Tinnef (75)

Tchibo -- Mitzählender Flaschenöffner -- Zählt die geöffneten Flaschen mit Soundeffekten -- Plopp-Sound bei jedem Öffnen, Wow-Sound nach jeder sechsten Flasche

Unentbehrlich für die Generation Komasuff, die es mit dem Zählen einfach nicht mehr so hat… tja, wenn man schon nicht schlau oder glücklich sein kann, dann kann man doch immerhin noch besoffen sein. So sieht das eigene Leben auch gleich wieder hübscher aus.

Tinnef (61)

So klingt die Vorfreude! Gute Nachricht: Das Ende der Durststrecke ist erreicht, wo der Flaschenöffner Champion das Bier mit einem gut hörbarem ole öffnet! Origineller Flaschenöffner aus Kunststoff, Durchmesser 6 cm. Lieferung mit Batterien. 7,50 Euro

Gute Nachricht: Das Ende der Durststrecke ist erreicht, wenn Mitmensch Bierspießer nicht nur die üblichen sieben Gründe hat, sich volllaufen zu lassen (der erste heißt übrigens „Montag“), sondern wenn zudem alle noch so fernliegenden Produkte von den Werbern befußballert werden und er deshalb weiß, dass er bald wieder aufgeregt und brüllend nach der Kanne greifen kann, wenn seine verkümmerten Waden erzittern, weil der Flimmerball an die Latte scheppert. Passend zum Gebrüll des Idioten, in dessen Oberstübchen es dermaßen finster ist, dass die Überflutung des ganzen Alltags mit allgegenwärtigem Tretball wie das Licht am Ende des Tunnels wirkt, ist der tretballförmige Flaschenöffner mit Batterie, der sogar stellvertretend für das hirnlose Gesäuge Bierschlürf rumbrüllen kann, damit sich der Evolutionsverweigerer mit seinem Brachland im Kopfe ganz und gar aufs Besoffenwerden konzentrieren kann.

Quelle des Scans: Katalog „Die moderne Hausfrau“

Christdemokratischer Jugendalkoholismus

Immerhin, die Junge Union in Bochum scheint eingesehen zu haben, dass man ihren p’litischen Beglückungsideen nur im Zustand des Alkoholkomas etwas abgewinnen kann. Und damit auch die jüngeren Menschen dafür gewonnen werden, die Henker ihrer Zukunft zu wählen, lud man zum preiswerten Komasaufen in eine Disko:

Ein im Internet kursierender Aufruf an junge Leute ab 16 Jahren zu einer Wahlparty des Kreisverbandes der Jungen Union hat helle Empörung ausgelöst. Das Angebot der Jungen Union in der Disko Playa: 10 Euro zahlen, für 25 Euro trinken. Oder 15 Euro zahlen und für 40 Euro trinken. Es klingt wie Koma-Saufen: Die entsprechenden Gutscheine müssten in anderthalb Stunden vertrunken werden, sie gelten nur bis 23.30 Uhr, die Party beginnt aber erst ab 22 Uhr. Unter dem Motto „Rot-Grün muss weg“ werden folgende Getränke offeriert: Jeder Xuxu-Shot 2 Euro, jeder Waldmeister-Shot 2 Euro. Bedingung für die ab 16-Jährigen: Einlass nur in Begleitung eines Volljährigen.

Dass rot-grün noch gar nicht da ist, werden diese Suffköppe bei ihrer Druckbetankung gewiss nicht bemerkt haben. Aber dafür haben sie gelernt, dass man als potenzieller Alkoholiker bei den Unionsparteien gut aufgehoben ist. Die liefern mit ihrer P’litik nicht nur die trüben, aussichtslosen Lebensumstände, die einen in den irren Trost des Suffes treiben, die liefern im Wahlkampf sogar noch den Stoff. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Satirikern ist wohl ein erwünschter Nebeneffekt.

Ich schlage der Union für den Jugendwahlkampf noch ein fetziges, diskotaugliches Liedchen im Drillrhythmus der zeitgenössischen Popmusik vor. Der Text ist schon fertig:

Mein Hirn, das schmeiß ich weg
Und die Leber hinterher.
Vernunft, die hat kein Zweck
Und das Denken fällt mir schwer.
Ich wähl die Union
Und saufe immer mehr;
Ich wähl die Union
Mein Kopp ist so schön leer.

Prost Deutschland!

Alkohol und Drogen

Die Kombination der beiden Begriffe „Alkohol und Drogen“ ist ein geradezu typisches Beispiel des alltäglichen Gehirnficks in der BRD. Suggeriert wird mit dieser Redeweise, dass der Alkohol nicht schon von selbst zu den Drogen gehöre, dass er ein Genussmittel auf dem ungefähren Niveau von Schokolade wäre — in Wirklichkeit handelt es sich aber beim Alkohole um eine Droge, mit der sich viele Menschen ihr trübes Dasein jeden Tag erträglich saufen. Dass diese Droge legalisiert ist, nimmt ihr nicht einen Funken von ihrem krankmachenden, entsozialisierenden und suchtfördernden Potenzial, das ja wohl der einzig sinnvolle Maßstab ist, um eine Substanz als „Droge“ zu bezeichnen.

Wenn erstmal der falsche Gedanke, dass Alkohol gar keine richtige Droge sei, pressemäßig in die Gehirne gepresst wurde, denn fällt es leicht, darauf aufbauend weiter zu lügen. Zum Beispiel, wenn man den Menschen erzählt, dass es in der BRD im Jahre 2008 nur 1449 Drogentote gegeben hätte. Das ist ja eine Kleinigkeit, gemessen an der Bevölkerungszahl. In der BRD gibt es also fast kein Drogenproblem. Na, denn prost!

Und unterdessen saufen sich Ungezählte das Gehirn und die Leber weg.