Das Kreuz mit dem Kreuz

Es ist ja selten, dass ich an europäischem Recht etwas lobenswertes finde, aber es kommt vor. Sehr lobenswert ist die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, dass das Aufhängen eines Kruzifixes in den Räumlichkeiten für staatliche Zwangsbeschulung (so genannte „Klassenzimmer“) das Menschenrecht Religionsfreiheit beeinträchtigt und somit innerhalb der Europäischen Union nicht zulässig sei.

Dass hier jetzt eine klare Rechtssprechung vorliegt, heißt aber noch lange nicht, dass sich die Vertreter eines so genannten „Rechtsstaates“ daran zu halten begönnen und damit anfingen, die ganzen Lattenjupps aus den bajuwarischen Kinddressurräumen zu entfernen. Die Trennung von Staat und Religion, die auch so hübsch ins Grundgesetz der BRD reingeschmiert wurde, hat nun mal keine besondere Bedeutung, wenn es um die christliche Religion im von Katholiszismus zerfressenen Freistaat Bayern geht, nein, zumindest in Bayern bleiben die kitschigen Nachbildungen eines römischen Galgens vorerst im Auge der Zwangsbeschulten und Leerkörper hängen.

Spaenle [Kultusminister, CSU] sagte, er sehe keine direkten Auswirkungen des Urteils auf Bayern. Müller [Europaministerin, CSU] betonte: „Wir haben eine klare Rechtslage.“ In bayerischen Klassenzimmern können grundsätzlich Kreuze hängen. Sollte sich ein Schüler oder Lehrer aber daran stoßen und glaubhaft darlegen können, dass er sich diskriminiert fühlt, so muss die jeweilige Schule im Einzelfall entscheiden, ob das Kreuz in den Räumen abgehängt wird oder nicht.

Und wenn davon jemand diskriminiert wird, denn darf er den Bittsteller spielen und muss erstmal „glaubhaft begründen“, dass er sich auch wirklich diskriminiert fühlt — ob Schüler (oder ihre Eltern) dies wohl gegenüber den oft sehr willkürlich über die Zukunftschancen entscheidenden Lehrer (die zumindest nicht gerade selten einen offenen Hang zum Sadismus und zur schmachvollen Bloßstellung von ungeliebten Schülern in der Zwangsgemeinschaft der Schulklasse an den Tag legen) versuchen werden, gehört zu den Fragen, die sich jeder beantworten kann, der sein Rückgrat nicht zum Zerbrechen bekommen hat. Kurz gesagt, es bleibt alles beim Alten, scheiß auf die so genannten „Menschenrechte“ in der BRD, das röm.-kath. Christentum wird zur Not eben mit Gewalt durchgesetzt.

Vom Vatikan und seinen Schergen erwartet man ja gar keine andere Haltung mehr, und deshalb wird man auch niemals enttäuscht:

Das Kreuz sei nicht nur religiöses Symbol, sondern auch kulturelles Zeichen, sagte der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer. Er betonte, die Entscheidung habe keine Auswirkungen auf die Praxis in Deutschland.

Sehr „schön“, dass dieses rottendschwarze Stück pfäffischer Brut davon spricht, dass ein Galgen ein „kulturelles Zeichen“ sei — und damit völlig klar macht, was seine Kultur und die von ihm angestrebte Kultur in Deutschland ist.

Auch in Italien wird ordentlich von den Kirchen in die Mikrofone der Journaille geflennt:

„Dieses Europa des 3. Jahrtausends nimmt uns die wertvollsten Symbole weg und lässt uns nur noch die Kürbisse des Halloween-Festes“, sagte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone am Mittwoch in Rom.

