Die Zahl ändert sich, sonst ändert sich nichts

Es ist ja 2015, nicht mehr 2014; es ist ein frischer kalter Januar, der mit seiner Kälte in die Haut beißt, und dann ist da noch die innere Kälte irgendwelcher Arschlöcher, die mit immer wieder gleichen Schlagwörtern die immer wieder gleiche Propaganda machen:

Die Debatte um Fachkräftemangel hat an Fahrt gewonnen: Ein flexibler späterer Renteneintritt wird gefordert

Diese altmodische Idee, dass sich Unternehmen ihre Fachkräfte ganz altmodisch selbst ausbilden, ist im Zeitalter des Wegwerf-Menschenmateriales eben keine so schön aussehende Idee mehr… und im Moment werden von der Tagesschau-Redaktion sogar Fernfahrer zu Fachkräften gestempelt:

Ein Beispiel für solche „Engpassberufe“ sind Berufskraftfahrer. Hier muss in den nächsten Jahren für etwa 230.000 Beschäftigte Ersatz gefunden werden, so die KOFA-Studie

Ich möchte wirklich gern mal den Siebzigjährigen sehen, der einen LKW zu entladen hilft — immerhin wird der ziemlich sicher keine Belastung für die Rentenkasse mehr.

Aber Sigmar Gabriel von der NSSPD¹ hat ja jetzt eine ganz grandiose Idee ersonnen:

Sigmar Gabriel (SPD) setzt deshalb nicht allein auf mehr ältere Arbeitnehmer. „Wir müssen auch die Arbeitsmarktchancen für Frauen, An- und Ungelernte sowie Menschen mit Behinderung weiter verbessen“

Das Wort „Arbeitsmarktchancen“ meint im Hartz-IV-Staat BRD übrigens: Quasi-Zwangsarbeit unter der knallenden Peitsche existenzieller Ängste, die von den so genannten „Jobcentern“ — Orte, an denen es, anders als der Name vermuten lässt, keine „Jobs“ gibt, sondern vor allem staatliche Willkür — gezielt erzeugt und ausgebeutet werden. Und zwar in vielen verdammt vielen Fällen widerrechtlich und dabei ohne Konsequenzen für die so vorgehenden Büttel.

Statt jetzt mal wieder direkt in den Editor zu erbrechen, mit dem ich diesen Text schreibe: Hier mein Text zum „Fachkräftemangel“ vom 14. Januar 2014. Da es in wenigen Wochen wieder eine CeBIT gibt und dann wieder „Huch, die BRD hat keine Fachleute, wird international abgehängt und das geht ja gar nicht in diesem internationalen Wettrennen“ gestöhnt werden wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis nochmal die gleichen tollen Ideen ernsthaft vorgeschlagen werden, um ja billiges und williges Menschenmaterial (in Wirtschaftssprech: „human resources“) herbeizuholen. Schade nur für solche tollen Ideen, dass niemand mit wirklicher Qualifikation noch in dieses rassistische² Billiglohnland BRD will…

Mal schauen, ob demnächst mal wieder ein Jahr der Informatik ausgerufen wird.

¹NSSPD = Nach-Schröder-SPD

²Es gibt in der BRD keine „Ausländerfeindlichkeit“. Ja, es gibt in der BRD eine „Feindlichkeit“, aber die fragt nicht etwa danach, was in jemandes Pass als Nationalität drinsteht, und sie wendet sich deshalb auch nicht gegen solche Ausländer wie Schweden, Briten, Isländer oder Österreicher. Diese in der BRD so verbreitete Feindlichkeit fragt danach, wie jemand aussieht. Sie ist Rassismus. Sie ist nur Rassismus. Zu der Frage, ob das gefällt oder nicht, will ich gar nicht erst ein Wort verlieren, aber eines bleibt in der BRD immer und jeden verdammten Tag für jeden Menschen wichtig: Lasst euch vom allgegenwärtigen Neusprech aus P’litik, Presse und Glotze niemals das Denken verbiegen, sondern denkt in klaren Begriffen, die das damit benannte greifbar machen!

Immer die gleiche Leier!

Angesichts des heutigen PResseerklärungs-Bullshits der Bitkom Research, dass deutsche Unternehmen Nachwuchssorgen und einen „Fachkräftemangel“ haben, möchte ich nur kurz die Gelegenheit nutzen, noch einmal auffällig zu verlinken, was ich am 18. Januar 2006 zum Bullshit „Jahr der Informatik“ geschrieben habe.

Auch Unternehmern sei der Text wärmstens empfohlen.

Was hatten wir denn lange nicht?

