Nachtrag zu den „reichen“ Deutschen

So ging das nicht nur für eine Minute, sondern für Stunden. So etwas habe ich mit meinem kleinen, marginalisierten Blog noch nie erlebt.Ach, wie schön! Gestern konnte ich mich mal so richtig wie ein „A-Blogger“ fühlen, nachdem mein Posting „Die Deutschen sind reich!“ von Fefe verlinkt wurde. Einige Kommentare zu diesem Posting erfordern allerdings noch eine „kleine“ Nachbetrachtung, die viel zu lang und interessant wird, als dass ich sie in den eher unübersichtlichen und wenig beachteten Kommentarbereich verbannen möchte.

Deshalb dieser „kleine“ Rückblick.

Zum Linktext in Fefe’s Blog:

An diese eine Facette des Mathematik- und Statistikmissbrauchs…

[…] möchte ich darauf hinweisen, daß wir eine stetige Inflation in die Gegenrichtung haben. Wir haben zwar mehr Geld, aber es ist weniger wert. Die selbe Zinsenszins-Formel betrifft auch die stetige Entwertung des Geldes […]

…habe ich angesichts der erbärmich platten Volksverdummung von Seiten des BRD-Staatsfernsehens gar nicht mehr gedacht. Wie die vermittelte Blindheit doch blind machen kann! Nichtsdestotrotz ist es aber sehr wahr, dass die Verdoppelung der „angesparten“ Geldmenge in 14 Jahren nicht zu einer Verdoppelung der Kaufkraft dieses Geldes führt.

Überproportional gestiegen sind in diesem Zeitraum übrigens die Preise für Energie. Diese Preissteigerung betrifft in besonderer Weise Arme und abhängig Beschäftigte, ist also ein erheblicher Beitrag dazu, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert.

Das liegt daran, dass zum Einen jeder Mensch in seinem Leben einen gewissen Energieverbrauch hat, bei dieser Form des Konsums ist der Unterschied zwischen Arm und Reich auch gar nicht so groß. Nur, dass der Begütertere eben etwas — oder auch viel — mehr Vermögen über seine Grundbedürfnisse hinaus zur Verfügung hat, so dass die Qualität der sonst recht „gleichen“ Belastung mit zunehmender Güterlosigkeit eine andere wird, die empfindlich in das Leben eingreifen kann. Mir ist persönlich eine alte Frau bekannt, die nach dem barbarischen Krieg mit ihrer bloßen Hände Arbeit geholfen hat, die zerstörten Städte wieder aufzubauen. Heute lebt sie von einer überaus bescheidenen Rente und getraut sich angesichts ihrer Armut nicht mehr, an kalten Wintertagen ihre Wohnung zu heizen — die Abstraktheit der zunehmenden soziale Kälte führt hier zu einem sehr konkreten physikalischen Zustand, welcher dem Wohlergehen dieser Frau nicht gerade zuträglich ist. Eine Belastung, die alle Menschen gleichermaßen betrifft, kann sehr wohl bestehende Ungleichheiten in grellem Lichte beleuchten.

Zum Anderen sind es aber gerade die Energiekosten, die sich auf alle anderen Preise legen, gleich, ob es sich um Luxusgüter oder Dinge des täglichen Bedarfes handelt. Bei jeder Herstellung und bei jedem Transport von Gütern wird die immer teurer werdende Energie benötigt. Es gibt nun für die produzierende Industrie im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, mit diesen gestiegenen Kosten umzugehen. Entweder werden die höheren Kosten mit den Preisen weitergegeben. Das führt zu einer alle Menschen gleich betreffenden Steigerung der Preise für essenzielle Güter, die ebenfalls wieder bestehende Ungleichheiten verstärkt. Oder aber, die höheren Kosten für Energie werden reduziert, indem an anderen Stellen Kosten eingespart werden. Eine häufige Einsparung von Kosten ist es aber, dass Mitarbeiter entlassen werden und die Last der Arbeit auf weniger Schultern verteilt wird. Das betrifft abhängig Beschäftigte gleich auf zweierlei Weise, nämlich als ständig steigende körperliche Belastung bei der täglichen Arbeit und als ständig steigende psychische Belastung durch die tägliche Angst vor der Arbeitslosigkeit und dem damit verbundenen sozialen Abstieg.

