Wolfgang Jüttner schreibt

Als wenn das Leben in Zeiten des niedersächsischen Landtagswahlkampfes noch nicht durch die übergroßen Lügenplakate noch nicht vergällt genug wäre, wendet sich der SPD-Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Wolfgang Jüttner, mit einer Pestwurfsendung „ganz persönlich“ an die Haushaltungen in Hannover. Sogar seinen Namen hat er in seiner ganz persönlichen Handschrift unter die Massendrucksache dieser p’litischen Briefkasten-Spam drucken lassen, in hübscher dunkellila Farbe, damit es auch ein bisschen unterschriftig aussieht.

Da man so etwas nicht mit gleicher Breitenwirkung beantworten kann, hier meine kurze, wütende Erwiderung an ein schamloses Arschloch und die ganze Bande, die als Schreibtischtäter hinter solchem Geschmiere steht:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

für das neue Jahr wünsche ich ihnen von Herzen alles Gute, Gesundheit und das nötige Quäntchen Glück.

Verachtenswerter Vertreter der P’litkaste,

für das neue Jahr wünsche ich dir von Herzen die Pest, die Cholera und permanenten Zahnschmerz.

Für vieles andere, was sonst noch zählt, müssen wir allerdings alle selbst sorgen.

Allein schon, wenn ich sehe, wie du in diesen „Wir“-Ton verfällst, als würdest du dich um die Not irgendeines Menschen sorgen. Nein, wir werden uns auch in Zukunft um unser nacktes Leben sorgen, und du und deine ganzen Komplizen sollen ordentlich was zu zählen haben.

Mit Ihrer Unterstützung können wir dies bei den Landtagswahlen am 27. Januar 2008 gemeinsam tun.

Falsch, du Lugmaul. Die Deppen, die dein gedroschenes Stroh noch glauben, die können dich wählen und weiterhin Scheiße fressen, und du kannst dich wählen lassen und weiterhin Scheiße verfüttern. So etwas kann man nur in einem sehr skurillen Sinn als „gemeinsames Tun“ empfinden, schließlich gehört zur Massenverarmung der Einen der steigende Profit der Anderen. Aber wenigstens hast du daran gedacht, den Wahltag nochmal zu erwähnen. Damit man — wenn man die ganze von deiner Bande angerichtete Scheiße schon vergessen will — doch wenigstens durch das Trauma deines heuchlerischen Truggequassels daran erinnert wird.

Dabei gibt es einige Fragen, die für mich ganz oben stehen: Wie schaffen wir es, dass mehr Menschen gute Aussichten auf Erfolg und soziale Sicherheit, auf bessere Bildung und Ausbildung und auf anständig bezahlte Arbeit haben?

Mit der Partei Schröders und Münteferings schaffen wir das sicherlich nicht. Die hat in ihrer rot-grünen Gesetzgebung zur Verarmung, die ein findiger Medienheini als „Hartz IV“ benamst hat, schon gezeigt, dass sie Lohndrückerei durch einen staatlich subventionierten Elends-Arbeitsmarkt, den Umbau des universitären Systemes zu einer höheren Berufsschule und die Verelendung älterer Menschen haben will, wenn nur die Zahlen stimmen. Also halt bloß deine stinkende Fresse und fang gar nicht erst an, ein Adjektiv zu verwenden, das nach Anstand klingt. Sei froh, dass du mir nicht ins Gesicht gelogen hast, mein Affekt hätte dich ins Krankenhaus gebracht.

Das ist wohl das größte Problem: Dass diese verlogenen Arschlöcher zu selten ein angemessenes, negatives soziales Feedback erhalten. Respekt vor den Menschen haben die schon lange nicht mehr, da geht es — leider — nur noch über die Angst.

Für mich ist klar: Es muss wieder gerechter zugehen in Niedersachsen.

Klar, das ist ein ganz tolles Wort. „Gerechtigkeit“. Leider ist das bei deiner Bande, die es schon längst verlernt hat, sich zu schämen, nicht zu erwarten. Aber das merkst du sogar selbst. Jetzt wird dein gut bezahlter Schreiber nämlich so richtig kreativ:

Leider gibt es auch in diesem Wahlkampf wieder viele geschönte Bilanzen, leere Versprechungen und Schwarz-Weiß-Malerei.

