ZDF im Internet: Das Zweite Deutsche Fiasko

Ich hätte eigentlich gewarnt sein müssen, denn ich habe ja auch schon das eine ums andere mal das Fernsehprogramm des ZDF „genießen“ dürfen.

Als mir jemand eine Mail mit einem Link sandte, klickte ich unvoreingenommen auf diesen Link und war so zum ersten und zum letzten Mal in meinem Leben auf der Website des ZDF.

Der Computer war ausnahmsweise ein etwas brauchbareres Gerät, zwei Pentium-4-Kerne mit fluffigen Drei und ein paar zerquetschten Gigahertz, Speicher steckte reichlich im Rechner, an Leistung sollte es also nicht scheitern. Der Browser war ein aktueller Opera 11.62. Der Opera brauchte auf diesem Rechner gediegene zweiundzwanzig Sekunden, um die blöde ZDF-Seite zu laden und darzustellen. Als ich es probehalber gleich hinterher mit dem Firefox ausprobierte (No-script hatte ich für dieses „moderne“ Webdesign natürlich ausgeschaltet), ging es mit einundzwanzig Sekunden nicht wesentlich schneller¹.

Und dann wollte ich mal wissen, woran das liegt und begann deshalb damit, mir einmal genau anzuschauen, was für ein HTML die mit GEZ-Geldern bezahlten Spezialexperten da gebaut haben.

Mit Verlaub, ZDF: Das Einbinden von achtzehn (!) verschiedenen CSS-Dateien, um die „Inhalte“ zu formatieren; das Nachladen von insgesamt sechsunddreißig (!!) Javascript-Dateien, um die gewünschte Glotzigkeit der übrigens recht informationslosen Drecksseite herzustellen; die vierhundert leeren <span>s (!!!) im HTML-Kot HTML-Code, die dann mithilfe eines wuchtigen Wustes von Javascriptzeilen dynamisch mit Inhaltsersatzsurrogat gefüllt werden… damit kriegt man jeden Parser dieser Welt zu gewissen Atempausen, zumal der Pluginwrapper des Browsers für so viel eingebetteten multimedialen Schrott Rechenzeit an sich riss, dass die armen beiden CPU-Kerne kaum noch zu etwas anderes kamen. Diese Website eines dummen deutschen Verdummungssenders, der übrigens zum größeren Spott in dieser ganzen trüben Angelegenheit mit einer Zwangsgebühr von reinen Internetnutzern ohne Rundfunkgerät mitfinanziert wird, ist so ziemlich die schlimmste Webdesign-Katastrophe, die ich jemals gesehen habe.

Und glaubt mir: Ich habe schon Vieles gesehen.

Aber so großkalibrig verkackt machen es nicht einmal die Websites der Zeitungen.

¹Deutlich schneller war übrigens der Chromium mit seinen gut acht Sekunden. Hier wurde auch weniger CPU-Last durch Plugins erzeugt. Aber selbst hier sind gefühlte zehn Sekunden ziemlich lahmarschig und stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Inhalten, die mit der großen Datenmenge transportiert wurden. Nur ein Beispiel für dieses Missverhältnis: Die höchstens acht Kilobyte Text der Datenschutzerklärung führen auf der ZDF-Website zur Übertragung von 1.152.283 Bytes. Ganz ohne Einbettung von Bewegtbild-Medieninhalten. Das ist einfach nur unfassbar schlecht.

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6 Kommentare

  1. […] Quelle und vollständiger Bericht: Wut! […]

  2. Reblogged this on "Die Dreckschleuder".

  3. Die Infothek von ARD ist nicht besser, bei einem Stream des neuesten „Tatort, liefen nach 10 Minuten Ton und Bild Asynchron.
    Große Leistung.

    • Nee; großes Kino 😉

    • Die ARD hat ja nur gut das Doppelte des Etats der BBC drüben auf der Insel. Da kann man doch nicht erwarten, dass sie die technische Infrastruktur für ein vernünftiges Streaming aufbaut, nur weil die so genannte „Rundfunkgebühr“ auch von reinen Internetnutzern bezahlt werden muss. Das schafft die BBC ja auch nicht… moment mal… außer natürlich auf ihrer Insel, wo sie selbstverständlich HD streamen. (Ein guter Grund für mich, manchmal einen britischen Proxy zu benutzen, denn die Dokumentationen sind großartig!)

      Aber hey, Sport ist das Erste, und auch ansonsten reihern sie in die ersten Sitze… oder so ähnlich.

  4. Na ja , unsere ÖR machen ja auch keine Filmkunst, sonder Handwerk 😉


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