Tote an die Macht

Es ist wahr, dass der polnische Premier Kaczynski ein besonders interessantes Argument zur „Begründung“ der polnischen Anpassungswünsche für die europäische „Verfassung“ gefunden habt. Er möchte die polnischen Opfer des Zweiten Weltkrieges berücksichtigt sehen, hätte Polen doch ohne diesen Krieg heute eine Bevölkerung von 66 Millionen Seelen.

Und es ist gewiss, dass diese „Begründung“ etwas lächerlich ist. Ein P’litiker aus Europa erwägt tatsächlich so etwas wie ein Stimmrecht für Tote und will dabei auch noch ernst genommen werden. Eine ganz neue Form der „Demokratie“ macht sich breit, eine Friedhofs-Demokratie… 😆

Es ist aber ebenfalls wahr, dass die p’litische Kaste der restlichen Europäischen Union die Tatsache völlig ignoriert, dass der gegenwärtige Verfassungsentwurf von sehr lebendigen Menschen in den Niederlanden und in Frankreich in Volksabstimmungen abgelehnt wurde. Diese demokratische Entscheidung ist ein klares Signal gewesen, dass die vorliegende Verfassung in zwei europäischen Kernländern von der Bevölkerung nicht erwünscht ist; damit verbunden ist wohl weniger eine Ablehnung der EU, sondern der Auftrag an die p’litische Kaste, einen annehmbaren Verfassungstext zu erarbeiten.

Und was macht diese ganze undemokratische Bande? Sie scheißt drauf. Und. Sie versucht, den demokratisch abgelehnten Text mit ein paar formellen Tricks doch noch durchzusetzen — am besten so, dass die betroffenen Menschen keine Möglichkeit mehr haben, diesen Wahnsinn aufzuhalten.

Im Nebeneinander dieser beiden Meldungen zeigt sich die wahn-witzige Wirklichkeit heutiger P’litik mit geradezu monströser Deutlichkeit. Wenn es ins p’litische Konzept passt, soll sogar Toten und elternlosen Ungeborenen ein „demokratisches“ Gewicht eingeräumt werden; auf der anderen Seite soll der demokratisch geäußerte Wille lebender Menschen ignoriert werden.

Warum redet diese Junta überhaupt noch von „Demokratie“? Dass hier in Wirklichkeit mit allen Mitteln eine Diktatur errichtet werden soll und errichtet wird, sieht man doch durch bloßes Hinschauen.

Ich glaube erst dann wieder ein bisschen an das Recht, wenn sich diese ganze kriminelle Bande vor einem Gericht verantworten muss. Bis dahin halte ich es durchaus für eine mögliche Maßnahme, dass man sich im Widerstand gegen diese Machenschaften auch einiger Mittel bedient, die eigentlich mit gutem Grund gesetzlich verboten sind.

Nachtrag zu den „reichen“ Deutschen

So ging das nicht nur für eine Minute, sondern für Stunden. So etwas habe ich mit meinem kleinen, marginalisierten Blog noch nie erlebt.Ach, wie schön! Gestern konnte ich mich mal so richtig wie ein „A-Blogger“ fühlen, nachdem mein Posting „Die Deutschen sind reich!“ von Fefe verlinkt wurde. Einige Kommentare zu diesem Posting erfordern allerdings noch eine „kleine“ Nachbetrachtung, die viel zu lang und interessant wird, als dass ich sie in den eher unübersichtlichen und wenig beachteten Kommentarbereich verbannen möchte.

Deshalb dieser „kleine“ Rückblick.

Zum Linktext in Fefe’s Blog:

An diese eine Facette des Mathematik- und Statistikmissbrauchs…

[…] möchte ich darauf hinweisen, daß wir eine stetige Inflation in die Gegenrichtung haben. Wir haben zwar mehr Geld, aber es ist weniger wert. Die selbe Zinsenszins-Formel betrifft auch die stetige Entwertung des Geldes […]

…habe ich angesichts der erbärmich platten Volksverdummung von Seiten des BRD-Staatsfernsehens gar nicht mehr gedacht. Wie die vermittelte Blindheit doch blind machen kann! Nichtsdestotrotz ist es aber sehr wahr, dass die Verdoppelung der „angesparten“ Geldmenge in 14 Jahren nicht zu einer Verdoppelung der Kaufkraft dieses Geldes führt.

Überproportional gestiegen sind in diesem Zeitraum übrigens die Preise für Energie. Diese Preissteigerung betrifft in besonderer Weise Arme und abhängig Beschäftigte, ist also ein erheblicher Beitrag dazu, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert.

Das liegt daran, dass zum Einen jeder Mensch in seinem Leben einen gewissen Energieverbrauch hat, bei dieser Form des Konsums ist der Unterschied zwischen Arm und Reich auch gar nicht so groß. Nur, dass der Begütertere eben etwas — oder auch viel — mehr Vermögen über seine Grundbedürfnisse hinaus zur Verfügung hat, so dass die Qualität der sonst recht „gleichen“ Belastung mit zunehmender Güterlosigkeit eine andere wird, die empfindlich in das Leben eingreifen kann. Mir ist persönlich eine alte Frau bekannt, die nach dem barbarischen Krieg mit ihrer bloßen Hände Arbeit geholfen hat, die zerstörten Städte wieder aufzubauen. Heute lebt sie von einer überaus bescheidenen Rente und getraut sich angesichts ihrer Armut nicht mehr, an kalten Wintertagen ihre Wohnung zu heizen — die Abstraktheit der zunehmenden soziale Kälte führt hier zu einem sehr konkreten physikalischen Zustand, welcher dem Wohlergehen dieser Frau nicht gerade zuträglich ist. Eine Belastung, die alle Menschen gleichermaßen betrifft, kann sehr wohl bestehende Ungleichheiten in grellem Lichte beleuchten.