Dass mittlerweile jeder fünfte Einwohner der Europäischen Union von psychischer Krankheit betroffen ist (sorry, ich habe gerade keinen Link auf die Quelle zur Hand, aber der Bericht wurde vor ca. zwei Jahren veröffentlicht), nimmt angesichts dieser sich ausbreitenden Zustände nicht Wunders.

Zum Kommentar von Don Peppone:

Das ist alles richtig, doch der Missbrauch von Statistiken und somt die Unglaubwürdigkeit, sind in Kreisen jener Menschen, deren mathematische Kenntnis über den einfachen Dreisatz hinaus geht, längst bekannt.

Dass es bekannt ist, das ist nur die eine Seite der Medaille. Den Propaganda-Abteilungen des p’litischen Betriebes ist auch ein anderes Faktum aus der psychologischen Forschung sehr wohl bekannt, nämlich, dass die ständige Wiederholung auch absurdester Aussagen dazu führt, dass diese Aussagen für „glaubwürdig“ gehalten werden. Besonders geeignet für diese Vorgehensweise sind natürlich neben gezielt angebrachten Worthülsen zur „Rechtfertigung“ der allgemeinen Verelendung auch abstrakte Zahlenwerke, die nicht sofort durch die Lebenswirklichkeit der Rezipienten widerlegt werden.

So eine immer wieder wiederholte Aussage ist das Reden vom „Reichtum“ der Menschen in Deutschland. Wenn sich aber die behaupteten Tatsachen durch einfaches Nachrechnen auf ein Nichts reduzieren lassen, denn sind erst recht die impliziten Folgerungen des BRD-Staatsfernsehens, dass „jeder Haushalt“ von diesem „wirtschaftlichen Aufschwung“ profitiert, völlig in sich zusammengebrochen; die angemaßte „Wissenschaftlichkeit“ dieser Aussagen ist mit geringstem Aufwand als pure Propaganda entlarvt. Ich hoffe, dass das ein kleiner Beitrag dazu ist, dass irgendwann auch einmal die Glaubwürdigkeit der sonstigen Propaganda in sich zusammenbricht.

Es stellt sich für mich die Frage, ob sich die Behauptung, wir leben in einer Demokratie (einschl. Meinungsfreigeit) tatsächlich noch rechtfertigen lässt, oder ob die Aussage, das Deutschland zunehmend Opfer eines totalitären Regimes wird, nicht viel eher zutrifft.

Achtung, Sarkasmus: Nachdem „zusammengewachsen ist, was zusammen gehört“ (H. Kohl), entsteht vor unseren Augen ein den Zuständen in der DDR entsprechendes p’litisches System, das aber den Namen der BRD trägt. Nur die Phrasen, mit denen das Unmenschentum begründet wird, haben sich ein bisschen verändert. Hieß es früher: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf“, so könnte sich die Gesamtheit des heutigen p’litischen Redens in den Worten „Die Globalisierung in ihrem Lauf…“ zusammen fassen lassen. :mrgreen:

Das p’litische Programm der Berliner Parteien (einschließlich Linkspartei) ist sich ja verblüffend ähnlich geworden.

Aber jetzt noch einmal etwas wirklich Interessantes, nämlich ein paar Worte…

…zum Kommentar von PeterYMeyer:

Die Berechnung geht von einer jährlichen Steigerung von 5% aus. Aber wer erwirtschaftet die 5%?

Eine konstante Steigerung um jährliche 5% ist ja auch ein Wachstum, nur kein Wachstum des Wachstums.

