Kleiner Rückblick in Zitaten

Ein kleiner Rückblick auf den erfreulichen Teil der Geschichte der BRD in Zitaten, natürlich einseitig und parteiisch ausgewählt. Die andere Seite entnehme der geneigte Leser den archivierten Massenmedien der BRD aus der Zeit von 1968 bis 1980.

Die Bildung der RAF 1970 hatte in der Tat spontaneistischen Charakter. Die Genossen, die sich ihr anschlossen, sahen darin die einzige wirkliche Möglichkeit, ihre revolutionäre Pflicht zu erfüllen. Angeekelt von den Reproduktionsbedingungen, die sie im System vorfanden, der totalen Vermarktung und absoluten Verlogenheit in allen Bereichen des Überbaus, zutiefst entmutigt von den Aktionen der Studentenbewegung und der APO hielten sie es für nötig, die Idee des bewaffneten Kampfes zu propagieren. Nicht weil sie so blind waren, zu glauben, sie könnten diese Initiative bis zum Sieg der Revolution in Deutschland durchhalten, nicht weil sie sich einbildeten, sie könnten nicht erschossen und nicht verhaftet werden. Nicht weil sie die Situation so falsch einschätzten, die Massen würden sich auf ein solches Signal hin einfach erheben. Es ging darum, den ganzen Erkenntnisstand der Bewegung von 1967/68 historisch zu retten; es ging darum, den Kampf nicht mehr abreißen zu lassen.

Ulrike Meinhof im Jahre 1975 über die Gründung der RAF.

Für die Ausrottungsstrategen von Vietnam sollen Westdeutschland und West-Berlin kein sicheres Hinterland mehr sein. Sie müssen wissen, dass ihre Verbrechen am vietnamesischen Volk ihnen neue, erbitterte Feinde geschaffen haben, dass es für sie keinen Platz mehr geben wird in der Welt, an der sie vor den Angriffen revolutionärer Guerilla-Einheiten sicher sein können.

Aus dem Bekennerschreiben des „Kommando Petra Schelm

Springer ging lieber das Risiko ein, dass seine Arbeiter und Angestellten durch Bomben verletzt werden als das Risiko, ein paar Stunden Arbeitszeit, also Profit, durch Fehlalarm zu verlieren. Für die Kapitalisten ist Profit alles, sind die Menschen, die ihn schaffen, ein Dreck. – Wir sind zutiefst betroffen darüber, dass Arbeiter und Angestellte verletzt worden sind.

Aus einem Brief, der verschiedenen Zeitungen nach dem Anschlag auf das Axel-Springer-Haus am 19. Mai 1972 zugestellt wurde. Es hatte im Vorfeld des Bombenanschlages mehrere Warnanrufe gegeben, da der Anschlag nicht den Arbeitern, sondern den Produktionsmaschinen für die Springer-Presse gelten sollte. Diese sehr deutlichen Warnungen wurden beim Springer-Verlag vollständig ignoriert. Was ein Anschlag für die betroffenen Menschen bedeutet, war den Verantwortlichen gleichgültig.

Das Gefühl, es explodiert einem der Kopf. Das Gefühl, die Schädeldecke müsste eigentlich zerreißen, abplatzen. Das Gefühl, es würde einem das Rückenmark ins Gehirn gepresst Das Gefühl, die Zelle fährt. Man wacht auf, macht die Augen auf: die Zelle fährt, nachmittags, wenn die Sonne reinscheint, bleibt sie plötzlich stehen. Man kann das Gefühl des Fahrens nicht absetzen. Rasende Aggressivität, für die es kein Ventil gibt. Das ist das Schlimmste. Klares Bewusstsein, dass man keine Überlebenschance hat. Völliges Scheitern, das zu vermitteln. Besuche hinterlassen nichts. Eine halbe Stunde danach kann man nur noch mechanisch rekonstruieren, ob der Besuch heute oder vorige Woche war. Einmal in der Woche baden dagegen bedeutet: einen Moment auftauen, erholen – hält auch für ein paar Stunden an – Das Gefühl, Zeit und Raum sind ineinander verschachtelt…

Ulrike Meinhof zu den Bedingungen ihrer Isolationsfolter.

Festschnallen, zwei Handschellen um die Fußgelenke, ein 30 Zentimeter breiter Riemen um die Hüfte, linker Arm mit vier Riemen vom Handgelenk bis zum Ellenbogen… von rechts der Arzt auf’n Hocker mit ’nem kleinen „Brecheisen“. Damit geht er zwischen die Lippen, die gleichzeitig mit den Fingern auseinander gezogen werden, und dann zwischen die Zähne und hebelt die auseinander. Sowie die Kiefer weit genug auseinander sind, klemmt, schiebt, drückt der Sani von links die Maulsperre zwischen die Zähne… Verwendet wird ein roter Magenschlauch, mittelfingerdick…

Holger Meins über die Zwangsernährung zur Bekämpfung des Hungerstreiks, mit dem die der Isolationsfolter ausgesetzten Häftlinge der RAF kleinere Verbesserungen ihrer Haftbedingungen erreichen wollten. Erst, als Holger Meins am 9. November 1974 an den Folgen dieses Hungerstreiks starb, kam es infolge massenhafter Proteste in der gesamten BRD zu minimalen menschlichen Standards in der Haft der RAF-Mitglieder und die psychische Zersetzung der Menschen durch Isolationsfolter wurde aufgegeben.

Zu Ponto und den Schüssen, die ihn jetzt in Oberursel trafen, sagen wir, dass uns nicht klar genug war, dass diese Typen, die in der Dritten Welt Kriege auslösen und Völker ausrotten, vor der Gewalt, wenn sie ihnen im eigenen Haus gegenübertritt, fassungslos stehen.

Susanne Albrecht zur missglückten Entführung und eher zufälligen Ermordung des Bankiers Jürgen Ponto.

Wer nicht kämpft, stirbt auf Raten.

Rote Armee Fraktion, Kommando Ulrich Wessel. (Die Authetizität dieses Zitates ist nicht sicher, da spätestens die „dritte Generation“ der RAF weit gehend von Mitarbeitern der deutschen Polizeibehörden unterwandert war und diese Bedingung sicher auch manchmal für die Beeinflussung der breiten Meinung ausgenutzt wurde, wenn dies p’litisch nützlich erschien.)

Der unbewaffnete Kampf geht weiter!

Der bewaffnete Kampf durch die RAF ist vollständig gescheitert. Aber die Auswirkungen des „unbewaffneten Kampfes“ sind auch nicht gerade überzeugend. Damals mussten ein paar der großen Verbrecher wenigstens noch Angst um ihre Ärsche haben, heute ist ihr Volksverkauf angstfrei und völlig hemmungslos.

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