Niemand hat die Absicht…

Das Ministerium für Wahrheit gibt bekannt: Niemand hat die Absicht, einen Polizei- und Überwachungsstaat zu errichten. -- Überwachung ist Sicherheit -- Solidarität mit unseren Überwachungsorganen -- 2013 Neuland -- War is Peace, Freedom is Slavery, Ignorance is Strength

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#Neuland — Brief an Angela Merkel

Der folgende Text ist ein Vollzitat eines Kommentars von smartysmart34 im Forum von Heise Online:

Sehr geehrte Frau Merkel,

So so, das Internet ist also Neuland. Wirklich interessant. Wenn ich von den ersten — noch textbasierten Anfängen ausgehe, dann überschlage ich das Alter des Internet mit ca. 23 Jahren (Öffnung für die Kommerzielle Nutzung 1990 durch die NSF). Und selbst wenn ich den Beginn der Massennutzung durch Amazon (1995), Facebook (2004) und Google (1998) zugrunde lege, so komme ich doch immerhin noch auf 10 – 15 Jahre. Das sind ja nur je nach Rechnung zwischen 4 und 6 Legislaturperioden, das kann man schon mal übersehen.

Aber die eigentliche Frage ist doch: Was daran ist wirklich neu?

Grob vereinfacht nutzen Menschen das Internet um miteinander zu kommunizieren. So gesehen ist es die logische Weiterentwicklung folgender Kette: Persönliches Gespräch → Brief → Telegramm → Telefonat → „Internetprotokoll der Wahl hier einfügen (Mail, Messenger, Blog, etc.)“

Die grundsätzliche Frage hierbei lautet: Wieviel dieser Kommunikation muss ich als Staat mitlesen und auswerten können? Und zwar unabhängig vom Trägermedium. Wieso muss angeblich der E-Mail-Verkehr überwacht werden, die Briefpost aber nicht? Wieso sollen SMS und Chat mitgelesen, persönliche Gespräche aber nicht abgehört werden?

Die Forderung der diversen Geheimdienste kann man übersetzen mit: „Sicherheit kann es nur geben, wenn wir jede Form der zwischenmenschlichen Kommunikation überwachen können.“

Oder anders gefragt: Wieviel Privatheit darf/soll sich eine Demokratie gönnen? Und wenn man zur Wahrung der Sicherheit tatsächlich alle Inhalte überwachen muss, wieso hat das dann ohne diese Überwachung die letzten 60 Jahre so gut funktioniert?

Apropos Sicherheit. Immer wieder lese ich von „Sicherheit garantieren“, „Hundertprozentige Sicherheit erfordert Überwachung“.

Lassen Sie mich dazu sagen:

Niemand will hundertprozentige Sicherheit. Die kann es nicht geben. Das Konzept nennt sich „allgemeines Lebensrisiko“. Das Leben ist riskant, und es endet im Allgemeinen mit dem Tod. Geht es um das Verhindern von Toten? Dann schlage ich in ungefähr dieser Reihenfolge folgende Maßnahmen vor:

  • Freizeitaktivitäten verbieten
  • Hausarbeiten verbieten
  • Autos verbieten
  • Rauchen verbieten
  • Alkohol verbieten

Registrieren wir Küchenmesser, nur weil damit auch Körperverletzungen zugefügt werden? Verbieten wir Briefe, weil man damit Briefbomben verschicken kann? Werden die Käufer eines Hammers überwacht und bespitzelt, weil man damit Menschen verletzen kann? Das Missbrauchspotential einer Sache rechtfertigt noch lange nicht die Überwachung all derer, die sie friedlich verwenden.

Empfehlenswert in diesem Zusammenhang sind die letzten 40 Minuten des Films „I, Robot„.

Zusatzfrage: Wie viele Terror-Opfer gab es in Europa in den letzten 10 Jahren?

Kommen wir noch einmal zurück zum Internet, und ob es wirklich neu ist.

Es gibt tatsächlich einen Aspekt am Internet, der im Vergleich zu den bisherigen Kommunikationsmedien neu ist: Das ist die schnelle Erreichbarkeit von vielen Empfängern bzw. der schnelle Meinungs- und Informationsaustausch zwischen vielen Teilnehmern. Die Frage ist in meinen Augen: Kann ein solcher Austausch tatsächlich eine Gefahr für eine Demokratie sein, oder muss dieser nicht erst recht in einer Demokratie gefördert werden?