Diese ominösen fünf Prozent sind die Steigerung des gesparten Vermögens pro Haushalt pro Jahr. Sie liegen in der Größenordnung sehr in der Nähe des Zinssatzes, der für einigermaßen solide, langfristige Anlageformen gezahlt wird; aus ebendieser Quelle dürfte sich also ein Großteil dieses Wachstums speisen. Es handelt sich um ein Zinswachstum.

Was genau aber wächst, wenn Geld durch Zinseinnahmen mehr wird? Ist es „die Wirtschaft“? Das kann nicht sein, da das Wirtschaftswachstum in dieser gesamten Zeit deutlich unter fünf Prozent lag. Denn muss es wohl etwas anderes sein.

Diese Frage berührt meiner Meinung nach einen Kernbereich kapitalistischer Systeme des Wirtschaftens. (Das Wort „Kapitalismus“ ist hier zunächst völlig neutral und ohne Wertung zu verstehen, so nennt sich dieses Systemverhalten nun einmal. Was ich davon halte, ist eine andere Sache, die beim Lesen dieses Blogs wohl manches Mal aufblitzt.) Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich einmal in einem müßigen Lebensabschnitt den ganzen ersten Band des „Kapitals“ von Karl Marx durchgelesen habe. (Solche Muße haben Menschen im Prozess, der gegenwärtig über den Gesellschaften abläuft, leider viel zu selten.) Das Ergebnis dieser Lektüre war eine gewisse Verwunderung. Einerseits las ich das Werk eines Mannes, der sich einfallsreich, hell und mit zäher Energie mit einem gesellschaftlichen Prozess und seinen Folgen auseinander setzte. Auf der anderen Seite musste ich feststellen, dass einer sehr wichtigen Erscheinungsform von Kapital nur sehr wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde, nämlich dem Gelde. Marx nahm Geld recht unhinterfragt als gegeben hin, und ich sah immer mehr eine theoretische Schwachstelle in dieser Unaufmerksamkeit, die vielleicht auch eine Teilursache für das häufige praktische Scheitern sozialistischer Projekte und ganzer Gesellschaftsentwürfe sein konnte. Das ist genau die Art von „Denksport“, die ich betreibe, anstatt wie meine zum Teil recht stumpfen Zeitgenossen Sudokus oder Kreuzworträtsel zu lösen. 😉

Deshalb begann ich damit, über das Geld nachzudenken. Dabei kam ich schnell zu dem Schluss, dass die momentane Wirtschaftsform nicht beständig sein kann.

Aber ist es nicht auch ein bisschen „komisch“ die 5% Verzinsung meines Geldes als „gottgegeben“ darzustellen. Irgendwer muss diese Zinsen erwirtschaften. Jedes Jahr wieder. Und Dank Zinseszins jedes Jahr absolut gesehen mehr. Nicht Geld arbeitet. Nicht mein Geld wird „mehr“. Irgendjemand anderes wirtschaftet dafür mehr — oder hat selbst weniger.

Denn ziemlich genau das waren irgendwann auch meine Gedanken. „Wo kommt das ganze Geld her?“, fragte ich mich. Und ich konnte beim besten Willen nicht daran glauben, dass es „gottgegeben“ oder „natürlich“ war.

Die erste Auffälligkeit beim Geld (in seiner heutigen, nicht durch Edelmetalle oder andere beschränkte Ressourcen gedeckten Form) ist seine Vermehrbarkeit. Im Falle der Zinseszinsdynamik handelt es sich sogar um eine Vermehrung mit exponentieller Dynamik, die jeder Vorstellung von der „Gegebenheit“ oder „Natürlichkeit“ des Geldes spottet.

Warum kann eine Bank für Geldeinlagen Zinsen zahlen?

Die platte Erklärung (in Wirklichkeit ist es komplexer und noch viel schlimmer, aber mit ausführlicher Erläuterung sprenge ich jedes Maß) soll fürs erste genügen. Eine Bank kann auf Einlagen Zinsen zahlen, weil eine Bank das ihr anvertraute Geld weiter verleiht und dafür ebenfalls Zinsen nimmt. Die von der Bank für ihre Darlehen genommenen Zinsen sind höher als die Guthabenzinsen; dieser Geldhandel ist das Geschäft der Bank.

