Meinungsfreiheit erklärt

So, liebe Kinder, jetzt passt mal auf: Ich erkläre euch heute, was diese „Meinungsfreiheit“ ist. Und auch, wo sie herkommt und was daraus wird, wenn es in Deutschland so weiter geht. Wenn ihr das gelesen habt, wisst ihr vielleicht auch, warum dieser Text auf einem Rechner in den USA liegt.

Die hatten wir nicht immer in Deutschland, diese „Meinungsfreiheit“. Es gab auch ganz andere Zeiten.

Damals hatten wir zum Beispiel mal den bösen Onkel Hitler als Kanzler. Das war der, der immer so gebrüllt hat, und alle haben sie ihn dafür geliebt, dass er immer so gebrüllt hat. Nur zugehört haben sie ihm nicht, denn ein paar Jahre später, nach dem Krieg, hat keiner mehr gewusst, was der so gebrüllt hat. Obwohl sie alle mitgemacht haben, was er von ihnen wollte. Das müsst ihr euch so ähnlich vorstellen wie so ein Konzert der Rolling Stones, nur dass der Hitler keine Band dabei hatte. Der Jubel war aber ganz genau so.

Aber ich schweife ab.

Beim Onkel Hitler, dem alten Schreihals, da gab es keine „Meinungsfreiheit“. Wer eine Meinung zu den Zuständen in Deutschland hatte, der hat die besser für sich behalten. Außer natürlich, es war die Meinung vom Onkel Hitler, da konnte man natürlich drüber reden. Wenn man aber über andere Meinungen geredet hat, denn kam die Gestapo und hat einen in so ein Lager mitgenommen. So ein ähnliches Lager, wie es die Amis jetzt in Guantanamo haben. Und da wurde einem diese falsche Meinung mit so einer Art Erziehung für Erwachsene abgewöhnt.

Aber der Hitler, der war ein ziemlicher Schwachkopf. Der hat sich für einen großen Klingonen gehalten und wollte einen Krieg gegen alle. Den konnte er natürlich nicht gewinnen, aber wollte ihn trotzdem. Und für den Fall, dass er diesen Krieg nicht gewinnt, wollte er sich selbst umbringen. Der war echt ein bisschen romantisch. Aber das hat ihm noch nicht gereicht. Nach Stalingrad wollte er auch noch alle Deutschen umbringen, bevor er sich endlich selbst alle macht. Deshalb dieser „Volkssturm“. Das hat er zum Glück nicht geschafft, das Umbringen aller Deutschen.

Denn es kamen ja die Befreier.

Die Russen, die Franzosen, die Tommies und die Amis haben zusammen den Krieg gegen Deutschland gewonnen. Und denn haben sie sich erstmal ein bisschen bedient hier, wie man das eben so macht, wenn man einen Krieg gewonnen hat. Das kennt ihr doch noch, wie die Amis im Irak gegangen sind. Da haben sie auch erstmal das Ölministerium in Baghdad besetzt, scheiß auf den Saddam Hussein! Aber es war ja nicht so viel übrig in Deutschland zum Mitnehmen, es war ja alles kaputt. Ein paar Ingenieure haben sie natürlich mitgenommen, die haben denn später die Amis zum Mond geschossen. Das waren zwar alles stramme Nazis, diese Leute um Werner von Braun, aber das hat den Ami nicht gestört. Hauptsache, es waren keine Kommunisten.

Und denn haben sie wieder ein neues Deutschland machen wollen, die Befreier. Man kann ja nicht ständig hunderttausende von Leuten dalassen. Die waren sich aber nicht so einig, wie das neue Deutschland denn nun sein soll, und da haben die Russen ihr eigenes Ding gemacht, die DDR. Das war aber nicht so toll, da mussten sie denn später so einen Zaun drum machen, damit die Leute nicht rauslaufen. Aber das ist ein ganz anderes Thema.

Ich schweife schon wieder ab. Ich will euch doch eigentlich etwas über diese „Meinungsfreiheit“ erzählen.

