Nur noch 300 Stück: Kreditkarte mit Kreditrahmen – Schufa Frei!

Oh, wie schön, eine HTML-formatierte Spammail mit eingebettetem Zählpixel, der bei seiner Darstellung nach Hause funkt, dass die Spam auch gelesen wurde… wenn man so etwas denn in seiner Mailsoftware anzeigen lässt. Da weiß man schon beim Betrachten des HTML-Quelltextes, mit was für einem Pack man es mal wieder zu tun hat.

Sehr geehrte(r) , [sic!]

Natürlich hat der, die oder das Absender keine Ahnung, wie ich heiße. Macht aber nichts, denn das hält ihn, sie oder es nicht davon ab, mir das ganz leckere Angebot zu machen, über 5.000 Euro Kreditrahmen frei und ohne dieses lästige Schufazeugs verfügen zu können:

durch neue Partnerbanken [sic!] können wir Ihnen ein erfreuliches Angebot unterbreiten. Eine echte Mastercard Kreditkarte in Gold, mit einem Kreditrahmen von 5.000 EUR. Und das Beste: Völlig Schufa Frei! [sic!] Garantiert keine Ablehnung!

Wer kümmert sich schon um so einen Krämerkram wie Bonität, wenn er an irgendwelche Unbekannten „garantiert keine Ablehnung“ Darlehen rausgibt. Diese „neuen Partnerbanken“ haben wohl allesamt einen ordentlich Papier tragenden Geldbaum im Garten und wissen nicht, wohin mit den ganzen Banknoten!

Sie haben Interesse? Hier informieren

Der Link auf die Domain newsletteransicht (punkt) com [hier geht der Link aus naheliegenden Gründen ganz woanders hin, und der Klick ist wärmstens empfohlen] ist natürlich mit einer eindeutigen ID versehen, damit der Empfänger gleich beim Klicken mitteilt, dass die Spam auch ankommt. Wer darauf klickt (ich habe für meinen Test einfach eine andere ID verwendet und das Skript auf der Gegenseite hat diese ID akzeptiert), landet nach einer Weiterleitung auf einer tollen Website in der Domain goldmaster (strich) schufafrei (punkt) de, an deren URI eine Affiliate-ID als GET-Parameter angehängt wurde.

Damit hat sich zunächst einmal die Frage geklärt, wie dieser Spammer sein Geld verdienen will: Indem er Leute dazu treibt, einen Vertrag mit einem anderen Unternehmen abzuschließen. Das wird natürlich in der Spam… ähm… nicht ganz so transparent kommuniziert, sondern vielmehr wird im Wörtchen „wir“ ein völlig anderer Eindruck von den Verhältnissen erweckt. Ich bin mir sicher, dass die Betreiberin dieser Website, die Aachener Platinum Services GmbH, sich jederzeit von dieser Spam und von eventuellen ähnlichen Spams distanzieren wird. Schließlich ist Spam ja illegal.

Über das halbseiden wirkende „Geschäftsmodell“ der Platinum Services GmbH will ich gar nicht erst ein Wort verlieren und verweise für den Anfang einer weiteren Meinungsbildung auf eine einfache Google-Suche, in deren Ergebnissen sich einiges an Enttäuschung angesammelt hat, dem sicherlich einiges an Täuschung vorwegging. Oder, um es mit den zuweilen zu lesenden Worten zu sagen: an Abzocke und an Betrug. [Warnung für Allergiker: Der letzte Link enthält unter anderem judenfeindliche Ressentiments, was die sonstige Darlegung etwas beschädigt.] Zum Beispiel so eine Täuschung wie die hier zitierte Spam, die dann mit der beim schnellen Lesen nicht gerade klaren Beschreibung des Angebotes der Platinum Services GmbH zusammenkommt und einen völlig falschen Eindruck erweckt. Tatsache ist — soweit ich den „kleingedruckten“ und ermüdend zu lesenden Text auf der Bestellseite richtig verstehe — dass eine „premium prepaid Mastercard mit Gold-Design und Hochprägung“ für eine „Ausgabegebühr“ von 49,90 Euro vermittelt wird, und dass ferner (und davon getrennt) ein Darlehen ohne Einholung einer Schufa-Auskunft beantragt wird. Letzteres ist natürlich ohne jede Erfolgsgarantie, und ersteres… ach! Es kann ja niemand wissen, wie so einem Antrag beschieden wird. Die in deutlich größeren und leichter zu lesenden Lettern gegebenen Zusicherungen „[…] keine peinliche und billig wirkende Prepaid Kreditkarten […]“ und „bis zu 5000€ schufafrei“ klingen da zwar sehr anders, aber die vollmundige Darlehenszusage mit dem Psychostretch im Wörtchen „bis“ ist ja auch erfüllt, wenn es sich um null Euro schufafrei handeln sollte.

Ein Darlehen gibt es von einem Kreditinstitut eben nur dann, wenn für dieses Institut eine vernünftige Aussicht besteht, dass es auch zurückgezahlt werden kann und werden wird. Wer Probleme hat, diesen an sich sehr einfachen Zusammenhang zu verstehen, unterhalte sich bitte mit dem nächstbesten erwachsenen Menschen von gewöhnlicher Allgemeinbildung über dieses leidige Thema. Meine Zusammenfassung lautet da: Eine Bank leiht dir nur dann Geld, wenn du es eigentlich nicht brauchst.