(Natürlich fließen in diese Kalkulation der Bank auch Risikoabwägungen für die Darlehen ein, aber wenn ich den ganzen Vorgang ausführlich darlege, schreibe ich kein Posting für einen Blog mehr, sondern ein ganzes Buch. Auch im Folgenden werde ich Verkürzungen vornehmen, vielleicht sogar durch diese Verkürzungen ein paar Schwächen einbauen. Wer hier liest, sollte sich der Skizzenhaftigkeit des Dargelegten bewusst sein.)

Das führt zu einer interessanten Sicht auf das gesamte Bankwesen. Der eigentliche Geschäftsbereich einer Bank ist also die Gewährung von Darlehen, und nicht etwa die Möglichkeit zur Einlage. Eine Bank ist ein kaufmännisches Unternehmen, das in gewisser Weise Geld verkauft. Jemand kann bei einer Bank 100 Euro für 120 Euro kaufen; die einzige Attraktivität dieses Geschäftes besteht in der verzögerten Zahlung des Preises für das Geld.

Was geschieht nun aber, wenn eine Bank „Geld verkauft“? Nehmen wir für die folgende Betrachtung einmal an, ein Darlehensnehmer hätte sich 100 Euro von einer Bank aushändigen lassen.

Zum Einen hat der Empfänger des Darlehens jetzt 100 Euro in der Hand, mit denen er fröhlich mehr oder minder wichtige Anschaffungen machen kann. Diese hundert Euro fließen also recht unmittelbar in „die Wirtschaft“, und zwar auf Kosten reduzierter zukünftiger Kaufkraft, da in den nächsten Monaten in kleinen Raten zusammen mit den auflaufenden Zinsen 120 Euro zurück gezahlt werden müssen.

Zum Anderen geschieht bei der Bank, die das Darlehen gegeben hat, etwas geradezu Widersinniges. Es handelt sich um einen ganz normalen Buchungsvorgang. Es werden an der einen Stelle 100 Euro ausgegeben und somit vom Buchungskonto für die verfügbaren Mittel auf das Buchungskonto für die ausgezahlten Mittel verschoben. (Kaufleute wissen: Das sind zwei Buchungsvorgänge.) Dazu kommt aber ein weiterer Vorgang. Das Buchungskonto für die Außenstände bekommt 120 Euro auf der Habenseite, und wer sich im Bank-Buchungswesen gut auskennt, kann mir vielleicht verraten, auf welchem der vielen Buchungskonten die zusätzlichen 20 Euro Soll für diesen Vorgang gebucht werden. (Sie werden natürlich gebucht.)

Bei diesem Buchgeld handelt es sich um wirklich vorhandenes Kapital, das unter Umständen auch beliehen werden könnte und in der Bilanz als „Vermögen“ des Kreditinstitutes auftaucht. Obwohl die Bank „materiell“ (in Wirklichkeit werden fast nur Buchbeträge verschoben) 100 Euro weniger hat, hat sie nun 20 Euro mehr bekommen — und zwar recht unmittelbar. (Wie gesagt, in der Wirklichkeit kommen hierzu noch Abschätzungen des Risikos und der ganze Vorgang ist viel komplexer.) Es ist also durch eine Verschuldung etwas Geld aus dem Nichts entstanden.

Dieses Geld ist eine reine Erwartung an die Zukunft, mehr nicht. Ihm steht noch kein existierender wirtschaftlicher Wert gegenüber. Dennoch ist es etwas, womit die Bank wirtschaften kann — und sie tut es auch. Nachdem die Alchimisten daran gescheitert sind, Blei in Gold zu verwandeln, haben es ihnen die Bankiers etwas erfolgreicher nachgetan und verwandeln mit ihren täglichen Geschäften Erwartungen in Geld.