Zum Anderen sind es aber gerade die Energiekosten, die sich auf alle anderen Preise legen, gleich, ob es sich um Luxusgüter oder Dinge des täglichen Bedarfes handelt. Bei jeder Herstellung und bei jedem Transport von Gütern wird die immer teurer werdende Energie benötigt. Es gibt nun für die produzierende Industrie im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, mit diesen gestiegenen Kosten umzugehen. Entweder werden die höheren Kosten mit den Preisen weitergegeben. Das führt zu einer alle Menschen gleich betreffenden Steigerung der Preise für essenzielle Güter, die ebenfalls wieder bestehende Ungleichheiten verstärkt. Oder aber, die höheren Kosten für Energie werden reduziert, indem an anderen Stellen Kosten eingespart werden. Eine häufige Einsparung von Kosten ist es aber, dass Mitarbeiter entlassen werden und die Last der Arbeit auf weniger Schultern verteilt wird. Das betrifft abhängig Beschäftigte gleich auf zweierlei Weise, nämlich als ständig steigende körperliche Belastung bei der täglichen Arbeit und als ständig steigende psychische Belastung durch die tägliche Angst vor der Arbeitslosigkeit und dem damit verbundenen sozialen Abstieg.

Dass mittlerweile jeder fünfte Einwohner der Europäischen Union von psychischer Krankheit betroffen ist (sorry, ich habe gerade keinen Link auf die Quelle zur Hand, aber der Bericht wurde vor ca. zwei Jahren veröffentlicht), nimmt angesichts dieser sich ausbreitenden Zustände nicht Wunders.

Zum Kommentar von Don Peppone:

Das ist alles richtig, doch der Missbrauch von Statistiken und somt die Unglaubwürdigkeit, sind in Kreisen jener Menschen, deren mathematische Kenntnis über den einfachen Dreisatz hinaus geht, längst bekannt.

Dass es bekannt ist, das ist nur die eine Seite der Medaille. Den Propaganda-Abteilungen des p’litischen Betriebes ist auch ein anderes Faktum aus der psychologischen Forschung sehr wohl bekannt, nämlich, dass die ständige Wiederholung auch absurdester Aussagen dazu führt, dass diese Aussagen für „glaubwürdig“ gehalten werden. Besonders geeignet für diese Vorgehensweise sind natürlich neben gezielt angebrachten Worthülsen zur „Rechtfertigung“ der allgemeinen Verelendung auch abstrakte Zahlenwerke, die nicht sofort durch die Lebenswirklichkeit der Rezipienten widerlegt werden.

So eine immer wieder wiederholte Aussage ist das Reden vom „Reichtum“ der Menschen in Deutschland. Wenn sich aber die behaupteten Tatsachen durch einfaches Nachrechnen auf ein Nichts reduzieren lassen, denn sind erst recht die impliziten Folgerungen des BRD-Staatsfernsehens, dass „jeder Haushalt“ von diesem „wirtschaftlichen Aufschwung“ profitiert, völlig in sich zusammengebrochen; die angemaßte „Wissenschaftlichkeit“ dieser Aussagen ist mit geringstem Aufwand als pure Propaganda entlarvt. Ich hoffe, dass das ein kleiner Beitrag dazu ist, dass irgendwann auch einmal die Glaubwürdigkeit der sonstigen Propaganda in sich zusammenbricht.

Es stellt sich für mich die Frage, ob sich die Behauptung, wir leben in einer Demokratie (einschl. Meinungsfreigeit) tatsächlich noch rechtfertigen lässt, oder ob die Aussage, das Deutschland zunehmend Opfer eines totalitären Regimes wird, nicht viel eher zutrifft.

Achtung, Sarkasmus: Nachdem „zusammengewachsen ist, was zusammen gehört“ (H. Kohl), entsteht vor unseren Augen ein den Zuständen in der DDR entsprechendes p’litisches System, das aber den Namen der BRD trägt. Nur die Phrasen, mit denen das Unmenschentum begründet wird, haben sich ein bisschen verändert. Hieß es früher: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf“, so könnte sich die Gesamtheit des heutigen p’litischen Redens in den Worten „Die Globalisierung in ihrem Lauf…“ zusammen fassen lassen. :mrgreen:

Das p’litische Programm der Berliner Parteien (einschließlich Linkspartei) ist sich ja verblüffend ähnlich geworden.

Aber jetzt noch einmal etwas wirklich Interessantes, nämlich ein paar Worte…

…zum Kommentar von PeterYMeyer:

Die Berechnung geht von einer jährlichen Steigerung von 5% aus. Aber wer erwirtschaftet die 5%?

Eine konstante Steigerung um jährliche 5% ist ja auch ein Wachstum, nur kein Wachstum des Wachstums.

Diese ominösen fünf Prozent sind die Steigerung des gesparten Vermögens pro Haushalt pro Jahr. Sie liegen in der Größenordnung sehr in der Nähe des Zinssatzes, der für einigermaßen solide, langfristige Anlageformen gezahlt wird; aus ebendieser Quelle dürfte sich also ein Großteil dieses Wachstums speisen. Es handelt sich um ein Zinswachstum.

Was genau aber wächst, wenn Geld durch Zinseinnahmen mehr wird? Ist es „die Wirtschaft“? Das kann nicht sein, da das Wirtschaftswachstum in dieser gesamten Zeit deutlich unter fünf Prozent lag. Denn muss es wohl etwas anderes sein.

Diese Frage berührt meiner Meinung nach einen Kernbereich kapitalistischer Systeme des Wirtschaftens. (Das Wort „Kapitalismus“ ist hier zunächst völlig neutral und ohne Wertung zu verstehen, so nennt sich dieses Systemverhalten nun einmal. Was ich davon halte, ist eine andere Sache, die beim Lesen dieses Blogs wohl manches Mal aufblitzt.) Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich einmal in einem müßigen Lebensabschnitt den ganzen ersten Band des „Kapitals“ von Karl Marx durchgelesen habe. (Solche Muße haben Menschen im Prozess, der gegenwärtig über den Gesellschaften abläuft, leider viel zu selten.) Das Ergebnis dieser Lektüre war eine gewisse Verwunderung. Einerseits las ich das Werk eines Mannes, der sich einfallsreich, hell und mit zäher Energie mit einem gesellschaftlichen Prozess und seinen Folgen auseinander setzte. Auf der anderen Seite musste ich feststellen, dass einer sehr wichtigen Erscheinungsform von Kapital nur sehr wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde, nämlich dem Gelde. Marx nahm Geld recht unhinterfragt als gegeben hin, und ich sah immer mehr eine theoretische Schwachstelle in dieser Unaufmerksamkeit, die vielleicht auch eine Teilursache für das häufige praktische Scheitern sozialistischer Projekte und ganzer Gesellschaftsentwürfe sein konnte. Das ist genau die Art von „Denksport“, die ich betreibe, anstatt wie meine zum Teil recht stumpfen Zeitgenossen Sudokus oder Kreuzworträtsel zu lösen. 😉

Deshalb begann ich damit, über das Geld nachzudenken. Dabei kam ich schnell zu dem Schluss, dass die momentane Wirtschaftsform nicht beständig sein kann.

