Auch in Wernigerode: Killerschule

Wernigerode – Amok-Alarm am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Wernigerode. Eine Schülerin (15) feuerte während des Unterrichtes im Klassenzimmer. Mindestens zwei Mitschüler wurden leicht verletzt!

Mal schauen, was die Journaille dieses Mal als Ursache findet. Ob die alten Killerspiele (bei einem Mädchen unwahrscheinlich) oder das Internet genommen werden, um zur „Erklärung“ mit jeder Menge Angst aufgeladen zu werden. Das ganz normale Kaputtmachen von Menschen an staatlichen Schulen der BRD ist jedenfalls niemals die Ursache. Und so finden die Killerschulen ein Opfer nach dem anderen, mal beinahe harmlos mit zwei Verletzten (und vielen traumatisierten Menschen, die einen Moment großer Angst durchstehen mussten), mal als Mordlauf mit ganz viel Blut.

Verdrängung füllt die Friedhöfe.

Die Quelle für das Zitat zum Eingang ist eine Website aus einem Verlagsangebot, die ich nicht mehr verlinke.

Das ganze Ausmaß des Horrors!

US-Schulkinder starben im Kugelhagel - Das ganze Ausmaß des Horrors an der Grundschule von Newton im US-Bundesstaat Connecticut wird erst nach und nach deutlich: Die Opfer des Amokläufers, darunter 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren hätten verheerende Verzelungen aufgewiesen. Mehrfach sei auf die kleinen Körper geschossen worden, bis zu elf Mal, teilte der leitende Gerichtsmediziner H. Wayne sichtlich erschüttert am Samstag mit.

Wie schrecklich! Die Kinder sind ja beinahe so gestorben wie die Kindersoldaten in irgendeiner entlegenen Ecke der Welt, für die sich kein verdammtes Journalistenarschloch interessiert.

Und jetzt bitte ein paar bewegende Reden und Zeremonien, die Kamera der Contentindustrie zoomt das kullernde Tränchen ganz groß in den Bildschirm und in die Zeitung, und danach weitermachen wie gehabt! Unterdessen hofft in einer ebenfalls unbeachteten Denkfabrik ein Mensch, der Orwells Dystopien als ein Handbuch zur Gesellschaftsgestaltung betrachtet, dass beim nächsten Massenmord mit vielen Kindern ein Moslem zum Täter wird, damit mit diesem psychischen Hebel die Agenda der totalen Überwachung und Entrechtung aller Menschen fortgesetzt werden kann. Heute in den USA, und morgen in der ganzen Welt.

Mordlauf in Ludwigshafen

Er sei schlecht, sogar viel zu schlecht benotet worden. Das zumindest ist nach Aussage von Lothar Liebig, leitender Oberstaatsanwalt in Frankenthal, das Motiv des Amokläufers von Ludwigshafen. Darum ging der 23-Jährige auf seinen ehemaligen Lehrer zu, um ihn mit einem Messer zu töten.

Nicht nur, dass ein Mordanschlag auf so einen Lehrer und das Rumballern mit einer Schreckschusspistole gerade von einigen Auswürfen der Journaille zu einem ausgewachsenen Amoklauf umgeschrieben wird, weil dieses Wort doch gleich viel bedrohlicher und reißerischer klingt. Es ist auch wieder einmal so, dass die Verzweiflung und Aussichtslosigkeit eines jungen Menschen sich wieder einmal ausgerechnet an einer Schule entladen hat, diesem unsäglichen Ort der gesellschaftlichen Siebung. Das ist das gemeinsame Muster in solchen verzweifelten Mordtaten, und es wird in den nächsten Tagen auch wieder alles dafür getan werden, dass dieses gemeinsame Muster nicht weiter betrachtet und beachtet wird. Das hatten wir alles schon einmal. Alles, was Aufschluss über die wirklichen Motive des jugendlichen Mörders geben könnte, wird aus der öffentlichen Wahrnehmung ausgeblendet, eventuelle Hinweise werden von zensurwütigen Polizistenschergen vernichtet. Nach dieser Vorarbeit bildet man einen kleinen Expertenkreis, der zu Ergebnissen kommt, die das System Schule nicht in Frage stellen; das BRD-Staatsfernsehen ZDF erklärt den Zuschauern an den flackernden Volksempfängern, worin die „wirklichen“ Ursachen der entfesselten Mordswut liegen und zu guter Letzt gibt es den üblichen, völlig schamlosen p’litischen Aktivismus nach dem Herzen des Stammtisches im Bierdunst, auf dass es auch wirklich alles alles imemr so weitergehe. Und dann „wächst Gras“ über die Sache, und die große Bullshit-Maschine unserer Gesellschaft wendet sich andern Schlachtfeldern für die umfassende Entrechtung der Menschen zu. An den Schulen ändert sich nichts. Und die Menschen in der BRD werden durch systematische Konditionierung daran gehindert, einen Einblick in die wirklichen und wirksamen Ursachen zu erhalten.

