Herr Innenminister Hans-Peter Friedrich!

Herr Innenminister Hans-Peter Friedrich,

sie sind also der Meinung, das Internet dürfe nicht gesetzlos werden. Dann seien sie bitte so freundlich, diesen schnell in die Journalistenmikrofone gesprochenen Worten Taten folgen zu lassen! Das würden ihnen mehrere hunderttausend Menschen aus der Bundesrepublik Deutschland danken.

Sorgen sie bitte mit wirksamen Anordnungen und Maßnahmen dafür, dass die namentlich gut bekannten, gewerbsmäßigen Betrüger, die ohne Probleme unter Vorlage ihres Personalausweises bei beinahe jedem deutschen Kreditinstitut ein neues Bankkonto eröffnen können, um anschließend mit Drohbriefen unter Bezugnahme auf eine bewusst irreführend gestaltete Website jeden Monat mindestens eine halbe Million Euro von ihren eingeschüchterten Opfern zu ergaunern, für einige Jahre die Luft durch Gitter atmen! Im Moment läuft diese Betrugsnummer unter der Bezeichnung „Content4U GmbH“ und mit Mahnbriefen eines windigen Inkasso-Ladens, selbstverständlich beide mit leicht recherchierbaren Eintrag im Handelsregister. Sorgen sie bitte mit wirksamen Anordnungen und weisen Maßnahmen dafür, dass die Komplizen, Schergen und Strohmänner dieser namentlich gut bekannten, gewerbsmäßigen Betrüger auch nicht ungeschoren davonkommen! Beenden sie diese Schande des Rechtsstaates, die seit nunmehr einem halben Jahrzehnt besteht, ohne dass jemand etwas dagegen tut!

Dafür bekämen sie von mir übrigens keinen Applaus. Es ist ja ihr Job, Herr Innenminister, dafür zu sorgen, dass es ein für alle Menschen gleiches Recht gibt, und dass dieses Recht auch kraftvoll durchgesetzt wird.

Sie bekämen jedoch einen verhaltenen Applaus von mir, wenn sie sich im Zuge dieser Maßnahmen auch dazu durchrängen, sich bei den vielen tausend Menschen zu entschuldigen, deren Strafanzeigen in den letzten zwei Jahren allesamt von den Staatsanwaltschaften mit einem kalten Formbrief eingestellt wurden — denn den meisten dieser Menschen fiel es wahrlich nicht leicht, sich mit einer Strafanzeige gegen die organisierte Internet-Kriminalität zur Wehr zu setzen. Das ginge über ihre im Amt des Bundesministers liegende Pflicht hinaus; es wäre ein Zeichen, dass sie auf der Seite der Opfer stehen und dass sie damit begönnen, die reale und bedrückende organisierte Internet-Kriminalität als bekämpfenswert zu erachten und den unwürdigen Zustand beendeten, dass die Bundesrepublik Deutschland ein Paradies für Abzocker und Betrüger im Internet ist. Eine solche Entschuldigung wäre nicht einmal ein großer Akt für sie, Herr Innenminister, nachdem sie endlich tätig geworden wären; es wären nur zwei oder drei Sätze ihres Redenschreibers, die sie so aussprächen, dass die Presse auch etwas darüber schreibt.

Aber leider, Herr Innenminister, scheinen sie es eher für ihren Job zu halten, mit unsäglichen, von gnadenloser Internetangst geradezu besessenen Ideen einer möglichst umfassenden Überwachung und Identifizierbarkeit aller Menschen in die Presse zu kommen, um bei dem aussterbenden Anteil der Bevölkerung, dessen Seelen von der gleichen Angst zerfressen sind, ein paar Wählerstimmen zu fischen. Das Recht, das sie dabei durchzusetzen vorgeben, scheint ihnen hingegen genau so gleichgültig zu sein wie ihnen die Opfer der organisierten Internet-Kriminalität egal sind.

Die Täter brauchen sich jedenfalls nicht hinter irgendwelchen Pseudonymen zu verstecken. Sie haben nichts zu befürchten; nicht von ihnen, nicht von einem Staatsanwalt, nicht von der Polizei. Sie erleben keine Hausdurchsuchungen, ihr ergaunertes Geld wird nicht beschlagnahmt, sie müssen keinem Untersuchungsrichter Rede und Antwort stehen. Sie müssen nur häufiger einmal ihre Bankverbindung wechseln, weil jedes halbwegs seriöse Kreditinstitut auf seinen Ruf bedacht ist und deshalb die Verträge schnell kündigt, nachdem die Natur des „Geschäftes“ dort offensichtlich wird. Ansonsten können diese üblen Gestalten sich völlig auf ihren verfeinerten Lebensstil durch Verprassen des von anderen Menschen teils bitter erarbeiteten Geldes konzentrieren.

Ja, so ein Kreditinstitut legt mehr Wert auf seinen Ruf als sie, Herr Innenminister. Wenn sie das nicht weiter stört, dann machen sie einfach so weiter. Den Spott und die Verachtung der Menschen, die von ihrem haltlosen Gerede und von ihrer lässigen Hand bei der Verfolgung von Straftaten betroffen sind, haben sie sich dann völlig verdient.

Denken sie einmal darüber nach!

Vielleicht hat ihr aktueller Ausfall dann sogar noch etwas Gutes. Im Moment ist er nämlich nur lächerlich und verspottet überdem die Opfer der wirklichen Internet-Kriminalität.

Der Wutblogger
(dessen Name sehr leicht zu ermitteln ist)

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2 Kommentare

  1. Die Oberbankster haben sich in der Pleitewelle allerdings auch als lernresistent und merkbefreit erwiesen und sich fleißig weiter ihre Boni bewilligt. Aber zumindest im Privatkundengeschäft gibt es bei Banken vielleicht noch eine rudimentäre demokratische Kontrolle durch Abstimmung der Kunden mit den Füßen, so sie wirklich um ihren Ruf dort bangen.
    Das ist bei den Politmafiosi schon nicht mehr der Fall. Aufgrund völliger Abwesenheit einer demokratischen Kontrolle wird das Volk nur noch rabulistisch verarscht.

  2. Ich habe auch so einen Brief von dennen bekommen! Solche ***!


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