Tatsächlich ist ein Großteil der Geldmenge solches Buchgeld. Wer sich jemals gefragt hat, wo das ganze Geld herkommt, hat jetzt eine erste Antwort. (Und nur nochmal am Rand bemerkt: Es ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer.) Was dieses Geld repräsentiert, ist nur eine Erwartung an die Zukunft, die gemeinhin als „Verschuldung“ bezeichnet wird. Was sich in diesen ominösen fünf Prozent jährlich niederschlägt, ist in erster Linie die anwachsende Summe der Schulden (abzüglich des wirtschaftlichen Wachstums). Geld ist die Erwartung der Rückzahlung von Schulden.

Nun gibt es bei dieser Beschaffenheit des Geldes ein ernsthaftes Problem, und das ist die exponentielle Dynamik von Zinseszins.

Zunächst einmal sei so nüchtern wie möglich festgestellt, dass es nicht möglich ist, ein dauerhaftes exponentielles Wachstum der Wirtschaft zu realisieren — obwohl die p’litische Kaste der meisten Staaten in ihrem Reden, Handeln und Fordern dummerweise davon auszugehen scheint, dass dieses doch möglich sei.

Jedes wirkliche Wachstum (also jedes Wachstum, das nicht nur ein Wachstum der Erwartungen an die Zukunft ist) bedarf der Resourcen, die dabei wenigstens teilweise dergestalt umgewandelt werden, dass sie für weiteres Wachstum nicht mehr zur Verfügung stehen, also verbraucht werden. (Dass mit diesen Resourcen zurzeit extrem verantwortungslos und verschwendisch umgegangen wird, ist noch ein ganz anderes und sehr trauriges Thema.) Die auf der Erde verfügbaren Resourcen sind beschränkt, und auch die nachwachsenden Resourcen auf der Erde können nicht beliebig ausgedehnt werden. Damit stößt der Prozess exponentiellen Wachstums auf der Erde zwangsläufig an ein Ende — und zwar schon bald. Als „intelligenter Prophet“ vermeide ich jedoch die Nennung eines Datums. 😉

Aber selbst, wenn wir eine völlig optimistische Betrachtung machen und davon ausgehen, dass die Menschheit alle Schwierigkeiten der Raumfahrt meistert, ist kein exponentielles Wachstum möglich. Auch die Raumfahrt kann keine physikalischen Beschränkungen überwinden, sie kann also höchstens mit Lichtgeschwindigkeit von Statten gehen. Im Idealfall einer großartigen, zwar durchaus möglichen aber zurzeit noch unvorstellbaren Technik würde sich der Wirtschaftsraum der Menschheit also mit Lichtgeschwindigkeit in den Weltraum ausbreiten und fände dort viele neue Resourcen für die Verwirtschaftung vor. Der menschliche Wirtschaftsraum würde sich dann — wenn wir ferner davon ausgehen, dass nicht Streitigkeiten mit anderen intelligenten Zivilisationen dazwischen kommen — mit der dritten Potenz der Zeit kugelförmig in den Weltraum ausdehnen.

Leider ist auch unter den himmelblau unbewölkten Bedingungen solcher technischer Möglichkeiten kein dauerhaftes exponentielles Wachstum möglich, und damit noch weniger unter den derzeit herrschenden Bedingungen. Denn jede Exponentialfunktion, die ständiges Wachstum mathematisch repräsentiert (also eine Basis größer Eins hat), wächst schneller als jedes gegebene Polynom, also auch schneller als die kubische Funktion. In der abstrakten Schreibweise eines Mathematikers wird die Aussage besonders kompakt (leider kann ich den entsprechenden Zeichenvorrat nicht auf jedem Rechner vorraussetzen, sonst wäre es noch etwas kompakter):

Für alle r>1 gilt:
Es existiert
ein N, sodass für jedes n>N: rn>n3 gilt.

Wer mir das nicht glaubt, gehe bitte in die nächste öffentliche Leihbücherei und schlage den recht einfachen Beweis dieses Satzes in einem Einführungswerk der Analysis nach.