Tja, was für eine Scheiße mit diesem kulturellen Fortschritt. Da wird so ein römischer Marterpfahl ger nicht mehr als „wertvolles Symbol“ empfunden, und es bleiben nur noch die Geschenkpakete des ursprünglich paganen Weihnachtsfestes. Ach nee, das ist ja unseres, nehmen wir doch mal eine andere Metapher, also „die Kürbisse von Halloween“. Dass man Halloween, den Vorabend von Allerheiligen, am 31. Oktober feiert, ist übrigens ein röm.-kath. Termin, aber das kann so ein Pfaffenpropagandist beim Labern ruhig mal als völlig unbekannt im Volke voraussetzen und deshalb ins Mikrofon pusten.

Ach ja, apropos verdummende Reden gegen besseres Wissen, hier trägt Singhammer (CSU), familienp’litischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag den Rekord in beim Hörer vorausgesetzter Dummheit und unfreiwilliger Realsatire davon:

Kreuzzeichen seien ein sichtbares Symbol einer klaren Werteorientierung, „nämlich dem Schutz der Würde aller Menschen, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts oder welchen religiösen Bekenntnisses“.

Schon klar, du zynisches, menschenverachtendes Arschloch! Stellst dich auf einen geschichtlich gewachsenen Leichenberg mit den Millionen Opfern des Christentums und blahfaselst allen Ernstes einen von Schutz und Würde im Zeichen des römischen Galgens. Wenn es einen Gott gäbe, denn wärest du ein guter Kandidat für einen zünftigen Flammenregen. So was lebt, und Jesus musste sterben!

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7 Kommentare

  1. Die Fenster der Freiheit schließen sich. Ausgerechnet im Namen der Freiheit werden grundlegende Freiheitsrechte beschnitten. Diesmal mit dem Kreuz. Mit dem angeblichen Menschenrecht auf einen kruzifixfreien Unterrichtsraum wird die Freiheit des Staates angegriffen, sich ein Warnzeichen gegen jede Ideologie an die Wand zu heften.

    Dabei gab vor einigen Wochen eine Berliner Oberstufenschülerin der taz zu Protokoll: Beten ist ein Menschenrecht. Ein Mitschüler hatte sich erstritten, in einem Extraraum während der Schulzeit beten zu dürfen. Und das in einem Bundesland, in dem der Religionsunterricht aus dem Fächerkanon der Schule verbannt wurde. Die ideologische Parole von der “Freiheit von Religion” stinkt da gewaltig an gegen die Freiheit, die von der Religion des Kreuzes ins Abendland gebracht wurde. Es ist die Freiheit, die sich aus dem Blick auf die ganz andere Welt Gottes eröffnet. Sie schaut mit den Augen Gottes durch das Fenster aus Gebet und Liebe auf alles, was in dieser Welt ist. Und stellt es infrage.

    Es mutet wie ein Treppenwitz der Geschichte an, dass muffig anmutendes Gehabe Einzelner im Namen der Freiheit der Identität eines ganzen Volkes an den Kragen gehen kann. Es erinnert mich an Oldenburg. Dort haben vor über 70 Jahren die Bauern in düsterer Vorahnung Mistgabeln ergriffen, um jene zu vertreiben, die die Kreuze aus den Klassenzimmern reißen wollten. Diese Verteidiger des Kreuzes verstanden sich als Verteidiger der Freiheit.

    Kreuz und Freiheit? Wer vom Kreuz spricht, kommt nicht umhin, von seinem Missbrauch auf dem Weg ins Heute zu sprechen. Keine Diskussion vergeht denn auch, in der einem nicht die Kreuzzüge unter die Nase gerieben werden. Dagegen können Heerscharen von Christen, die im Kreuz den Grund für eine grundlose Liebe zu jedem Mitmenschen sehen, nichts ausrichten. Auch erscheint rückblickend der Siegeszug des Kaisers Konstantin im Zeichen des Kreuzes wenig mit dem Evangelium zu tun zu haben. Immerhin ist es das gleiche Zeichen, das in Albanien, Rumänien, Russland und an vielen anderen Orten Christen über Jahrzehnte unter dem Fußboden versteckten, um es durch die Bretter hindurch anzubeten. Es war eine Kraftquelle gegen besinnungslos wütende Atheisten, die ihrem Volk nur wenig mehr gaben als Mauern, Archipel und Ausrottung.