Wie kann es sein, dass die freie Kommunikation unter Bürgern vom System als „gefährlich für die innere Sicherheit“ bzw. „Risiko“ eingestuft wird? Müssen wir uns dann nicht eher die Frage stellen, ob das System in der vorhandenen Form vielleicht nicht mehr zur realen Gesellschaft passt?

Anders formuliert: Wenn es in einem System / einer Gesellschaft so viel Ungerechtigkeit und Unzufriedenheit gibt, dass sich einzelne Gruppen nur noch mit Gewalt zu helfen wissen, dann ist die Unterdrückung dieser Gewalt der falsche Ansatz. Ziel sollte vielmehr sein, die Lebensbedingungen so anzupassen, dass es keinen Grund zur Gewalt gibt.

Aber selbst wenn man anerkennt, daß es in einer derart großen Gesellschaft immer eine Seite gibt, die sich benachteiligt oder unterdrückt fühlt, und dass es immer gewaltbereite Chaoten gibt, so stellt sich doch die Frage: Löse ich das Problem mit flächendeckender Überwachung der 99% friedlichen Bürger?

Nehmen wir an, wir würden es versuchen. Alle zu überwachen. Ich sehe dabei zwei große Probleme:

  • Diejenigen, die sich wirklich kritische Nachrichten zukommen lassen wollen, können
    1) Technisch verschlüsseln. Das wirkt garantiert. Aber auch normale, um ihre Privatsphäre besorgte Menschen verschlüsseln informationen. Sind diese dann automatisch auch im Fahndungsraster?
    Das Ergebnis würde den Überwacher jedenfalls nicht weiter bringen.
    2) Oder man entwickelt eben einen „Sprachcode“, in dem z.B. Wörter und Formulierungen andere Bedeutungen haben. Die Semantik wird verändert und man bleibt ganz ohne technische Verschlüsselung ganz ohne Verdacht. Aber der „Abhörende“ versteht wieder nichts. Bringt den Überwacher also auch nicht weiter.
  • Alle anderen (die normalen Bürger) haben ein viel größeres Problem. Es geht schließlich nicht darum, dass irgendwo ein Volkspolizist die eMails liest. Diese Überwachung läuft in den heutigen Szenarien maschinell. Ein Programm analysiert Inhalte und Zusammenhänge und legt basierend auf den Ergebnissen neue Informationen an. Simples Beispiel:
    Sie bestellen beim Versandhandel parfumfreie Body-Lotion. Zwei Monate später bestellen Sie Vitaminpräparate. Ab dieser Bestellung sind sie im System als mit hoher Wahrscheinlichkeit „schwanger“ gespeichert. Sie haben das nie behauptet, sie sind es vielleicht nicht, Sie haben die Produkte vielleicht nicht mal für sich selbst bestellt. Dem System ist das egal.
    Das Beispiel zeigt: Es geht nicht um das, was man selbst sagt oder tut, sondern um das, was hineininterpretiert wird. Und das ist für den Betroffenen intransparent. Aber nach genau dem gleichen Muster landet man ggf. auf einer Terrorliste, in einer No-Fly-Datenbank oder in sonst einem der geheimen Register. Bringt uns das weiter? Sicher nicht.

Über all dem geht es für mich um die Frage. Wie weit vertraut der Staat seinen Bürgern und wer kontrolliert wen.

Kontrolle muss von unten nach oben passieren. Die Bürger müssen wissen, was der Staat und seine Organe tun. Wieso etwas passiert. Und in wessen Interesse es ist. Der Staat selber darf seine Bürger nicht überwachen. Zumindest nicht grundlos und unkontrolliert. Denn das wäre ein Misstrauensvotum gegen die Gesellschaft. Und wenn ein Staat seinen Bürgern grundsätzlich misstraut, dann muss er sich immer fragen:

  • Wieso sollten die Bürger dann mir vertrauen?
  • Und: Wenn „ich“ als Staat meinen 80 Millionen Mitbürgern grundsätzlich nicht vertraue, dann liegt das Problem wahrscheinlich auf meiner Seite.

In diesem Sinne: Aufwachen!

Ein besorgter Bürger ohne das Vertrauen, sich hier öffentlich zu seiner Meinung zu bekennen.