Übrigens repräsentiert dieser Satz ein Wissen, das jeder Abiturient in der BRD haben sollte. Auch hier zeigt sich in der ständig geäußerten Fortsetzung der Forderung der p’litischen Kaste nach weiteren exponentiellen Wachstum entweder die Dummheit der P’litiker oder aber ihr Vertrauen auf die Bildungsvergällung durch die Zwangsbeschulung in der BRD und in die totale Verblödung der Bevölkerung.

Um den Faden zum eigentlichen Thema wieder aufzunehmen: Es ist also absehbar und logisch, dass das momentane Geldsystem zusammenbrechen wird; dass also der Zeitpunkt kommen wird, an dem die Erwartungen in die Zukunft nicht mehr erfüllt werden können. Diese gescheiterten Darlehen führen zu einem Wertverfall des Geldes. Wer mag, kann darin gern eine Theorie der Inflation erblicken.

Die Indizien dafür, dass dieser Zeitpunkt näher rückt, sind überdeutlich. Das wissen auch die Profiteure des gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozesses.

Als ein Indiz aus der BRD diene die immer größere, von Banken eingeräumte Möglichkeit zur Verschuldung von Privathaushalten. Es ist noch gar nicht so lange her, dass abhängig Beschäftigte kaum eine Möglichkeit hatten, an ein Darlehen zu kommen. Diese Möglichkeiten wurden aber in der jüngeren Vergangenheit immer mehr ausgeweitet, begonnen mit den Ratenkäufen der Versandhäuser, fortgesetzt mit der Möglichkeit, das Konto zu überziehen und schließlich mit Kreditkarten und „Verbraucherkrediten“ für beinahe jeden Menschen, bis hin zum an sich wenig finanzkräftigen Azubi. Das Geld wird im Zuge dieser Entwicklung immer mehr zum reinen Buchgeld, und die Aussicht, das demnächst auch das Bargeld abgeschafft wird, ist nicht irreal, sondern nur eine logische Fortsetzung des Prozesses. (Für mich, der ich vom Betteln und vom kampflos Gegebenen lebe, kommt dann endlich der Freitod — und ich werde nicht der einzige sein.)

Um diese Form der Geldwirtschaft aufrecht zu erhalten, bedarf es eben einer ständigen Vergrößerung der Schulden. Welche Zustände entstehen und welche Gesellschaftsformen gefördert werden, wenn um jeden Preis neue Schuldner benötigt werden, mag man an den diversen Geschäften mit dem unmenschlichen Regime der „Volksrepublik“ China sehen.

Übrigens war es für die BRD ein riesiger Glücksfall, dass zu einem gut passenden Zeitpunkt die so genannte „Wende“ in der DDR erfolgte. Nicht nur, dass von einer schamlosen Horde von Vertretern Verbrauchtwagen und sinnlose Versicherungen verkauft werden konnten, auch die neuen Schuldner in „Deutschland“ führten zum Aufrechterhalt des Wahnsinns in einer seiner kritischen Perioden.

Ich hoffe, mit meinen arg verkürzten Erläuterungen ist klar geworden, was ich über die Herkunft dieser fünf Prozent jährlich denke.

Zum Kommentar von dss:

welche gesellschaftsform hättet ihr denn gern ??

Nett, dass ich von Ihnen im Plural angeredet werde. Aber ich habe gar keine multiple Persönlichkeit.

Dennoch eine Antwort von mir. Ich hätte am liebsten eine Gesellschaftsform, in der das Lebensrecht jedes Menschen vollkommen außer Frage steht und nicht irgendwelchen abstrakten Sachzwängen untergeordnet wird. Jeder Mensch soll in weit gehender Freiheit von Angst leben können. Jede Annäherung an dieses Ideal ist eine Verbesserung des gegenwärtigen Zustandes.

und ginge es euch da besser ??