    Das Kreuz wird zum Schlagstock

    So gegeneinandergestellt zeigt sich: Wenn das Kreuz in Staatshand gerät, wird es schnell zum Schlagstock. Gut deshalb, dass sich die Gesellschaft gegen jede Vereinnahmung von religiöser Seite erwehrt. Freilich begründet sie das mit ebenjenen Werten, die ihr aus der Botschaft des Kreuzes überkommen sind: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Solidarität, Personenwürde und mehr.

    Der Erlöser starb am Kreuz, weil die staatlichen und religiösen Kräfte seiner Zeit den Kontakt zu ihrem Sinn und Ursprung verloren hatten. Er wurde dem Glauben nach, der sich mit dem Kreuz verbindet, auferweckt, damit die Menschen niemals mehr Ideologie vor Personenrecht, Religionsvorschriften vor die Barmherzigkeit stellen und Unterdrücker in keiner Religion Namen andere unterdrücken dürfen.

    Wie wir Menschen uns auch organisieren: Es braucht das Zeichen des Kreuzes, damit es das Fenster anzeigt, das alle geschlossenen Denksysteme brauchen, um menschlich zu bleiben. Ein Staat, der in seine Amtsräume ein Kreuz hängt, macht sich die Demut zu eigen, niemandes Weisheit letzter Schluss sein zu können. Lehrer, die unterm Kreuz unterrichten, bedeuten ihren Schülern, dass es noch andere Sichtweisen gibt auf die Dinge, die sie unterrichten, als jene, die sie bewusst oder unbewusst mitunterrichten. Und der Richter, zu dem der Angeklagte blickt, braucht das Kreuz über sich, da es auf eine Gerechtigkeit verweist, die kein Urteil dieser Welt geben kann.

    Die Gemeinwesen des Abendlandes haben ihre Werte aus der Botschaft des Kreuzes empfangen. Diese zu verkünden, ist Aufgabe derer, die ihr Glauben schenken. Die Werte, die daraus folgen, sind auch ohne diesen Glauben gültig. Deren Zeichen ist das Kreuz. Wer es verbannen will, sollte gut befragt werden, welche Freiheit er damit in Anspruch nimmt. Es ist jedenfalls nicht jene, die der Staat sich bewahrt, der Respekt vor dem Kreuz hat. Er hilft sich damit, demütig zu bleiben und niemals Gottes Stelle vertreten zu wollen. Er bejaht, dass seinen Bürgern das Fenster zur Welt Gottes offensteht und – das darf er gern – erwartet sie daraus zurück als kritische Helfer am Aufbau einer pluralen, menschwürdigen Gesellschaft, in der es weder Denk- noch Glaubensverbote gibt.

    • Religionsfreiheit ist nicht wie allzuviele meinen Freiheit zur Wahl des oder eines Bekenntnisses, sondern Freiheit vor jeglichem religiösen Bekenntnis; nicht nur Freiheit zur Religionsausübung sondern auch Freiheit vor Religionsausübung.

      Klar?

      Stuff

      • Darauf kann ich nur sagen: Ich möchte auch frei von Religionsfreiheit im öffentlichen Raum sein.

