Der Name des Traumas

Es ist ja schön und aufklärerisch und gut, dass Telepolis über die durchaus nahe liegende Möglichkeit schreibt, dass der gegenwärtige Innenminster der BRD, Wolfgang Schäuble, unter einer „posttraumatischen Belastungsstörung“ leiden könnte. Die damit verbundene Trübung seiner Wahrnehmungsfähigkeit könnte durchaus eine Erklärung für den gegen das Grundgesetz und gegen die elementaren Bürgerrechte gerichteten Amoklauf des braunen Bruders aus Berlin sein.

Aber nehmen wir diese Vermutung einmal — mit ziemlich gutem Grund — als der Wirklichkeit nahe kommend an: Es ist weder eine Entschuldigung für Schäuble noch ein allerkleinster Grund zur Beruhigung. Ganz im Gegenteil, sollte diese Vermutung auch nur teilweise stimmen, so ist das ein schriller Alarmton, der jeden wachen Menschen zum Widerstand gegen den gegenwärtigen p’litischen Filz in der BRD rufen muss. Jawohl, gegen den ganzen Berliner Filz, gegen die gesamte, totalitär gewordene „Mitte“ und gegen die p’litischen Parteien der BRD, die sich schon längst verselbstständigt haben und sich nun daran machen, die letzten, erbärmlichen Reste von Demokratie in einem empörenden Abbau in kleinen Schritten in eine Demokratur zu verwandeln; keineswegs nur gegen die Einzelperson Schäuble mit ihrem offenbaren Realitätsverlust.

Es ist ja nicht so, dass W.S. nicht aus einem gewissen Kontext heraus an das Amt eines Bundesministers gekommen wäre. Wenn die Vermutung stimmt, dass es sich um einen schwer traumatisierten Menschen handelt, denn kann das niemanden entgehen, der regelmäßig mit ihm zusammenarbeiten muss. Auch der Telepolis-Artikel macht da eine Andeutung, bei der leider auf die Nennung von Namen verzichtet wird:

[…] auch Mitarbeiter von Länderministerien, die hinter vorgehaltener Hand Berichte von sich geben, welche über die gewohnten Spitzen unter Politikern weit hinausgehen: nämlich, dass Schäuble in Ausschusssitzungen „regelmäßig durchdreht“ und ein „echt tragischer“ Fall sei.

Dennoch war man innerhalb der CDU, insbesondere innnerhalb jener Strukturen der CDU, die solche strategischen Entscheidungen treffen und später durchsetzen, der Meinung, dass dieser Mensch nicht in eine Psychotherapie gehört, sondern in einen Bundesministerposten mit einem äußerst empfindlichen Aufgabenbereich. Diese Meinung wird auch trotz der immer untragbareren, gegen die Grundrechte der Menschen in der BRD gerichteten Entgleisungen Schäubles weiterhin laut und offen vertreten, wie sich etwa heute in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung nachlesen lässt:

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble erhält für seine Pläne zur Verschärfung der Sicherheitsgesetze Unterstützung aus Niedersachsen. „Die Gefahr eines terroristischen Anschlags in Deutschland war noch nie so groß wie in diesen Tagen“ sagte Innenminister Uwe Schünemann.

Es ist eine p’litisch-taktische Entscheidung, diesen Rasenden W.S. mit den Aufgaben des Innenministeriums zu betrauen. Diese Entscheidung wurde mit Sicherheit nicht ohne Wissen um die Konsequenzen und das zu erwartende Auftreten dieses Fleisch gewordenen Traumas für die Demokratie in der BRD getroffen, sondern unter bewusster Inkaufnahme einer solchen Entwicklung — was sich auch daran zeigt, dass trotz der verfassungsfeindlichen Bestrebungen dieses Auswurfes des BRD-P’litikbetriebes nicht aus ebendiesem P’litikbetrieb die laut werdende Idee aufkommt, dass man diesem Menschen die Entlassungsurkunde aushändigen sollte.