Aber ist es nicht auch ein bisschen „komisch“ die 5% Verzinsung meines Geldes als „gottgegeben“ darzustellen. Irgendwer muss diese Zinsen erwirtschaften. Jedes Jahr wieder. Und Dank Zinseszins jedes Jahr absolut gesehen mehr. Nicht Geld arbeitet. Nicht mein Geld wird „mehr“. Irgendjemand anderes wirtschaftet dafür mehr — oder hat selbst weniger.

Denn ziemlich genau das waren irgendwann auch meine Gedanken. „Wo kommt das ganze Geld her?“, fragte ich mich. Und ich konnte beim besten Willen nicht daran glauben, dass es „gottgegeben“ oder „natürlich“ war.

Die erste Auffälligkeit beim Geld (in seiner heutigen, nicht durch Edelmetalle oder andere beschränkte Ressourcen gedeckten Form) ist seine Vermehrbarkeit. Im Falle der Zinseszinsdynamik handelt es sich sogar um eine Vermehrung mit exponentieller Dynamik, die jeder Vorstellung von der „Gegebenheit“ oder „Natürlichkeit“ des Geldes spottet.

Warum kann eine Bank für Geldeinlagen Zinsen zahlen?

Die platte Erklärung (in Wirklichkeit ist es komplexer und noch viel schlimmer, aber mit ausführlicher Erläuterung sprenge ich jedes Maß) soll fürs erste genügen. Eine Bank kann auf Einlagen Zinsen zahlen, weil eine Bank das ihr anvertraute Geld weiter verleiht und dafür ebenfalls Zinsen nimmt. Die von der Bank für ihre Darlehen genommenen Zinsen sind höher als die Guthabenzinsen; dieser Geldhandel ist das Geschäft der Bank.

(Natürlich fließen in diese Kalkulation der Bank auch Risikoabwägungen für die Darlehen ein, aber wenn ich den ganzen Vorgang ausführlich darlege, schreibe ich kein Posting für einen Blog mehr, sondern ein ganzes Buch. Auch im Folgenden werde ich Verkürzungen vornehmen, vielleicht sogar durch diese Verkürzungen ein paar Schwächen einbauen. Wer hier liest, sollte sich der Skizzenhaftigkeit des Dargelegten bewusst sein.)

Das führt zu einer interessanten Sicht auf das gesamte Bankwesen. Der eigentliche Geschäftsbereich einer Bank ist also die Gewährung von Darlehen, und nicht etwa die Möglichkeit zur Einlage. Eine Bank ist ein kaufmännisches Unternehmen, das in gewisser Weise Geld verkauft. Jemand kann bei einer Bank 100 Euro für 120 Euro kaufen; die einzige Attraktivität dieses Geschäftes besteht in der verzögerten Zahlung des Preises für das Geld.

Was geschieht nun aber, wenn eine Bank „Geld verkauft“? Nehmen wir für die folgende Betrachtung einmal an, ein Darlehensnehmer hätte sich 100 Euro von einer Bank aushändigen lassen.

Zum Einen hat der Empfänger des Darlehens jetzt 100 Euro in der Hand, mit denen er fröhlich mehr oder minder wichtige Anschaffungen machen kann. Diese hundert Euro fließen also recht unmittelbar in „die Wirtschaft“, und zwar auf Kosten reduzierter zukünftiger Kaufkraft, da in den nächsten Monaten in kleinen Raten zusammen mit den auflaufenden Zinsen 120 Euro zurück gezahlt werden müssen.

Zum Anderen geschieht bei der Bank, die das Darlehen gegeben hat, etwas geradezu Widersinniges. Es handelt sich um einen ganz normalen Buchungsvorgang. Es werden an der einen Stelle 100 Euro ausgegeben und somit vom Buchungskonto für die verfügbaren Mittel auf das Buchungskonto für die ausgezahlten Mittel verschoben. (Kaufleute wissen: Das sind zwei Buchungsvorgänge.) Dazu kommt aber ein weiterer Vorgang. Das Buchungskonto für die Außenstände bekommt 120 Euro auf der Habenseite, und wer sich im Bank-Buchungswesen gut auskennt, kann mir vielleicht verraten, auf welchem der vielen Buchungskonten die zusätzlichen 20 Euro Soll für diesen Vorgang gebucht werden. (Sie werden natürlich gebucht.)

Bei diesem Buchgeld handelt es sich um wirklich vorhandenes Kapital, das unter Umständen auch beliehen werden könnte und in der Bilanz als „Vermögen“ des Kreditinstitutes auftaucht. Obwohl die Bank „materiell“ (in Wirklichkeit werden fast nur Buchbeträge verschoben) 100 Euro weniger hat, hat sie nun 20 Euro mehr bekommen — und zwar recht unmittelbar. (Wie gesagt, in der Wirklichkeit kommen hierzu noch Abschätzungen des Risikos und der ganze Vorgang ist viel komplexer.) Es ist also durch eine Verschuldung etwas Geld aus dem Nichts entstanden.

Dieses Geld ist eine reine Erwartung an die Zukunft, mehr nicht. Ihm steht noch kein existierender wirtschaftlicher Wert gegenüber. Dennoch ist es etwas, womit die Bank wirtschaften kann — und sie tut es auch. Nachdem die Alchimisten daran gescheitert sind, Blei in Gold zu verwandeln, haben es ihnen die Bankiers etwas erfolgreicher nachgetan und verwandeln mit ihren täglichen Geschäften Erwartungen in Geld.

