Tinnef (70)

Feiern Sie mit uns die Erscheinung des Herrn! Andere mögen dazu ihre eigenen Formen finden, wir schalten das 3-D-Leucht-Kruzifix ein und freuen uns über die 3-D-Effekte in wechselnden Farben. Aus Glas. Durchmesser 4 cm, Höhe 7 cm. Batterie inklusive. 3-D-Leucht-Kruzifix 9,80 Euro

Feiern sie mit uns die Frömmigkeit 2.0 in farbenrohen Tinnef-Look. Andere mögen für ihren (vor allem anlässlich von Krankheiten und Problemen aus der Psyche rausgekramten) Restaberglauben heuchlerische Formen finden, die wenigstens einen leidlich angenehmen Anblick verursachen, unsere Kunden drücken einfach das kleine Knöpfchen und sehen in einem wechselfarbig beleuchteten Tinnef-Kreuz schon das Licht am Ende des Tunnels. Und wenn der Herr genug erscheinen ist, einfach wieder ausschalten — das ist genau so gut, wie Sonntags zur Messe gehen, um die Kinder erst am Montag zu schlagen, bis das Blut kommt, nur eben ohne dieses lästige Zur-Messe-Gehen. Viel Spaß mit ihrer Frömmigkeit 2.0!

Quelle des Scans: Katalog „Die moderne Hausfrau“

Das Kreuz mit dem Kreuz

Es ist ja selten, dass ich an europäischem Recht etwas lobenswertes finde, aber es kommt vor. Sehr lobenswert ist die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, dass das Aufhängen eines Kruzifixes in den Räumlichkeiten für staatliche Zwangsbeschulung (so genannte „Klassenzimmer“) das Menschenrecht Religionsfreiheit beeinträchtigt und somit innerhalb der Europäischen Union nicht zulässig sei.

Dass hier jetzt eine klare Rechtssprechung vorliegt, heißt aber noch lange nicht, dass sich die Vertreter eines so genannten „Rechtsstaates“ daran zu halten begönnen und damit anfingen, die ganzen Lattenjupps aus den bajuwarischen Kinddressurräumen zu entfernen. Die Trennung von Staat und Religion, die auch so hübsch ins Grundgesetz der BRD reingeschmiert wurde, hat nun mal keine besondere Bedeutung, wenn es um die christliche Religion im von Katholiszismus zerfressenen Freistaat Bayern geht, nein, zumindest in Bayern bleiben die kitschigen Nachbildungen eines römischen Galgens vorerst im Auge der Zwangsbeschulten und Leerkörper hängen.

Spaenle [Kultusminister, CSU] sagte, er sehe keine direkten Auswirkungen des Urteils auf Bayern. Müller [Europaministerin, CSU] betonte: „Wir haben eine klare Rechtslage.“ In bayerischen Klassenzimmern können grundsätzlich Kreuze hängen. Sollte sich ein Schüler oder Lehrer aber daran stoßen und glaubhaft darlegen können, dass er sich diskriminiert fühlt, so muss die jeweilige Schule im Einzelfall entscheiden, ob das Kreuz in den Räumen abgehängt wird oder nicht.

Und wenn davon jemand diskriminiert wird, denn darf er den Bittsteller spielen und muss erstmal „glaubhaft begründen“, dass er sich auch wirklich diskriminiert fühlt — ob Schüler (oder ihre Eltern) dies wohl gegenüber den oft sehr willkürlich über die Zukunftschancen entscheidenden Lehrer (die zumindest nicht gerade selten einen offenen Hang zum Sadismus und zur schmachvollen Bloßstellung von ungeliebten Schülern in der Zwangsgemeinschaft der Schulklasse an den Tag legen) versuchen werden, gehört zu den Fragen, die sich jeder beantworten kann, der sein Rückgrat nicht zum Zerbrechen bekommen hat. Kurz gesagt, es bleibt alles beim Alten, scheiß auf die so genannten „Menschenrechte“ in der BRD, das röm.-kath. Christentum wird zur Not eben mit Gewalt durchgesetzt.

Vom Vatikan und seinen Schergen erwartet man ja gar keine andere Haltung mehr, und deshalb wird man auch niemals enttäuscht:

Das Kreuz sei nicht nur religiöses Symbol, sondern auch kulturelles Zeichen, sagte der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer. Er betonte, die Entscheidung habe keine Auswirkungen auf die Praxis in Deutschland.

Sehr „schön“, dass dieses rottendschwarze Stück pfäffischer Brut davon spricht, dass ein Galgen ein „kulturelles Zeichen“ sei — und damit völlig klar macht, was seine Kultur und die von ihm angestrebte Kultur in Deutschland ist.

Auch in Italien wird ordentlich von den Kirchen in die Mikrofone der Journaille geflennt:

„Dieses Europa des 3. Jahrtausends nimmt uns die wertvollsten Symbole weg und lässt uns nur noch die Kürbisse des Halloween-Festes“, sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone am Mittwoch in Rom.

Tja, was für eine Scheiße mit diesem kulturellen Fortschritt. Da wird so ein römischer Marterpfahl ger nicht mehr als „wertvolles Symbol“ empfunden, und es bleiben nur noch die Geschenkpakete des ursprünglich paganen Weihnachtsfestes. Ach nee, das ist ja unseres, nehmen wir doch mal eine andere Metapher, also „die Kürbisse von Halloween“. Dass man Halloween, den Vorabend von Allerheiligen, am 31. Oktober feiert, ist übrigens ein röm.-kath. Termin, aber das kann so ein Pfaffenpropagandist beim Labern ruhig mal als völlig unbekannt im Volke voraussetzen und deshalb ins Mikrofon pusten.

Ach ja, apropos verdummende Reden gegen besseres Wissen, hier trägt Singhammer (CSU), familienp’litischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag den Rekord in beim Hörer vorausgesetzter Dummheit und unfreiwilliger Realsatire davon:

Kreuzzeichen seien ein sichtbares Symbol einer klaren Werteorientierung, „nämlich dem Schutz der Würde aller Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts oder welchen religiösen Bekenntnisses“.

Schon klar, du zynisches, menschenverachtendes Arschloch! Stellst dich auf einen geschichtlich gewachsenen Leichenberg mit den Millionen Opfern des Christentums und blahfaselst allen Ernstes einen von Schutz und Würde im Zeichen des römischen Galgens. Wenn es einen Gott gäbe, denn wärest du ein guter Kandidat für einen zünftigen Flammenregen. So was lebt, und Jesus musste sterben!