Die Forderung, nur Schäuble zu stoppen, ist kurzsichtig. Jemand wie Schäuble ist trotz und wegen seines persönlichen Leidens für die schlimmsten gegenwärtigen p’litischen Ideen in der BRD überaus nützlich. Jeder aus der P’litmafia der BRD muss den anhaltenden und gefährlichen Realitätsverlust Schäubles in der täglichen Arbeit bemerken, und dennoch wird diese untragbare Person von den Entscheidungsträgern der p’litischen Parteien weiter getragen.

Weil Wolfgang Schäuble eine nützliche Person ist. (Sein persönliches Leiden und Trauma wird dabei gezielt in zynischer Weise ausgebeutet, aber was erwartet man von Menschenfeinden!)

Werfen wir einmal einen Blick zurück in das Regime des Bundeskanzlers Schröder — dieser hat wie kein populistischer P’litiker der BRD zuvor verstanden, wie man mit den zentral organisierten Massenmedien P’litik machen muss. Eine seiner Ideen der Massenmanipulation war besonders vortrefflich und wirksam. Schröder hat seine so genannten „Reformen“ — die immer ein Abbau bislang selbstverständlicher Lebensrechte für die Menschen beinhalteten — mit gewissen Namen verknüpft; der prominenteste dieser Namen ist gewiss Peter Hartz, der sich mit der asozialsten Sozialp’litik in der Geschichte der BRD verbindet.

Das war ein überaus geschickter Zug voller widerlicher Schläue. Ein an sich eher abstraktes Verfahren der Gesetzgebung erhielt einen Namen und ein Gesicht. Bis heute sprechen die Menschen in der BRD von den „Hartz-Reformen“ und nennen die neue Form der Massenarmut „Hartz-IV“, wie wohl diese Zustände doch in Wirklichkeit allein auf die p’litischen Beglückungsideen eines Gerhard Schröder zurück gehen und von der gesamten SPD mitgetragen wurden. (Nur Oskar Lafontaine hat sich damals entschieden und aufrecht verweigert, interessanterweise ist das medial in Vergessenheit geraten.) Die verständliche Wut der Betroffenen wurde auf eine Person gerichtet, die überhaupt nicht die Möglichkeiten hatte, ein Gesetz zu erlassen. Dieser hinterfotzige p’litische Kalkül ging immerhin so weit auf, dass die SPD immer noch mit „sozialen Themen“ p’litische Werbung machen kann — zum großen Glück haben sich die Menschen aber nicht völlig verarschen lassen.

Völlig vergessen scheint es aber jetzt im Massenbewusstsein zu sein, dass die an den Namen des bestechenden Zuhälters „Peter Hartz“ gebundenen so genannten „Reformen“ von der gesamten p’litischen Kaste aufrecht gehalten werden, obwohl sie praktisch gescheitert sind.

Eine ähnliche Rolle ist im gegenwärtigen p’litischen Kalkül der „großen Koalition“ Wolfgang Schäuble zugedacht. Die von ihm ausgehenden Maßnahmen zum Abbau der Lebens- und Bürgerrechte verbinden sich mit seinem Namen. Wenn kein nennenswerter Widerstand aus der Bevölkerung kommt, ist es so gut wie sicher, dass einige seiner schlimmsten Ideen in Kürze Gesetz werden — auch das Grundgesetz kann mit der Zweidrittelmehrheit des gegenwärtigen Regimes ein wenig „angepasst“ werden. Wenn in Zukunft Soldaten der Bundeswehr auf die Bevölkerung der BRD schießen, wenn in Zukunft Geheimdienste und Polizei in der BRD zusammenwachsen, dass die Stasi der DDR dagegen harmlos wirkt, wenn in Zukunft jeder Mensch in der BRD erkennungsdienstlich behandelt wird, wenn in Zunkunft Computer ohne besondere Kontrollmechanismen heimlich durchsucht werden können, denn wird sich diese neue „deutsche demokratische Republik“ vor allem mit dem Namen, dem Gesicht, dem Trauma und dem Rollstuhl Wolfgang Schäubles verbinden.

