Das ZDF erklärt die Jugendgewalt

Was wäre ich nur ohne die Aufklärungsarbeit des BRD-Staatsfernsehens „ZDF“ und seinen Nachrichtungen unter heute.de? Dieses „Qualitätsmedium“ erklärt mir nämlich heute.de, woher die ganze Jugendgewalt kommt, nämlich von den pösen Metzelspielchen:

Brutale PC-Spiele sind nach Einschätzung von Experten das größte Risiko für Jugendkriminalität. Das ergaben wissenschaftliche Untersuchungen. Gründe für Gewalt seien zwar vielfältig, aber der stärkste Risikofaktor sei der Konsum von Mediengewalt.

Etwas unklar in diesem aufklärerischen Artikel bleibt zwar, wer diese Experten bezahlt hat, damit sie solche starken Risikofaktoren wie die zunehmende institutionelle Entelterung der Kinder; die persönliche Aussichtslosigkeit auch noch des jüngsten und hilflosesten Menschen in der BRD; den Verlust jeglicher familiärer Bande und jedes fühlbaren Begriffes von Heimat unter den Bedingungen eines gesellschaftlichen Prozesses, der jeden Menschen nur noch nach seiner Verwertbarkeit und Verwurstbarkeit im betrieblichen Produktionsprozess bewertet oder schlicht die gesellschaftlich und p’litisch allgemein und jeden Tag ein bisschen mehr als Weg zur Konfliktlösung akzeptierte und propagierte Gewalt übersehen. Dafür wird aber um so klarer, was unter dem Begriff der „Mediengewalt“ zu verstehen sei, dieser bezieht sich keineswegs auf die mit hypnotischen Psychogeklimper unterlegten seelischen Zerfleischungen, die vom Vorabendprogramm des öffentlich-schlechtlichen Fern-Sähens im alltäglichen Dutzendpack in jeden Haushalt getragen werden sollen, sondern natürlich vor allem auf das genussvolle Abmetzeln irgendwelcher Pixelmonster:

Dabei habe sich gezeigt, dass PC-Spiele die bedeutsamste Ursache für Delikte wie Prügeln, Vandalismus, Mobbing oder Automatenaufbrüche seien – noch vor gewalthaltigen Fernsehsendungen und Horrorfilmen.

Etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet. Jedenfalls nicht bei einer Meldung, die ausgerechnet von einem Fernsehsender verbretet wird.

Immerhin, es gibt auch einen Eindruck von Fakten, Fakten und nochmal Fakten — ach, das war ja der Claim dieser Bildzeitung für Besserverdienende, die man als „Focus“ kaufen kann, auf das auch ja der Blick richtig gebündelt werde. Na, Spaß beseite, hier kommen die blutigen Details:

Demnach stehen Gewaltspiele auf Platz zwei der Risikofaktoren für Kriminalität […]

Übrigens sterben die meisten Menschen im Bett. Die Benutzung eines Bettes steht also an erster Stelle für die Risikofaktoren, die zum Tode führen. Zu solchen Schlüssen kommt man leicht, wenn man vorher weiß, was herauskommen soll. Denn was Ursachen sind, was Wirkungen sind und was der Ausfluss komplexerer gesellschaftlicher Zusammenhänge, das geht beim gewaltsamen Spiel mit Zahlen schon einmal unter. Klar, dass auch eine konkretere Aussage nicht fehlen darf:

Bei einer Langzeituntersuchung mit Fragebögen unter 200 Schülern stellten Forscher der Universität Potsdam laut „Geo Wissen“ zudem fest, dass ohnehin aggressive Kinder nach der Beschäftigung mit Gewaltspielen noch gewalttätiger werden.

Übrigens könnte man auch feststellen, dass Alkoholiker durch den regelmäßigen Konsum von alkoholischen Getränken noch abhängiger werden. Oder dass sich Ernährungsstörungen durch regelmäßiges Absolvieren von Diäten noch verschlimemrn. Und auch in solchen Zusammenhängen könnte man Schreckliches wie das Folgende sagen:

„Das ist eine Abwärtsspirale“, sagte die Potsdamer Psychologin Ingrid Möller dem Magazin.

