WP 2.3, LinkLift und der Werbe-GAU

Es hätte so ein gutes Geschäft werden können, wenn man es etwas anders, etwas weniger arrogant durchgezogen hätte. Im Moment nimmt es allerdings die Formen eines Werbe-GAUs an.

Ich meine die offiziell nicht bestätigte und in ihrem Umfang weiterhin nicht genau bekannte Zusammenarbeit zwischen der so genannten „Community“ WordPress Deutschland und der bislang recht unbekannten Firma LinkLift, deren Geschäftsmodell darauf basiert, dass ein Marktplatz für Werbeplätze im Internet und Werbungen geschaffen wird.

Die Idee war ja nicht schlecht; es war eine völlig neue Form der Spam: Eine offizielle Distribution einer beliebten Open-Source Software wird im Lieferumfang mit einem Plugin ausgestattet, das die einfache Verwendung von LinkLift-Werbung ermöglicht. Bis zum gestrigen Tag werden sehr viele deutsche Blogger noch niemals etwas von der Firma LinkLift gehört haben, aber jetzt haben sie sich die aktuelle und groß angekündigte neue WordPress-Version auf ihrem Server gespielt und sehen da ein Plugin, das Geldverdienen durch die Einblendung von Werbung über LinkLift gestattet. Viele werden sich etwas angeschaut haben, das ihnen bis dahin völlig unbekannt war, es war ein Werbeerfolg auf ganzer Linie. Bekanntheit durch millionenfach automatisch übermittelte Werbung in einem Zusammenhang, in dem noch niemand auf Spam vorbereitet ist und in dem deshalb auch nur ein geringes Misstrauen gegen den Inhalt der übermittelten Daten vorliegt.

Ob es für LinkLift allerdings förderlich ist, die Geschäfte im Dunst der Spam zu machen? Das wird sich zeigen. Der Ruf ist jetzt bereits ramponiert, es ist zu einer gewiss nicht erwünschten Würdigung auf BooCompany gekommen. Auch ist nach einem Blick in den passenden Forumsthread bei WordPress Deutschland durchaus klar geworden, dass da Geld geflossen sein muss…

[…] Wir sind hier nicht in der glücklichen Lage wie in den USA wo Investoren bereitwillig sponsoren und Geld pumpen. […]

[…] Aus jottlieb’s Kommentar schließe ich, dass Geld über den Tisch geflossen ist. Wieviel ist mir doch egal. Es hat mich auch überhaupt nicht zu interessieren, ganz einfach. […]

…ohne, dass auch nur irgendeiner dafür Verständnis hat, dass so etwas einen Wunsch nach Transparenz weckt. Vor allem, wenn die offizielle Distribution einer Software mit unverlangter und mechnanisch massenhaft reproduzierter Werbung, also mit Spam ausgeliefert wird. Stattdessen wird versucht, den Fragesteller mit billigen rhetorischen Tricks abzuwimmeln und darauf zu hoffen, dass ihm die Energie ausgeht oder dass er sich in Nebenfragen verheddert. In der Sache wird sogar eine angeblich nicht kommerziell orientierte, vorgebliche „Community“ so weit mit einer Firma verglichen, dass sie Geschäftsgeheimnisse zu haben vorgibt:

[…] Ich möchte mal die Firma sehen, deren Angestellten es erlaubt ist, Firmeninterna preis zu geben. […]

Eine solche Vermeidung jeglicher Antwort geschieht ausgerechnet durch ein „WPD-Team“-Mitglied, dass die folgende Zeile in seine Signatur aufgenommen hat:

„Eine gut gestellte Frage ist schon halb beantwortet.“

Es ist schon schwer, bei so viel Realsatire ernst zu bleiben. 😉 Immerhin, der bittere Ernst der einen bei diesen Verwaltern einer Software entgegen schlägt, er unterdrückt das glucksernde Lachen recht wirksam.

