Herr Bundespräsident!

Ich muss mich bei Ihnen, wenn auch widerstrebend, bedanken!

Kein anderer P’litiker der BRD hat es bislang geschafft, so vielen anderen Menschen — darunter auch etliche vollständig entp’litisierte — so wirksam klar zu machen, in wie hohem Maße die gesamte p’litische Kaste der BRD ethisch verrottet, einer kleinen Klasse von Besitzenden in Dankbarkeit und speichelleckerischer Gefügigkeit verbunden und dabei gegen den überwiegenden Rest der Bevölkerung der BRD eingestellt ist, wie sie das in nur wenigen Wochen ihres hingestümperten Krisenmanagements geschafft haben. Sie haben in ihrer schäbigen Vorteilsnahme und mit ihren von jedem aufgeweckten Vierjährigen durchschaubaren Lügen mehr für die p’litische Bildung getan, als alle aufklärerischen Bewegungen und aller recherchierender Journalismus der letzten mindestens zwanzig Jahre, indem Sie vollständig deutlich machen, dass ein Geschmeiß wie Sie und Ihresgleichen nicht in ein p’litisches Amt, sondern dorthin gehört, wo es keinen weiteren Schaden mehr anrichten kann.

Sicher, mir ist das nichts Neues, ich weiß das schon lange. Aber wenn ich, wie es zu meinem Lebensstil im Schatten der Mülltonne im Lande Überfluss gehört, auf der Straße bettle, stelle ich fest, dass sogar die ganzen dumpfen und blöden Spießertypen auf einmal eine heftig juckende Einsicht im Ödland ihres Hirnes verspüren; eine Einsicht, dass der Unterschied zwischen Schein und Sein der p’litischen BRD wesentlich lichtloser und klaffender ist, als diese es selbst noch in ihrem größten Pessimusmus jemals angenommen hätten. Sicher, das allein schafft noch keine Bewegung, keinen Aufstand und keine Neuerung. Zu groß ist die lullige bequeme Ohnmacht des „Die da oben machen ja eh, was sie wollen; das war immer so, daran kann ich doch nichts ändern“. Aber was in dieser allzu vertrauten Begründung der eigenen Passivität neu geworden ist, das ist ein klarer Unterton von Wut, der getragen wird von einer Sehnsucht nach Gerechtigkeit und einer Einsicht, dass diese Gerechtigkeit nicht von allein kommt. Und dieses zarte Tönchen, es ist mit jedem Tag, den Sie, Herr Bundespräsident, wie von starken Klebstoff gehalten im Amte bleiben, für mich ein bisschen deutlicher zu spüren, wenn ich als Herz der Straße stehe und nehme, was mir kampflos gegeben wird.

Bitte bleiben Sie so lange wie möglich im Amt! Und werden Sie in ihrer Haltung jeden Tag ein bisschen arroganter und in Ihren idiotischen Lügen jeden Tag ein bisschen durchschaubarer! Am besten die ganzen möglichen neun Jahre lang! Damit aus diesem sanften Ton der Wut ein Tosen werden kann, das schäbige Lumpen wie Sie und Ihresgleichen davonträgt — am besten gleich dorthin, wo Würmer und Verwesung ihr Reich haben, damit die Lebenden wieder atmen können.

Ach, wie lustig die Presse doch zurzeit klingt! Wie bescheuert diese Presse davon faselt, dass das Amt des Bundesgrüßaugusts ein ganz besonderes Amt sei, eine über den Parteien stehende moralische Instanz, die die integrative Kraft des Staates repräsentiere und die Identifikation der Bürger mit dem Staate ermöglicht… Päh, darauf fällt doch kein Mensch mit einem IQ über 85 mehr herein! Und dass sie eine Fehlbesetzung seien, klingt manchmal an in dieser Scheißpresse, weil es ihnen nicht gelingt, diese Instanz in lächerlichem Theater ihres Schlosses und der Fernsehkameras wirkungsvoll zu spielen… Tja, schon doof gelaufen, Herr Bundespräsident, dass Sie sogar für diesen faulen Mummenschanz zu unfähig sind. Selbst so markant kackbraunen Vorgängern wie dem Herrn Restreichsdurchwanderer Carstens ist das noch ein bisschen besser gelungen.