Aber es geht hier ja nicht um die gesellschaftlich akzeptierte und geförderte Droge Alkohol oder um den gesellschaftlich akzeptierten und geförderten Wahn des verhungert aussehenden Körperkultes, sondern um die schnelle Ursachenforschung für kaum zu übersehende gesellschaftliche Probleme, die immer wieder einmal zu spektakulären Folgen mit übrigens großem und sensationsgeilem Medieninteresse führen. Und es soll auch nicht um individuelle Psychologie gehen, sondern um ein weltweit einmaliges Verbot gewisser recht dummer Computeranwendungen, das frisch zum Gesetz geworden jetzt vom BRD-Staatsfernsehen erklärt und gerechtfertigt werden muss. Kann sich noch jeder Leser hier daran erinnern, wie damals von allen Medien unter Beteiligung gezielter staatlicher Zensur und Fehlinformation der Emsdettener Mordlauf von Sebastian zu einem Produkt der Beschäftigung mit gewissen Computerspielen umgedeutet werden sollte, während die im Abschiedsbrief dieses fatal gescheiterten Menschen gut dokumentierten gesellschaftlichen Ursachen aus dem Internet entfernt werden sollten?

Vieles hat sich seitdem nicht verändert. Mal schauen, wann die nächste Sensationsmeldung gebracht werden kann — vermutlich wieder von einer Schule, dem Ort, wo dem erwachenden Individuum die gesamte Wucht der gesellschaftlichen Gewalt entgegen gebracht wird. Es wird bei solcher systematischer Verdrängung gesellschaftlicher Missstände nicht so schnell die letzte Schule geben, die von verzweifelter Mordswut eines Verlierers betroffen wäre.

Aber zum Ende hin wird diese Meldung noch richtig lustig (die Hervorhebung ist von mir):

Das Gesetz stellt zudem klar, dass Spiele, in denen Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen zu sehen sind oder in denen Selbstjustiz als einziges Mittel zur Durchsetzung von Gerechtigkeit dargestellt wird, von der Bundesprüfstelle in die Liste jugendgefährdender Medien aufgenommen werden sollen.

Wenn ich noch einmal ein ordentliches Metzelspiel programmiere, werde ich ein besonderes Augenmerk darauf legen, dass die Selbstjustiz nicht das einzige Mittel zur Durchsetzung dessen ist, was im Kontext der Spielhandlung als „Gerechtigkeit“ empfunden werden muss. Stattdessen werde ich vor jeder Mordoption einen Button sichtbar machen, mit dessen Hilfe man das Opfer auch bei der heiligen Inquisition oder beim nächsten, privatisierten Scharfrichter verpetzen kann, damit diese sich mit heiliger, monopolisierter Gewalt um die „Gerechtigkeit“ kümmere. :mrgreen:

Denn wir sind schließlich alle Papst, oder? Und wie man Propaganda macht, das wissen wir doch auch, nicht wahr? Dafür muss man noch nicht einmal so ganz genau wissen, wovon man spricht.

7 Kommentare

  1. […] Das ZDF erklärt die Jugendgewalt – eben die hier übliche Form der Konditionierung.   […]

  2. Ich überlege stark ob ich nicht eben so ein Spiel programmieren sollte das diese gesamte verkorkste Zensurmafia verballhornt. Mit hoch realistischen Modeln von weltfremden Politikern, inklusive Bundestags-Map, Bundesprüfstellen-Level (eine Instanz die so unnötig wie ein Krebsgeschwür ist, denn wer Zensur erlaubt, will das Denken verbieten) und als Bonus den Elfenturm in welchen sie sich zurückziehen wenn das Absitzen dieser Faschisten in der Angstbude-Bundestag (Achtung: passendes Anagramm) vorüber ist.