Und ein paar Monate später gibt es den oder die nächsten Toten. Völlig überraschend. Wieder neuer, geiler Content für die Contentindustrie, ein paar bewegte und bewegende Bilder für die Pausen zwischen der Reklame. Wieder ein déjà vu, aber so unverständlich und schrecklich! Scheiß auf die Toten, scheiß auf die Lebenden, der Betrieb läuft weiter. Vor allem auch der Schulbetrieb, denn der ist ja so wichtig für die Bildung, von der nach jedem PISA-Desaster gesprochen wird, als ob das PISA-Desaster nicht belegen würde, dass die Vermittlung von Bildung im Schulsystem der BRD auf ganzer Linie gescheitert ist. Dass es darum gar nicht geht. Dass es im Betrieb der Schule nur darum geht, Menschen für ihren vorbestimmten Lebensweg aus Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod zuzureiten.

Ach, ich habe keine Lust, das alles zu wiederholen. Weil sich alles wiederholt. Der nächste Mord oder Mordlauf an einer Schule der BRD ist eine sichere Wette, wenn es so weitergeht. Und es wird wohl so weitergehen

Der „Expertenkreis Amok“…

Die vom Land Baden-Württemberg eingesetzte Kommission „Expertenkreis Amok“ empfiehlt als Präventionsmaßnahme gegen Amokläufe wie in Winnenden unter anderem ein Verbot sogenannter Killerspiele. Auch weitere Internetsperren stehen im Forderungskatalog des Fachkreises.

Ich weiß ja nicht, welche Qualifikation so einer haben muss, um in diesem „Expertenkreis“ zu einem „Amok-Experten“ werden zu können. Vielleicht reicht es ja schon aus, wenn man Pädagoge oder anderer Päderast ist. Oder Politiker, der auf seine Präsentation in der Bildzeitung bedacht ist. Oder Angehöriger eines Opfers eines der paar Mordläufe an einer Schule in der BRD. Es kann sich jedenfalls bei der Qualifikation weder um ein besonderes Wissen noch um eine besondere Einsichtsfähigkeit handeln. Er darf sich auch niemals mit den gut dokumentierten Hintergründen bisheriger Amokläufe beschäftigt haben, die sich trotz polizeilicher Willkürmaßnahmen (etwa nach Emsdetten) nicht unterdrücken ließen. Er muss einfach nur da sitzen und den Amok-Experten geben, wenn er zu dem Schluss kommt, der vorher schon festgestanden hat.

Denn Schuld an den Mordläufen sind Computerspiele und Gewaltdarstellungen im Internet. Oder noch etwas konformer für die Leser der Bildzeitung: Schuld sind Internet und Computer. Killerspiele und Killerinternet. Und das Mittel zum Frieden und zum erhaltenen Leben ist Zensur. In der Form von verbotenen Spielen. Und in der Form eines immer weiter mit Stoppschildern zugepflasterten Internet.

Und die kleine Auffälligkeit, dass alle verzweifelten, jugendlichen Mordläufer der Vergangenheit — auch der Axter von Ansbach, bei dem kein Häuchlein Worts von Computerspielen zu hören war — für ihren Mordlauf mit ermüdender Regelmäßigkeit an ihre Schule gegangen sind, die wird geflissentlich übersehen, wenn man das erwünschte Ergebnis eines solches „Expertenkreises“ hervorbringt. Das einer mordend durch die Schulen rennt, das wird ja nichts mit der Schule, diesem Ort der zwangsweisen Konformmachung und gesellschaftlichen Siebung, zu tun haben. Und dass man den Umgang mit einer Schusswaffe nicht etwa an einer Tastatur, sondern in jener sumpfspießigen Kombination von Suff und Waffenfetisch lernt, die sich in den Schützenvereinen komprimiert, das ist auch nicht weiter zu erörtern, sonst würde vielleicht einmal eine Mindestqualifikation für die Jugendarbeit dort gefordert. Alles unwichtig. Hauptsache, es wird zensiert, dann tritt endlich Ruhe und Frieden in der BRD ein. Dass bei solchen Maßnahmen der nächste Mordlauf eines Verachteten und Verzweifelten ohne persönliche Aussicht nur eine Frage der Zeit ist, dass ist diesen „Experten“ an ihrem Killerschreibtisch sowas von scheißegal, dass man es wegen der damit verbundenen Niedertracht kaum noch in angemessenen deutschen Worten ausdrücken kann.