Eine Unbeteiligte will über die Zukunft „reden“

Screenshot ARD-Videotext: Merkel sammelt online Bürgerideen -- Bundeskanzlerin Angela Merkel will über das Internet Bürgerideen zu Zukunftsfragen Deutschlands sammeln. Auf einem neuen Portal können Interessierte bis zum 15. April Vorschläge machen. Mit den Autoren der zehn Ideen, die von den Nutzern am besten bewertet werden, will Merkel im Kanzleramt diskutieren

Frau Kanzlerdarstellerin!

Ich finde das ja ganz toll, dass sie als vollständig Unbeteiligte mit „den Bürgern“ im „Internet“ über die Zukunft sprechen wollen, aber für jegliches kommunikative Miteinander im Internet haben sie und ihresgleichen sich bereits disqualifiziert. Dies gilt in umso größeren Maße, als dass sie einer Fraktion des Bundestages angehören, die Presseerklärungen auf der offiziellen Fraktionwebsite von einer emotional und intellektuell offensichtlich zurückgebliebenen Gestalt verfassen lassen, die sich vor noch nicht einmal einer Woche in einer offenen Kampfansage an alle Internetnutzer in Deutschland geübt hat. Wenn sie überhaupt noch so etwas wie Schamgefühle hätten, Frau Kanzlerdarstellerin, dann würden sie auf derartig plumpe PR-Nummern einfach verzichten.

Ich kann mir, wenn es um Zukunftsfragen geht, sehr gut eine schon in wenigen Jahren beginnende Zukunft vorstellen, in der man den Wahnsinn der Individualmotorisierung ganz allgemein als absurde und zerstörerische Epoche der europäischen Geschichte und speziell auch ihre, recht einseitig an den Bedürfnissen der Autoindustrie ausgerichtete Wirtschaftspolitk als holzköpfig, wenn nicht gar als betonköpfig erkennen wird. Ich kann mir allerdings keine Zukunft vorstellen, in der vernetzte Computer nicht eine wesentlich bedeutendere Rolle spielen als heute. Deshalb sind sie, Frau Kanzlerdarstellerin, ja auch an der Zukunft nicht mehr wirklich beteiligt. Sie — und ihre blinden Unterstützer, die nur noch das eigene Ende vor Augen haben — gehören zu einer Generation, die ausstirbt. Und vor dem Aussterben ist das Ansterben gesetzt. Dabei wünsche ich ihnen ungetrübten und bewussten Genuss.

Ich wünsche mir, dass selbst jenes Viertel der bundesdeutschen Bevölkerung, das aus dem einen oder anderen Grund ohne Internet lebt, ihre lächerliche PR-Kampagne klar als das erkennt, was sie ist, Frau Kanzlerdarstellerin, nämlich als lächerliche PR-Kampagne, die sich ein paar Werber im Auftrage ihres Fortschrittsverhinderungsvereins namens CDU ausgedacht haben, um den jüngsten Erfolgen der Piratenpartei wenigstens etwas simulierte Netzdemokratie entgegenzusetzen, damit ihr Fortschrittsverhinderungsverein CDU, Frau Kanzlerdarstellerin, nicht mehr auf dem allerersten Blick seinen fossilen Charakter verrät. Als ich heute nachmittag und abend beim Betteln mit ganz normalen Menschen — etliche von ihnen im besten Sinne des Wortes wertkonservativ — über ihre tollen „Kommunikationsversuche“, Frau Kanzlerdarstellerin, gesprochen habe, hat jeder von ihnen durchschaut, dass seine Worte, die er in die für sie von Werbern programmierte Website reinschreibt, in die Flammen und das Nichts gesprochen sind; dass das Mitmachen bei diesem Unfug reine Vergeudung von beschränkter Energie und Zeit ist. Jemanden, der auch nur eine Spur Glaubensbereitschaft gegenüber ihrer PR-Kampagne gezeigt hätte, bin ich hingegen zumindest hier in Hannover nicht begegnet.

So viel simulierte Gesprächsbereitschaft können sie gar nicht in das Lügenfernsehen und die Springerpresse reinrotzen lassen, das sich das ändert. Ihnen, Frau Kanzlerdarstellerin, glaubt niemand mehr, wenn sie so einen idiotischen Versuch im Internet machen. Die Mehrzahl der Menschen konsumiert heute nicht nur die oft seltsam gleichlautenden Ergüsse einiger Handvoll Milliardäre, für die dieses Privileg „Pressefreiheit“ wirklich gilt. Viele haben erst durch das Internet entdeckt, dass sie in ihrem Denken und Erkennen nicht allein dastehen, und mittlerweile ist eine ganze Generation groß geworden, für die dieses „nicht allein dastehen“ eine ständige Erfahrung war. Was glauben denn sie, woher diese komischen Leute kommen, die eine Piratenpartei gegründet haben?