Und genau das ist offenbar von jenen antidemokratischen Planern beabsichtigt, die lieber heute als morgen einen anderen Staat hätten und die das einst Begonnene im gleichen Geiste fortsetzen werden, nachdem Schäuble längst in der p’litischen Bedeutungslosigkeit (und hoffentlich auch bei einem guten Therapeuten) gelandet ist. Wolfgang Schäuble ist der geplante Name des deutschen Traumas, an dessen Ende Demokratie und Rechtsstaat beseitigt sein werden — damit jene Verbrecher in Sicherheit leben können, die jeden Tag die Interessen der Menschen in Deutschland meistbietend verkaufen.

Nicht Schäuble muss gestoppt werden. Dieser ganze, bis ins Mark korrupte Haufen, der die Geschicke der BRD steuert, muss gestoppt werden. So lange es noch ohne Blutvergießen geht.

10 Kommentare

  1. […] Der Name des Traumas « Wut! (tags: politik schäuble) […]

  2. […] Der Name des Traumas (von wwut.wordpress.com) „> […]

  3. Es muss heissen: „letzte Reste von Anschein von Demokratie“
    Echte (direkte) Demokratie hat es in diesem Land noch nie(!) gegeben.

    Den Begriff „Demokratur“ halte ich für zu harmlos um die Lage angemessen in Worte zu fassen. Hört sich so nach einem Gemenge aus Demokratie und Diktatur an. Das veschleiert aber den eigentlichen Charakter dieses Systems, dass eben mit echter (direkter) Demokratie noch nie etwas am Hut hatte. Das was wir derzeit an Volkgesetzgebung oder Bürgerentscheiden haben sind bestenfalls annähernd direktdemokratische Verfahren, aber noch lange keine Demokratie, denn dazu Bedarf es uneingeschränkter Volkssouveränität oder zumindest ansatzweise eine solche. Dem ist aber nicht so: die Macht liegt nicht beim Volk sondern den Institutionen.
    Und deswegen kommt „Institutionelle Diktatur“ der Sache schon wesentlich näher. Ausser mir traut sich das aber wohl keiner zu sagen, weil es anscheinend von Diktatur wohl verbreitet nur die Vorstellung einer totalitären Diktatur gibt. Vergessen wird aber, dass es sich auch in Nazi-Deutschland, wenn man nicht gegen die Nazi-Herrschaft opponierte oder eine Sündenbockrolle augezwungen bekam wie die Juden, sehr „gut“ und „frei“ leben konnte und wer mitmarschierte noch besser. Auch in der DDR lebte der oder diejenige, der/die sich anpasste oder dem Regime gar dorthin kroch wo die Sonne nie scheint, auch gut bis sehr gut. Nur wer’s Maul aufmacht, bekam eins drauf oder wer es wagte sich seine Freiheit zu nehmen, der wurde erschossen. Das macht die totalitäre Diktatur aus. Die institutionelle Diktatur hat es nicht nötig Kritiker tot zu machen, ihr reicht es sie quasi mundtot zu machen. Sprich: jeder kann sagen was er will, solange es keinen Arsch interessiert. Wer zu laut „Unrecht“ ruft dem wird eine Brassband „zur Seite“ gestellt die in voller Lautstärke spielt. Und Gewalt beantwortet die institutionelle Diktatur genauso mit Gewalt wie die totalitäre. Sie wird nur nicht offen brutal angewendet, sondern institutionell scheinlegitimiert.
    Wenn man es netto betrachtet, dann ist HartzIV was die Toten angeht schon jetzt „effektiver“ als der gesamte „Anti-faschistische Schutzwall“ es je gewesen ist. Die neue Mauer ist nicht aus Beton, sondern aus Paragraphen. Die neuen Mauerschützen sind keine Soldaten einer Armee, sondern Sesselfurzer mit Ärmelschonern und schwarzen und roten Roben.

    Rechtsstaat und Demokratie beseitigen? Wo nichts ist kann auch nichts beseitigt werden. Die institutionelle Diktatur nutzt nur jeden Vorteil um die Daumenschrauben anzuziehen!

