Müll hat einen Namen: „Nespresso“

Ich frage den Verkäufer, was so eine Stange mit Kapseln kostet. „10 Kapseln ungefähr 3,50 Euro!“ Ich überschlage im Kopf: Das heißt also 35 Cent pro Stück. Bei circa 6 Gramm Kaffee pro Kapsel. Das sind… Ich rufe begeistert aus: „Krass, das sind ja nur 60 Euro pro Kilo Kaffee!“ Er strahlt mich an. Ironie versteht er auch nicht.

Sind die Jungs irre? Für 60 Euro bekomme ich wilden, handverlesen Dschungel-Kaffee mit Öko-Premium-Siegel, der so fair gehandelt wurde, dass ein äthiopischer Kaffeesammler seine Kinder in Berlin Theaterwissenschaften studieren lassen kann. Doch eines interessiert mich noch, und ich wende mich dem Verkäufer erneut zu: „Diese Aluminiumkapseln — muss das wirklich sein?“ Ich erheische ein kurzes nervöses Zucken über der linken Augenbraue des Verkäufers. Er meint vorsichtig: „Aluminium ist das beste Material für die Aufbewahrung natürlicher Aromen!“ Ich antworte energisch: „Schon, aber laut eigenen Angaben von Nespresso werden derzeit 12300 Nespresso-Espressi pro Minute getrunken. Bei verarbeiteten 1,1 Gramm Aluminium pro Kapsel, kommt man damit auf 13,5 Kilo in der Minute, 811 Kilo in der Stunde und 19 Tonnen am Tag. Man schätzt jährlich entstehen durch Nespresso ca. 6000 Tonnen Metallabfall. Das entspricht einem Schrotthaufen, der entsteht, wenn man den Eifelturm zersägt!“ Er sieht mich fassungslos an. Rechnen ist offensichtlich ebenfalls nicht seine Stärke.

Den ganzen Text gibts im Futterblog — Müll hat einen Namen: Nespresso

[via]

Früher…

Früher sprachen die Profiteure der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung davon, dass „der Zorn Gottes“ ausgelöst würde, wenn poltische Entscheidungen getroffen würden, die ihnen nicht gefallen konnten. Heute ist es der gleiche Mechanismus, aber die Worte sind andere geworden. Die Profiteure der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung sagen heute stattdessen: „Die Märkte werden beunruhigt“ — und werden mit diesem parareligiösen Dummfug auch noch ernstgenommen und nicht einfach geteert und gefedert.

Ohne weitere Worte

Freiheit, Wahrheit, Sicherheit

[via Adrenalin]

Tinnef (61)

So klingt die Vorfreude! Gute Nachricht: Das Ende der Durststrecke ist erreicht, wo der Flaschenöffner Champion das Bier mit einem gut hörbarem ole öffnet! Origineller Flaschenöffner aus Kunststoff, Durchmesser 6 cm. Lieferung mit Batterien. 7,50 Euro

Gute Nachricht: Das Ende der Durststrecke ist erreicht, wenn Mitmensch Bierspießer nicht nur die üblichen sieben Gründe hat, sich volllaufen zu lassen (der erste heißt übrigens „Montag“), sondern wenn zudem alle noch so fernliegenden Produkte von den Werbern befußballert werden und er deshalb weiß, dass er bald wieder aufgeregt und brüllend nach der Kanne greifen kann, wenn seine verkümmerten Waden erzittern, weil der Flimmerball an die Latte scheppert. Passend zum Gebrüll des Idioten, in dessen Oberstübchen es dermaßen finster ist, dass die Überflutung des ganzen Alltags mit allgegenwärtigem Tretball wie das Licht am Ende des Tunnels wirkt, ist der tretballförmige Flaschenöffner mit Batterie, der sogar stellvertretend für das hirnlose Gesäuge Bierschlürf rumbrüllen kann, damit sich der Evolutionsverweigerer mit seinem Brachland im Kopfe ganz und gar aufs Besoffenwerden konzentrieren kann.

Quelle des Scans: Katalog „Die moderne Hausfrau“

Systematische Volksverdummung

Georg Schramm | YouTube-Direktlink

Macht kaputt, was euch kaputt macht?

