Nur Last bei Feinden

Entschuldige bitte, dass ich dich einfach so duze. Es erleichtert mir, in angemessener Form zu sagen, was gesagt werden muss. Wenn’s dich stört, mach einfach den Browser zu und die Glotze an! Vielleicht gibt’s da ja Fußball. Aber pups mich nicht voll! Außerdem redest du auch nicht anders und nicht einmal in Ansätzen höflich, wenn wir uns irgendwo begegnen. Also halt deine dreckige Fresse und reg dich nicht über so’n Kleinscheiß auf!

In meinem Ton bin ich noch zurückhaltend. Ich bin nämlich echt sauer. Stinksauer, weil irgendwelche dreisten und geldgeilen Verbrecher in meinem Namen eine einladung an dich aussprechen, die ich denn ausbaden soll. Wenn du nur einen Funken Anstand in deinem verrotteten Kopf hast: komm einfach nicht, bleib zu Hause! Wichs dir einen, friss etwas rohes Fleisch oder spiel ein bisschen mit deiner Scheiße rum! Aber erspar mir deine widerliche Anwesenheit!

Du bist nicht mein Freund. Ich bin nicht dein Freund. Und wir werden niemals Freunde werden. Tatsächlich wäre eine Welt ohne dich viel angenehmer, friedlicher, ruhiger und menschlicher.

Und dass du nicht mein Freund bist und ich nicht deiner, dass ändert sich auch nicht dadurch, dass die FIFA und die mir ihr verbündeten Geschäftemacher und sonstigen Gauner überall ausposaunen lassen, zur kommenden WM 2006 sei „die Welt zu Gast bei Freunden“ und sich damit erdreisten, auch für mich zu sprechen. Ich bin nicht dein Freund, sondern dein Feind. Du bist nicht mein Gast, du bist eine Last. Das ist die Wahrheit. Und kein werbender Gehirnpflug dieser Welt kann daran etwas ändern. Und ich hoffe trotz dieser allgegenwärtigen und plaktiven Werbebotschaft sehr, dass die Welt viel Erfreulicheres bereit hält als ausgerechnet dich. Und falls du jetzt denken solltest, ich sei mit dieser ganzen Haltung ein vereinsamter, weltfremder Sektierer: fast alle Menschen in meinem Umfeld sind im Großen und Ganzen der gleichen Meinung wie ich. Egal, was die FIFA und die breit wirksamen, vom Sport besoffenen Medien dazu sagen.

Also: verpiss dich, du stinkst!

Es ist ja nicht so, dass ich dich nicht kennen würde. Ich habe dich wieder und wieder erlebt, wenn ich beim Rausgehen einmal nicht auf Zeiten und Spielpläne achtete. Dann kamst du mir entgegen, du in der Horde deiner „Freunde“; dann zeigtest du dein Gesicht, dass so gar nichts mit den bunten und kindischen Grinsfressen im offizjellen Logo der FIFA für diese Weltmeisterschaft zu tun hat.

Da bist dann du und deinesgleichen auf dem Weg ins Stadion oder auf dem Heimweg: ein besoffener, brüllender, kranke Gewaltbereitschaft ausstrahlender Mob, der mit primitiver und barbarischer Lust seine Bierflaschen auf den Wegen zu scharfen Scherben knallen lässt und dazu fremdenfeindliche Naziparolen schreit. Ein haufen stummer, verkleideter Bückgeister der jetztzeit, die sich zusammentun und lautstark den entfesselten Spießbürger aufführen, dass einem beim Vorbeigehen, Zuhören und Hinschauen so richtig braun vor Augen wird. Morgen bist du wieder ein bedeutungsloses Stück Menschenmaterial im Prozess, der gegenwärtig über der Gesellschaft abläuft; morgen hast du wieder Angst um deinen Arbeitsplatz, nagende Zweifel an deiner Rente und fütterst dein verhungertes Herz mit den entmenschten Affekten der Bildzeitung, um bloß nicht zu merken, wie beschissen dein verkacktes Leben wirklich ist. Aber in deiner tierhaften Horde fühlst du dich so stark, da bietest du sogar mir noch eine frisch polierte Fresse an. Wenn’s die SA noch gäbe, du wärest gewiss begeistertes Mitglied und hättest große Freude am lustigen Mordbrennen zwischendurch. Den dumpfen Ruf „Deutschland, Deutschland!“ zum völligen Ausverkauf meiner Heimat kriegst du ja schon ganz gut hin — und du meinst mit diesem gebrüllten Wort nur das, was so stumpf ist wie du selbst.

Und darum hasse ich dich, du hirnlose Hackfresse. Ich würde dir das gern etwas freundlicher sagen, aber es wäre gelogen. Und es wäre jemanden wie dir, der alles menschliche verneint, überhaupt nicht angemessen.

Wenn du hier wirklich „Freunde“ suchst, versuch es doch mal bei der FIFA! Die sprechen schließlich dauernd davon. Aber schau dir genau an, wie die dich behandeln! Schau dir an, wie sie dich zu einem Datenstriptease zwangen und wie sie dich abzocken wollten, als du eine Eintrittskarte zu einem der Spiele kaufen wolltest! So behandelt man keine Freunde. Trotzdem meint man dort, dass es Umgangsformen sind, die dir angemessen sind. Und wenn ich dich so anschaue: sie haben Recht. Du bist eben komplett balla-balla. Man könnte glauben, du habest nicht mitgemacht, als die Affen Menschen wurden.

Vielleicht betrachtet dich ja die BRD, dieser komische Staat auf deutschem Boden, als Freund. Zumindest reden die ja immer davon, dass sie Gastgeber sind. Aber auch dort weiß man, was man von dir und einem Mob aus Deinesgleichen zu halten hat, Freundchen. Deshalb empfängt man dich der Sicherheit halber lieber mit der Bundeswehr, wohl weil die Waffen der Polizei nicht grobschlächtig genug sind. Eine durchaus zutreffende Einschätzung, die nur dadurch getrübt wird, dass wahrscheinlich zu wenig geschossen wird. Übrigens sollte man bei dir lieber nicht auf den Kopf zielen, es könnte das Ziel verfehlen.

Also geh zu deinen Freunden! Lass dich wie Scheiße behandeln, lass dich abzocken, lass dich erschießen! Und vor allem: Verpiss dich und lass mich mit deiner Gewalt und deinem Gebrüll in Ruhe!

1 Kommentar

  1. […] zum Brotaufstrich bis hin zum geschmacklosen Tinnef wird alles beballert beworben werden. Und die Barbaren, die in dieser künstlich geschaffenen Medienwelt leben, werden diese Spiele zu gern annehmen und […]


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