Tatsächlich ist ein Großteil der Geldmenge solches Buchgeld. Wer sich jemals gefragt hat, wo das ganze Geld herkommt, hat jetzt eine erste Antwort. (Und nur nochmal am Rand bemerkt: Es ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer.) Was dieses Geld repräsentiert, ist nur eine Erwartung an die Zukunft, die gemeinhin als „Verschuldung“ bezeichnet wird. Was sich in diesen ominösen fünf Prozent jährlich niederschlägt, ist in erster Linie die anwachsende Summe der Schulden (abzüglich des wirtschaftlichen Wachstums). Geld ist die Erwartung der Rückzahlung von Schulden.

Nun gibt es bei dieser Beschaffenheit des Geldes ein ernsthaftes Problem, und das ist die exponentielle Dynamik von Zinseszins.

Zunächst einmal sei so nüchtern wie möglich festgestellt, dass es nicht möglich ist, ein dauerhaftes exponentielles Wachstum der Wirtschaft zu realisieren — obwohl die p’litische Kaste der meisten Staaten in ihrem Reden, Handeln und Fordern dummerweise davon auszugehen scheint, dass dieses doch möglich sei.

Jedes wirkliche Wachstum (also jedes Wachstum, das nicht nur ein Wachstum der Erwartungen an die Zukunft ist) bedarf der Resourcen, die dabei wenigstens teilweise dergestalt umgewandelt werden, dass sie für weiteres Wachstum nicht mehr zur Verfügung stehen, also verbraucht werden. (Dass mit diesen Resourcen zurzeit extrem verantwortungslos und verschwendisch umgegangen wird, ist noch ein ganz anderes und sehr trauriges Thema.) Die auf der Erde verfügbaren Resourcen sind beschränkt, und auch die nachwachsenden Resourcen auf der Erde können nicht beliebig ausgedehnt werden. Damit stößt der Prozess exponentiellen Wachstums auf der Erde zwangsläufig an ein Ende — und zwar schon bald. Als „intelligenter Prophet“ vermeide ich jedoch die Nennung eines Datums. 😉

Aber selbst, wenn wir eine völlig optimistische Betrachtung machen und davon ausgehen, dass die Menschheit alle Schwierigkeiten der Raumfahrt meistert, ist kein exponentielles Wachstum möglich. Auch die Raumfahrt kann keine physikalischen Beschränkungen überwinden, sie kann also höchstens mit Lichtgeschwindigkeit von Statten gehen. Im Idealfall einer großartigen, zwar durchaus möglichen aber zurzeit noch unvorstellbaren Technik würde sich der Wirtschaftsraum der Menschheit also mit Lichtgeschwindigkeit in den Weltraum ausbreiten und fände dort viele neue Resourcen für die Verwirtschaftung vor. Der menschliche Wirtschaftsraum würde sich dann — wenn wir ferner davon ausgehen, dass nicht Streitigkeiten mit anderen intelligenten Zivilisationen dazwischen kommen — mit der dritten Potenz der Zeit kugelförmig in den Weltraum ausdehnen.

Leider ist auch unter den himmelblau unbewölkten Bedingungen solcher technischer Möglichkeiten kein dauerhaftes exponentielles Wachstum möglich, und damit noch weniger unter den derzeit herrschenden Bedingungen. Denn jede Exponentialfunktion, die ständiges Wachstum mathematisch repräsentiert (also eine Basis größer Eins hat), wächst schneller als jedes gegebene Polynom, also auch schneller als die kubische Funktion. In der abstrakten Schreibweise eines Mathematikers wird die Aussage besonders kompakt (leider kann ich den entsprechenden Zeichenvorrat nicht auf jedem Rechner vorraussetzen, sonst wäre es noch etwas kompakter):

Für alle r>1 gilt:
Es existiert
ein N, sodass für jedes n>N: rn>n3 gilt.

Wer mir das nicht glaubt, gehe bitte in die nächste öffentliche Leihbücherei und schlage den recht einfachen Beweis dieses Satzes in einem Einführungswerk der Analysis nach.

Übrigens repräsentiert dieser Satz ein Wissen, das jeder Abiturient in der BRD haben sollte. Auch hier zeigt sich in der ständig geäußerten Fortsetzung der Forderung der p’litischen Kaste nach weiteren exponentiellen Wachstum entweder die Dummheit der P’litiker oder aber ihr Vertrauen auf die Bildungsvergällung durch die Zwangsbeschulung in der BRD und in die totale Verblödung der Bevölkerung.

Um den Faden zum eigentlichen Thema wieder aufzunehmen: Es ist also absehbar und logisch, dass das momentane Geldsystem zusammenbrechen wird; dass also der Zeitpunkt kommen wird, an dem die Erwartungen in die Zukunft nicht mehr erfüllt werden können. Diese gescheiterten Darlehen führen zu einem Wertverfall des Geldes. Wer mag, kann darin gern eine Theorie der Inflation erblicken.

Die Indizien dafür, dass dieser Zeitpunkt näher rückt, sind überdeutlich. Das wissen auch die Profiteure des gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozesses.

Als ein Indiz aus der BRD diene die immer größere, von Banken eingeräumte Möglichkeit zur Verschuldung von Privathaushalten. Es ist noch gar nicht so lange her, dass abhängig Beschäftigte kaum eine Möglichkeit hatten, an ein Darlehen zu kommen. Diese Möglichkeiten wurden aber in der jüngeren Vergangenheit immer mehr ausgeweitet, begonnen mit den Ratenkäufen der Versandhäuser, fortgesetzt mit der Möglichkeit, das Konto zu überziehen und schließlich mit Kreditkarten und „Verbraucherkrediten“ für beinahe jeden Menschen, bis hin zum an sich wenig finanzkräftigen Azubi. Das Geld wird im Zuge dieser Entwicklung immer mehr zum reinen Buchgeld, und die Aussicht, das demnächst auch das Bargeld abgeschafft wird, ist nicht irreal, sondern nur eine logische Fortsetzung des Prozesses. (Für mich, der ich vom Betteln und vom kampflos Gegebenen lebe, kommt dann endlich der Freitod — und ich werde nicht der einzige sein.)