Wir waren ja nicht in der DDR, wo es so etwas nicht gab, wir waren ja in Deutschland.

Und da haben die Tommies, die Amis und die Franzosen ihre Vorstellungen von Staat verwirklicht. So eine „repräsentative Demokratie“, mit einer Verfassung und mit Wahlen und freier Wirtschaft und so weiter. Das kennt ihr doch bestimmt aus dem Fernsehen.

Und da haben sie den paar Leuten, die das Grundgesetz geschrieben haben gesagt: „Ihr müsst da so ein paar Grundrechte reinschreiben, wie wir se auch haben. Das könnt ihr einfach abschreiben.“

Und die Leute, die das Grundgesetz geschrieben haben, sagten nur: „Aber wir können doch gar keine P’litik machen, wenn die Leute so viele Rechte haben. Können wir diesen Teil nicht weglassen?“

Und ihnen wurde gesagt: „Nein, schreibt das mal ruhig rein. Wir leben auch damit, und wir können auch P’litik machen. Das hat alles im Alltag keine Wirkung. Zum Beispiel das mit der Meinungsfreiheit. Lasst es die Leute doch ruhig erzählen, wenn sie eine Meinung haben. Das interessiert doch keine Sau. Denn rülpsen die Leute halt ihre Meinung am Stammtisch in den Bierdunst raus, und denn wird sie wieder vergessen. Aber frei fühlen sie sich. Und ihr wisst ja, dass wir dem Axel Springer schon mit unserem Besatzerrecht zum Verleger gemacht haben, der wird schon dafür sorgen, dass hier nicht zu viel gefährliche andere Meinung aufkommt. Euch wird schon nichts an eurer P’litik hindern.“

Und so kam dieser Artikel in das Grundgesetz. Jeder kann hier seine Meinung sagen. Das klingt fast so, als wären wir alle gleich, sind wir aber nicht. Wenn du mit deiner meinung mehr als ein paar Leute erreichen willst, denn musst du deine Meinung schon in die Medien bringen, und da hört die „Gleichheit“ denn wieder auf. Die Medien sind in den Händen von wenigen Leuten mit klarer p’litischer Ausrichtung, und das FernSähen ist gleich halbstaatlich. So hat diese „meinungsfreiheit“ noch keine Regierung in Deutschland an der P’litik gehindert. Man hätte den Artikel besser die „Stammtischfreiheit“ nennen sollen. Aber denn hätten es die Leute ja gemerkt, wie wenig das „Recht“ wirklich wert ist.

Aber seit es das Internet gibt, kriegen die P’litiker so eine Angst. Denn jetzt können die Leute nicht nur am Stammtisch reden, sondern auch im Internet schreiben, und das können denn ganz viele andere Leute lesen. Das damalige „Grundrecht“ auf „Meinungsfreiheit“ kannte eben nur den Stammtisch und die Presse, damit gab es noch keine Probleme. Der Stammtisch hatte nur eine psychologische, aber keine gesellschaftliche Bedeutung, und die Presse war relativ leicht beherrschbar. Als später der Rundfunk dazu kam, war das auch so ein Ding, auf das nur wenige Leute gestalterischen Zugriff hatten. Es war immer noch wie die Presse; zentral von wenigen Menschen gesteuert und damit kontrollierbar. Kein Problem für die P’litik.

Aber jetzt, durch das Internet, kann jeder Mensch etwas schreiben, und jeder Mensch kann lesen, was andere Menschen geschrieben haben. So eine ganz klitzekleine Meinung, so eine wie meine, kann auf einmal überall gelesen werden. Auf einmal finden sich verstreute Leute, die sonst niemals etwas voneinander gehört hätten. Und denn reden die miteinander, so über das Internet mit Mails und auf anderen Wegen, und denn stellen sie dabei fest, das sie nicht allein sind. Nicht allein mit ihrem Gefühl, verarscht und verkauft und wie Scheiße behandelt zu werden. Und denn entsteht manchmal so etwas, was die Sozen früher „Solidarität“ genannt haben, und das finden die P’litiker gefährlich. Die wollen nämlich nur die ganzen Leute in Deutschland verkaufen, an den, der am meisten dafür zahlt. Und damit das problemlos und ohne Widerstand geht, müssen die Leute dumm, vereinsamt, unsicher und ängstlich sein. Man nennt das auch „entsolidarisiert“, wenn man nicht wie ein Proll redet.

