Vor 10 Jahren: Illegale Waffen als Kriegsgrund und -hindernis

Gegen die Verkalkung der Menschen in Alzheim!

Das Folgende ist eine Meldung der Website der ARD-Tagesschau vom 14. Oktober 2002, 16:51 Uhr, die ich wegen der von der Verlegerlobby erzwungenden Depublizierung von Tagesschau-Inhalten leider nicht verlinken kann. Ich zitiere die Meldung ungekürzt und unverändert aus meinem Archiv:

Illegale Waffen als Kriegsgrund und -hindernis

Die Angst vor irakischen Massenvernichtungswaffen sind der Hauptgrund der USA, den Sturz Saddam Husseins mit allen Mitteln zu betreiben. Experten halten es für sehr wahrscheinlich, dass im Irak tonnenweise Bio- oder Chemiewaffen gelagert sind.

Die angeblichen irakischen Waffenprogramme sind Hauptargument der USA. Laut UN-Resolution von 1991 darf das Land keine Atomar-, Bio- oder Chemiewaffen besitzen oder entwickeln. Besonders heikel: Der Irak hat möglicherweise noch immer Raketen, die bis ans Mittelmeer reichen — und mit B- oder C-Waffen bestückt werden können. Davon sollen reichlich im Irak vergraben worden sein.

Unbestritten ist unter Experten zwar, dass die konventionelle militärische Macht des Irak mit der katastrophalen Niederlage im Golfkrieg 1990/1991 gebrochen wurde. Für seine Nachbarn ist das Land in dieser Hinsicht nur noch eingeschränkt eine Bedrohung. Die Anstrengungen des Irak, sich atomare Waffen zu verschaffen, sind zwar belegt, derzeit gelten die Möglichkeiten des Landes in diesem Bereich allerdings als gering.

Tödliches Kampfgas gebunkert?

Anders schätzen Experten aber die Gefahrensituation bei biologischen und chemischen Waffen ein. Chemische Kampfstoffe hat der Irak in großen Mengen produziert und im Krieg gegen Iran sowie gegen die kurdische Minderheit im eigenen Land auch mit verheerenden Folgen eingesetzt. Noch immer ist unklar, ob wirklich alle chemischen Waffen nach dem Golfkrieg unter der Aufsicht von UN-Inspekteuren vernichtet wurden. Mehrere Tonnen des extrem gefährlichen Nervengases VX sollen noch im Irak lagern.

Auch die Arbeiten an biologischen Waffen sollen erheblich intensiviert worden sein. Dass der Irak mit biologischen Waffen wie Anthrax und Botulismus (Beulenpest) experimentiert hat, ist sicher. Seitdem die UN-Inspekteure 1998 das Land verlassen mussten, fließen die Informationen über die B- und C-Waffen allerdings noch spärlicher.

Restbestände an Raketen

Mit der Niederlage 1991 hat der Irak auch den größten Teil seiner Trägersysteme für chemische und biologische Waffen verloren. Die bis nach Israel reichenden Scud-Raketen gelten bis auf möglicherweise wenige Exemplare als vernichtet. Allerdings soll der Irak wieder Systeme wie Kurzstreckenraketen, Bomben oder unbemannte Flugkörper besitzen, mit denen über geringere Entfernungen auch biologische und chemische Waffen eingesetzt werden könnten.

Der Sturm auf Bagdad wird kein Spaziergang

Abseits der Spekulationen: Trotz der stark reduzierten Kampfkraft der irakischen Armee dürfte auch bei einem Angriff einer US-Streitmacht oder einer alliierten Truppe ein schneller Erfolg nicht sicher sein. Von 70.000 bis 250.000 Soldaten ist die Rede, deren Einsatz im Pentagon erwogen werde. Im Golfkrieg 1991 waren rund 170.000 US-Soldaten im Einsatz, mit den Einheiten der Verbündeten waren es etwa eine halbe Million Mann. – Der Irak seinerseits unterhält noch immer das drittgrößte stehende Heer der Welt: 424.000 Soldaten hat Saddam Hussein unter Waffen. Mit Reservisten kommt er auf mehr als eine Million Mann.

Weiteres Problem der Amerikaner ist das Fehlen einer breiten Anti-Saddam-Allianz – wie sie 1991 bestand. Auch die prowestlichen islamischen Staaten haben ihre Ablehnung einer militärischen Intervention im Irak immer wieder deutlich gemacht. Auf die Unterstützung Saudi-Arabiens etwa wird die US-Regierung kaum zählen können.

„Flugzeugträger“ Katar

Für einen Angriff auf den Irak stehen die im Golfkrieg aufgebauten Militärbasen in Saudi-Arabien nicht zur Verfügung, da sich die Regierung in Riad bisher nicht innerhalb des islamischen Lagers isolieren will. Im letzten Golfkrieg hatte das Land den Alliierten als Stützpunkt für Luftangriffe gedient. Sollte Riad bei seiner Haltung bleiben, müsste der neue Feldzug von alternativen Stützpunkten aus – etwa in Kuwait oder der Türkei – beginnen. Im Emirat Katar wurde der Stützpunkt Udeid Air Base inzwischen zur neuen Einsatzzentrale der US-Militärs in der Region ausgebaut.

Wie es in Wirklichkeit mit den Massenvernichtungswaffen im Irak aussah, wussten damals schon die Waffeninspekteure der Vereinten Nationen unter Chefinspektor Hans Blix. Erwartungsgemäß hat sich vom tonnenweise vorgeschobenen „Kriegsgrund“ der USA und Großbritanniens (übrigens als Mitglied der Europäischen Union soeben mit einem Friedensnobelpreis mitausgezeichnet) nichts im Irak gefunden. Aber so ein vor den Augen lebendig verbrannter 9/11-Opfer hinkonstruierter „Kriegsgrund“ klingt ja viel „besser“ als ein schlichtes „Saddam Hussein ist ein von uns selbst bis an die Zähne aufgerüstetes, gefährliches Arschloch mit für uns zu großen politischen Führungsambitionen im Nahen Osten, und in seinem Land fließt unterm Boden der schwarze Schlamm, mit dem wir die Motoren unserer Verbrennungswirtschaft am Laufen halten“.

Möge niemals in Vergessenheit geraten, dass die ARD-Tagesschau in ihren empörend nachgerichteten Nachrichten im Großen und Ganzen die staatlich und wirtschaftlich gewünschte Propaganda wie ein Papagei in die Ohren und Hirne der Zuschauer transportiert! Und sonst fast nichts.

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2 Kommentare

  1. for the deepest memories

  2. […] der Folgezeit wurden von den Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* Kriege mit ausgedachten Kriegsgründen (auf der Grundlage angeblicher geheimdienstlicher Erkenntnisse) geführt. Ein weiterer Krieg der […]


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