Ein gutes Stück Heimat

Das Gute liegt so nah... -- Deutsche Kartoffeln -- Ideal als klassische Beilage oder für die Zubereitung von Bratkartoffeln - Aus deutschem Vertragsanbau -- Gekocht und küchenfertig -- In der Heimat gepflanzt, gewachsen, geerntet

Das auf Deutsches so viel Wert legende Zielpublikum dieses Produktes aus einem Lidl-Prospekt ist offenbar weder dazu imstande, Kartoffeln zu schälen noch dazu, diese zu kochen — beides übrigens keine besondere Herausforderung an die Kochkünste.

Ein gutes Stück Heimat -- Ursprung ist HeimatSicherlich, die in den alten Zivilisationen Amerikas kultivierte Kartoffel will von ihrem Ursprung her gar nicht recht zu den Worten „Ursprung ist Heimat“ passen, und sie hat erst durch den Kartoffelbefehl Friedrich II. ihren Weg auf die deutschen Teller gefunden, aber was schert sich so eine Zielgruppe oder der Werber, der so eine Zielgruppe ansprechen muss, schon um solche Details. Dieser pflanzliche Ausländer ist hier längst eingebürgert und zudem ausgesprochen lecker, und kleine Unstimmigkeiten im Ahnenpass werden da verschwiegen.

Besonders leerreich ist übrigens die Anpreisung, dass diese Kartoffeln „in der Heimat gepflanzt gewachsen geerntet“ sind — ohne diese Aufklärung aus der Reklame hätte ich jetzt wirklich geglaubt, das Nachtschattengewächs, das diese schmackhaften Knollen im Boden bildet, verfüge über Laufwurzeln, mit denen es aus dem Ausland zuwandern kann oder gar den heimatlichen Boden in niederträchtig fahnenflüchtiger Weise verlassen könne. Aber nein, die Kartoffeln wachsen tatsächlich dort und werden schließlich dort geerntet, wo sie angepflanzt wurden. Das ist doch faszinierend.

Und immerhin: Lidl muss gar nicht im Ausland produzieren, wenn man doch die Arbeitsbedingungen der „Dritten Welt“ auch einfach importieren kann.

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Coca-Cola Nostalgie-Blechschild - 4 vorgestanzte Löcher zum Befestigen - Maße ca. 50 x 25 cm bzw. 45 x 30 cm. - je 4,99 Euro

Genau darauf haben wir doch alle die ganze Zeit gewartet: Dass uns die Werber der heutigen Zeit die Werbung der vergangenen Zeit wie ein „Schmuckstück“ aufbereiten, damit wir uns damit die Wände unserer Wohnquader vollhängen können. Natürlich für ein Produkt, die es noch gibt — wenn auch inzwischen ganz ohne zugefügtes Kokain, aber dafür umso zuckriger. Ist ja aus der Sicht eines Werbers zu bedauerlich, dass die privaten Bereiche der Menschen immer noch frei von der Pest der sonst so allgegenwärtigen Reklame sind. Und wer sich so etwas an die Wand hängt, kriegt dafür nicht etwa Geld, sondern soll dafür auch noch bezahlen. Eine ganz tolle Idee. Eine Idee, die die Welt nicht gebraucht hat.

Quelle des Scans: Aktuelle Postwurfsendung des Gestapoladens (vollständige Überwachung und Entrechtung der Mitarbeiter) Lidl.