Bitte verabschieden sie sich, und nehmen sie dabei ihren ganzen Verein von Fortschrittsverhinderern namens CDU/CSU-Fraktion mit, in die Bedeutungslosigkeit, damit die Zukunft wenigstens etwas besser aussehen kann als die Gegenwart. Es gab und gibt viel zu tun, und sie haben nichts daran getan — stattdessen haben sie versucht, Entwicklungen auszusitzen und vermutlich klammheimlich gehofft, dass auch dieses Internetdingens wieder weggeht. So, wie es ihr Abgesandter in der Internetenquete, dieser Ansgar Henning, auch tut. Und so, wie sie jetzt hoffen, dass in den nächsten Wochen im immerwährenden Strom der Bullshit-News vergessen wird, dass ihr Wunschbundespräsident, ihr Freund und Mitfortschrittsverhinderer Christian Wulff, ein verlogener, korrupter Heuchler ist.

Tschüss!

PS: Nur eine Frage brennt noch in mir, Frau Bundeskanzlerin. Haben sie sich auch — wie ihre Kabinettskollegin Kristina Schröder — fast eine halbe Million Euro dafür abknöpfen lassen, so etwas ähnliches wie ein Webforum irgendwo hinstellen zu lassen, oder haben sie wenigstens diesmal jemanden gefragt, der sich damit auskennt. Geld ist nämlich viel zu schade, um es einfach über völlig überteuerte Angebote aus dem Fenster zu werfen.

Ach, interessiert sie nicht, weil es nicht ihr Geld ist? Weil andere Menschen mit ihrer beschränkten Kraft und Zeit schon neues Geld für ihre Gestaltungsideen generieren? Na, diese Art des Denkens wundert mich nicht bei ihnen und ihresgleichen.

Quelle des Screenshots: Videotext des BRD-Staatsfernsehens ARD, Seite 526, Stand vom 4. Februar 2012, 22:19 Uhr

Kurz verlinkt

Angela Merkel hat in den großen Fragen der jüngeren Zeit jeweils jeden Standpunkt vertreten, den man vertreten konnte: Für und gegen Atomkraft, gegen und für Hilfen für Griechenland, für und gegen die Wehrpflicht […]

Bei „Print Würgt“ weiterlesen!

Wenns im eigenen Land bergab geht…

Wenns im eigenen Land bergab geht und das Leben von immer mehr Menschen immer aussichtsloser und bescheidener wird, denn ists ja im Rahmen der EU p’litisch sehr bequem, populistisch hoch wirksam und gewünscht brandbeschleunigend, den dummen Neid der bierseligen Stammtische auf die Menschen in anderen Staaten der EU zu schüren — vor allem, wenn diese gerade mit Finanzhilfen (also Steuergeldern) aus einer Krise geholt werden, die vor allem von einer entfesselten Finanzwirtschaft verantwortet wurde. Die leerherzige Frau Angela Merkel, die das Handwerk der Agitation und Propaganda noch in der DDR gelernt hat, mag sich da auch nicht zurückhalten, wenn sie folgende Worte in die Mirkofone spricht:

Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen — das ist wichtig.

Ein Teil der Wirklichkeit hinter diesen Worten lässt sich bei Print Würgt nachlesen. Und danach bitte gleich zum Oeffinger Freidenker weitergehen!

Richtig-Dichtung: Merkels Neujahrsansprache

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Liebe Bürginnen und Bürgen,

lassen Sie mich ganz offen sein: […]

glauben sie mir, die ich sonst um keine Lüge verlegen bin, dass ich hier ganz offen bin.

Als ich vor einem Jahr genau hier saß und zu Ihnen sprach, da habe ich bei aller Zuversicht durchaus auch mit gemischten Gefühlen in die Zukunft geschaut, denn unser Land steckte tief in der Finanz- und Wirtschaftskrise. Es war die schwerste Krise seit über 60 Jahren.

Vor einem Jahr saß ich schon einmal hier, und ich habe mit sehr gemischten Gefühlen in die Zukunft geschaut. Denn die Spekulationen meiner Freunde aus der Banken- und Finanzmafia in den Börsencasinos der Welt waren so richtig schief gegangen, und zum ersten Mal seit sechzig Jahren hätten meine spendablen und mich stets unterstützenden Freunde unter den Vampiren ordentliche Verluste machen können. Doch zum Glück habe ich es zusammen mit meinen asozialen Freunden aus der classe politique, mit der INSM, meinen Speichelleckern aus der Journaille und diversen so genannten Talkshows hinbekommen, dass überall nur zu hören war, dass die „Rettung“ dieser Vampire alternativlos sei. Gut, dass ich das mit der Agitation und Propaganda damals in der DDR gelernt habe.

