Caritas und Diakonie machen auf Solidarität

Das Folgende ist gestern in meinen „toten Briefkasten“ geflattert und vielleicht von breiterem Interesse für Menschen aus Hannover:

Hallo und jutn´tach Euch draußen und drinnen!

Lust, mal wieder rauszugehen? Lust, mal wieder auszugehen? Lust auf die Stadt? Lust auf den Schiller aus Stein? Und: Lust auf Mittagessen für lau?

Tafeln für alle!

Am Samstag- diesen Samstag aufer Georgstrasse, zwischen Schiller-denk-mal und Kröpcke-Uhr. Pünktlich um 12 ist Mittag. Und es gibt Futter. An einer Tafel. Für alle! Aus Solidarität! 2000 Mal!

Macht Euch schick und kommt dahin, wenn ihr hunger habt. Allerdings weiß man und auch frau nicht, was es geben wird.

Der Hintergrund dieser Aufforderung (zu einem noch nicht näher geplanten Widerstand gegen das Pack, das sich da als heilig und sozial ins mediale Rampenlicht zu stellen gedenkt) ist die folgende gemeinsame Aktion von Caritas und Diakonie, deren offizelle Ankündigung ich gern und völlig unbearbeitet wiedergebe:

„Gemeinsam zu Tisch“ [sic! Die Anführungszeichen sind im Original!]

Unter dem Motto „Gemeinsam zu Tisch“ veranstalten Caritas und Diakonie eine „Solidaritätstafel“ im Rahmen des Europäischen Jahres zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung. In der Fußgängerzone Hannovers sind alle Menschen zu einem gemeinsamen Essen eingeladen, die gegen Armut und für ein Leben in Würde und Teilhabe ein Zeichen setzen wollen.

Caritas und Diakonie erleben in ihren örtlichen Beratungsstellen und Einrichtungen sowie in den von Ehrenamtlichen getragenen Diensten und Angeboten tagtäglich die Lebenssituation von armen und benachteiligten Menschen. Sehr deutlich nehmen sie die Zunahme von Armut und sozialer Ausgrenzung sowie die Grenzen der staatlichen, finanziellen Unterstützung wahr. Mit den neuerlichen Sparbeschlüssen der Bundesregierung werden wieder die Ärmsten zur Kasse gebeten. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander.

Mit der Solidaritätstafel, die unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister steht, wollen Caritas und Diakonie ein deutliches Zeichen gegen diese Entwicklung setzen.
Das Diakonische Werk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers e. V. und der Caritasverband für die Diözese Hildesheim e. V. laden gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Stadtverband Hannover und dem Caritasverband Hannover e. V. alle Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen ein.

Ablauf

Von 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr steht auf der Georgstraße vom Schillerdenkmal bis zum Kröpcke eine lange Tafel. Johanniter und Malteser teilen gegen eine Spende zu Gunsten der Bahnhofsmissionen Essen aus. „Kellner“ werden rund um die Tafel über die Themen Armutsursachen, Armutsprävention und Armutsbekämpfung sowie über hannoversche Projekte informieren.

Höhepunkt

Um 12:30 Uhr soll die Tafel als Zeichen der Solidarität voll besetzt sein!

Rahmenprogramm

Auf der Bühne am Schillerdenkmal wird es neben Interviews und Statements zum Thema Armut ein vielfältiges Programm geben. Die Kunsthausierer Gleitze und Sievers, die Bigband Sound der Musikschule, eine afrikanische Sambagruppe, Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen sowie von Caritas und Diakonie, Vertreter aus Stadt, Region und Politik werden beim Bühnenprogramm dabei sein.

Sie sind herzlich eingeladen!
Machen Sie mit – verbreiten Sie diese Einladung, kommen Sie mit Ihren Freunden, Verwandten und Bekannten zur Tafel und setzen auch Sie ein Zeichen gegen Armut und Ausgrenzung.