Darin ginge es nicht nur mir, sondern auch Ihnen besser. Vielleicht hätten wir sogar so richtig Lust, uns nach der Klärung dieser Voraussetzung um weitere Verbesserungen zu streiten — Menschen haben nur einmal unterschiedliche Meinungen, die in unterschiedlichen Erfahrungen wurzeln. Aber dafür müssen Sie noch etwas an Ihrem Stil feilen…

es gibt hier ARME … und es gibt Sozialschmarotzer … gehörst du zu den schmarotzern ?? dann sei diesem staat dankbar

…, denn schon solche „Ungeziefer“-Metaphern verraten ein Menschenbild, das jedes Miteinander unnötig erschwert und wenig intellektuelle Reife verrät. Dass dieser sich in der Äußerung niederschlagene Mangel an intellektueller Reife mit der Forderung nach Dankbarkeit gegenüber einen papihaften Staat einher geht, ist leider nur zu typisch. Deshalb wird hier von staatlichen Institutionen wie der Zwangsbeschulung und den quasi-staatlichen bildgebenden Medien alles dafür getan, dass es nicht zu intellektueller Reife bei den Menschen kommt.

Der völlige Verzicht Ihrer impliziten Schmähkritik auf jede Anlehnung an den Inhalt des Postings oder auch nur an einen anderen Anknüpfpunkt in diesem Blog macht leider überdeutlich, dass Sie kaum zu einer Auseinandersetzung im Stande sind. Dass Sie sich eine „Gesellschaftsform“ zu wünschen scheinen, in der jemand wie ich kein Lebensrecht mehr hat, wird leider beim Hinschauen sichtbar.

Aber was wären Betrachtungen zur Wirklichkeit der BRD ohne dieses an deutschen Stammtischen so beliebte Untenhaltungsprogramm mit dem Titel Ein Kessel Braunes. :mrgreen:

Zum Kommentar von Perspektive 2010:

Elias, wo hast Du Deine Millionen versteckt?

Ich suche auch schon den ganzen Tag, und den ersten Teil habe ich eben wirklich in meinem Rucksack gefunden. Da lagen doch wirklich noch 10 Cent drin. Aber wo wohl der ganze Rest ist… 😉

6 Kommentare

  1. Auch wenn ich zu meiner Schande zugeben muss, dass ich trotz 4 Semestern höherer Mathematik den Beweis hierfür nie gesehen habe (Mir dieser umstand aber zumindest intuitiv klar ist) so möchte ich dennoch meinen, dass sich in die Formulierung „Denn jede Exponentialfunktion, die ständiges Wachstum mathematisch repräsentiert (also eine Basis größer Eins hat), wächst schneller als jedes gegebene Polynom“ ein Fehler geschlichen hat. Die Basis einer e-Funktion ist immer die e-Funktion und kann keine natürliche Zahl sein. Denn Basis hoch Exponent ist eine Potenz. Folglich ist auch „Für alle e>1 gilt:“ Unsinn, denn e ist eine Konstante. 2,71… Auch die Zeile darauf finde ich seltsam. Es existiert ein N für… – dieses N müsste sich genau benennen lassen, treten doch bis auf n nur Konstanten in der folgenden Ungleichung auf und N ist schließlich nur eine Grenze für die Gültigkeit dieser Aussage bezogen auf n.

