines Proxy-Servers:

Screenshot ohne Proxy-Server

Bei einem direkten Aufruf ist keine Verbindung möglich. Der von mir verwendete Browser ist ein Opera. Das Problem lässt sich aber mit jedem Browser nachvollziehen. Ich habe dies unter anderem mit Firefox, Chromium, w3m und lynx getan.

Screenshot Zwei — Aufruf von „The Pirate Bay“, geroutet über Tor:

Screenshot mit Tor

Abgesehen von der üblichen Performance-Einbuße beim Verwenden von Tor gibt es keine beobachtbaren Probleme mit „The Pirate Bay“. Der Tracker ist voll funktionsfähig.

Screenshot Drei — Aufruf von „The Pirate Bay“ mithilfe eines in der BRD gehosteten Glype-Proxys, dessen Netzwerk nicht über Vodafone geroutet wird:

Screenshot mit Glype-Proxy

Auch hier tritt keinerlei Problem auf, der Netzwerkverkehr zum Glype-Proxy ist nicht beeinträchtigt, und wenn „The Pirate Bay“ nicht über das von Vodafone geroutete Netzwerk aufgerufen wird, ist der Torrenttracker im vollen Umfang verfügbar. Wer das Problem hat, dass „The Pirate Bay“ nicht mehr verfügbar ist, kann das leicht mit einer Liste von Glype-Proxies selbst ausprobieren.

Screenshot Vier — Überprüfung der Namensauflösung der Domain thepiratebay (punkt) se:

Screenshot dig thepiratebay punkt se

Es handelt sich nicht um eine „Vergiftung“ der Namensauflösung. Die Domain thepiratebay (punkt) se wird zur IP-Adresse 194.71.107.15 aufgelöst. Ich habe eine ssh-Verbindung mit einem Computer aufgebaut, der nicht über Vodafone mit dem Internet verbunden ist, und dort zum Vergleich den gleichen Test gemacht. Auch dort wurde die Domain zur gleichen IP-Adresse aufgelöst. Das Problem liegt also auf einer anderen Ebene, mutmaßlich im Routing.

Screenshot Fünf — Ein Ping auf 194.71.107.15:

Screenshot einer Konsole mit dem Ping

Da die Namensauflösung nicht beeinträchtigt wurde und ich mir den Domainnamen deutlich besser als die IP-Adresse merken kann, habe ich den Domainnamen angepingt. Hier wird auch noch einmal deutlich, dass die IP-Adresse korrekt zugeordnet wird und DNS somit unbeschädigt ist. Der Rechner mit der IP-Adresse 92.79.253.117 gibt die Fehlermeldung zurück, dass der Host 194.71.107.15 nicht erreichbar ist. Die IP-Adresse 92.79.253.117 gehört zu einem IP-Bereich, der von Vodafone verwaltet wird. Das Routing endet also im Vodafone-Netzwerk, wenn man eine Internet-Verbindung zum Server von „The Pirate Bay“ aufbaut. Das sieht nicht nach einem Defekt aus, sondern nach einer gezielten Unterdrückung des Netzwerkverkehrs durch Vodafone.

Screenshot Sechs — Zu schlechter Letzt der Traceroute:

Screenshot einer Konsole mit dem Traceroute

In diesem Screenshot habe ich die für meine Untersuchungen benutzte IP-Adresse unkenntlich gemacht, sie tauchte sowohl im „sprechenden“ Domainnamen als auch direkt auf. Hier wird der Weg der Datenpakete deutlich. Als erstes geht es vom angeschlossenen Rechner zum ADSL-Router, einer von Vodafone gelieferten EasyBox mit der lokalen IP-Adresse 192.168.2.1. Von dort geht es ins „richtige“ Internet, das hier gar nicht so richtig ist, da es (mindestens) im Falle „The Pirate Bay“ an der internen Vodafone-Adresse 92.79.253.117 endet.

Oder um es kurz zu sagen: Herzlichen Glückwunsch, lieber Kunde, sie haben eine Netzsperre, die sich gegen eine bestimmte Seite richtet, deren Funktionalität grob mit einer Suchmaschine vergleichbar ist. Diese Netzsperre wird ihnen präsentiert von Vodafone. Vielen Dank, dass sie sich für einen Internet-Zugang von Vodafone entschieden haben.

Dass mit der gleichen Vorgehensweise — deren technische Realisierung ja in brauchbarer Weise aufgebaut wurde — beliebige weitere Blockaden gegen andere Rechner im Internet durchgeführt werden können, versteht sich von selbst. Es ist zwar leicht, diese Blockaden durch Verwendung eines Proxy-Servers zu umgehen, aber der unbedarfte Benutzer kommt nur zu dem Eindruck, dass eine bestimmte Ressource im Internet (und keineswegs nur im Web) vollständig verschwunden ist, woraus sich ohne weitere Nachforschung der Schluss aufdrängt, dass ein bestimmter Dienst eingestellt wurde.

Ob das eine Empfehlung ist, die Dienstleistungen des Zugangsproviders Vodafone in Anspruch zu nehmen und zu bezahlen, muss natürlich jeder selbst beurteilen.