Gute Nacht, Deutschland! Die „Experten“ machen das Licht aus.

Auch in Ansbach: Killerschulen

Und wieder einmal hat sich ein Mensch für einen Mordlauf — diesmal in Ansbach — ausgerechnet eine Schule als „Kulisse“ ausgesucht. Seltsam, dass dieses einzig eindeutige Muster in allen diesen Mordläufen verzweifelter junger Menschen niemals gesehen wird, nicht? Und so wird es weitergehen mit den Killerschulen.

Killerpornos

Das einst Aktuelle wird über das stets nachgeschobene Aktuellere ja schnell vergessen. Am 11. März dieses Jahres ist ein 17jähriger Schüler bewaffnet in seine Realschule zu Winnenden gegangen und hat mordlaufend ein weiteres Dokument der persönlichen Verzweilfung angesichts eines aussichtslosen Daseins abgelegt. Es wird angesichts der unverändert trüben Lebensumstände, der Brutalität der Zwangsbeschulung in der BRD und der völligen Gleichgültigkeit der classe politique, deren Betroffenheit nur medienwirksam in die Kameras inszeniert wird, nicht der letzte Mordlauf an einer Schule in der BRD geblieben sein — zumal man dort als Junge nur noch austicken kann.

Unglücklicherweise für die classe politique eignete sich dieser Mordlauf nicht so gut für die übliche Inszenierung. Von Killerspielen und vom Internet konnte nicht die Rede sein, eher schon von einem Umfeld des Waffenfetischs, der im Rahmen eines Sauf- und Schießvereins ziemlich offen gepflegt werden konnte. Die Waffen lagen offen herum, daran kann auch unser Bundesgeisteskranker Wolfgang Schäuble mit seinen technoiden Kontrollfantasien nichts ändern. Es war genau die Art von Irrsinn, die im Dunstkreis der so genannten „Schützenvereine“ immer wieder gepflegt wird — einschließlich eines Vaters, der nicht nur seinen eigenen Fetischismus auslebte, sondern diesen auch auf seinen Sohn übertrug und förderte. Solch Irrsinn darf aber nicht hinterfragt werden, es ist gesellschaftlich anerkannter Irrsinn, vor allem unter Wählern der Unionsparteien — dann schon lieber Internet und Computerspiele.

Die Bildzeitung, dieses schwarzbraune Verdummungsblatt für Spießer, Schützen und sonstige Sklaven der eigenen Angst, sie musste sich heute angesichts der abgeschlossenen Ermittlungen im „Fall Winnenden“ der Aufgabe entledigen, etwas zu schreiben, das diesen Sachverhalt möglichst gut verdeckt. Und sie hat in der Tat einen ganz besonderen Schwerpunkt gesetzt…

Amoklauf von Winnenden: Tim K. schaute am Abend vor der Tat Pornos

…indem sie darauf hinwies, dass der Mordläufer doch Pornos geschaut habe. Fehlt eigentlich nur noch die Forderung nach einem Pornoverbot, bevor noch mehr „unschuldige Menschen“ sterben müssen.

Nichts hinzuzufügen (8)

Es ist ganz leicht zu beobachten, dass das Bürgertum bis heute die Quelle des Faschismus ist. Dazu reicht es, einfach das schulische Verhalten der bürgerlichen Brut mit ihrer Ausgrenzung, ihren Hetzjagden und Mobbingkampagnen gegen sozial Schwächere und Außenseiter zu beobachten. Da gedeihen die Faschisten von morgen. Und wenn sie dort fertig sind, geht’s in der Jungen Union weiter.

Perspektive 2010