Angesichts der Tatsache, dass Caritas und Diakonie in ganz besonderer Weise und wahrlich massenhaft die entrechteten Ein-Euro-Jobber knechten und ausbeuten, ist eine derartige Aktion von einem derartigem Zynismus und von einem so geradezu galaktischen Ausmaß der Heuchelei, dass selbst mir die Worte dafür fehlen. Eher geht ein Blauwal durch ein Nadelöhr, als dass diese kirchlichen Halunken einmal wirklich etwas für die Solidarität in der Gesellschaft täten. Von daher kann ich nur hoffen, dass nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ dort auflaufen, die ihre Fressen dann mit besonders „solidarischem“ Ausdruck in die Knipskästen der Journaille halten, sondern auch massenhaft Betroffene des kirchlichen Lohndumpings und der von den Kirchen mitgetragenen und mitgestalteten Massenverarmung der Menschen in der BRD, um diese heillose Aufführung frömmelnder und sozialtümelnder Heuchelei unübersehbar und unüberhörbar zu versalzen.

Zumal es dazu ja ein kostenloses Mittagessen geben soll.

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Kampagne gegen Mangelernährung bei Hartz IV gestartet

Aus gegebenem Anlass hier eine aktuelle Mitteilung — bitte verbreiten!

Alle Bundestagsabgeordneten zur Stellungnahme und Unterstützung aufgefordert. 500 Euro Eckregelsatz und 10 Euro lohnsteuerfreier Mindestlohn.

Bonn / Frankfurt / Göttingen — Mit dem Start einer Kampagne gegen Mangelernährung bei Hartz IV ruft ein Bündnis dazu auf, sich für die sofortige Erhöhung des Eckregelsatz auf 500 Euro einzusetzen. Im derzeitigen Satz von 359 Euro monatlich ist für Ernährung und nicht-alkoholische Getränke täglich ein Betrag von 3,94 Euro vorgesehen. „Das reicht allenfalls für 1.580 kcal täglich. Ein erwachsener Mensch benötigt aber bei gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung täglich 2.550 kcal. Wer sich gesund ernähren möchte, muss somit ab dem 20. eines jeden Monats seine Ernährung einstellen oder er verzichtet auf alles andere“, so Martin Behrsing vom Erwerbslosen Forum Deutschland.

Wahlkampf ausnutzen

Das Bündnis nutzt bewusst den anstehenden Bundestagswahlkampf, um alle Bundestagsabgeordneten zu öffentlichen Stellungnahmen und Unterstützung bei diesem Skandal aufzufordern. Dazu wurden heute alle Politiker des Berliner Bundestags angeschrieben. Neben der Mangelernährung werden Hartz IV-Bezieher auch in allen anderen Bereichen von der Teilhabe in der Gesellschaft ausgeschlossen. So lässt der monatliche Eckregelsatz für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln einen täglichen Satz von 0,49 Euro zu.

10 Euro lohnsteuerfreier Mindestlohn!

„Die Forderungen von Gewerkschaften und vielen Wohlfahrtsverbänden nach einer Erhörung des Eckregelsatzes auf 440 Euro und einen Mindeststundenlohn in Höhe von 7,50 sind völlig unzureichend“ so der Frankfurter Sozialwissenschaftler Prof. Rainer Roth. „Schon bei einem Bruttolohn von 7,50 Euro und der gegenwärtigen Höhe des Eckregelsatzes von 359 Euro haben Alleinstehende Anspruch auf ergänzendes Hartz IV. Da wir nicht anstreben, Hartz IV als Lohnsubvention auszubauen, treten wir für einen gesetzlichen Mindestlohn von 10 Euro ein, der aber nicht mit einer Lohnsteuer belegt werden darf“.

Neben der Aufforderung an alle Bundestagsabgeordneten, öffentlich Stellung zu diesem Skandal zu nehmen und das Bündnis zu unterstützen, sollen in den kommenden Wochen bundesweit Unterschriften für die Forderungen gesammelt werden. Zudem gibt es dazu eine Website, wo eine Unterstützung auch online möglich ist. So heißt es in dem Aufruf: „Wer für Kürzungen bei Hartz IV eintritt, kämpft nicht gegen Faulenzer, sondern für die Senkung von Löhnen und für die eigene Verarmung, wenn man nach einem Jahr Erwerbslosigkeit Hartz IV beantragen muss. Wer für einen Eckregelsatz von 500 Euro kämpft, kämpft auch für Lohnerhöhungen!“

Das Bündnis haben die nachfolgenden Organisationen initiiert:

Werbung für mietfähige Elendsarbeit

Und immer, wenn du glaubst, die Menschenverachtung der ganz normalen Werbung könnte gar nicht mehr schlimmer werden, sitzt du mal wieder an einem anderen Rechner bei einem anderen Menschen ohne Adblocker und siehst du deinen nächsten Ad auf irgendeiner Website. Und in deinem Ohr hörst du das folgende fiktive Gespräch. Da sagt so ein Vampir zum anderen: „Wir haben jetzt ja so ein tolles Web Zwo Null, was machen wir mal, um daraus ein bisschen Profit zu schlürfen“, und der andere Vampir antwortet: „Machen wir daraus doch einen Strich für mies bezahlte Elendsarbeit“. Die Idee finden die beiden Blutsauger gut, und der Werber baut sein werbendes Bildchen, es einzubetten in etliche Websites, an denen sich die „Profis“ treffen, die gern billiges „Menschenmaterial“ im Zustand maximaler wirtschaftlicher Abhängigkeit haben — diese beiden Screenshots eines animierten Werbebanners sind von Golem:

Mitarbeiter ab 49 Cent!

Und, wer hat dermaßen günstige Sonderangebote zu bieten:

XING - POWERING RELATIONSHIPS - Effektives Recruiting mit XING! Jetzt Job einstellen!

Ob allerdings ein normaler und noch nicht vom totalen Selbsthass zerfressener Mensch ein Interesse daran haben kann, sich bei XING als extra preiswertes Sonderangebot zum Ramschverkauf an der Fleischtheke anbieten zu lassen, das gehört zu den Fragen, die sich jeder hier selbst beantworten muss.

Arbeitslosenzahl sinkt leicht

Wie es in der Bananenrepublik Deutschland nicht anders zu erwarten war, muss das staatliche Fernsehen in einem Wahljahr ein paar „Erfolge“ des vollständigen Ausverkaufs Deutschlands vermelden. Das liest sich dann bei der Aktuellen Camorra Tagesschau so:

ARD-Videotext: Arbeitslosenzahl sinkt leicht...

[Quelle: Videotext des staatlichen BRD-Fernsehens ARD, Seite 123 am 30. April, 16:27 Uhr]

Das ist doch eine richtig gute Nachricht im Land der Hüther und der Jäckels. Die Wirtschaft raucht ab, das Finanzsystem bricht zusammen, noch der Blindeste kann sich nicht gegen die Einsicht wehren, dass alle gesellschaftlich wichtigen Institutionen in den Händen einer kriminellen Bande sind, die rücksichtslos und wie ein Schwarm Vampire in die eigene Tasche wirtschaftet, aber trotzdem kommt es noch zu einem „leichten Rückgang“ der Arbeitslosenzahl. Mit so einem Hintergrund an Zahlen können sich die Berliner Schurken doch gleich wieder hinstellen und selbst im Wahlkampf noch den Leuten etwas von einer „Fortsetzung einer erfolgreichen Politik“ in die Ohren, Mikrofone und Kameras lügen. Immer mit diesem niemals überprüfbaren Verweis, dass alles noch viel schlimmer gekommen wäre, wenn diese schlimmen Finger nicht so entschlossen gegen die Lebensinteressen der Menschen in der BRD P’litik gemacht hätten.

Ob der „Erfolg“ wohl im Zusammenhang damit steht, wie diese Zahl definiert wird?

Ob es sich wohl so erklärt, dass trotz dieser „geringen“ Arbeitslosigkeit fast acht Millionen Menschen Geldleistungen der Bundesagentur für Armut und staatlich subventionierte Elendsarbeit erhalten? Ob es wohl mehr von einem eisernen Willen nach guter Statistik als von der Vernunft diktiert wird, dass sich zurzeit gut 1,6 Millionen Menschen in der BRD in meist sinnlosen Maßnahmen der Bundesagentur für Armut und staatlich subventionierte Elendsarbeit befinden und aus diesem Grunde nicht als „Arbeitslose“ gezählt werden? Ob wohl in dieser lakonischen Wiedergabe staatlicher Propaganda für jeden Menschen in der BRD klar geworden ist, dass das nicht mehr zu verdeckende Scheitern der Wirtschaftsp’litik von Pufffreund Hartz, Medienkanzler Schröder, Volksverarscher Rürup, Sozialdemagoge Müntefering und Kanzlerdarstellerin Merkel angesichts einer lange vorher absehbaren Krise sich unter anderem darin verbirgt, dass zurzeit knapp anderthalb Millionen Menschen von Kurzarbeit betroffen sind?