Es würde mich in diesem Zusammenhang auch langsam einmal interessieren, wie weit die US-amerikanische „Community“ an solcher Vorgehensweise beteiligt ist. Immerhin wurde durch eine völlig unnötige Datenübertragung auch Infrastruktur geschaffen, mit deren Hilfe man den Erfolg solcher Formen der Werbung überprüfen könnte — und der entsprechende Code wurde gegen massive Einwände und ohne jede Begründung in der offiziellen Release belassen. Dass so etwas gleichzeitig mit der Verwandung einer Distribution in eine Spam-Schleuder geschieht, reizt schon ein bisschen zu einer Frage, die fast paranoid klingt. Ursache dieser Paranoia ist jedoch die Vermeidung jeglicher Transparenz von Seiten der deutschen WordPress-„Community“ und der dort gepflegte Umgangsstil.

Schade ist nur, dass dabei eine wirklich brauchbare Software nachhaltig beschädigt wird, die mir doch ans Herz gewachsen ist: WordPress.

Wer dieses Blogsystem mag, sollte nicht länger tatenlos zusehen, wenn es in dieser Weise beschädigt wird. Die wirkliche Community sind nämlich nicht irgendwelche windligen Geschäftemacher und Schüffeltoolbauer, sondern wir, und niemand von uns WordPress-Blogger sollte sich weiterhin diesen wandkalten Stil von der angemaßten „Community“ gefallen lassen.

Auch, wenn die im Moment alles tun, um mich mit Dreck zu bewerfen:

Wie oft willst du die Frage noch stellen? Siehst du nicht ein dass es Dinge gibt, die in der Öffentlichkeit nichts zu suchen haben und zu denen man nicht befugt ist, etwas zu sagen? Hier verweise ich wieder auf Coca-Cola. Frag die doch mal nach ihrem Rezept.

Oder frag T-Mobile wieviel sie Apple bezahlen müssen, um das iPhone vertreiben zu dürfen.

Und egal wie niedrig die Summe wäre, sie würde eh genutzt werden, um eine Schmutzkampagne zu starten nach dem Motto „WPD prostituiert sich“.

Und die Sache mit dem Spam, die übrigens anscheinend nur von dir so gesehen wird, wird ja auschließlich von dir fleißig verbreitet.
Das ist einfach nur eine lächerliche Konstruktion die da gestartet wurde.

Na, denn lacht mal weiter — wer noch was merkt, dem vergeht bei eurem Stil das Lachen.

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4 Kommentare

  1. Mir stellt sich schon die Frage, ob es denn so kompliziert ist dieses plugin zu deaktivieren?

    Gönnt den Jungs von wordpress doch mal die paar euro, glaube nicht das die mit kostenlosen blogs und kostenloser software bisher tierisch viel verdient haben….

  2. Ich stelle gerade ein Blog um. Eigentlich von WordPress auf WordPress. Aber ich erinnere mich noch zu gut wie das kleine Microsöftchen begann nach Hause zu telefonieren. Wie es eine Zeitlang 20 Prozent der Bandbreite benutzte um Bill Gates auf dem laufenden zu halten.

    WordPress macht nun den Anfang. Morgen sind alle Userdaten bei denen und übermorgen alle Kommentardaten. Mit mir nicht. Ich werde auf Serendipity umstellen, auch wenn es viel mehr Arbeit macht.

  3. Nun, ich finde, wie immer, vergreiffen sich hier ein paar Idioten, die noch nie was von Kundenbindung gehört haben, kräftig im Ton. Warum kann so was in Deutschland dauernd passieren? Weil die Scheffs Idioten sind!

    So mal zum Thema: Grundsätzlich ist nichts einzuwenden, das die Firma Geld verdient.

    Aber am Umgang mit den Usern müssen sie noch kräftig arbeiten, so wie fast alle Unternehmen in der Servicewüste der Welt, auch Deutschland genannt.