Doch trotz aller berechtigten Sorgen – es wurde ein gutes Jahr für Deutschland.

So wurde es trotz aller Sorgen für einige Menschen in Deutschland ein gutes Jahr — und es regte sich kein ernstzunehmender Widerstand. Das erfüllt mich mit großem Optimismus, dass ich mit meinen ganzen Verbrecherfreunden auch in Zukunft mit jeder noch so windigen Nummer durchkommen werde. Hauptsache, die Menschen lassen sich davon verblenden, wie gut es Deutschland geht und fragen niemals danach, wie es der Mehrzahl der Menschen in Deutschland geht.

Und über eines vor allem können wir uns freuen: Noch nie hatten im geeinten Deutschland mehr Menschen Arbeit als heute. Die Zahl der Arbeitslosen ist die Niedrigste seit fast 20 Jahren.

Über eines habe ich mich mit meinen Verbrecherfreunden ganz besonders gefreut: Noch nie gab es in Deutschland so viele Menschen in völlig rechtlosen und sklavenhaften Elendsarbeitsverhältnissen wie heute.

Deutschland hat die Krise wie kaum ein anderes Land gemeistert. Was wir uns vorgenommen hatten, das haben wir auch geschafft: Wir sind sogar gestärkt aus der Krise herausgekommen. Und das ist vor allem Ihr Verdienst, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Die profitierende Minderheit in Deutschland hat das Scheitern ihrer verantwortungslosen Spekulationen in einer Weise gemeistert, wie sie sonst auf der Welt nur selten zu beobachten ist, weil sich — wenn man von der VR China einmal absieht — andernorts die Menschen kaum dermaßen belügen lassen, dass sie darüber ihre eigenen Interessen und ihr eigenes Lebensrecht verachten. Ja, die profitierende Minderheit hat sich sogar ordentlich Geld in die Taschen stopfen können und ist aus dem Scheitern ihrer verantwortungslosen Spekulationen gestärkt herausgekommen. Und das, liebe Bürginnen und Bürgen, wird vor allem von ihnen bezahlt und geht auf Kosten ihres jetzigen Lebens und ihrer Zukunft.

Deutschland ist so erfolgreich, weil Sie Tag für Tag Ihre Arbeit machen. Sie sind früh morgens auf den Beinen. Sie arbeiten im Schichtdienst, an Sonn- und Feiertagen. Sie kümmern sich um Aufträge und um Ihre Mitarbeiter. Sie meistern Ihren Alltag, wie schwer er oft auch sein mag.

Eine kleine Minderheit der Einwohner Deutschlands ist so erfolgreich, weil eine große Mehrheit der Einwohner Deutschlands jeden Tag klaglos funktioniert, das eigene Lebensrecht verachtet, Propaganda mit Wahrheit verwechselt und das Gehirn an der Garderobe abgibt.

Gemeinsam haben wir Enormes geleistet. Wir haben erfahren, was möglich ist.

Gemeinsam ist uns die Leistung. Immer mehr Menschen erbringen immer mehr Leistung, damit sich immer weniger Menschen immer mehr leisten können. Unfassbar, dass das so einfach möglich ist, da wäre sogar Ulbricht noch neidisch geworden.

Das ist wichtig, denn wir Deutschen sind uns unserer Stärken selbst nicht immer bewusst. Unsere Fußball-Nationalmannschaft hat in Südafrika ganz wunderbar genau die Tugenden gezeigt, die uns stark machen: Fleiß und Disziplin, Ideenreichtum und Technik auf höchstem Niveau.

Es ist wichtig, dass die meisten Einwohner Deutschlands auch weiterhin mithelfen, die Zukunft ihrer Heimat zu zerstören und den Patriotismus mit dem Vuvuzela-Hupen zur größten kommerziellen Sportveranstaltung der Welt verwechseln. Also bleibt schön fleißig, diszipliniert, lasst die Besitzenden durch eure Ideen noch reicher werden und kauft euch technischen Tinnef aller Art, von dessen Funktionsweise ihr nichts versteht.