Es ist ja nur noch ein paar Wochen bis zur CeBIT, und richtig, wir hatten lange nicht mehr den ominösen „Fachkräftemangel“, der regelmäßig von irgendwelchen menschenverachtenden Arbeitsagentur-Arschlöchern und p’litischen Arbeitsverweigerern aus den Volkszertretungen in die Presse gefurzt wird, um mit diesem billigen Propagandahebel eine p’litische Stimmung zu schaffen, in der man besser billige Leute aus dem Ausland holen kann.

Sachsen-Anhalt gehen zunehmend gut qualifizierte und junge Arbeitskräfte aus: 2014 werde die Arbeitslosigkeit zurückgehen, aber es werde zunehmend schwieriger, den Bedarf an Fachkräften in den Regionen zu sichern, sagte der Regional-Chef der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius, am Montag in Halle. Zu den Gründen gehöre vor allem die demografische Entwicklung und damit ein Mangel an jungen Menschen im Vergleich zu älteren

Nun, Herr Senius, ich möchte ihrer Senilität gern ein wenig aushelfen!

Haben sie schon einmal etwas von dieser tollen Idee des Marktes gehört? Sie und ihresgleichen sprechen ja selbst immer wieder vom Arbeitsmarkt, auf dem sich jeder verkaufen soll. Wenn das wirklich ein Markt wäre, dann würden die Preise auf diesem Markt durch das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage entstehen — und diese Preise sind letztlich das, was den Menschen als Gehalt ausgezahlt wird.

Und, Herr Senius, geht jetzt ein Osram in ihrer senilen Hirngruft an? Nein, immer noch nicht? Gut, also weiter.

Gäbe es einen Fachkräftemangel, dann würden ausgebildeten, erfahrenen Leuten ein höheres Gehalt verhandeln können. Mit den Gehältern geht es jedoch seit Jahrzehnten immer nur runter. Es ist noch gar nicht so lange her, Herr Senilibus, dass ein Facharbeiter verheiratet sein konnte, zwei Kinder haben konnte, sein Haus abzahlen konnte, sich sein Auto leisten konnte und das alles, ohne dass seine Frau oder gar seine Kinder etwas zum Haushaltseinkommen hinzuverdienen mussten. Sie können ja mal in die Statistiken ihrer menschenverachtenden Drecksbehörde schauen, dann wissen sie das auch.

Und seitdem gehts bergab.

Seitdem wird Arbeit billiger. Das nicht, weil die Leute ein Mangel sind, sondern weil es viel mehr Leute gibt, als man für die Arbeit bezahlen möchte. Auf allen Ebenen. In jeder nur denkbaren Qualifikation. Heute müssen Mann und Frau arbeiten, an Kinder ist kaum zu denken, die Miete für eine Stadtwohnung ist schon hart, auf ein Auto wird durchaus öfter mal verzichtet. Unterbezahlte Scheißarbeit, die von ihnen und ihresgleichen als „prekär“ bezeichnet wird, um weder die Worte „Armut“ noch „Elend“ in den Mund nehmen zu müssen, ist eine Bedingung, von der auch Menschen guter Ausbildung, guter Erfahrung und hoher Qualifikation betroffen sind.

Das ist der von ihnen postulierte „Fachkräftemangel“, den es gar nicht gibt, weil sie einfach nur verlogene Propaganda jenseits aller ihnen bekannten Fakten von sich geben, Herr Senius, sie Arschloch!

Und wenn sie mir das nicht glauben wollen, weil sie in ihrer Verwaltungs- und Vergewaltigungskarriere so ein guter Lügner geworden sind, dass sie sogar ihre eigenen Lügen mit der Wahrheit verwechseln, dann stöbern sie mal in ihrer Körperagentur-Datenbank nach offenen Stellen in ihrem Niedriglohnland und rufen sie mal bei den Unternehmen an: „Oh, sie suchen einen C++-Entwickler. Wie sieht es mit meiner Aussicht aus, wenn ich mich für den Job bewerbe und 45.000 € p.a. haben möchte“? Wenn sie diese Frage stellen, werden sie feststellen, dass es von Seiten der so genannten „Arbeitgeber“ daran mangelt, kompetente Menschen mit Fachkenntnissen auch nur halbwegs angemessen zu bezahlen.

Und nein, mit rechtloser Elendsarbeit, Hungerlöhnen, einer Entwurzelung, die auch nicht besser davon wird, dass sie von einem Geschmeiß wie ihnen als „Flexibilität“ bezeichnet wird, holen sie auch keine Leute aus Russland, Indien, Rumänien…

Schon gar nicht ein Land mit manifester Ausländerfeindlichkeit.

Gehen sie sterben, Herr Senius, sie Menschenfeind!

