Dieser außerhalb Niedersachsens viel zu wenig bekannte Mann ist Uwe Schünemann aus der Schieß- und Knüppelpartei CDU.
Er ist nicht nur ein ehemaliger Basketballspieler und ein immer noch aktiver Sportschütze, er ist auch Innenminister des BRD-Bundeslandes Niedersachsen. Als solcher ist er ein gewiss hoch kompetenter Mann, der seine Aufgabe sehr ernst nimmt. Und jetzt hat dieser professionelle Volksbeglücker mich getroffen, den Professor an dieser Fernuniversität des Terrors (nach dem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble). Denn er will mich in den Knast bringen, bevor sich Ströme von Blut durch die kleine Bananenrepublik in der Mitte Europs wälzen. Zu diesem Zweck hat er ganz tolle Pläne entworfen, den Paragrafen 131 des StGB zu erweitern:
In dem Entwurf Schünemanns heißt es, vom Paragrafen 131 würden nicht alle als schädlich anerkannten Spiele erfasst. Ein Verbot für die Herstellung und Verbreitung von Killerspielen könnte vor allem darauf abgestellt werden, dass ein wesentlicher Bestandteil der Spielehandlung “die aktive Teilnahme” der Spieler an der Tötung von Menschen oder menschenähnlichen Wesen sei.
Und damit komme ich endgültig in die Illegalität.
Manchmal, vor allem wenn ich mit einem Windows-Rechner zu tun hatte, spiele ich nämlich auch. Ich spiele ein Spiel namens XBill, und das sieht so aus:

Die Spielhandlung ist lächerlich einfach. Der Spieler betreut ein Netzwerk von Computern, die unter irgendwelchen Terror-Betriebssystemen wie Linux, NextStep, Solaris oder MacOS laufen. Der bekannte Kommerz-Hacker Bill versucht, in tausendfach geclonter Form in dieses Netzwerk einzudringen und das einzig wahre Standard-Betriebssystem auf den Rechnern zu installieren. Allerdings steuert der Spieler mit der Maus eine Würgehand, mit der er Bill-Clone zerquetschen kann, auf das sich der Angriff auf die Rechner in bluttriefendes Wohlgefallen auflöse.
Wie gesagt, dieses bisschen sinnloser Gewalt brauche ich zur psychischen Hygiene nach der Konfrontation mit Windows in seinen diversen Geschmacksrichtungen. Und was noch viel schlimmer ist: Ich habe das virtuelle Gemetzel an einen erfolgreichen Geschäftsmann auch schon anderen Menschen empfohlen. Es erfüllt klar die Kriterien für ein Killerspiel, ist doch klar,
[...] dass ein wesentlicher Bestandteil der Spielehandlung “die aktive Teilnahme” der Spieler an der Tötung von Menschen oder menschenähnlichen Wesen sei.
Das primitive Spiel wäre auch völlig sinnfrei, könnte ich nicht Herrn Gates in blutigen Matsch verwandeln. Und wenn ich jemandem dieses Spiel empfehle, es also verbreite, kann ich dafür zwei Jahre in den Knast kommen, wenn Herrn Schünemanns exquisite Kompetenz demnächst vom Gesetzgeber aufgegriffen wird.
Was aber noch schlimmer für mich ist: Ich verbreite auch Linux (und zwar mit Vergnügen), und das Spiel ist Bestandteil nahezu jeder Linux-Distribution. Es ist davon auszugehen, dass alle Linux-Distributoren zukünftig solche barbarischen Mordexzesse entfernen müssen, um weiterhin legal in der BRD vertreibbar zu bleiben.
Aber für unser aller Sicherheit müssen eben Opfer gebracht werden. Zum Beispiel kann einfach mal eben alles geopfert werden, was angeblich mit diesen Maßnahmen verteidigt werden soll. Wer den Massenmedien der BRD glaubt, ist konditioniert genug, um zu glauben, dass auf diese Weise in Zukunft jeder Mordlauf eines Verlierers des gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozesses verhindert werden kann.
Unterdessen schießt Schünemann fröhlich weiter in einem Verein, der jungen Menschen den effizienten und zielsicheren Umgang mit einer Schusswaffe beibringt. Und ich muss mir einen anderen Weg ausdenken, wie ich der Aufforderung “Wenden Sie sich an den Hersteller, wenn dieses Problem wiederholt auftritt” nachkommen kann.
5 Kommentare
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[...] Das Kabinettsmitglied, dessen politsche Vorstellungen am weitesten sowohl vom Grundgesetze der BRD als auch von jedem Minimalstandard der menschlichen Vernunft abweichen, ist immer der Innenminister. [...]
Das schlägt dem Faß ein für alle Mal den Boden aus.
Wer neben dem Abschiedsbrief auch das Video von ReistantX gesehen hat (http://video.google.de/videoplay?docid=-1179993028638523984) kennt seine wahren Beweggründe – da kann nicht länger behauptet werden das Pixelbilder auf einer Glasplatte dazu in irgend einer Form beigetragen hätten.
Ich bin dafür die Bezeichnung “Innenminister” in “Terrorminister” umzubenennen.
Also wenn unter das Killerspieleverbot auch die Jagd auf Tiere und das Militär fallen würde, könnte ich beinahe damit anfreunden. Aber das reale Schiessen aus purer Mordlust (sinngemäß lt. Zitat des Vorsitzenden des Bundesjagdverbandes) auf Lebewesen, die genauso leidensfähig sind wie Menschen, ist ja vollkommen harmlos im Vergleich zu “richtigen” Killerspielen im Computer ;->
Und ausserdem: was sollten die Parlament-Arier, Richter, Anwälte, Firmenbosse und Biathleten sonst mit ihrer Freizeit anfangen, wenn nicht Tiere totschiessen? Allein mit Jägermeister besaufen reicht nicht.
Ich empfehle, auf Herrn Schünemann den Kampfhundeerlass anzuwenden. Wesenprüfung (schon durchgefallen) und Maulkorbzwang.
[...] Das ist aber noch nicht alles, was in diesen zwei Tagen meiner Netabstinenz passierte. Ein mir besonders am Herzen liegender Blogger hat sich als Killerspielspieler geoutet. Ich fürchte, das wird böse enden. Hat doch unser niedersächischer Kampfhund Innenminister Schünemann dafür plädiert, nicht nur die Verbreitung von "Killerspielen", sondern auch deren Besitz mit bis zu zwei Jahren Haft zu bestrafen. Damit hat Schünemann Herrn Beckstein in der Zielgraden rechts überholt. Schünemann, at tachat shel dog mishuga gadol. [...]