Leere Versprechungen habe ich gerade vor der Nase liegen. In deinem unverschämten Schrieb, den du hast schreiben und drucken lassen, um ihn hunderttausendfach in die Briefkästen zu werfen. Als wäre er eine Reklame für die Klassenlotterie.

Ich schaue lieber auf die Wirklichkeit und stelle fünf Jahre nach der letzten Wahl fest: Es ist nicht alles schlecht gelaufen in Niedersachsen.

In Niedersachsen vielleicht nicht. Aber dafür bei verdammt vielen Menschen, die in Niedersachsen leben oder leben müssen. Mir fällt da zum Beispiel die gut siebzigjährige Frau ein, die ich besuchte, um eine Scheibe Brot zu schnorren. Die hat nämlich Zahnschmerzen gehabt. Und sie hat geweint. Kennst du Arschloch überhaupt noch richtige, ehrliche Emotionen, also etwas anderes als deine aalglatte Schauspielerei. Die hat geweint, weil sie sich die zahnärztliche Behandlung nicht mehr von ihrer Rente leisten konnte. Und ihr Sohn muss sich auch durchschlagen, der wird nach Bedarf eingestellt und wieder gefeuert und lebt jetzt seit Jahren im permaneten Provisorium. So ist das, wenn man Menschen als Batterien im betrieblichen Produktionsprozess betrachtet und einfach wegschmeißt, wenn sie leer sind. Das tut richtig weh, wenn jemand davon betroffen ist. Oder ich muss an meine drei Freunde aus Hannover denken, die sich im letzten Jahr zum Freitod entschlossen haben, weil sie gewisse Terrormaßnahmen der Bundesagentur für Körperverwertung nicht mehr aushielten. Ich muss an so vieles denken. Sicher, nicht alles ist schlecht gelaufen. Nur vieler Menschen Leben läuft immer schlechter.

Und das ist die Wirklichkeit.

Aber du betrachtest ja lieber eine andere Wirklichkeit…

Auch bei uns profitiert die Wirtschaft vom allgemeinen Aufschwung.

…denn das mit der Wirtschaft ist ja das Wichtigste. Und du, der du dich Genosse nennen lässt, kannst du schon lange nicht mehr deine Faust ballen, weil auch du deine Finger überall drin hast. Dafür musst du wenigstens ein bisschen sozialtümeln:

Aber Tatsache ist leider auch:Viel stärker als die Wirtschaft wächst bei uns im Land die soziale Ungerechtigkeit. An zu vielen Menschen geht der Aufschwung vorbei.

Klar, das ist die direkte Folge des unheligen Schröder-Fischer-Regimes und seiner in Gesetzesform gegossenen Menschenverachtung.

Immer mehr Kinder wachsen im Armut auf und haben in der Schule keine richtige Chance.

Aber erstmal musst du jetzt menscheln. Dazu sind sie noch gut, die verarmten Kinder der Jetztzeit. Kinder sind einfach sympathischer, da kann man sich ja mal für einsetzen. Zumindest mit dem Lügenmaul. Übrigens leben auch immer mehr Menschen in Armut, Vereinsamung und Chancenlosigkeit; und ich war nur ein Vorreiter, der zurzeit jeden Tag erleben darf, dass sich Menschen völlig aus der Gesellschaft zurückziehen, sogar auf das Terrorsozialsystem von trocken Brot und Peitsche zu scheißen beginnen und eigentlich nur noch anständige Waffen brauchen. Dass mit einem heuchlerischen Bastard voller Lugreden kein Frieden mehr möglich ist, das bemerken sogar die weniger Aufgeweckten. Also: Sieh dich vor!

Die Regierung Wulff spart vor allem auf Kosten des Sozialen.

Darin machen die „schwarzen“ Regierungen der totalitären Mitte nur das weiter, was die „roten“ Regierungen der totalitären Mitte vorgemacht haben. Wenn du wirklich auf Amnesie bei den Menschen hoffst, muss ich dich enttäuschen. Zumindest von den Menschen, mit denen ich spreche, hat es keiner vergessen. Und ich spreche beim Betteln mit vielen Menschen. Wer hat uns immer und immer wieder belogen? Es waren stets die Sozialdemagogen.

Das werden wir ändern. Nicht mit schönen Worten, sondern mit einem klaren Programm der Taten.

Sorry, aber von euren Taten habe ich genug. Geh einfach mit gutem Beispiel voran und stirb, das würde ich als klare Tat akzeptieren. Und als ersten Schritt in die richtige Richtung.