Um diese Form der Geldwirtschaft aufrecht zu erhalten, bedarf es eben einer ständigen Vergrößerung der Schulden. Welche Zustände entstehen und welche Gesellschaftsformen gefördert werden, wenn um jeden Preis neue Schuldner benötigt werden, mag man an den diversen Geschäften mit dem unmenschlichen Regime der „Volksrepublik“ China sehen.

Übrigens war es für die BRD ein riesiger Glücksfall, dass zu einem gut passenden Zeitpunkt die so genannte „Wende“ in der DDR erfolgte. Nicht nur, dass von einer schamlosen Horde von Vertretern Verbrauchtwagen und sinnlose Versicherungen verkauft werden konnten, auch die neuen Schuldner in „Deutschland“ führten zum Aufrechterhalt des Wahnsinns in einer seiner kritischen Perioden.

Ich hoffe, mit meinen arg verkürzten Erläuterungen ist klar geworden, was ich über die Herkunft dieser fünf Prozent jährlich denke.

Zum Kommentar von dss:

welche gesellschaftsform hättet ihr denn gern ??

Nett, dass ich von Ihnen im Plural angeredet werde. Aber ich habe gar keine multiple Persönlichkeit.

Dennoch eine Antwort von mir. Ich hätte am liebsten eine Gesellschaftsform, in der das Lebensrecht jedes Menschen vollkommen außer Frage steht und nicht irgendwelchen abstrakten Sachzwängen untergeordnet wird. Jeder Mensch soll in weit gehender Freiheit von Angst leben können. Jede Annäherung an dieses Ideal ist eine Verbesserung des gegenwärtigen Zustandes.

und ginge es euch da besser ??

Darin ginge es nicht nur mir, sondern auch Ihnen besser. Vielleicht hätten wir sogar so richtig Lust, uns nach der Klärung dieser Voraussetzung um weitere Verbesserungen zu streiten — Menschen haben nur einmal unterschiedliche Meinungen, die in unterschiedlichen Erfahrungen wurzeln. Aber dafür müssen Sie noch etwas an Ihrem Stil feilen…

es gibt hier ARME … und es gibt Sozialschmarotzer … gehörst du zu den schmarotzern ?? dann sei diesem staat dankbar

…, denn schon solche „Ungeziefer“-Metaphern verraten ein Menschenbild, das jedes Miteinander unnötig erschwert und wenig intellektuelle Reife verrät. Dass dieser sich in der Äußerung niederschlagene Mangel an intellektueller Reife mit der Forderung nach Dankbarkeit gegenüber einen papihaften Staat einher geht, ist leider nur zu typisch. Deshalb wird hier von staatlichen Institutionen wie der Zwangsbeschulung und den quasi-staatlichen bildgebenden Medien alles dafür getan, dass es nicht zu intellektueller Reife bei den Menschen kommt.

Der völlige Verzicht Ihrer impliziten Schmähkritik auf jede Anlehnung an den Inhalt des Postings oder auch nur an einen anderen Anknüpfpunkt in diesem Blog macht leider überdeutlich, dass Sie kaum zu einer Auseinandersetzung im Stande sind. Dass Sie sich eine „Gesellschaftsform“ zu wünschen scheinen, in der jemand wie ich kein Lebensrecht mehr hat, wird leider beim Hinschauen sichtbar.

Aber was wären Betrachtungen zur Wirklichkeit der BRD ohne dieses an deutschen Stammtischen so beliebte Untenhaltungsprogramm mit dem Titel Ein Kessel Braunes. :mrgreen:

Zum Kommentar von Perspektive 2010:

Elias, wo hast Du Deine Millionen versteckt?

Ich suche auch schon den ganzen Tag, und den ersten Teil habe ich eben wirklich in meinem Rucksack gefunden. Da lagen doch wirklich noch 10 Cent drin. Aber wo wohl der ganze Rest ist… 😉

Tinnef (12)

Na, immer noch unverkaufte Tinnef-Restbestände von der letztjährigen Brüllball-Geldmeisterschaft. Nix wie raus damit! Am besten den ganzen Tand noch etwas billiger als die dazu benötigten Batterien machen:

Zum Anpfiff pünktlich wach!

Ist ja ganz toll, dass man so kein Spiel mehr verschlafen kann, weil das Batteriewerk so zuverlässig arbeitet wie die diversen bei den Sportlern eingesetzten Dopingmittel — wahrscheinlich leuchten bei dieser „konsequenten Umsetzung“ des Fußball-Themas die Zeiger vor allem deshalb bei Nacht, weil einige Spieler es auch tun. :mrgreen:

Aber was macht der aufgeweckte Mitmensch Fußball-Brüllaffe nur dagegen, dass er bei den öden Spielen einschläft?

Die Deutschen sind reich!

So schön es auch ist, ein geschnorrtes Mittagessen mitzuessen — ein satter, voller Bauch lässt die Welt gleich wieder ganz anders aussehen –, so schlimm ist es, wenn man bei jemanden sitzt, der bei der Tätigkeit der Nahrungsaufnahme gewohnheitsmäßig den Videotext des BRD-Staatsfernsehens liest. Da möchte der Speisebrei angesichts der verdummenden Propaganda gleich wieder den Rückwärtsgang einlegen und eine ordentliche Portion Galle hinterher schleudern. Die heutige Meldung zur allgemeinen Verdummung der Bevölkerung der BRD findet sich im ARD-Videotext auf Seite 165 (Stand: 19. Juni 2007, 13:29 Uhr). Alle Hervorhebungen sind von mir:

Der wirtschaftliche Aufschwung hat den Deutschen mehr Reichtum beschert. Die privaten Haushalte hatten 2006 insgesamt 4,5 Billionen Euro auf der hohen Kante — das waren 225 Milliarden Euro oder fünf Prozent mehr als vor einem Jahr, berichtete die Bundesbank in ihrem Monatsbericht.

Damit habe sich das durchschnittliche Geldvermögen je Haushalt seit den 90er Jahren von 60.000 Euro auf 115.000 Euro etwa verdoppelt. Rechnet man Immobilien und Sachwerte hinzu, verfügt jeder Haushalt statistisch über ein Vermögen von 240.000 Euro.

