Déjà vu in Winnenden?

Wie mir gerade immer wieder zu Ohren kommt, ist ein 17jähriger heute morgen in einer Realschule mit einer Schusswaffe mordgelaufen. (Ich vermeide das medial überstrapazierte Wort vom „Amok“ für solche Taten.) Dabei sind mehr als zehn Menschen Opfer der persönlichen Aussichtslosigkeit eines jungen Menschen geworden.

Über die wirklichen Hintergründe der Tat habe ich mich noch nicht informieren können. Aber ich befürchte jetzt schon, dass ich ein furchtbares déjà vu erleben werde, dass ich die äußerst professionell gespielte Betroffenheit der p’litischen Kaste über mich ergehen lassen muss, die selbst einen deprimierenden Anlass noch zur großen Inszenierung ihrer selbst benutzt und ihre gierigen, unersättlichen Hackfressen in die Kameras hält. Ich sehe jetzt schon vor mir, dass ich wieder einmal lesen und hören muss, wie die eigentümlich gleich lautende Journaille die Gehirne damit beizen wird, dass sie immer wieder von Internet und Computerspielen (medial verwendetes Wort: Killerspiele) im Zusammenhang dieses Mordens sprechen wird, während die polizeilichen Zensurbehörden jeden Hinweise auf die wirklichen Hintergründe der Tat aus dem Internet entfernen werden. Und selbstverständlich wird die grauenhafte Faszination der Mordtat medial vollkommen ausgebeutet, in Sondersendungen und „Brennpunkten“, ist ja geiler Content — irgendeine wirkliche Information wird sich freilich nicht damit verbinden, sondern nur der Versuch der Volkskonditionierung und Gehirnwäsche unter dem Knall der Angstpeitsche.

Das ist nämlich alles schon einmal dagewesen.

Genau, wie es schon einmal dagewesen ist, dass niemand davon sprechen wird, dass alle so genannten „Amokläufer“ in der BRD sich ausgerechnet eine Schule als Kulisse für ihre Mordtaten auswählen. Dieses naheliegende Muster wird hingegen nicht weiter gedeutet, man spricht lieber von „Killerspielen“ als von „Killerschulen„. Die Konditionierung der Menschen in der BRD ist schließlich das Ziel der medialen Desinformation. Je weniger die Menschen darüber nachdenken, dass die strukturelle Gewalt der BRD-Gesellschaft das Potenzial hat, eine konkrete, verzweifelte und mörderische Gewalt bei Menschen hervorzubringen, die genau fühlen, dass sie nichts mehr zu verlieren und niemals etwas zu gewinnen hatten, je mehr die Menschen in Unkenntnis der Ursachen solcher Gewaltexzesse mit einer dumpfen Angst dressiert werden, desto leichter kann man ihnen die „Segnungen“ eines ebenfalls gewalttätigen Präventionsstaates verkaufen. In diesem Unterfangen wird der nächste Mordlauf billigend in Kauf genommen, die schlechten Nachrichten von heute werden nicht die letzten ihrer Art sein.

Wahrscheinlich wird auch niemand von Schützenvereinen sprechen, in denen jeder unter Gleichgesinnten mit Neigung zum exzessiven Saufen den Umgang mit Waffen lernen kann — schließlich töten nicht Waffen die Menschen, sondern Spiele.

Ich weiß (noch) nicht, ob Rolf vor seiner schrecklichen Tat persönliche Spuren im Internet hinterlassen hat, die — wie damals bei „Resistant X“ in Emsdetten — den Hintergrund verstehen helfen. Aber ich weiß genau, dass davon in den Medien nicht die Rede sein wird, wenn es solche Dokumente gibt.

So, ich muss weiter betteln…

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7 Kommentare

  1. Ganz schneller Nachtrag: Was unsere Jungen in den staatlichen Schulen zum Durchdrehen bringt.

  2. Stimmen zum Amoklauf in Winnenden…

    [S]selbstverständlich wird die grauenhafte Faszination der Mordtat medial vollkommen ausgebeutet, in Sondersendungen und “Brennpunkten”, ist ja geiler Content — irgendeine wirkliche Information wird sich freilich nicht damit verbinden, sondern n…

  3. nachgeblogt.de

    Dort ist ein ganz frisches Interview mit dem Betreiber der Seite krautchan.net „Tsaryu“

  4. Du sprichst mir aus der Seele. Das Problem, der „Volksverdummung“, ist derzeit nur allzu präsent. Die wenigsten, hinterfragen das was sie auf dem Bildschirm sehen. Ein Großteil dieser „Gesellschaft“ ist entweder zu dumm oder, zu faul , dass gesehene richtig zu interpretieren. Es wird einfach hingenommen. Immer getreu dem Motto, es ist im Fernsehn, also ist es wahr. Warum sollte man daran zweifeln? Das strengt doch viel zu sehr an. Lieber nimmt die breite Masse noch mehr Verbote auf sich (Kontrollen, Videoüberwachung, Biometrische Daten, abhören von Telefonaten, Bespitzelungen am Arbeitsplatz, etc. pp.), als das sie sich mit so etwas auseinander setzt. Manchmal, hab ich das Gefühl, dass die Menschheit, bis auf einige Wenige, sich immer weiter zurück entwickelt. Der Hype um solche Taten und die morbide Faszination am leid andere, sorgt letztendlich, für ordentliche Einschaltquoten.
    Wir geben nach und nach immer mehr Freiheiten auf, zum angeblichen Schutz unserer Gesellschaft.

    Wacht auf, wehrt euch, glaubt nicht alles was man euch sagt!!!

    WOTAN

  5. Zu dem Thema gibt’s auch ein nettes Video auf Youtube:

  6. […] wird über das stets nachgeschobene Aktuellere ja schnell vergessen. Am 11. März dieses Jahres ist ein 17jähriger Schüler bewaffnet in seine Realschule zu Winnenden gegangen und hat mordlaufend ein weiteres Dokument der persönlichen Verzweilfung angesichts eines aussichtslosen Daseins […]

  7. […] ein paar bewegte und bewegende Bilder für die Pausen zwischen der Reklame. Wieder ein déjà vu, aber so unverständlich und schrecklich! Scheiß auf die Toten, scheiß auf die Lebenden, der […]


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