  3. Ich hätte schon bei „Experten“ im ersten Satz aufgehört zu lesen: „Hierzu haben wir einen Experten im Studio“ *kotz*

    2:Name
    Ich hätte schon einen passenden Namen für dieses Spiel:
    Amok2010 (gesprochen Amok-20-10) 😉
    Ich würde es dem legendären Moorhuhnschiessen nachempfinden, nur statt unschuldiger Moorhühner mit Politmafiosiavataren, die man selbst austauschen kann.
    Vielleicht auch so in der Art der Pannini-Bildchen zum sammeln und tauschen 😉
    Dazu informative Fragen wie:
    Welcher Bundespräsident stimmte dem Ermächtigungsgesetz von Hitler zu? und dann muss man den richtigen Avatar im parlamentarischen Bürokratendschungel finden und abschiessen bevor er seine Rabulistik gegen einen wenden kann. Naja, geht wohl dann doch eher in Richtung WoW.

  4. @cassiel

    *lach* der Titel ist ideal. Ich dachte mir auch schon das ganze ein wenig mit Sprachausgabe auszuschmücken, etwa die Charaktere ein paar originale Reden zu dem Thema sprechen lassen während man sich im Bundestag seinen Weg bahnt oder z.B. ein Politikermodell mit seinen eigenen satirischen Sätzen einzubinden 😉 Eine Schießbude im Stil von Moorhuhn könnte man auch immer etappenweise als Minispiel oder Extra hinzufügen und dazu vielleicht noch ein ausgeklügeltes Fertigkeiten-System (z.B. gewinnt man für jede erfolgreiche Schießbudenrunde einen Politiker-Avatar in Form einer Karte oder Kopfes der die Gesundheit erhöht etc.) 😉 Oder das ganze als Strategiespiel mit der Aufgabe: errichte ein System das die Jugend wirkungsvoll mit der Weltanschauung des Wirtschaftsfaschismus indoktriniert und gleichzeitig kritisches Material aus der Zirkulation hält und Andersdenkende effektiv mit ausgedachten Pseudo-Begründungen brandmarkt und der Lächerlichkeit preisgibt.

  5. looool nette spielideen 🙂
    ich hab da auch eine idee…. aber zuerst….

    Medienmacht = wenn zb. die INSM sich Drehbuchplatz und Sendezeit Kauft um so in den unbedarften Bürger einzudringen und ihn zu verGEWALTigen.

    nun zur spieleidee.

    aufgebaut wie einige spiele in denen man ein filmstudio simuliert um den blockbuster zu drehen und in den olymp der contentmafia aufzusteigen.
    ziel des spiel ist es mit der riege der politspasten als darsteller, hauptdarsteller dürfen frei gewählt werden, aber das merkel und der SSchäuble müssen immer entweder eine haupt- oder nebenrolle spielen, DEN snufffilm schlechthin zu drehen.
    da durch ausgefeilte folter und metzelmethoden alle darsteller nach der produktion das zeitliche segnen, gibt es auch nur eine runde im spiel, die aber, je nach methode der qualen weit ausgedehnt werden kann.
    das ganze natürlich mit community im internet wo dann die gedrehten snuffs gezeigt werden, mit rangliste, auszeichnungen und einem kostenlosen baukasten für foltergräte und werkzeug. ohne mehrspielermodus geht heute ja eh kaum noch was und so sollte auch dies implementiert werden, wo dann weltweit um die wette gefoltert und gemordet werden kann.

    „heute live auf polit-snuff.xxx – die besten snuff pornos mit angela und wolfgang in den hauptrollen!“
    😈

  6. Mediengewalt = wenn zb. die INSM sich Drehbuchplatz und Sendezeit Kauft um so in den unbedarften Bürger einzudringen und ihn zu verGEWALTigen.

    sollte das lauten.

  7. […] der zu Ergebnissen kommt, die das System Schule nicht in Frage stellen; das BRD-Staatsfernsehen ZDF erklärt den Zuschauern an den flackernden Volksempfängern, worin die “wirklichen” Ursa… liegen und zu guter Letzt gibt es den üblichen, völlig schamlosen p’litischen Aktivismus […]


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