Das ist doch wirklich tröstlich, oder… 👿

Ich weiß ja nicht, wie es meinen Lesern geht, aber ich kenne niemanden, der solche Mengen des Geldes und der Güter irgendwo herumliegen hat. Dafür kenne ich ziemlich viele Menschen, für die schon der Defekt einer Waschmaschine oder eine Nachzahlung der Stromrechnung zu erheblichen finanziellen Engpässen führt. Und ich kenne sogar etliche Menschen, die sich nach einigen Reformen des so genannten „Gesundheitswesens“ kaum noch im Stande sehen, ihre Krankheiten behandeln zu lassen, weil sie einfach das dafür erforderliche Geld nicht mehr übrig haben.

Aber „den Deutschen“ wurde ja „mehr Reichtum“ beschert. Und zwar vom „wirtschaftlichen Aufschwung“. Die heilige Zahl hat gesprochen, und die neue Armut in Deutschland ist beendet, hat sich in großem und sich ständig mehrenden Reichtum aufgelöst. Was für eine widerliche Statistik-Lüge! (Bitte noch nicht aufhören mit dem Lesen, ich begründe das gleich noch auf die sachlichst mögliche Art, nämlich durch Nachrechnen.)

Zumal die „heilige Zahl“ an der einen Stelle recht präzise ist, an der anderen jedoch überaus (und gewiss bewusst) ungenau und schwammig. Präzise sind die Zahlen, die das durchschnittliche Vermögen „des Deutschen“ ausdrücken, es handelt sich fast um eine viertel Million Euro. Weniger präzise ist aber die andere Angabe. die „uns Deutschen“ die Verdoppelung des durchschnittlichen Geldvermögens „seit den 90er Jahren“ verkaufen soll.

Die Angabe „seit den 90er Jahren“ erlaubt ja als Startzeitpunkt für diesen Mathematikmissbrauch ein praktisches Manipulations-Gummi über 10 Jahre hinweg. Was ist damit gemeint? Seit 1990? Oder vielleicht seit 1999? Oder vielleicht auch seit 1995? Wo man sich innerhalb so vieler „exakter“ Zahlen auf einmal so unpräzise ausdrückt, da handelt es sich fast immer um Pseudowissenschaft im Dienste der p’litischen Demagogie.

Die gut geschulten Wissenschafts-Inszenierer und Schuldenverkäufer bei der Deutschen Bundesbank sind sich gewiss darüber bewusst, dass kaum ein Mensch eine Intuition für die exponentielle Dynamik hat, die nun einmal der Zinseszinsformel innewohnt. Wenn wir in der folgenden Formel mit p den Zinssatz in Prozent und mit n die Anzahl der Jahre bezeichnen, hat sich am Ende des Zeitraumes das ursprüngliche Kapital mit dem Faktor f multipliziert (wer es mir nicht glaubt, gehe in die nächste öffentliche Leihbücherei und lese nach, wie sich diese Formel herleitet):

f = (1 + p / 100)n

Wir können mit dieser wohl bekannten Formel einmal in aller Ruhe eine kleine Rechnung anstellen. Das ist gar nicht so schlimm, wie es für einen von der Schule zum Mathematik-Hasser gemachten Menschen vielleicht zunächst aussieht. Nehmen wir einmal an, es hätte gar keine Zunahme der Rate gegeben, mit der das durchschnittliche Geldvermögen pro Haushalt im Jahr anwächst, sondern es handele sich um eine ziemlich konstante Rate von fünf Prozent. Das heißt, wir nehmen einmal in aller Ruhe an, dass es gar keinen besonderen „Effekt des wirtschaftlichen Aufschwunges“ gegeben hat, sondern dass das durchschnittliche Vermögen „der Deutschen“ Jahr für Jahr um fünf Prozent anwächst. Wie viele Jahre braucht es dann, um eine Verdoppelung dieser statistischen Zahl herbeizuführen.

Hierfür setzen wir f = 2 und p = 5, unsere gesuchte Größe ist n. Das führt auf die folgende Gleichung…

2 = 1,05n

…die sich — wie jede einfache Exponentialgleichung — relativ einfach lösen lässt, nachdem man auf beiden Seiten der Gleichung logarithmiert.

log 2 = log 1,05 · n

Die Lösung ergibt sich, indem der Term log 1,05 auf beiden Seiten der Gleichung dividiert wird (der besseren Lesbarkeit halber tausche ich zusätzlich die beiden Seiten der Gleichung):

n = log 2 / log 1,05
n = 14,207…

Die verwendete Basis des Logarithmus ist dabei gleichgültig. Jeder Inhaber eines anständigen Taschenrechners, eines altmodischen Rechenschiebers oder einer noch altmodischeren Logarithmentabelle kann sich also mit großer Leichtigkeit ausrechnen, dass eine Zunahme des privaten Vermögens um 5 Prozent jährlich nach 14 Jahren nahezu zu einer Verdoppelung des privaten Vermögens führt.

Wenn wir vom Jahr 2006, von dem diese bewusst und verlogen fehlgedeutete Statistik spricht, einmal 14 Jahre zurückgehen, landen wir im Jahre 1992. Das liegt zwar in den 90er Jahren, aber doch ziemlich deutlich zum Anfang dieses Jahrzehntes hin verschoben. Für eine signifikante Erhöhung der Wachstumsrate des privaten Vermögens ist in den vorgelegten Zahlen so gut wie gar kein Platz. Und dementsprechend gering und unmerklich und damit praktisch nicht-existent ist der Effekt des „wirtschaftlichen Aufschwunges“, der so überaus plakativ als erstes Substantiv in der staatlichen Volksverblödung auftaucht und den Erfolg des aktuellen Merkel-Müntefering-Regimes und des vorherigen Schröder-Regimes „wissenschaftlich“ belegen soll. So eine dummdreiste Verbiegung der Wirklichkeit habe ich seit dem Ende des DDR-Fernsehens nicht mehr in einer Glotze sehen müssen.

Drei wichtige Anmerkungen sind dieser kleinen Betrachtung noch anzufügen.