Das sind zwar im Moment nur ein paar Menschen, die das Internet so nutzen, und es liest auch kaum jemand diese Leute. Aber das reicht schon, um den P’litikern echte Angst zu machen. Da könnt ihr mal sehen, wie krank die im Kopfe sein müssen, Kinder. Und mit dieser Angst, damit machen die jetzt P’litik.

Jetzt könnten die ja einfach diese „Meinungsfreiheit“ aus dem Grundgesetz streichen. Sie haben ja auch die passende Mehrheit im Reichstag. Aber denn können sie uns ja nichts mehr von diesen „freiheiten“ erzählen, die wir überall in den nächsten Kriegen „verteidigen“ sollen. Da würde ja jeder gleich merken, was das für verlogene Lumpen in Berlin sind.

Deshalb lassen sie das mit dieser „Meinungsfreiheit“ einfach im Grundgesetz stehen. Und machen dazu einfach ein anderes Gesetz, das so genannte „Telemediengesetz“ – damit die „Meinungsfreiheit“ wieder ein „Recht“ nur für die Stammtische wird

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3 Kommentare

  1. In der Tat wird es heutzutage sehr viel über Tyranei in asiatischen Ländern geredet, in Russland auch soll angeblich eine undemokratische Regime an der Macht sein. In „aufgeklärten“ westlichen Ländern hingegen soll freie Demokratie herrschen. Na ja, das war die Wahrheit, die uns Axel Springer-Verlag beibringen soll („Bild“, „Zeit“ etc.)
    Wirklichkeit aber sieht so aus, dass es nicht mehr so viele bis gar keine Unterschiede zwischen herrschenden Regimen auf der ganzen Welt gibt.
    Stichwort: Globalisierung.
    Und es wäre wirklich dumm zu glauben, dass MILLONEN von Menschen tatsächlich an der Regierung des Landes teilmehmen können. Bei den sogenannten „Wahlen“ hat man ja nun wirklich keine richtige Wahl – die sog. Parteien unterscheiden sich voneinander nicht so sehr.
    Daher ist ganz verständlich, dass Internet als neue Kommunikationsplattform der Herrscher-Kaste Angst macht.
    Diese Plattform kann ja dazu dienen, dass die Leute endlich aktiv werden, ihr wirklicher Wert und ihre Macht begreifen und in Anspruch nehmen. Es kann ja tatsächlich eine Demokratie entstehen!
    Daher muss das Internet unter Kontrolle gebracht werden und in seiner heutigen Form erwürgt werden.
    Zumal es lässt sich auf dieser künftig gut überwachter Plattform sehr viel Geld machen.
    Machtverteilung, wie schon lange zuvor in realer (nicht interaktiver) Welt stattgefunden hat.
    Wartet auf das Internet das Gleiche? Und wir werden einfach nur von der Seite beobachten?

