Die Bahn: Wir reden jetzt mit!

Zitat Spiegel Online, 19. Dezember 2010:

Kapitulation vorm Schneewetter: Bahn rät von Zugreisen ab

[…] jetzt rät die Deutsche Bahn von Reisen auf der Schiene ab – zumindest an diesem Sonntagnachmittag. So wird der vierte Advent, einer der verkehrsreichsten Tage des Jahres, wegen des anhaltenden Winterwetters für viele Reisende zur Gedulds- und Nervenprobe […] warnt die Deutsche Bahn zudem vor überfüllten Waggons und Verspätungen […] reduziert sie die Höchstgeschwindigkeit ihrer Züge […] gelte die bereits reduzierte Höchstgeschwindigkeit […]

Es sei am Sonntag […] „mit teilweise erheblichen Kapazitätsengpässen auf wichtigen Fernverkehrsstrecken“ zu rechnen, hieß es weiter. […]

Kunden, die ihre Fahrt nicht unbedingt bald antreten müssten, rät die Bahn von Reisen am Sonntagnachmittag ab. Sie empfiehlt, auf weniger nachgefragte Zeiten auszuweichen. Das seien vor allem die „Tagesrandlagen“ abends oder morgens, sagte ein Bahnsprecher. Fahrgäste, die ihre Fahrt am Sonntag oder den nächsten Tagen bis Weihnachten nicht antreten wollten, könnten die Tickets kostenfrei zurückzugeben. „Wir bitten um Ihr Verständnis“, schreibt das Unternehmen zudem auf seiner Homepage. Der Deutsche Wetterdienst hat in seiner aktuellen Prognose neue Schneefälle vorhergesagt.

Genug davon, wir müssen ja wirklich höllenhaft normales Winterwetter haben. Da stellt sich also ein Sprecher eines Unternehmens hin und sagt den Reportern in die Mikrofone, dass die Kunden doch bitte auf das Angebot verzichten sollen, mit dem dieses Unternehmen sein Geschäft macht. Ganz großes Kino!

Früher, als es auch schon ganz normale, beschissene Winter gab, aber als die erforderliche Infrastruktur für den Fernverkehr von der p’litischen Kaste noch als etwas Wesentliches für einen modernen Staat begriffen wurde und deshalb als Zuschussgeschäft betrachtet und nicht wie heute unter dem wehenden Banner des Irrsinns der totalitären Wirtschaftlichkeit bis an den Rand des Erträglichen runterrationalisiert wurde, da klang das gleiche Unternehmen — damals noch als „Deutsche Bundesbahn“ bekannt — in seiner Öffentlichkeitsarbeit noch ganz anders:

Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Fahr lieber mit der Bundesbahn. DB

Aber — nachdem nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten des Ostblocks über zwei Jahrzehnte lang die Propaganda der totalitären Allesvermarktung die Gehirne gebeizt hat — weiß das ja niemand mehr. Heute lässt man lieber die Infrastruktur verrotten und „modernisiert“ die Bahn, indem man in Stuttgart einen Bahnhof tiefer legt.

Gute Nacht, Deutschland!

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