Jörg Kachelmann: TwitPic zensiert Blümchen

Vor wenigen Stunden hat Jörg Kachelmann auf TwitPic [Wegen widerwärtiger Zensur bewusst nicht verlinkt] ein sehr interessantes Bild gepostet, das einen Eindruck davon zu geben vermag, mit welchen Methoden die Contentindustrie in der BRD ihre „Stories“ bekommt und was im Hintergrund der medialen Vorverurteilung Kachelmanns ablief. TwitPic hat dieses Bild, das einmal unter twitpic.com/586fia zu finden war, still gelöscht — es kann ja auch nicht angehen, dass die Gier, Geschäftstüchtigkeit und Schamlosigkeit der Journaille, hier im Falle von Burdas Arsch- und Tittenblatt „Bunte“, einem größeren Kreis von Menschen bewusst wird. So etwas wie Twitter und die damit verbundenden Dienste findet die Journaille eben nur toll, wenn sie in reißerischem Ton vermelden kann, dass damit im Ausland Revolutionen vorangetrieben werden. Wenns aber in der BRD benutzt wird, um mal zu beleuchten, wie denn der ganze Content in die Dreckspresse kommt, denn wird wohl ganz schnell der hauseigene Rechtslinksausleger angerufen, damit er mit der Macht der Geldherrschaft und des BRD-typischen Rechtsschutzes für beleidigte Leberwürste etwas dagegen unternehmen kann.

Nun, ich habe das Bild eben in meinem Browsercache wiedergefunden und möchte es niemanden vorenthalten. Es handelt sich um ein Begleitschreiben zu einer Fleurop-Blumensendung, und was darin steht, ist keineswegs durch die Blume gesagt, sondern sehr deutlich (zum Vergrößern klicken) — dieses kleine Dokument zur Zeitgeschichte sollte sich niemand entgehen lassen, der dem Gelaber vom „Qualitätsjournalismus“ angesichts der Ausflüsse dieses Tuns schon immer etwas skeptisch gegenüber stand:

Liebe Frau xxxxx, gerne würde ich mich einmal persönlich mit Ihnen über Herrn JK unterhalten. D a Sie ohnehin im Prozess als Zeugin aussagen werde n, fände ich es schön, Sie schon vorher kennen zu lernen. Sie können mich jederzeit unter meiner Mob ilnr. 0172 6124502 bzw per Email: tanja. may@bunte. burda. com erreichen. Sonnengrüße schickt Ihnen die Tanja May, Chefreporterin und Mitglied der Chefred aktion BUNTE

Hier nochmal der Text mit allen seinen vom eiligen Tippen herrührenden Eigentümlichkeiten abgetippt (allerdings habe ich dabei die Telefonnummer unkenntlich gemacht und bitte auch jeden Leser darum, dass die im Bild sichtbare Nummer nicht missbraucht wird):

Liebe Frau xxxxx, gerne würde ich mich einmal persönlich mit Ihnen über Herrn JK unterhalten. D a Sie ohnehin im Prozess als Zeugin aussagen werde n, fände ich es schön, Sie schon vorher kennen zu lernen. Sie können mich jederzeit unter meiner Mob ilnr. 0172 612xxxx bzw per Email: tanja. may@bunte. burda. com erreichen. Sonnengrüße schickt Ihnen die Tanja May, Chefreporterin und Mitglied der Chefred aktion BUNTE

Besonders wichtig: Schon vor dem Prozess möglichst exklusiv die Infos aus einer mit Blümchen begrüßten und von einer professionellen Schreibersfrau bequasselten Zeugin herausschütteln, so richtig eiskalt von Frau zu Frau. Ist ja auch besser für die mediale Vorverurteilung und den reißerischen Content mit besonderem emotionalen Empörungspotenzial, der dann verkauft werden soll.

Woher dieses Pack bei Burda im Vorfeld eines Gerichtsverfahrens die Anschrift einer Zeugin bekommen hat, gehört übrigens zu den interessanteren Fragen bei diesem Vorgang, auf die ich auch zu gern eine Antwort bekäme. Leider wird so etwas wohl niemals in der Scheiß-Milliardärspresse der BRD stehen. Wer sich in der BRD auf die Verschwiegenheit der Justiz, der Staatsanwaltschaft und der Gehilfen der Staatsanwaltschaft (Polizeien) verlässt, ist ganz offensichtlich verlassen, da werden auch persönliche Daten munter an die widerwärtigen Gefühlsausbeuter der ganz besonders fragwürdigen Journaille rausgerückt, die damit dann so richtig Meinung macht. Wir wissens ja alle:

Was ein BH ist für die Weiber / das sind fürs Volk die Presseschreiber. / Denn beide drücken ganz enorm / die Massen zu gewünschter Form.

Genau.

Ach so, Burda! Natürlich könnt ihr auch versuchen, diesen Text und diesen Mirror des Bildes mit Drohgesten und Briefen mit einschüchterndem Text und Briefkopf wegzensieren zu lassen, und vielleicht schafft ihr das sogar. Das nützt euch nur nicht mehr viel. Im Gegensatz zu euch herzzerfressenen Astlöchern habe ich nicht vor, davon zu leben, dass ich den Menschen künstlich geschürte Emotionen für Geld verkaufe, und deshalb publiziere ich alles unter den wenig einschränkenden Bedingungen der Piratenlizenz. Das hat zur Folge, dass es von allen möglichen und unmöglichen Leuten an vielen Stellen des Internet gespiegelt wird, und obwohl ich nicht mit jedem Betreiber eines Mirrors inhaltlich übereinstimme, bin ich weiterhin über jeden einzelnen Mirror froh, weil ich mir der geldherrschaftlichen Zensurbestrebungen in der BRD sehr bewusst bin. Das ist nicht mehr so einfach für euch geldherrschaftliche Zensoren zu handhaben wie die unendlich bequeme, künstliche Zentralisierung der Kommunikation übers Web-Zwo-Null. Spätestens jetzt kriegt ihrs nicht mehr aus dem Netz, also lebt damit! Lebt auch damit, dass das Internet nichts vergisst! Und wenn ihr meint, ihr könntet mich vielleicht juristisch einschüchtern: Ich bin obdachlos und lebe vom Betteln, habe nichts mehr zu verlieren und empfände einen Gefängnisaufenthalt (immerhin ein Dach übern Kopf und regelmäßige Mahlzeiten) beinahe als einen Urlaub. Immer nur zu! Für eine gewisse Öffentlichkeit, die interessiert zuschaute, wie ihr mit Kanonen auf Spatzen schießt, würde ich schon selbst sorgen.

Nachtrag: Einen weiteren Mirror des blumigen Fleurop-Telegrammes gibt es bei Stefan Niggemeier: Sonnengrüße von der Tanja May — so langsam werde ich mir sicher, dass der Vorgang die gebührende Aufmerksamkeit bekommt. [Danke, Dauni!]

Nachtrag Zwei: Wer Zweifel an der Echtheit des unglaublich herzkalten und dreisten Blümchenschriebs hat, muss sich wohl vorerst auf die Zusicherung von Jörg Kachelmann verlassen: „Das Dokument ist echt und liegt im Original vor“ — ich habe nicht den Schimmer eines Zweifels daran gehabt.

Advertisements

2 Kommentare

  1. […] und mehr und noch mehr zum […]

  2. […] kino.to! Zensiert werden Jörg Kachelmann; AEP-D; Attac; Sportwetten; Radio Fritz; stets und überall in Deutschland alle Blogger; […]


Comments RSS TrackBack Identifier URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s