    „es gibt hier ARME … und es gibt Sozialschmarotzer … gehörst du zu den schmarotzern ?? dann sei diesem staat dankbar“ – Ich würde diese Aussage nicht so ohne weiteres abstempeln. In egal welcher Gesellschafts- und Wirtschaftsform wäre Arbeit in egal welcher Form ein immanenter Systembestandteil. Diesen Punkt wird mir wohl keiner Streitig mach. In den meisten denkbaren Systemen wird eben diese Arbeit vergütet in irgendeiner materiellen Form. Sei es Nahrung, sonstetwas oder wie bei uns: Das liebe Geld.
    Zahlt man nun jemanden der Nicht arbeitet auch (einen Teil der) Vergütung die jemand erbracht hat indem er gearbeitet hat, so hat dieser effektiv weniger, denn er muss ja einen Teil seines „Lohnes“ abtreten. Wie dieser Prozess nun genau geschieht ist dabei völlig unerheblich. Festzuhalten bleibt nur: Für die Arbeit – den Kernbereich der Produktivität einer überlebensfähigen Gesellschaft – bekommt jemand eine Vergütung von der er aber einen Teil abtreten muss an jemanden der durch sein Handeln nichts „produktives“ für ebenjene Gesellschaft schafft, damit er nicht vor die Hunde geht.
    Da kann man am politischen, gesellschaftlichen etc. System rütteln und drehen wie man will das ändert sich nicht. Und da Menschen Eigenschaften wie Neid, Moral und ja man sagt ihnen manchmal auch Mitleid nach, haben so stellen sich die meisten eben die Frage nach der 1. Arbeitswilligkeit und 2. Möglichkeit einen Arbeitsplatz zu finden. Denn wenn man genau weiß, dass beispielsweise die Wirtschaft am Boden liegt und jeder der Arbeitslos ist eigentlich Arbeit will, dann gibt man nicht den Arbeitslosen die Schuld sondern i.d.R. dem System. Wenn hingegen sich die Arbeitslosigkeit auf einem Allzeittief befindet und manche Leute einfach „keinen Bock“ haben zu arbeiten (und ja solche Leute gibt es wirklich auch wenn über deren prozentualen Anteil gestritten werden darf) wie kann man dann jemandem der >40 Studen für einen Hungerlohn auf dem Bau arbeitet und abends Berichte im Fernsehen sieht a la „Arbeit? Hab kein Bock bekomm doch auch so Kohle“ missgunst, verachtung und wut übel nehmen?
    Hier ist es in der Physik: Es kommt immer drauf an auf welcher Seite man steht und vielleicht sieht dann alles schon ganz anders aus.

  2. […] Jun 22nd, 2007 by Bardamu Auf die Frage: Welche Gesellschaftsform hättet ihr denn gern? Antwortet der Wütende doch tatsächlich: Ich hätte am liebsten eine Gesellschaftsform, in der das Lebensrecht jedes Menschen vollkommen außer Frage steht und nicht irgendwelchen abstrakten Sachzwängen untergeordnet wird. Jeder Mensch soll in weit gehender Freiheit von Angst leben können. Jede Annäherung an dieses Ideal ist eine Verbesserung des gegenwärtigen Zustandes. (Link) […]

  3. Ok das Thema mit der Exponentialfunktion war wohl ein Missverständnis. a^x ist eine Exponentialfunktion. Soweit ok. Aber e^x ist DIE Exponentialfunktion, mit der Eulerschen Zahl als Basis. Was merken wir uns? Variablenname unglücklich gewählt von 124c41 und zu wenig nachgedacht von mir.

  4. […] nach endlos fortgesetztem exponentiellem Wachstum ist nicht erfüllbar. Dies gilt auch unter optimistischsten Annahmen bezüglich der zukünftigen technischen Entwicklung. Eine solche Forderung für erfüllbar zu halten, ist in ähnlicher Weise dumm wie es […]

  5. Zu Killerattacks: Ich habe den wirklich muissverständlichen Variablennamen e jetzt gegen r ausgetauscht, um eine Verwechslung mit der Euler’schen Konstante unmöglich zu machen. Das hätte ich eigentlich beim Schreiben bemerken müssen…

  6. zu Killerattacks on Freitag, 22. Juni 2007 12:04

    dein schreiben mag ja logisch klingen, aber du vergisst eins. das geldsystem, oder noch genauer, das zinssystem. das ganze ding ist eine erfindung von verbrechern für verbrecher und bringt nur eins. nur die bonzen werden immer reicher und der rest fristet in sklaverei für die bonzen ihr dasein.

    bilde mal deine neuronen ordentlich!
    aber nicht mit dem müll was mir dir so in der schule und im studium und in den massenmedien ins hirn donnert!
    ein anfang kannst du hier machen:
    „Fabian – Gib mir die Welt plus 5 Prozent“


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