        Klar?
        Bruder Paulus

  2. super geschrieben, danke

  3. Ich bin wirklich erschüttert über die Reaktion unserer Kreuzzügler und gleichzeitig zeigt mir manche Aussage das Versagen unseres Schulsystem. Wissen diese Kämpfer für Volksverdummung denn nicht was im Zeichen dieses Kreuzes in der Vergangenheit und in dieser Zeit angerichtet wurde und wird, schon die ersten Massaker gegen Andersdenkende unter dem Großen (Massenmörder) Konstantin mit einer der größten Lüge ,der sogenannten Konstantinischen Schenkung als auch die
    Unterjochung und massenhafte Ermordung der Slawen, Sachsen, Arianern, Afrikaner, Indianer, Inder, Chinesen, Serben und Juden sowie die Unterdrückung der Frauen haben bis heute immer wieder bewiesen mit dem Kreuz kann mancher Mann sehr gute Geschäfte machen. Hängt`ts deshalb in der Schule?

    • Nicht zu vergessen jene, die von den Cäsaren der Jahrhunderte ans Kreuz geschlagen wurden, die in den Gaskammern umkamen, weil sie zum Volk jenes Bundes gehörten, dem der Gekreuzigte angehörte, und jene nicht vergessen, die, sich Chriisten nennend, ebenfalls gehenkt, gefolltert und vergast wurden; und bitte nicht vergessen die vielen, die im Namen eines lupenreinen Atheismusses erschossen wurden in Albanien und Russland und in China. Wo im Namen der Befreiung von Religion die Glaubenden als Systemzerstörer angeklagt und vernichtet wurden. Wenn wir auch diese nicht vergessen und dann trotzdem uns noch Menschen nennen wollen – dann lasst uns gemieinsam suchen, die Christen und die Juden, die Muslime und die Religionslosen, wie wir dem Fluch, der auf uns liegt, dass wir nämlich Werte mit Blut besudeln, widerstehen können. Das Kreuz wäre da ein gutes Zeichen, dass wir offensichtlich töten, beschimpfen, verhöhnen und sonstwas müssen, was heilig ist.

  4. Das schlimme an dieser Aussage ist diese Gleichmacherei , mich kotzt es an wenn im Namen der Nächstenliebe Mord , Folter und Massenmord mit anderen Massenmördern denen bis zu ihrem Ende und darüber hinaus (Rattenlinie ) die Stange gehalten wurde. Die Nazis hatten in den beiden Großsekten Unterstützer bis zum bitteren Ende, es lebe das Konkordat einer der letzten noch geltenden Verträge des Gröfaz . Ich war bis zu meinem 25. Lebensjahr überzeugter Katholik obwohl ich als 9 Jähriger einen Pater fragte warum wohl die Juden umgebracht wurden und darauf die Antwort erhielt das denen wohl recht geschieht weil sie Christusmörder seien, das war 1960. Als ich durch den Film Shoa und den Berichten im Spiegel von den industriealisierten Massenmorden in Auschwitz erfuhr, von Majdanek ,Treblinka, Bergen Belsen, Dachau, Buchenwald und Babi Yar im Prinzip waren im Tausendjährigen Reich über 4000 Lager eingerichtet überall wurde gemordet und abgeschlachtet aber kein Gegenwort unserer großen Seelenhirten und jeden Sonntag ein Gebet für den Führer. Einzelne Priester, Mönche und Nonnen von denen ich den größten Respekt habe haben sich diesem Irrsinn entgegengestellt und wurden natürlich von ihren Oberen verraten und verkauft um sie in stiller Tradition Jahrzehnte später zu Seligen und Heiligen zu ernennen. Aber nun zur Grundfrage wenn es einen allmächtigen allgütigen und allwissenden Gott gibt warum hat er dies zugelassen?
    Ich denke es gibt keinen Gott es gibt Menschen die anderen Erbsünden und Erlösung und himmlische Freuden nach dem Tod einreden und mit dieser Story ganz gut hier
    im Leben Abzocken. Diese Märchen die die sie seit 1700 Jahren als staatstragende Ideelogie verbreiten dienen alleine dazu die Armen und Geknechteten , die Dummgehaltenen mit ihrem Himmelreich im Jenseits ein Leben lang zu Verarschen, um mit den Mächtigen des Diesseits das ergaunerte Vermögen zu Teilen.


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