Zu klärende Fragen

Ich kann im Moment nicht feststellen, ob dieses Problem nur bei bestimmten Anschlüssen auftritt, oder ob es sich um eine allgemein von Vodafone mit technokratischen Mitteln durchgesetzte Sperre handelt. Dies können nur andere Menschen mit einem von Vodafone zur Verfügung gestellten Zugang zum „Internet“ (in Anführungszeichen, weil gezielt Bereiche des Internet ausgeblendet wurden) beurteilen. Das einfachste Mittel, dies für den eigenen Anschluss herauszufinden ist es, einfach die Website von „The Pirate Bay“ einmal im Browser aufzurufen. Ich kann nur sagen, dass die hier dokumentierte Sperre (mindestens) einer IP-Adresse bei (mindestens) zwei über Vodafone zur Verfügung gestellten „Internetzugängen“ auftritt.

Nachtrag 17. Mai 2012, 16:17 Uhr

Die hier beschriebenen Experimente habe ich heute morgen zwischen 4:30 und 5:15 Uhr mit verschiedenen Linux-Rechnern gemacht. Diese liefen unter Ubuntu Precise, Debian GNU/Linux 6.0.5 und einer „Strokelinstallation“ mit 2.6er-Kernel auf einem Server, der ich keine Distribution mehr zuordnen möchte. Das Ergebnis zeigt sich weiter oben.

Das ist insofern interessant, als dass sich das Problem bei Vodafone inzwischen verändert hat: Zurzeit können Rechner unter Microsoft Windows nicht auf „The Pirate Bay“ zugreifen, Rechner mit anderen Betriebssystemen schon. Vodafone stellt sich — wie man im verlinkten Forumsthread sehen kann — auf den Standpunkt, es handele sich um ein Problem des Betriebssystemes und nicht um eine Zensurleistung Vodafones. Und tatsächlich ist es jetzt wieder möglich, „The Pirate Bay“ mit einem Vodafone-Zugang aufzufrufen, wenn man Linux verwendet.

Dieser Stellungnahme Vodafones widerspricht leider alles, was ich heute morgen vor meinen Augen hatte und an dieser Stelle mit Screenshots dokumentiert habe. Es hat sich bei dem, was ich heute morgen erlebt und hier dokumentiert habe, definitiv nicht um ein Betriebssystemproblem mit Microsoft Windows gehandelt, sondern darum, dass (mindestens) zu einem bestimmten Rechner im Internet von Seiten Vodafones nicht geroutet wurde, also um mutmaßlich aktive und vorsätzliche Zensur durch Vodafone. Die jetzt von Vodafone zur „Erklärung“ im Supportforum vorgebrachten Behauptungen, es handele sich um ein Betriebssystemproblem mit Microsoft Windows widersprechen den hier dargestellten Fakten, sind somit offene und kundenverachtende LÜGE. Das wirft in meinen Augen ein noch nachteilhafteres Bild auf Vodafone als Zugangsprovider als der beschriebene Vorgang selbst, der ganz offensichtlich ein Experiment mit Internetzensur-Technik war.

Nachtrag 17. Mai, 16:51 Uhr

Eine Zensur von „The Pirate Bay“ findet — wie nicht nur in den Kommentaren zu diesem Artikel zu lesen ist, sondern wie ich es auch an anderen Stellen gesehen habe — nicht nur durch Vodafone, sondern auch durch die Telekom und durch Unitymedia statt. Dies sind also bereits die Namen von drei Zugangsprovidern, die ihren Kunden keinen Zugang zum Internet liefern, sondern technischen Aufwand betreiben, um ihre Kunden in der Haltung einer technokratischen Supernanny von Teilen des Internet fernzuhalten. Oder anders gesagt: Die sind die Namen von drei Zugangsprovidern, die ihre zahlenden Kunden verachten, für unmündige, dumme Kinder halten und die folglich keine erwachsenen Kunden wollen. Diesem durch Tätig- und Tätlichkeit geäußerten Wunsch habe ich keine eigene Ergänzung mehr hinzuzufügen.

Vergesst kino.to!

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Zensurförderung durch „Alpha“-Blogger

Vodafone - Hand in Hand mit Zensursula. Wir danken Beetlebum, BildBlog, deutsche blogcharts, Dobschat, Don Dahlmann, Who said I wasn't right, Fernsehlexikon, Flash-Games, fokussiert.com, franziskript.com, fscklog, gamgea.com, hype!, ingriff.com, Lummaland, medienlese.com, Nerdcore, netzwertig.com, neuerdings.com, Open Source, Phlow, pop64.com, popkulturjunkie.de, Pottblog, PSP News, retromedia.de, Spreeblick, Startups, Stefan Niggemeier, Open Source & Web 2.0, Upload Blog, Weltfrieden

Es mag ja sein, dass Geld nicht stinkt. Aber ihr stinkt Ich hoffe, dass ihr an euren dreißig Silberlingen erstickt!

Quelle der Grafik: F!XMBR