Nur ein Wort noch zum Fußball: Wenn nächstes Jahr die Frauen-WM in Deutschland stattfindet, dann will unsere Mannschaft zum dritten Mal den Titel holen. Mit unserer Unterstützung kann sie es wirklich schaffen, ich jedenfalls freue mich schon auf das Eröffnungsspiel in Berlin.

Und auch zu den Frauen könnt ihr hupen. Aber das kriegt das Staatsfernsehen schon hin, dass sich jeder Halbaffe dabei bis zur Entgeisterung begeistert. So etwas müsst ihr für Deutschland halten, während wir eure Heimat an den Meistbietenden verkaufen.

Aber bei aller Zuversicht: Unsere Stärken werden wir auch in Zukunft beweisen müssen – und zwar nicht nur im Fußball.

Was ich euch jetzt erzähle, ist beinahe so sportlich wie Fußball:

Europa steht in diesen Monaten inmitten einer großen Bewährungsprobe. Wir müssen den Euro stärken. Dabei geht es nicht allein um unser Geld. Der Euro ist ja weit mehr als eine Währung.

Der Euro ist mehr als eine Währung. Der Euro ist der Kern Europas. Der Euro ist die gesamte europäische Kultur und Geschichte. Der Euro ist wichtig. Der Euro ist nicht nur Geld, der Euro ist die große Bewährungsprobe. Wir müssen ihn stark machen, egal was geschieht. Diesem großen, staatsheiligen Ziel ist alles unterzuordnen. Opfer! Opfer müssen gebracht werden. Es geht ums Überleben! Jetzt! Und morgen! Und gestern! Und in alle Ewigkeit!

Wir Europäer – wir sind zu unserem Glück vereint. Das vereinte Europa ist der Garant für unseren Frieden und Freiheit. Der Euro ist die Grundlage unseres Wohlstands.

Der Euro ist Frieden. Der Euro ist Freiheit. Der Euro ist Einheit. Der Euro ist Wohlstand — zumindest für jene, deren Interessen ich vertrete. Der Euro ist Glück. Der Euro ist „Wir“. Klingt „wirr“. Macht nichts, ist alles schneller gesagt, als die Hörer denken können.

Deutschland braucht Europa und unsere gemeinsame Währung. Für unser eigenes Wohlergehen wie auch, um weltweit große Aufgaben zu bewältigen.

Ohne Euro gibt es kein Deutschland. Der Euro ist „Wir“. Der Euro ist „Gemeinsamkeit“. Der Euro ist „Wohlergehen“. Der Euro ist wichtig, um „weltweit große Aufgaben“ zu bewältigen…

Wir Deutsche nehmen unsere Verantwortung wahr – auch wenn sie manchmal sehr schwer ist.

…und das ist jedes nur erdenkliche Opfer in den „weltweit großen Aufgaben“ wert, sogar…

Unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan mussten in diesem Jahr den Tod von neun Kameraden verkraften. Auch wenn kein Wort von mir das Leid der Familien und Freunde der Gefallenen tatsächlich mildern kann, will ich von Herzen sagen: Ich vergesse sie nicht.

…einen verfassungswidrigen Krieg an der „deutsch-afghanischen Grenze“. Die Soldaten der Bundeswehr morden und verrecken für den Euro.

Auch die körperlich und seelisch Verwundeten vergesse ich nicht. Ich hoffe so sehr, dass sie rasch wieder gesund werden können.

Ich als Kriegsherrin sage euch mit zum eisernen Kreuz gekreuzten Fingern und eiskalten Krokodilskullertränchen, dass mir das Elend dieses verbrecherischen Krieges sehr nahegeht. Aber ist nur halb so schlimm für die Kriegsversehrten, das wird schon wieder.

Die Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan haben mir erzählt, dass viele Menschen, auch ganz unbekannte, ihnen zu Weihnachten Briefe und Päckchen geschickt haben. Sie haben mich ausdrücklich darum gebeten, Ihnen dafür zu danken. Das tue ich hiermit sehr, sehr gerne.