Erstens ist es bemerkenswert, wie sehr die inoffiziellen Ministerien für Agitation und Propaganda bei den deutschen Staatsmedien inzwischen darauf bauen können, dass die systematische Enthirnung und Bildungsvergällung durch das Schulsystem der BRD nachhaltig erfolgreich ist. Um einmal kurz nachzurechnen, wie wenig die propagandistische und plakative Aussage durch die angegebenen Fakten gedeckt wird, bedarf es lediglich der einfachsten Schulmathematik; jeder Hauptschüler der neunten Klasse sollte diese Kenntnisse haben; jeder durchschnittlich gebildete Mensch sollte die sehr einfache Rechnung nachvollziehen können. Den Mitarbeitern der Deutschen Bundesbank, die so dreist lügen, ist ihr Handeln völlig bewusst — wenn ein guter erfolgreicher Kaufmann eines kann, denn ist es rechnen. Aber sie gehen davon aus, dass die zunehmend verblödete Bevölkerung der BRD gar nicht erst auf die Idee kommt, den üblen Schwindel zu überprüfen.

Zweitens empfehle ich jedem Zeitgenossen, sich morgen davon zu überzeugen, dass der allergrößte Teil der Journaille in der BRD diese Meldung unkritisch und unkommentiert wiedergeben wird. Wo einfach nur noch unter Zeitdruck die Texte der großen Agenturen abgeschrieben werden, damit die Werbeplätze als eigentliches Geschäft der Journaille vermarktet werden können, da ist kein Platz mehr für sorgfältige Recherche oder gar ein kurzes Nachrechnen gelieferter Zahlen. Ich habe für die Rechnung mit Hilfe des Windows-Taschenrechners ungefähr eine Minute gebraucht, in den Redaktionen den meisten, auch der größeren Tageszeitungen und Magazine wird kaum jemand diese Minute Zeit opfern. In der Folge dringt noch die dümmste und durchsichtigste Propaganda direkt von staatlichen und halbstaatlichen Stellen in die Presse; alles, was Presse eigentlich leisten müsste, bleibt dabei auf der Strecke.

Drittens sind die vorgelegten Durchschnittswerte sinnlos, weil sie aussagelos sind. Wenn ein Mensch an allgemeiner Verfettung seiners Körpers verreckt, während drei weitere Menschen an permanenter Unterernährung verrecken, sind im Durchschnitt vier Menschen gut ernährt. Ein Durchschnittswert wird erst dann interessant, wenn er zusammen mit der Standardabweichung angegeben wird. Diese wäre im gegebenen Beispiel ein Maß dafür, wie gleichmäßig sich der Reichtum auf die Bevölkerung verteilt; je größer die Standardabweichung ist, desto größer ist die Schere zwischen Arm und Reich. Das wissen die Verbrecher und Volksverblöder, die solche Zahlen in die zentral organisierten Massenmedien pusten, ganz genau — und schweigen deshalb lieber, weil diese Angabe zurzeit propagandistisch nicht erwünscht ist.

Aber wer dennoch blind an veröffentlichte Zahlen staatlicher Institutionen glaubt, der kann ja heute mal seine Bude nach den großen Reichtümern durchsuchen, die er irgendwo versteckt haben muss. :mrgreen:

Wort zum Sonntag

Nachdem wir lange Zeit keinen richtigen Amoklauf mehr hatten und es um das völlig alternativlose Verbot der so genannten „Killerspiele“ in allen Medien und damit leider auch in den meisten Blogs so merkwürdig ruhig geworden ist, spricht auch keiner mehr von den gefährlichen Killerbibeln.

Das ist schade, weil auch diese Gefahr unverändert besteht und auf eine schwache, mordlüsterne Seele wartet. Die gefährliche Dynamik dieses Seelengiftes hat sich in der menschlichen Geschichte ja immer wieder gezeigt. Wer wissen will, welch widerlicher Wahn welken Worten innewohnen kann, der lese als besonderes Wort zum heutigen Sonntag einmal in aller Ruhe die Anregungen aus Schöner morden mit der Bibel… 👿

Der grüne Frieden mit Lidl

Dem wacheren Zeitgenossen kann es ja kaum entgehen: Auch das institutionaliserte gesellschaftliche Engagement ist unter den Bedingungen des Prozesses, der derzeit über die Gesellschaft abläuft, von den gleichen wirtschaftlichen Zwängen und dem gleichen Show-Marketing geprägt wie die Urheber jener Missstände, gegen den sich das „Engagement“ vorgeblich richtet. Und manchmal treibt diese Begegnung seltsam nach Scheiße duftende Blüten. Ein hübsches Beispiel ist die neue Harmonie zwischen Greenpeace und dem ziemlich Menschen verachtenden Ausbeuter-Ramscher Lidl:

Seit einem knappen Jahr hat Lidl das relativ teure Greenpeace-Magazin (4,90 Euro) im Sortiment. […]

Seit dem Sommer 2006 legt der Discounter das Ökoblatt in seinen Läden aus — anfangs sogar direkt an den Kassen in speziellen Fächern auf Augenhöhe. […]

Die bei Lidl ausliegenden Exemplare hat Greenpeace bereits verkauft — an Lidl. Das dürften ein paar Hunderttausend Euro zusätzliche Einnahmen für den Verlag sein. […] Wenn die Hefte die Kunden nicht interessieren, ist das das Problem des Discounters. Er muss sie an Mitarbeiter verschenken — oder entsorgen. Das geschieht offensichtlich mit dem Großteil der Auflage. Mehrere Angestellte des Discounters schätzten […] dass zwischen 80 und 98 Prozent nicht verkauft werden. […]

Bemerkenswert finden kritische Köpfe auch den Aufstieg Lidls in den Pestizid-Studien der Umweltschützer. 2005 war der Discounter klares Schlusslicht: Kein anderer getesteter Supermarkt hatte mehr belastetes Obst und Gemüse im Sortiment. 2007 hat sich das Blatt komplett gewendet: Lidl geht als Vorbild aus der Pestizid-Untersuchung von Greenpeace hervor — mit dem am wenigsten verseuchten Obst und Gemüse. […]

„Plötzlich sind wir supertoll“, sagt eine Angestellte zu stern TV. „Warum haben wir jetzt das beste Obst? Wir haben unsere Zulieferer nicht gewechselt.“ […]

Unter bestimmten Bedingungen scheinen die ach so neutralen, ökologischen Produkttests durch Greenpeace wohl käuflich zu sein. Die Ergebnisse dieser Tests sind damit — bei aller vorgeblicher und für die meisten Menschen unüberprüfbarer „wissenschaftlicher“ Methodik — etwa so aussagekräftig wie ein astrologisches Gutachten über einen Apfel. Macht aber nichts, das Abkommen lohnt sich ja für beide Seiten.