Macht kaputt, was euch kaputt macht? Aber wozu denn noch? Das geht alles ganz von allein kaputt, das ist alles fabrikneuer Müll, hergestellt für das Wachstum der Profite und der Müllberge. Nein, es ist nicht die in der Reklame so bildreich und allsinnlich manipulativ versprochene Qualität, sondern Müll. Dafür wird der wisschenschaftliche Erkenntnisstand und der technische Fortschritt angewendet, dafür wird der Hirnschmalz der Ingenieure benötigt: Damit die Dinge auch ja möglichst zeitnah nach Ablauf der Garantie auseinanderfallen und sich in meist etwas giftigen Abfall verwandeln, auf dass auch immer neue Dinge gekauft werden. Nichts wäre so unwirtschaftlich wie ein haltbares Produkt, das seinen Käufer langfristig zufriedenstellt. (Achtung, das folgende Video dauert 75 Minuten)

arte: Kaufen für die Müllhalde | YouTube-Direktlink

Tinnef (48)

Titelbild des Kataloges Die moderne Hausfrau, Sommersparaktion, Solarwichtel nur 17,80 Euro

Ohne Worte, denn beim Kotzen kann ich nicht reden.

Die beste „Sommersparaktion“ ist es übrigens, wenn man sich selbst, seinem Garten oder Vorgarten und seiner Mitwelt solche industriell erstellten Verpestungen erspart.

Quelle des Scans: Titelblatt des aktuellen Kataloges „Die moderne Hausfrau„…

Vom gewünschten und ungewünschten Feiern

In Hannover wird des Sommers ganz viel unter freiem Himmel „gefeiert“. Kaum ist das Schützenfest zu Ende, kaum sind die ganzen überteuerten Sauf-, Fress- und Vergnügungsbuden auf dem Schützenplatz abgebaut, schon wird der hitlersche Maschsee mit Bühnen, Sauf-, Fress- und Vergnügungsbuden vollgestellt und das so genannte „Maschseefest“ findet statt. Und zwar so nah an einem Wohngebiet, dass etliche Menschen unter dem hohen Lärmpegel zu leiden haben, von der Verzierung der Radwege in der Südstadt mit Scherben zerdepperter Bierflaschen gar nicht erst zu reden. Dennoch, das ist das erwünschte „Feiern“, ein gutes Geschäft für viele.

Es gibt in Hannover auch das unerwünschte Feiern unter freiem Himmel. Dieses ist, wenn sich ein paar Leute einfach zusammentun, sich draußen fernab jedes Wohngebietes in der Nähe einer Schnellstraße treffen und dort einen kleinen, alternativen Rave veranstalten wollen. Dieses Feiern, das offenbar für die Besitzenden nicht ausbeutbar genug ist, ist in Hannover dermaßen unerwünscht, dass es durch einen robusten Einsatz der Polizei aufgelöst wird:

Nachdem die Teilnehmer der sogennanten Botellón in Hannover-Linden immer wieder von Polizeifahrzeugen umkreist wurden, teilweise von Polizisten Platzverweise erhielten und einmal eine in diesem Zusammenhang in der hannoverschen U-Bahn stattfindende Veranstaltung durch die Polizei geräumt wurde, scheint die staatliche Repression gegenüber unorganisierten und unpolitischen Nutzungen des öffentlichen Raumes weiterzugehen:

Der Rave, der letztes Wochenende auf der Dornröschenbrücke zwischen Linden und Nordstadt stattgefunden hat, wurde durch ein massives Polizeiaufgebot vorzeitig beendet. Wie bei den Botellón-Aktionen gab es keinerlei offizielle Berichterstattung über die Aktionen: Weder durch die Pressestelle der Polizei, noch durch die Tageszeitungen. Vermutlich will man keine Nachahmer anstiften und sich der aus der Berichterstattung resultierenden Diskussion über die Nutzung des öffentlichen Raumes entziehen.

Im öffentlichen Raum darf eben nur Verkehr und Geschäftemacherei stattfinden. Und damit auch niemand aus der breiten Masse den repressiven und lustfeindlichen Zug der totalen und totalitären Verwirtschaftung bemerke, wird das ganze Thema von der Milliardärspresse der BRD — in diesem Fall vom hannöverschen Madsack-Verlag — schön ignoriert und damit für die Mehrzahl der Menschen durch Verschweigen nichtexistent gemacht. Wie passend, dass der gleiche hannöversche Madsack-Verlag da mit beachtlichem Werbeaufwand versucht, auf der Schiene des Web Zwo Null zu fahren und die Menschen, die immer mehr ihrer Lebensmöglichkeiten beraubt werden, zu kostenlosen Content-Lieferanten für den Transport der Reklame zu machen. Name dieses tollen Projektes: My Heimat. (Und nein, dieser Name ist keine Satire!)