Blaue Karte dem so genannten „Fachkräftemangel“

Es ist ja wirklich bitter, wenn qualifizierte Arbeit auch angemessen entlohnt wird, wie gut also für unseren Bundespudel Hans-Peter Friedrich, wenn man mit einer „blauen Karte“ Billiglöhner der Informatik in die BRD holen kann. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sehen dann so aus:

Jetzt hab ich für teuer Geld (für mich und den Staat) Info [m. Anm.: Infomatik] studiert, hab 4 Jahre Werkstudent gemacht, was ja schon sehr selten ist (bei uns an FH einer von ca. 80 Abgängern), das einer überhaupt Werkstudent ist während dem Studium. Und nu bin ich seit einem Jahr auf Jobsuche weil mir immer fix 28k-32k [m. Anm.: um die 30.000 Euro Jahresgehalt] angeboten werden. Selbst ein Dachdecker hat nach Tarif 2010-2011 rund 29,5k [m. Anm. 29.500 Euro Jahresgehalt] bei 40h nach zwei Jahren Berufsausbildung. Das können die sich mal schön in ihre Fascho-Ärsche stecken. Eher würd ich die Strassen fegen oder Popkorn im Kino verkaufen als typisch deutsche, faschistische Arbeitgeber noch reicher zu machen. Ich will für diese Arbeitgeber-Junta in Berlin so wenig Steuern zahlen wie geht und wenn ich dafür mein leben lang ALG2-Empfänger bleibe.

Es kann aber durch aus sein, dass das SozAmt bei mir erlaubt, dass ich mich auch in der Schweiz bewerbe und mir die Reisekosten da hin erstattet. Das machen die nämlich nur noch bei Leuten die länger arbeitslos sind. Das muss der Amtsleiter wirkürlich entscheiden. Wie pervers ist das denn, teure Ausbildung gehabt, keinen Job in DE gefunden und dann an die Schweiz abgegeben, nur damit ein Arbeitsloser weniger zu versorgen ist. Und dann machen die faschistischen Mitte-Parteien auf Blaue Karte.

Kommentar von „pioneer3001“ im Forum von Heise Online zur Meldung über den „großen Erfolg“ der „Blauen Karten“

Gute Nacht und sterbe sanft, Deutschland! Grüß deine Bestatter aus der großen Koalition der alternativlosen Mitte namens CDUSPDCSUFDPGRÜNETC mit ihren Taschen voller Korrumpat.

Der „Fachkräftemangel“

Ich habe im Datenverarbeitungszentrum in Chemnitz gearbeitet […] betriebswirtschaftliche Weiterbildung zum Controller […] zum Multimediafachmann weiterqualifiziert […] 83 Bewerbungen für den Raum München abgeschickt. Das einzige Angebot kam von einer Zeitarbeitsfirma, die nur ein Profil erstellen wollte.

Wenn ich Fachkräftemangel höre, kann ich nur lachen. Mich auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bewerben, habe ich aufgegeben. Mein persönliches Ziel ist jetzt, im Garten Gemüse zu produzieren, so dass wir uns mehr oder weniger selbst versorgen können.

Ein 57jähriger Informatiker

Beunruhigende Gesundheitssituation in der IT-Industrie

Was, ausgerechnet diese sonst eher technikgeilen und den gesellschaftlichen, gesundheitlichen und psychologischen Folgen der professionellen Nutzung dieser Technik gegenüber indifferenten Journalisten bei heise online schreiben so klare Worte:

In den zurückliegenden Jahren habe sich die Belastung der Beschäftigten in der IT-Wirtschaft deutlich verschärft. Zunehmende Leistungsverdichtung, die Paradoxien neuer Managementkonzepte, eine Veränderung der betrieblichen Sozialordnungen und eine generelle Zunahme von Unsicherheiten haben eine grundlegend neue Belastungskonstellation geschaffen. […] Danach hat fast die Hälfte der befragten IT- Beschäftigten von einer starken oder sehr starken Belastung durch extremen Zeitdruck und hohes Arbeitsaufkommen berichtet. Noch gravierender sei die Lage in besonders sensiblen Bereichen: Dass sie sich „immer wieder an der Grenze ihrer Belastbarkeit erleben“ oder das Überschreiten dieser Grenze „in Form eines gesundheitlichen Zusammenbruchs“ sogar schon am eigenen Leib erfahren hätten, gaben über 50% der Befragten an. Nach den Analysen der Wissenschaftler […] handelt es sich hier nicht nur um eine kurzfristige Belastungsspitze, die man aussitzen könne.

Habe ich doch schon anlässlich des „Jahres der Informatik 2006“ gesagt