  4. Zu Mutombo:

    Die Frage ist nicht, ob es kompliziert ist, das Plugin zu löschen. Die Frage ist, ob Spam ein tolerierbares Verhalten ist. Ich spreche nicht von legimierbarer Werbung durch Bannereinblendung, obwohl ich auch die verabscheue. Ich spreche davon, dass man eine WordPress-Distribution dazu verwendet, den Menschen unerwünschte Werbung auf ihrem Webserver zuzustellen. Das mag leicht zu löschen sein. Es ist auch sehr leicht, eine Spammail oder einen Spamkommentar zu löschen, trotzdem wird man durch die pure Masse der Spam inzwischen gezwungen, technische Mittel einzusetzen. Dass diese technischen Mittel auch manches Menschen Stimme unhörbar machen, soll man als Kollateralschaden hinnehmen. Spam ist eine Seuche, die das eigentliche Internet als Netz der Menschen gefährdet. Deshalb sollte man auch gerade bei Blogsoftware eher sensibel als stumpf sein, wenn neue Wege der Spam eingeführt werden.

    Im Moment ist der neue Weg der Spam ein Spam-Plugin. Die „Argumente“ von Seiten von WordPress Deutschland, die vorgeblich zu diesem Schritt bewogen haben, sie werden auch in einem Monat oder in einem Jahr noch Gültigkeit haben. Auch dann wächst dort das Geld nicht auf Bäumen. Wenn die mit Plugin-Spam durchkommen, denn werden sie weiterhin Plugin-Spam machen.

    Was wird denn sein, wenn jemand mit dem Bloggen anfängt und erstmal irgendwo eine FAQ lesen muss, welche von den vielen mitglieferten Plugins sinnvolle Funktionen beinhalten und welche von ihnen einen reinen Werbecharakter für kommerzielle Webdienste aller Art haben? Es ist eben ein Problem, wenn Werbung nicht von der erwünschten Funktion getrennt ist — bei Spam nimmt man das eben hin, um den Empfänger zu überfallen. Im Moment ist diese Situation noch nicht gegeben, aber wenn diese Form der Spam von offizieller Seite stumm hingenommen wird, darf sich niemand wundern, wenn WordPress-Blogger in Zukunft mit offiziell ausgelieferter Spam so zugeschissen werden, dass es schwer wird, darin den Überblick zu behalten. Es sage niemand, dass er nicht gewarnt wäre — sowohl durch die Spamseuche in anderen Kanälen als auch vielleicht durch meine Worte.

    (Natürlich, unsereins hat Erfahrung und löscht den Ordner wp-contents vorm Upload. Ich spreche von denen, die keine Erfahrung haben. Denen die Verzeichnisstruktur neu ist, so wie sie auch mir vor zwei Jahren einmal neu war. Kommen die auf die Idee, eine Datei einer offiziellen Distribution nicht hochzuladen? Selbst, wenn sie es irgendwo nachlesen können? Oder haben die Angst, dass sie mit einem solchen Schritt ihr Blog kaputtmachen? Spam richtet sich immer an Unerfahrene, es ist eine Methode der Überrumpelung.)

    Und schließlich: Das ist eine Spam-Aktion von WordPress Deutschland, und die haben dort auch das Geld dafür genommen. (Über den Betrag schweigt man, die Tatsache hingegen traut man sich nicht zu verschweigen, weil man selbst dort einsieht, dass es unglaubwürdig wäre.) Hier, zu WordPress.com, wo auch ich ein kostenloses Blog betreibe, geht von diesem Geld kein einziger Eurocent — dabei würde ich mich hier noch am leistesten beklagen, wenn ich plötzlich irgendwo Ads sehen würde. Die asoziale Nummer, die WordPress Deutschland da abzieht, sie hat einfach nichts mit WordPress.com zu tun. Trotzdem wird — da es sich um eine quasi „offizielle“ WP-Distribution handelt — durch die asozialen Spammerei von WordPress Deutschland auch der Ruf von WordPress.com in die Scheiße gezogen. Du selbst hast es eben damit gezeigt, dass du WordPress.com mit den deutschen Spammer gleich setztest und ihnen unterstelltest, damit einen Gewinn zu machen.

    Ehrlich gesagt, das letztere fällt mir jetzt erst so richtig auf. Und es ist ebenfalls deprimierend. Wie eine einzige, kleine Clique von asozial handelnden Menschen so viel zerstören kann!

    Kann es einen besseren Grund geben, das nicht länger hinzunehmen?


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