Terror

Der heutige Morgen in London war kein guter Morgen, wirklich nicht. Kurz nach 9 Uhr explodierten koordiniert in mehreren viel benutzten Bussen und U-Bahnen Bomben, verletzten oder zerfetzten ein paar ansonsten für die Massenmedien nicht weiter interessante Menschen und lieferten passende Bilder für die aktualitätshysterischen flackernden Volksempfänger.

Der Betrag meiner Anteilnahme mit den Opfern dieses Anschlages ist zu klein, als dass ich an dieser Stelle Anteilnahme heucheln möchte. Vielmehr fällt mir das große „Geschick“ der „Terroristen“ in der Wahl des Zeitpunktes und des Ortes auf. Wenn man dann dazu ein wirklich obskures Bekennerschreiben einer bislang nicht bekannten „islamistischen“ Gruppierung lesen darf, das natürlich anonymen Ursprungs und von gnadenlos schlechter Formulierung ist und darüber hinaus von jedem hätte geschrieben sein können, dann stellt sich mir als erstes die Frage nach dem Nutzen und den Nutznießern dieses brachial ausgeführten Mordens.

Der Zeitpunkt dafür war wirklich überlegt gewählt. Durch das G8-Gipfeltreffen war Großbritannien voll von Journalisten aller Art, so dass die Kunde vom Anschlag sich gewiss schnell verbreiten würde. Die Uhrzeit der Durchführung, kurz nach neun Uhr, war so gelegt, dass die große Morgenwanderung der Menschen zu ihren weit entfernten Arbeitsplätzen, der so genannte „Berufsverkehr“, gerade vorbei war, so dass die Anzahl der Opfer nicht so groß wurde. Die Stadt London ermöglicht als wichtiger europäischer Finanzplatz viele Annahmen zur Deutung einer unbekannten Intention. Das „weiche Ziel“ (dies ist der zynische Originalton der deutschsprachigen Massenmedien, es sind nicht meine Worte) Nahverkehr sorgt für eine Ausbreitung des Gefühls des persönlichen Bedroht-Seins in den breiten Massen der Bevölkerung, es könnte wahllos jeden treffen.

Gerade noch sprachen die so genannten „Staatsmänner“ auf dem G8-Gipfel über die Überschuldung der ärmsten Staaten dieser Welt, jetzt sprechen sie über die große Bedrohung durch den „islamistischen Terror“. Und zwar in den üblichen Phrasen. Sie sprechen davon, dass der Terror nicht gewinnen dürfe, dass es sich um einen Anschlag auf die Demokratie handele, dass diesem barbarischen Akt entschieden entgegen getreten werde und viel derart aufgeblähtem Blahs mehr.

Und der größte zurzeit lebende Terrorist auf dieser Welt, US-Präsident, Frommheuchler und Weltenbrandleger George „Warhead“ Bush, sprach von der Fortsetzung seiner staatlichen Terrormaßnahmen in der Welt – sorry, von der Fortsetzung seiner Kriege gegen den „Terrorismus“. Und wenn keine Gründe für solche Kriege da sind, dann denkt man sich eben mit allem Geschick der Geheimdienste ein paar mit gefälschten Belegen gestützte aus, wie etwa bei der völkerrechtswidrigen Zerschlagung des Regimes von Saddam Hussein im Irak, der ja auf so einem großen Haufen gefährlicher Massenvernichtungswaffen sitzen sollte.

Auch andernorts – und damit auch hier in der BRD – wird man in den nächsten Tagen viel von Sicherheit faseln. Gemeint ist mit diesem Wort die schleichende Abschaffung jener vorgeblich „unabdingbaren“ Rechte, die uns vor ein paar Jahrzehnten noch als deutlicher Vorzug unserer Gesellschaftsform gegenüber stalinistischen und sozialistischen Entwürfen angepriesen wurden. Das müssen wir dann eben hinnehmen, es könnte ja schließlich jeden treffen.

Eine sehr nützliche Angstausbreitung für jene Volksvertreter und Volksverkäufer, die unter weniger verängstigten Zuständen durchaus auch eine gewisse Furcht vor ihrer eigenen Bevölkerung haben müssten. Wenn man sieht, wer den Nutzen hat, dann könnte man fast denken, dass die gleichen Mächte dahinter stecken.

Bei aller Nutzbarmachung des Anschlages durch Polittreibende der westlichen Welt wird natürlich eine Kleinigkeit nicht erwähnt werden. Nämlich, dass die Stadt London die am stärksten kameraüberwachte Stadt Europas ist. Und, hat das einen derartigen Terroranschlag verhindern können? Auch die Einführung der Biometrie (also die Behandlung jedes Menschen als potentiellen Kriminellen), die Willkür computergestützter Rasterfahndung und selbst (wie in Israel durchgeführt) der Aufbau von Sperrzäunen können einen Terroranschlag nicht verhindern. Aber wie gesagt, das alles wird nicht weiter erwähnt werden, den Rest erledigt die flackernde Hirnzersetzung durch den Fernseher.

Wieso ich so fürchterbar teilnahmslos über die Toten und Verletzten des Anschlages hinweggehen kann?

Ganz einfach. Ich kenne diese Menschen nicht, ich habe es nur mit einem durch Massenmedien und jetztzeitigen „Journalismus“ hochgespülten Ereignis zu tun, das für mich ohne jede persönliche Bedeutung ist. Wäre ein persönlicher Freund unter den Opfern, dann sähe das etwas anders aus.

Und die Art, wie der Blick der Massen von der Journallie auf die „richtigen“ Ereignisse gelenkt wird, kann mich nur zynisch machen, weil sie selbst viel zynischer ist, als ich jemals werden könnte. An diesem Tag sind ungefähr 30 Menschen in London gestorben, vielleicht kommen noch mal 30 dazu. Ein großes menschliches Leid hängt daran. Ebenfalls an diesem Tag sind stumm und von aller Journallie unbeachtet zwischen 45.000 und 65.000 siechende Menschen verhungert, und zwar nicht, weil’s irgendwo Krieg, Missernte, Unwetter oder andere medienwirksame Ereignisse gibt, sondern als Folge eines täglichen Zustandes permanenter Unterernährung.

Unterdessen reicht die jetzige, durch Fleischproduktion ineffiziente
Weltnahrungsmittelproduktion schon dafür hin, zwölf Milliarden Menschen satt zu kriegen. Aber das ist ja ein Problem, diese Fülle, und deshalb werden viele Nahrungsmittel vernichtet, um die Preise stabil zu halten. Und es ist dann ein viel besseres Geschäft, wenn man laut werbend spricht, dass Gentechnik das Welthungerproblem löse, welches übrigens nur ein Gierproblem der Reichen und Satten ist. Und als besondere widerliche Form der Elendsausbeutung verkauft man dann den Elenden dieser Welt für teures Geld ein gentechnisch entwertetes Saatgut, dessen Früchte sich nicht mehr aussäen lassen – um aus dem Elend noch weitere wirtschaftliche Abhängigkeit zu schaffen.

Das nenne ich Terror! Und gegen diesen Terror führt keiner irgendeinen Krieg, da müssten sich die USA auch selbst bombardieren. Die Ereignisse in London wirken dagegen beinahe harmlos. Auch wenn der Eindruck für einen Medienbenutzer ein anderer sein mag.

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