Die Propagandabeauftragten der Kämpfer an der „deutsch-afghanischen Grenze“ haben mir erzählt, dass sie nach der kernerschen Weihnachts-Talkshow von der Front Berge von Briefen und Päckchen von der Heimatfront erhalten hätten und ich bedanke mich im Namen der Propagandabeauftragten der Kämpfer an der „deutsch-afghanischen Grenze“ für diesen Rückhalt. Das ist toll. Gut, dass Kerner so viel mehr Reichweite als das Grundgesetz hat.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Liebe Bürginnen und Bürgen,

so wie wir mit Hoffnung in die Zukunft blicken, so tun das auch die Menschen in anderen Teilen der Welt. Auch sie haben Vorstellungen davon, wie sich ihr Land entwickeln soll. Damit fordern sie auch uns Deutsche heraus, nicht stehen zu bleiben.

so, wie jene Minderheit der Deutschen, für deren Interessen ich stehe, mit Hoffnung in die Zukunft blicken, so tun das auch Menschen an anderen Orten in der Welt. Die haben Vorstellungen davon, welchen Krieg wir als nächstes führen sollen.

Die christlich-liberale Bundesregierung setzt deshalb alles daran, im kommenden Jahr wichtige Etappenziele zu erreichen.

Die Bande von Verbrechern, die mich zur Kanzlerdarstellerin gemacht hat, setzt deshalb alles daran, im kommenden Jahr jene Ziele zu erreichen, die für die Bande, die mich zur Kanzlerdarstellerin gemacht hat wichtig sind.

Das wohl wichtigste: Noch mehr Menschen sollen Arbeit bekommen können.

Das wichtigste Ziel: Noch mehr Menschen sollen in rechtloser Quasi-Zwangsarbeit für einen Hungerlohn zu Gunsten der Besitzenden malochen.

Auch werden wir unsere Finanzen weiter in Ordnung bringen und die Steuern vereinfachen.

Auch werden wir den Bundeshaushalt entlasten, indem wir das Geld, das wir den Bankstern geschenkt haben, damit diese weiterzocken können auf offene und versteckte Weise allen aus der Tasche ziehen. Vermutlich werden das unsere Propagandaschreiber als „Vereinfachung“ verkaufen.

Wir wollen den Zusammenhalt in unserem Land stärken, gerade zwischen denen, deren Familien immer schon hier gelebt haben, und denen, die sich als Zuwanderer integrieren.

Zu Sportereignissen wollen wir gern etwas hupend und trötend aufgeführten Zusammenhalt in diesem Land, aber niemals soll es zu so viel Zusammenhalt kommen, dass sich die Menschen auf ihr gemeinsames, jedem Menschen gehöriges Lebensrecht besinnen und gemeinsam dafür einstehen. Auch im nächsten Jahr werde ich zusammen mit meiner ganzen Regierung offen mit der Springer-Journaille zusammenarbeiten, die immer wieder dafür sorgt, dass rassistische und sexistische Gräben zwischen den Menschen stehen und dass sich der Hass der vielen um ihr Leben betrogenen Menschen niemals auf die wirklichen Betrüger richtet. Dank auch an Burda und den Spiegel.

Wir nehmen den Begriff von der Bildungsrepublik Deutschland ernst: So schaffen wir viele neue Studienplätze – und wir führen Bildungsgutscheine ein für Kinder, die bisher zu oft am Rande standen.

Wir Profiteure des gesellschaftlichen Zerfalls nehmen das mit der Bildung ernst. So führen wir den Rückbau der Universität zu einer höheren Berufsschule weiter, und wir sehen ein, dass es angesichts der von uns geschaffenen Zustände nur passt, wenn diese Unfugversitäten von jedem besucht werden. Wir, also ich zusammen mit den Profiteuren des Elends und der sich ständig ausweitenden Verdummung, drücken dafür auch gern ein paar armen Kindern — Kinder sind immer gut für die Propaganda — ein paar Gutscheine in die Hand.

Wir gehen den Weg zur modernsten Energieversorgung der Welt, die Klima und Umwelt schont und bezahlbar ist.

Wir Maden am zerfallenden Deutschland verklappen auch weiterhin verantwortungslos und auf der Grundlage manipulierter Studien radioaktive Abfälle in irgendwelche Atomklo-Löcher und sind guter Hoffnung, dass das erst ein Problem der Menschen nach uns ist.

Wir vollenden den Wandel der Bundeswehr zu kleineren und flexiblen Streitkräften, indem wir die Wehrpflicht durch einen freiwilligen Wehrdienst ersetzen. Dem Zivildienst wird ein Freiwilligendienst folgen. Das alles ist ein Einschnitt, ich weiß. Aber es ist auch eine Chance für unser Land, denn wir brauchen die Solidarität von allen – von Mensch zu Mensch.