Eine Prepaid-Kreditkarte kann man hingegen sicher preisgünstiger bekommen, wenn man nicht zusätzlich einem obskuren Aachener Unternehmen 50 Euro gibt. Natürlich entstehen bei der Nutzung der Karte weitere Kosten, die im Angebot nicht explizit genannt werden — oder, um die Platinum Services GmbH zu zitieren: „Bei der Nutzung Ihrer MasterCard® fallen branchenübliche Nutzungsgebühren an, die direkt vom Kartenemittenten erhoben werden“. Wer dieser „Kartenemittent“ ist? Tja, das erfährt man hinterher. Bei Katzen im Sack kommt ja immer ganz große Freude auf! Vor allem, wenn die Katzen auch noch Jahresgebühren, Monatsgebühren, Transaktionsgebühren etc. kosten können.

Noch einmal wiederholt sei, was ich weiter oben schon gesagt habe: Ich bin mir völlig sicher, dass die Platinum Services GmbH sich jederzeit von den Spamaktionen irgendwelcher unseriöser und in der Spam sogar zu illegalen Mitteln greifender Affiliate-Pfennigkaufleute distanzieren wird und sich selbst durch solche Spams in ihrer Reputation beschädigt fühlen wird — oder doch zumindest öffentlich den Standpunkt einnehmen wird, dass das so sei. Die im Fall meiner Spam bei der Weiterleitung angehängte Affiliate-ID ist übrigens 240:1:, so dass eine schnelle Abhilfe gegen diesen einen Spammer möglich sein sollte — wenn man von Seiten der Platinum Services GmbH überhaupt ein Interesse daran hat, wo doch der in der Spam so gezielt erweckte falsche Eindruck auch dem ziemlich windigen Geschäftchen der Platinum Services GmbH sehr förderlich ist.

Was ich allen Beteiligten, die naiven Menschen mit Geldproblemen das Geld aus der Tasche ziehen, an den Hals wünsche, ist leider nicht druckreif.

Natürlich erhalten Sie mit Ihrer Mastercard auch an jedem Geldautomaten Bargeld, so dass Sie unser Angebot auch als flexiblen Barkredit nutzen können.

Klar doch, das schreibt mir ein anonymer Spammer, der sich der Domain newsletteransicht (punkt) com bedient, die natürlich über einen Whois-Anonymisierer aus dem sonnigen Panama ebenfalls hübsch anonym gemacht wurde und zudem übrigens erst vor zwei Wochen eingerichtet wurde. Diesem Spammer reicht es, seine Affiliate-Judasgroschen dadurch zu verdienen, dass er Leuten einen Vertrag aufdrückt, die vermutlich vorher schon größere finanzielle Probleme hatten.

Mit freundlichen Grüßen
Doreen Grossmann

Mit feindlichen Grüßen
Ein ausgedachter Name.


Sie wünschen keine weiteren Angebote?
http://newsletteransicht.com/so.php [Endlose ID von mir entfernt]

Nein, das ist kein Newsletter, das ist eine Spam. Unbestellt zugestellt. Und ich werde den Teufel tun, dem Spammer auch noch zu sagen, dass diese Spam auch ankommt — das hat nämlich Folgen, und zwar mindestens dreißig am Tag, eine dümmer als die andere.

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5 Kommentare

  1. […] Von dieser Pest gibt es im Moment eine ganze Menge im Spameingang, immer mit leicht unterschiedlichen Formulierungen, aber der Köder ist stets eine „Goldene Mastercard“, „hochgeprägt“ und „ohne Schufa“ mit einem „Kreditrahmen von 5000 Euro“ – die man beantragen kann. Und dabei bekommt jeder eine Kreditkarte. Wer wissen will, was sich hinter dem Angebot dieser freundlichen, vor­weih­nacht­lichen Bauernfänger verbirgt, lese bitte einfach auf „Wut“ weiter! […]

  2. […] Oh „schön“, eine Seite, zu der ich mittels einer dafür vergebenen ID „zurück­funken“ soll, dass ich meine Spam auch lese und beklicke, dass es sich also lohnt, mir noch mehr Spam ins Postfach zu machen. Und wenn ich darauf klicke¹, wird eine Seite aufgemacht, die eine andere Seite in einem <FRAMESET> dar­stellt und da für den Leser quasi unsichtbar eine Affiliate-ID mit den Parametern id=308 und group=3 dranhängt. Und diese andere Seite verspricht jedem und jeder ohne jede Bonitätsprüfung eine Kreditkarte. Mit hochgeprägter Nummer. Das kommt mir aber ganz merkwürdig bekannt vor… […]

  3. […] diese Zusicherungen in Wirklichkeit bedeuten, kann man zum Beispiel hier in großer Ausführlichkeit nachlesen. Kurz zusammengefasst: Man kann für 50 Euro eine Prepaid-Kreditkarte kaufen [!] und ein Darlehen […]

  4. […] Ab­zoc­ker-Masche aus dieser Mail ist übri­gens nicht neu und hat schon vor zwei­ein­halb Jah­ren eine aus­führ­liche „Wür­di­…. Neu ist hin­ge­gen das De­sign einer Web­site, die so tut, als gäbe es dort […]

  5. […] Ganz wichtig. Mit Hoch­prä­gung. Und Mas­ter­card. Und echt. Echt Pre­paid. Und ganz schön teuer. […]


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