Alles Fragen, die das Staatsfernsehen der BRD gewiss nicht beantworten wird. Das wäre zwar seine Aufgabe, aber es ist nicht sein Zweck.

Es wird auch nicht darauf hinweisen, dass zehn Prozent der gemeldeten Arbeitslosen zurzeit keine Geldleistungen der Bundesagentur für Armut und staatlich subventionierte Elendsarbeits erhalten. Dies sind entweder Menschen, die jetzt unter der Fuchtel von Hartz IV ihre letzten Notgroschen verbraten müssen, oder aber auch Menschen, die von der p’litisch durchaus erwünschten Einschüchterung der Menschen auf einer ARGE so zermürbt wurden, dass sie auf das Geld lieber verzichten.

Hauptsache gute Zahlen. Ausgeliefert von der ARD, der Arbeitsgruppe zur Retusche des Datenmateriales. Ganz normale Scheiß-Propaganda und Lüge, mehr nicht.

Zahltag!

[Den folgenden Aufruf zu einer Aktion bei der ARGE Bonn gebe ich hier so wieder, wie ich ihn bekommen habe.]

ZAHLTAG! – Schluss mit den ARGEn-Schikanen in Bonn

Aufruf von „agenturschluss“ zur überregionalen Aktion gegen Hartz IV und ARGEn-Schikanen am 04. Mai 2009 an der ARGE Bonn:

Dass das Arbeitslosengeld pünktlich auf dem Konto ist, ist lange nicht selbstverständlich. Selbstverständlich sind dagegen Schikane, Nötigung, Demütigung und ein martialisch anmutender Sicherheitsdienst der ARGE gegen Erwerbslose.

Das hat System und das System ist einfach: Druck von oben wird nach unten weitergereicht!

Betroffene werden angegriffen, finanziell sanktioniert, entrechtet, entwürdigt und entwürdigend diszipliniert.

Das ist der Grund, warum wir mit Euch am Montag 04. Mai 2009 zur Aktion „Zahltag!“ an der ARGE Bonn Aktionen zusammen machen werden. Schon mehrmals haben „Zahltag-Aktionen“ für Unruhe bei den ARGEn gesorgt und das Ergebnis war, dass zahlreiche Erwerbslose ihr Geld bekamen oder andere Anliegen durchsetzen konnten.

Unser Erfolgsgeheimnis ist: Geh nicht alleine zur ARGE!

Übrigens befindet sich das zuständige Bundesministerium für Arbeit- und Soziales, wo die grausamen Hartz IV-Gesetze erarbeitet werden gegenüber der ARGE. Es spricht viel dafür, bei unserer Aktion das Ministerium mit einzuschließen!

ARGE – es reicht!

Kommt alle zum „Zahltag“
zur ARGE Bonn
am Montag den 04. Mai 2009
Bonn, Rochusstr. 6
ab 08:00 Uhr

Programm:

Aktion Zahltag:
Gemeinsam wollen wir die Auszahlung verweigerter Leistungen durchsetzen

Niemand geht allein!:
Unser Erfolgsgeheimnis ist: Geh nicht alleine zur ARGE!

Offene Hartz IV-Beratung:
Die Initiativen Tacheles e. V, „Die KEAs aus Köln“ und Mitglieder des Erwerbslosen Forum Deutschland bieten Sozialberatung und aktuelle Informationen zu HartzIV

Öffentliche Versammlung, Protest und Infos:
zu HartzIV & Widerstand gegen Schikanen der ARGE

Imbiss:
Für Verpflegung ist gesorgt

Kultur:
Klaus der Geiger (Köln)

Die Aktion Zahltag steht mittlerweile bundesweit für eine Aktionsform von unmittelbarer, kollektiver Selbstermächtigung und -Verteidigung gegen einen fortwährenden sozialen Angriff von oben. Im Rahmen des „ZAHLTAG“ wird es große und kleine Aktionen geben, die das ARGE Geschäft direkt in Frage stellen. Mit der Aktionsform ZAHLTAG geht es uns nicht darum, mit der ARGE in einen Dialog zu treten. Wir wollen kein besseres und kein Hartz IV-Light, sondern dessen Abschaffung. Wir wollen uns selbst und selbstbewusst vertreten und uns gemeinsam zur Wehr setzen.