Damit aus Kindern wieder etwas werden kann,
– werden wir Schulbücher wieder kostenlos abgeben,
– sichern wir eine 100prozentige Unterichtsversorgung zu,
– heben wir das Errichtungsverbot für Gesamtschulen auf,
– schaffen wir die unsozialen Studiengebühren ab.

Klar, alles wieder abschaffen, was ihr selbst mitgeschaffen oder aufrechterhalten habt. Wer würde so eine Lugrede misstrauen? Zumal uns alle die Erfahrung lehrt, dass vor einer Wahl immer die Wahrheit gesagt wird. :mrgreen:

Damit es menschenwürdige Arbeit für alle gibt,
– kämpfen wir für einen gesetzlichen Mindestlohn,
– stärken wir die Rechte der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen,
– geben wir Älteren bessere Chancen am Arbeitsmarkt.

Wie wollt ihr eigentlich „Älteren bessere Chancen am“ Fleischmarkt für „human resources“ geben? Wollt ihr sie etwa einstellen? So als bezahlte Mitglieder, da eure Parteibasis schon kräftig „mit den Füßen abstimmt“ und immer mehr in Lohnabhängigkeit stehende Menschen bemerken, dass sie von euch nicht vertreten, sondern zertreten werden.  Oh, ich wünschte, ihr würde die Rechte eurer Opfer einmal gründlich kennenlernen! Und die Linke gleich hinterher.

Und. Als Vertreter einer Partei, die den staatlich subventionierten Elendsarbeitsmarkt bei weitgehender Entrechtung der Betroffenen eingeführt hat, solltest du gar nicht erst vom Mindestlohn sprechen.

Damit Seniorinnen und Senioren den verdienten Respekt bekommen,
– unterstützen wir ihr ehrenamtliches Engagement in der Gesellschaft,
– bauen wir das betreute Wohnen aus,
– verbessern wir die Pflege der alten Kranken.

Und damit es mit dem Respekt nicht ganz so weit her ist, tut ihr nichts gegen einen gesellschaftlichen Prozess, der dazu führt, dass Menschen nur nach ihrer Verwertbarkeit im betrieblichen Prozess beurteilt werden. Finazieren werdet ihr eure Verbesserungen wohl schließlich damit, dass ihr alte Menschen in grüne Kekse verwandeln werdet.

Damit die Politik in Niedersachsen wieder umweltgerecht wird,
– fördern wir mehr denn je klimafreundliche Energien,
– beharren wir auf dem Atomausstieg,
– prüfen wir andere Atommüll-Endlager als Gorleben,
– werden wir alle Atommülllager unter Atomrecht stellen.

Komisch, auf einmal heißt es wieder „Atommüll“, während ihr sonst alle möglichen Blendwörter in den Mund nehmt, damit es auch schön ungefährlich klingt. Da ist es doch tröstlich, dass ihr etwas anderes als Gorleben „prüfen“ wollt. Und vor allem: Unverbindlich. Denn für die jeweils passenden Ergebnisse einer solchen „Prüfung“ wird auch die rotgetünchte P’litmafia sorgen. Aber wo wollt ihr das Gift denn sonst lagern? In Polen? In der „Dritten Welt“, so als Entwicklungshilfe? Ist das „umweltgerechter“, wenn andernorts die Umwelt in eine Unwelt verwandelt wird? Aus den Augen, aus den Sinn, den Rest machen die staatlichen und wirtschaftsfinanzierten Medien? Schon klar, das ist mal wieder so ein richtiger Entwurf von Sach- und Lachp’litik.

Aber am tollsten finde ich immer noch, dass ihr „Atommülllager“ unter Atomrecht stellen wollt. Unter was denn sonst. Lies doch mal in aller Ruhe die Zweckbestimmung des Atomgesetzes nach. Für wie blöd hältst du eigentlich die Leserschaft deiner Lügenbriefe, Jüttner?

Gerechtigkeit ist oberstes Gebot unserer Politik.

Und so alt wie die Idee des Gebotes ist die Idee, das Gebot einfach zu ignorieren. Zum Beispiel, weil man ohne das Gebot besser lebt und mehr persönliche Vorteile hat. Lies mal die Bibel, die ist voll davon. Von Geboten und von Übertretungen der Gebote, vor allem der sozialen Gebote. Wichtig für den Übertreter der Gebore war es dabei immer, dass er andere Menschen daran hinderte, ebenfalls die Gebote zu übertreten — so hat man nämlich noch mehr davon.