  2. netter Beitrag (auch wenn ich den Schreibstil etwas anstrengend finde).
    Qlfn9 sei gesagt, dass sich „Die Zeit“ nicht im Hause Axel Springer befindet, sondern im Hause Georg von Holtzbrinck. Ist ja nicht schlimm, „Die Zeit“ zu kritisieren, aber doch nicht soweit unter der Guertellinie 😉

  3. […] Vergesst kino.to! Zensiert werden Jörg Kachelmann; AEP-D; Attac; Sportwetten; Radio Fritz; stets und überall in Deutschland alle Blogger; Internetbertreiber außerhalb der „Sendezeiten“; das Pottblog; Flickr; das ELO-Forum; alle Aufklärer über Euroweb; die Aktion Nazifreies Dresden; einige Aufklärer über Kindesmissbrauch in der röm.-kath. Kirche; Meine Zwangsanmeldung; Aufklärer über Bauernfänger mit Schneeballsystemen; Menschen, die gegen die Zustände im Wikimedia Deutschland e.V. protestieren; alle Kinos; das Womblog mit Informationen über politische Bewegungen in Lateinamerika; Satire mit Zielrichtung Abmahnanwälte; Menschen, die harmlos, kreativ und satirisch auf technische Fehler in einer Website hinweisen; Menschen, die Vogeldarstellungen auf einer Satireseite benutzen; YouTube; alle Programmierer und Anwender von Freier Software; Anwender von Yahoo; Menschen, die die von der GEZ eingezogene Gebühr eine GEZ-Gebühr nennen; alle Google-Anwender; alle Programmierer und Nutzer von Computerspielen; Journalisten; alle Anwender der ehemaligen Plattform Google Video; das INSM-Watchblog; kritsche Verbraucher; Künstler, die sich kreativ mit der Boulevardpresse und ihrer Agitationsform auseinandersetzen; Computerspielespieler; Satiriker, die der Media-Markt-Reklame eine gebührende Antwort geben; politische Blogger; immer wieder Blogger; Dokumente, die die tödliche Verzweiflung eines jugendlichen Mörders und Selbstmörders beleuchten und der offiziellen und in den Massenmedien transportierten Darstellung offen widersprechen; Menschen, die die Zustände in der Innenstadt einer deutschen Großstadt nicht hinehmen wollen; und… und… und… und tausende, ja zehntausende weiterer derartiger Stimmen, die verschwinden gemacht oder doch zumindest eingeschüchtert und existenziell bedroht wurden, nur damit sie verschwinden mögen, aber die dabei so still und fern waren und sind, dass ich sie nicht bemerkt habe und nicht bemerken kann… dieses völlig unwichtige Scheiß-kino.to, das die aus Gewinnerzielungsabsicht generierten künstlichen Welten der Contentindustrie zur Untenhaltung und Ablenkung kostenlos konsumierbar machte, ist in alledem die entbehrlichste Site des Internet, und es wird morgen schon unter anderer Adresse wiederkommen, einfach, weil man viele wegen der objektiven Ödnis ihres Daseins nach etwas Trost, Bewusstlosigkeit und Bespaßung strebende Menschen so leicht mit Abofallen und Malware überrumpeln kann… und ihr werdet es auch in drei Monaten schon vergessen haben, ganz genau so, wie ein Aasfresse morgen den Kadaver nicht mehr kennt, der gestern noch seine Mahlzeit war… ich würde dieses kino.to sofort gegen fünfzig mittlerweile verschwundene, persönliche Blogs eintauschen, die mir das Internet einmal zum wärmeren und erträglicheren Ort gemacht haben, als noch nicht jedes menschliche Miteinander im Netz ein sozial optimierter Geschäftsvorgang sein sollte… und in alledem unvergessen bleibt mir, und hoffentlich nicht nur mir, welche Menschen (angebliche Vertreter irgendeines Volkes, zu dem ich allerdings nicht gehöre und von dem ich keinen Menschen kenne, der zu diesem Volk gehört) ein willkürlich und (da immer noch in Kraft, immer noch jederzeit) unkontrollierbar missbrauchbares Internetzensurgesetz in Rechtskraft gesetzt haben, weil diese reich geborene Fotze sehr zum Nutzen ihrer geldmächtigen Freunde dreist und politisch kindesmissbrauchend in die Welt gelogen hat — aber das mit Lügen, das tut sie ja immer noch. Wo die „Meinungsfreiheit“ in der BRD bleibt? Ach, ich erklärs mal für Kinder. […]


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