Ein Flugblatt zum Mobilisieren kann heruntergeladen werden.
Ein Flugblatt in türkischer Sprache ist ebenfalls verfügbar.

Und immer schön ins Hirn ficken…

…das scheinen sich die Vertreter der deutschen Medien und diverser „Institute“ der Wirtschaft zu sagen, wenn sie Sprache benutzen, um den Zerfall der Gesellschaft in der BRD schönzulügen. Manchmal kann man beim Überfliegen dieser Meldungen, die vom BRD-Staatsfernsehen ARD genau so blind wiedergegeben werden, wie sie von der wirtschaftsabhängigen Journaille direkt aus dem NITF-Ticker der großen Agenturen übernommen und als „Journalismus“ verkauft werden, schon an die „etwas einseitige“ Darstellung vieler Vorgänge in den zentral organisierten Medien der DDR denken. Ein aufdringlicher Duft des alten „Neuen Deutschland“ zieht etwa in die Nase, wenn man heute im Videotext des BRD-Staatsfernsehens den folgenden Neusprech im Wirtschaftsteil auf Seite 703 liest (Stand vom 5. Juli, 20:30 Uhr):

Deutsche kaufen weniger ein

Die Deutschen reagieren auf die steigenden Preise offenbar verstärkt mit Konsumverzicht. Das betrifft vor allem die Güter des täglichen Bedarfs. Wie das Magazin „Focus“ unter Berufung auf die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) berichtet, gaben die Verbraucher im Mai zwar nominal 5,6 Prozent mehr für Lebensmittel und andere Alltagsgüter aus. Real landeten aber 3 Prozent weniger Waren in den Einkaufswagen.

Wir merken uns: Was im Altsprech völlig zutreffend als eine Folge der fortschreitenden Verarmung immer breiterer Schichten der Bevölkerung der BRD in Kombination mit einer recht hohen Inflation bezeichnet worden wäre, das darf nach allen so genannten „Reformen“ nicht mehr beim Namen genannt werden. Wo kommen wir auch hin, wenn von Armut die Rede ist. Deshalb muss flugs ein passender Neusprech her, der fast schon klingt, als würden Menschen freiwillig weniger kaufen. Was nehmen unsere Hirnficker da für ein Wort? Es wäre gut, wenn es ein kleines bisschen „positiv“ klingt, nach frei gewähltem und damit freiem Lebensstil. Ah, nehmen wir doch einfach das Wort „Konsumverzicht„. Das hat doch gleich den richtigen Klang, da denkt doch keiner mehr an abgezählte Eurogroschen und Jagd nach billig angebotenen, abgelaufenen Lebensmitteln.

Es soll also ein „Verzicht“ sein, keine Armut. Und zwar vor allem ein Verzicht auf die „Güter des täglichen Bedarfes“, also auf solche „Luxusgüter“ wie Lebensmittel. Zwar müssen sogar diese Hirnficker von der GfK im Lokus-Artikel einräumen, dass mehr Geld dafür ausgegeben wurde, obwohl weniger Menge mit diesem mehr Geld gekauft wurde, aber das ist ja alles nur „Verzicht“. Wahrscheinlich kaufen die neuen Armen in der BRD jetzt einfach luxuriösen Fraß aus irgendwelchen Feinkostläden, damit dieser Effekt zustande kommt — oder gibt es etwa eine andere, vielleicht sogar zutreffende Erklärung für diese Entwicklung? Besser darüber schweigen. Und sagen, dass es sich um einen „Verzicht“ handelt, wobei mitschwingt, dass dies eine ganz freiwillige Haltung ist und nicht etwa jeden Tag aus einer steigenden Not heraus geboten wird.

Für diese menschenverachtenden und zynischen Sprecher des BRD-Neusprechs ist wahrscheinlich sogar das weltweite Hungerproblem ganz leicht zu lösen. Einfach mit dem „Verzicht“ aufhören und mehr essen! So einfach ist das!

Hoffentlich hört man in der BRD bald mit dem Verzicht darauf auf, solchen Arschlöchern das völlig angemessene, negative soziale Feedback zu geben.