  4. […] ausführlicher nahm sich der Unterschichtler des tragischen Falles an. 28 14 1f 27 […]

  5. Ich glaube eher nicht, daß Attentat,Lähmung und etwaige daraus resultierende Traumatisierung des Herrn Schäuble der entscheidende Faktor sind für den Wunsch,alle Deutschen biometrisch zu erfassen. Auch andere Politiker und vor allem der Großteil der Bevölkerung hat den Wunsch nach pauschalen ” Sicherheitsmaßnahmen”. Der Grund dürfte eher in einer Gesamttraumatisierung der westlichen Welt nach dem Ende des Kommunismus zu suchen sein. Wessen Löhne nicht sicher sind, wer trotz als zukunftssichernd beschriebener Ausbildung nur eine Perspektive als Dauerpraktikant vor sich sieht, der entwickelt ein Trauma, und zwar ein anhaltend-aktuelles, kein ” posttraumatisches”.Dieses Trauma nicht in uns selbst, sondern ausschließlich in einem Attentatsopfer zu verorten, könnte man wohl mit projektiver Abwehr erklären. Man sollte also eher darüber diskutieren, inwieweit die angesprochenen Sicherheitsmaßnahmen sinnvoll sind, das eigene Trauma zu bewältigen. So vernünftig die angesprochenen Maßnahmen auch sind zur Bekämpfung von normaler Kriminalität, so sinnlos sind sie gegen eine Entsicherung der Lebensgewohnheiten durch einen Extremkapitalismus und so sinnlos sind sie auch gegen die Kampfform des Terrorismus. Ich fürchte, daß sich durch die biometrische Erfassung aller Deutschen( die DNS-Erfassung wird sicher in einigen Jahren, vielleicht nach einem Terroranschlag, kommen) eher deren Bereitschaft zu obrigkeitsstaatshörigem Verhalten bestärkt. Diese Entwicklung hat aber schon vor sehr langer Zeit, nämlich nach der Niederschlagung der 1848er-Revolution begonnen und scheint mir das konstituierende Element der Deutschen über alle politischen Systeme hinweg zu sein. Ausdruck dieser mangelnden Freigeistigkeit heutzutage scheint mir der Kampf gegen rechts zu sein, der schon vor einigen Jahrzehnten mit der Einführung der Volksverhetzungsgesetzgebung begann und heute geradezu ” staatsreligiöse” Formen angenommen hat. Diese meine Sichtweise hat sicherlich damit zu tun, daß ich einen geistig liberalen Nationalismus und einen gemäßígten Rassismus als Lösung der Unsicherheitsproblematik der heutigen Zeit ansehe. Dies wird aber wohl erst mal mein Wunschtraum bleiben, die aktuelle Entwicklung deutet eher auf ein Abkippen der europäischen Staaten in Richtung islamistische Diktaturen in einigen Jahrzehnten hin, wenn die genetische Basis der europäischen Staaten sich entsprechend geändert hat.

  6. […] ausführlicher nahm sich der Unterschichtler des tragischen Falles an. 28 14 1f 27 […]

  7. hmm, bei der Polizei werden persönlich betroffene nicht an einem Fall arbeiten, aber so einer dar Innenminister sein…

  8. […] Zusammengesetztes Hauptwort. Bezeichung der Fortbewegungsart eines fleischfressenden Tieres, dass mit seinesgleichen im Rudel Jagd auf unaufmerksame Mitlebewesen […]

  9. […] Warten wir mal, wie viel Widerstand des Parlamentes und der medial aufgeputschten Massen dem Entrechtungsminister Wolfgang Schäuble nach Heiligendamm noch […]

  10. […] der extremistischen Mitte durchgeführten Maßnahmen zur Beseitigung bürgerlicher Rechte mit seinem Namen, seinem Trauma und seinem Rollstuhl zu verknüpfen. Dieses leider auch in der deutschen Bloggosphäre sehr wirksame p’litische Manöver wird […]


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