Wir notieren uns: Auch die so medienwirksamen Auftritte von Greenpeace sind endlich im Bereich der reinen Show angekommen. Genauer: Im Bereich des Show-Business, dass ja in den letzten hundert Jahren für immer seriöse genommen wurde. Hinter der professionellen Darbietung steht nicht mehr viel, der Protest ist ein reines Fun-Produkt.

Es stellt sich nur noch die Frage, wann Greenpeace — gewissermaßen die heilige katholische Kirche der bürgerlichen Umweltschutz-Bewegung — diesen Geschäftszweig ausbaut. (Haben die es vielleicht sogar schon getan?) In einem Zeitalter, in dem die p’litische Kaste der Meinung ist, dass Menschen mit Verseuchungsrechten Emissionsrechten Handel treiben sollen, wird sich auch Greenpeace nicht scheuen, einen Ablasshandel für „Umweltsünder“ zu eröffnen. Ein erster Anfang ist ja schon gemacht. :mrgreen:

Wie man Menschen ins Gesicht scheißt

Oh, ich habe eben beim Runterschlingen eines geschnorrten Essens einen Blick in den Videotext des BRD-Staatsfernsehens werfen „dürfen“, und da hätte das Essen fast wieder den Rückwärtsgang eingelegt.

Grund dafür waren die zitierten Reden der gegenwärtigen BRD-Kanzlerin Angela Merkel. Diese offenbar völlig schamlose Frau hat sich in einer Regierungserklärung dafür ausgesprochen, dass man die gescheiterte EU-Verfassung doch durch einen so genannten „Reformvertrag“ ersetzen könne, damit die „Substanz der Verfassung“ erhalten bleibe. Dass allein ist schon übel, boshaft und angesichts der eindeutigen Ergebnisse bei den Referenden in der französischen Republik und im Königreich der Sieben Vereinigten Niederlanden klares Zeichen einer antidemokratischen und Bürger verachtenden Haltung.

Aber so etwas reicht noch lange nicht, um bei mir akute Übelkeit auszulösen — die tägliche Konfrontation mit dieser Berliner Gaunerbande macht sogar mich etwas stumpf. Das scheint inzwischen auch unsere Frau Bundeskanzlerin gemerkt zu haben; deshalb hat sie wohl den Kitzel am Kotzreflex dieses Mal erhöht, indem sie ihre p’litische Beglückungsidee noch etwas erläuterte. Die Substanz der in demokratischen Abstimmungen gescheiterten EU-Verfassung sollte demnach erhalten bleiben, „ohne die Bürger zu überfordern„.

Herzlichen Glückwunsch, Frau Merkel! Sie haben es mit diesen Worten wirklich geschafft, ihre völlige Verachtung für die Bevölkerung zweier Kernstaaten der gegenwärtigen Europäischen Gemeinschaft auszudrücken. Die Menschen in den Niederlanden und in Frankreich waren nämlich keineswegs „überfordert“, wie sie es in ihrem zynischen, improvisierten Neusprech herausgerülpst haben, sie waren gegen diesen Verfassungstext. Und dies keineswegs aus Unkenntnis, in Frankreich — das im Gegensatz zur BRD eben keine pseudodemokratische Bananenrepublik ist — wurde sogar jedem Stimmberechtigten ein Exemplar dieser Verfassung zugestellt, damit die Menschen auch wussten, worüber sie abzustimmen hatten. Dies führte zu erhitzten Diskussionen im ganzen Land; die wenigsten Menschen haben es sich wirklich leicht gemacht. Kurz: Es war ein Vorbild für eine P’litik, die nicht auf die Menschen scheißt. So wie etwa Sie es tun, Frau Bundeskanzlerin.

Ich bin vor allem den Franzosen bis heute dafür dankbar, dass sie diesen monströsen Verfassungstext abgelehnt haben. In der BRD hatte man ja nicht die Möglichkeit, einen direkten Einfluss darauf zu nehmen; hier konnte man sich den gut auf dem Server der EU versteckten Verfassungsentwurf nur downloaden und nach der Lektüre hoffen, dass dieser Wahnsinn scheitert. Nachdem man sich durch die überlange Präambel gekämpft hatte (die ersten Worte sind übrigens „Seine Majestät“), kam man an die ersten Artikel und musste voller Entsetzen feststellen, dass „Wirtschaftswachstum“ auf gleicher Ebene als Staatsziel formuliert wird wie die „Menschenrechte“ — das ist etwa so, als würde man Prostition und sexuelle Enthaltsamkeit gleichzeitig betreiben wollen. Genau das werden auch viele Menschen in Frankreich bemerkt haben. Und wenn sie dann ein bisschen weiter gelesen haben und versucht haben, die teilweise völlig undurchschaubare Machtverteilung zwischen den verschiedenen Verfassungsorganen zu verstehen, denn wird sich das Vertrauen nicht gerade erhöht haben.

Und so kam es schließlich, dass eine Volksabstimmung über die EU-Verfassung in einem Kernland der EU scheiterte. Zum Glück. Für alle Menschen in der EU.

Und dieser verantwortungsvollen Akt, der übrigens eines der seltenen Vorbilder der Demokratie in den letzten hundert Jahren war, hat Frau Merkel mal eben als eine „Überforderung der Bürger“ abgetan. Und damit ihre vollständige Verachtung gegenüber einer demokratischen Entscheidung ausgedrückt, die sie jetzt noch mit einem undemokratischen, p’litischen Trick krönen will. Alle Ächtung!

Merci beaucoup à tout la Françe. N’arrêtez pas à combattre pour les hommes!