Wenn es nach mir ginge, müsste jeder P’litarsch einen Eid auf seine hohlen Versprechungen ablegen. Und hinterher auch wegen Meineides vor Gericht stehen können. Aber selbst das würde nichts nützen, wenn derart affektvolles Nichts zugesagt wird.

Wir wenden uns […]

Stimmt, das tut ihr bei jeder Gelegenheit.

[…] an alle, die in einer menschlichen und solidarischen Gesellschaft leben wollen. Wenn Sie mir zustimmen, können wir zusammen nach der Landtagswahl Niedersachsen wieder gerechter leben.

Gut, dass du nicht mich meinst mit deinem windigen Gewende. Ich umgebe mich nämlich nur noch mit menschlicher und solidarischer Gesellschaft, das macht sogar ein trübes Leben schöner. Mit P’ltik hat das hingegen nix zu tun.

Aber wie schön du wieder ins „wir“ fällst, wenn du um Stimmvieh bettelst. Mal schauen, wie du hinterher redest…

Herzlichst

Ihr Wolfgang Jüttner

Stirb langsam

Dein verarmter Mitmensch
(Nach Diktat verreist)

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8 Kommentare

  1. […] Gerade Vertreter einer Partei, die ihre Politik zur Massenverarmung und zur Etablierung eines staatlich subventionierten Elendsarbeitsmarktes mit weit gehend rechtloser Arbeitsware in sehr gerissener Weise unter dem Schlagwort »Hartz IV« an das Medienpublikum gebracht haben, müssen so ein Wort wie »Respekt« in den Mund nehmen! Und. Zur Krönung der schamlosen Frechheit auch noch »Gerechtigkeit kommt wieder« darunter schreiben. Das ist eine »wundervolle« Kulisse für die in Hannover immer häufiger zu sehenden alten Menschen, die Mülleimer in der Stadt nach etwas Verwertbarem oder Essbarem durchsuchen. Da dürfen sich die beworbenen Subjekte des Politikmarktes gar nicht darüber wundern, wenn so eine Respektlosigkeit einen gewissen Zorn auslöst. […]

  2. sehr schön und schön wütend………
    aber leider verhallt sowas schnell…….. eine stimme ist denen auch sowas von egal….. auch ein paar mehr als eine……..

    wenn wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten!

    greetz

  3. „für das neue Jahr wünsche ich ihnen von Herzen alles Gute, Gesundheit und das nötige Quäntchen Glück.
    Für vieles andere, was sonst noch zählt, müssen wir allerdings alle selbst sorgen.“

    Mir sind sofort diese beiden Sätze ins Hirn geschossen und das hat sich gefragt: Ist das Wahlkampfwerbung oder hat das jemand verteilt, um dem Typen zu schaden?

    Sind diese zwei Sätze im Original auch hintereinander geschrieben, wie Du es hier aufführst? Es sieht ganz so aus.

    Wenn dem so ist, braucht man eigentlich nicht weiterlesen. Die Lügen gepaart mit der Arroganz, die dem Folgen, fallen doch dann gar nicht mehr ins Gewicht. Das muss doch sogar der dümmste in der Wahlviehherde erkennen.

    Das würde ja bedeuten, dass die sich auch noch über die „Plattgemachten“ lustig machen. Und dass er gedenkt es weiterhin zu tun. Diese Schamlosigkeit kann man nicht mehr überbieten!

  4. Ja, das Zitat von Jüttners Werbeabteilung ist völlig echt und in 300.000facher Ausfertigung in die hannöverschen Briefkästen gegangen. Als Sabotageaktion sicherlich etwas groß angelegt, das meinen die also ernst.

  5. ,,, unglaublich! – und das als jemand, der unter all den Politikern, wenn man den Medien folgt, als besonders sympathisch gilt.

  6. … oh, entschuldigung. Den habe ich jetzt glatt mit Rüttgers verwechselt. Sorry.

  7. 124c41, vielleicht gefällt Dir ja folgender Film 😉 http://www.secret.tv/artikel4933794/Warum_ueberall_Geld_fehlt

  8. […] Der sozialdemagogische Kandidat hat seine diesbezügliche Schrotmunition schon verschossen, und angesichts solcher hilflosen Formulierungen… […]


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