Fünfundneunzig Prozent

Ach, da hat doch in NRW der Karsten Rudolph ein bisschen in der kotig zerfallenden Substanz seines Hirnes gewühlt, und eine ganz großartige Idee hervorgekramt: Wenn es Ausschreitungen beim Fußball gibt, denn könnte man dem ja mit Nacktscannern in den Stadien begegnen.

Gut, so etwas ist der ganz normale Wahnsinn unter „innenpolitischen Sprechern“ und Innenministern in der deutschen, demokratischen BRD. Aber bei dieser grellen Absurdität ging sogar CDU-Landtagsabgeordneten Werner Lohn ein kleines Lichtlein auf:

Der CDU-Landtagsabgeordnete Werner Lohn hält den Einsatz von Nacktscannern für unverhältnismäßig: „95 Prozent der Fußball-Fans sind friedliche Zuschauer.“

In der Tat, Herr Lohn, da haben sie recht. Und, nur um diese kleine Ergänzung zur Verhältnismäßigkeit einmal anzufügen: Mindestens 99,9999 Prozent aller Fluggäste sind gewöhnliche, friedliche Reisende, die einfach nur mit einem Flugzeug woanders hinkommen wollen und sich dabei sehr viel zivilisierter und friedfertiger aufführen, als die so genannten „friedlichen Fußballfans“, die polizeibeschützt Fascho-Parolen („Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“ höre ich fast jedes Mal, und die Bullen stehen schützend daneben) skandieren, ihre Bierflaschen auf Straßen und Radwegen zerdeppern, die Pose einer gut gepflegten Gewaltbereitschaft einnehmen und einem in ihrem viehischen Gebrüll immer wieder glauben lassen, dass der Affe auch vom Menschen abstammen könnte. Und dass in der CDU niemand ein Problem mit der „Verhältnismäßigkeit“ sieht, wenn wegen eines höchstens tausendstel Promilles möglicherweise gefährlicher Fluggäste jeder Mensch, der ein Flugzeug besteigen will, vor irgendwelchen Bullen automatisiert nacktgemacht werden soll, das spricht Bände.

Terrorist, komm an Bord!

Zitat aus der rbb-Website:

Da regt sich ganz Deutschland über Sinn oder Unsinn sogenannter Nacktscanner an deutschen Flughäfen auf – und niemand bemerkt, dass an anderer Stelle eine wesentlich größere Sicherheitslücke klafft! KONTRASTE hat aufgedeckt, dass sich potentielle Terroristen mit einem Datendiebstahl per Funk mühelos Zugang auf das Flughafengelände verschaffen können. Eine beängstigende Vorstellung. […]

Keine Personalkontrollen dagegen an vielen Eingängen für das Flughafenpersonal, dabei ist hier die Sicherheit besonders gefährdet, wie KONTRASTE nachweist.

Im Zentrum des Sicherheitslecks stehen die Chipkarten der Flughafenmitarbeiter. Sie lassen sich per Funk heimlich auslesen. Terroristen, die diesen Abhörvorgang beherrschen, kommen am Hamburger Flughafen mit den geklauten Daten ohne persönliche Kontrolle direkt zum Rollfeld und können eine Bombe an Bord eines Flugzeugs schmuggeln, erzählt uns ein Mitarbeiter.

Na denn, guten Flug ihr nacktgescannten Opfer. Das man euch zum technokratischen Freimachen vor den Augen irgendwelcher Bullen nötigt, ist vollkommen sinnlos und bedeutet keine Spur zusätzlicher Sicherheit. Aber es hat den großen Vorteil, dass ihr euch schon einmal daran gewöhnt, dass dieser ominöse Begriff von „Würde“ gegenüber dem Staat und seinen Bütteln nicht die geringste Bedeutung hat in eurer Deutschen Demokratischen Bananenrepublik. Und das ist ja auch ein Signal. Und zwar ein gewünschtes.

Karsten Nohl, Chaos Computer Club „Das System auszuhebeln ist einfach, was uns sehr überrascht hat, weil es als Sicherheitssystem vermarktet wird und sehr verbreitet ist. Wir waren schlicht schockiert, überhaupt keine Hürden zu finden, die wir hätten überwinden müssen.“

Die beiden Computerspezialisten Henryk Plötz und Karsten Nohl geben ihre brisante Entdeckung Ende Dezember an die Sicherheitsbranche weiter. Seitdem müsste der Flughafen also Bescheid wissen. Bis heute aber wird an den Personalzugängen unzureichend kontrolliert. Dabei könnte sich längst auch anderswo herumgesprochen haben, dass das Zugangssystem nicht mehr sicher ist.

Das ist einem BRD-P’litiker sowas von scheißegal! Hauptsache, er sieht unter irgendeinem fadenscheinigen Grund nichts weiter als eine Möglichkeit, die Menschen in der BRD an die totale Entwürdigung und an die Überwachung bis hin zur Entblößung zu gewöhnen. Alle Menschen. Am besten immer und überall.

„Ich habe ja nichts zu verbergen…“ — mit diesem Spruch geht es in den Gestapostaat 2.0, aber rasend schnell. Man sollte jedem Idioten, der diesen Spruch auf den Lippen führt, einfach die Klamotten vom Leib reißen, damit er mal wieder etwas bemerkt.