Wir neuen Imperialisten und Brutalkapitalisten sehen zu, dass wir in Zukunft eine Armee haben, die vor allem aus Menschen besteht, die sich freiwillig verpflichten. Das ist gut, denn das tun vor allem solche Menschen, die sonst nicht mehr viel werden könnten — und die nicht so leicht vermisst werden. So etwas lässt sich besser „einsetzen“, wenn das mit dem Einsatz in den internationalen Finanzcasinos mal nicht mehr hinreicht. Trotz der abgeschafften Wehrpflicht wollen wir aber nicht auf die billigen Arbeitskräfte für die kirchlichen Institutionen und das Krankheitswesen verzichten, deshalb gibts demnächst eine weitere Form der staatlich angeordneten Zwangsarbeit. Um diesen vergifteten Keks schmackhaft zu machen, nennen wir ihn eine „Chance“, wir nennen ihn „Solidarität“ und wir sprechen von Menschlichkeit, wo es um gesetzliche Grundlagen für Billigarbeit und Lohndumping geht.

Sie kann nie allein vom Staat geleistet werden. Ich danke den vielen Menschen in unserem Land, jungen wie alten, die wie selbstverständlich und oft unbemerkt anderen Menschen helfen.

Jetzt noch schnell einen feuchten Dank an jene hinterherklatschen, die sich knechten und entrechten lassen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Liebe Bürginnen und Bürgen,

das alles ist Deutschland, unser Deutschland im 21. Jahrhundert. Das alles trägt zu Zusammenhalt und Wohlergehen bei. Denn Wohlergehen und Wohlstand – das heißt nicht nur „mehr haben“, sondern auch „besser leben“.

das ist Deutschland. Das ist Zusammenhalt und Wohlergehen. Für die Profiteure des Zerfalls des Landes ists nicht nur „mehr haben“, sondern auch „besser leben“. Für andere siehts nicht so toll aus, aber für die rede ich auch nicht.

Dafür brauchen wir Sie: die Menschen, die etwas besser machen wollen, die sagen: Geht nicht, gibt’s nicht, die eine Idee haben und den Mut, sie auch umzusetzen.

Damit das noch eine Zeitlang so weitergehen kann, brauchen wir immer wieder Deppen, die funktionieren oder sogar aktiv mitmachen. Die sollen ihre Rückgratlosigkeit als „Idee“ und als „Mut“ empfinden.

Der Philosoph Karl Popper hat gesagt: „Die Zukunft ist weit offen. Sie hängt von uns ab, von uns allen.“ Lassen Sie uns in diesem Sinne mit Ideen, mit Neugier, mit Leidenschaft und mit dem Blick für den Nächsten die Lösung neuer Aufgaben anpacken.

Unsere Ärsche und Taschen stehen weit offen. Dass in unseren Taschen Geld gesteckt wird und dass in unsere Ärsche gekrochen wird, das hängt davon ab, dass es immer wieder genug Menschen gibt, die in unsere Taschen Geld stecken und in unsere Ärsche kriechen. Seien sie neugierig, statt aus ihren bisherigen Erfahrungen zu lernen und das Offensichtliche zu sehen, entwickeln sie neue Ideen und eine große Leidenschaft, unsere Taschen zu füllen und in unsere Ärsche zu kriechen. Ja, nennen sie das eine „Aufgabe, eine „Lösung“ oder — wenn ihnen meine Freunde, die Pfaffen, genug ins Hirn gebissen haben — auch ruhig „Nächstenliebe“! Verachten sie sich selbst einfach!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien für 2011 Gesundheit, Kraft, Zufriedenheit und Gottes Segen.

Ich wünsche ihnen und ihren Familien für 2011 in Pferdestärken messbare Kraft, gefügige Verwertbarkeit, Angst vor jeder Veränderung, Dummheit und blinden Glauben.

Endlich! Teile der Bevölkerung abgewählt!

Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das, was uns ausmacht. Wer das nicht akzeptiert, der ist bei uns fehl am Platz.

Frau Bundeskanzler,

danke nochmals für ihre klaren Worte! Sie haben nicht nur mich — durchaus ein Opfer des von ihnen als unabdingbar für das Daseinsrecht in der BRD benannten „christlichen Menschenbildes“ — mit ihrer plumpen, kalten, zynischen und staatsreligiösen Rhetorik abgewählt, sondern zusammen mit mir viele Millionen Menschen, die in Deutschland leben.

Fahren Sie bitte in ihren Himmel! Aber schnell!

Der Unterschichtler