Verstehen Sie, Herr Bundespräsident! Es war die Ihnen zugedachte Rolle, dass sie mit ihren Auftritten und Sonntagsreden davon ablenken, dass die BRD in Wirklichkeit von ein paar Handvoll skrupellosen Milliardären und ihren hörigen, volksverkäuferischen Schergen im Reichstage regiert wird. Dafür hat man Ihnen vorübergehend ein kleines Schlösschen gegeben und ein bisschen zeremoniellen Blendstoff. Für nichts anderes. Die paar Lügen, die sie dafür hätten aufführen müssen, sind banal. Ein kleines bisschen Ethiksimulation, damit nicht jeder auf dem ersten Blick bemerkt, dass seine Heimat zurzeit an den Meistbietenden verhökert wird. Ein bisschen Wortgestreichel für die Verlierer des gegenwärtig über die BRD ablaufenden Prozesses, damit die meisten unter diesen Menschen niemals anfangen, systematisch, frei von ideologischen Deutungsschemata und ergebnisoffen über ihre Situation und die Gründe, die zu dieser Situation geführt haben, nachzudenken. Und das alles natürlich in einer großen, staatsmännisch wirkenden Geste, die vergessen machen soll, dass sie ein lächerlicher, machtloser Hampelmann sind. Gut, dass sie nicht einmal diese leichte Rolle, die keinen Laienschauspieler mit vier Wochen Bühnenerfahrung überfordert hätte, auch nur leidlich überzeugend spielen können. Weil sie einfach nur ein von seinen reichen Freundschaften und Beziehungen hochgespülter Nichtskönner sind, und ein besonders peinlicher obendrein, Herr Bimbesprä Bundespräsident.

Und genau darin sind sie ein wahrhaft würdiger Repräsentant des Staates Bundesrepublik Deutschland. Weil sie die Wirklichkeit dieses Staates zuverlässig und klar repräsentieren. Und weil sie auch bei immer mehr Menschen den Sinn dafür schärfen, dass diese Wirklichkeit weit über Ihre lümmelhafte Person hinausgeht; dass Ihr schäbiger und gieriger Charakter, Herr Bundespräsident, nicht etwa eine seltene Ausnahme innerhalb der poltischen Kaste der BRD ist, sondern ganz im Gegenteil, dass er die Eintrittskarte für die politische Kaste der BRD ist. Deshalb sind sie trotz der beachtlichen Schäbigkeit Ihrer Persönlichkeit in dieser volksfernen Parallelgesellschaft niemanden besonders aufgefallen, konnten sogar bei Angela „FDJ-Agitatorin“ Merkel so viel Eindruck erwecken, dass diese Volksverkäuferin Sie für eine geeignete Besetzung der Rolle des Bundespräsidenten hielt. Dass sie in jedem nur denkbaren Punkte unfähig sind, hat bei gewöhnlicher politischer Betätigung ohne Schwerpunkt auf derartige Ablenkungs-Repräsentation auch niemanden gestört.

Ja, Herr Bundespräsident, Sie sind ein lebendes Denkmal der Zustände, die um jeden Preis und schnell überwunden werden müssen.

Und genau deshalb muss ich mich bei Ihnen bedanken, obwohl sie ein derart offenkundiges Astloch sind. Widerstrebend. Bleiben Sie den Menschen in der BRD noch lange als Denkmal erhalten, damit man immer wieder mal an die Wirklichkeit denkt.

Advertisements

1 Kommentar

  1. […] Quelle und vollständiger Bericht: Wut! […]


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s